Das Herzstück ...

Jetzt ging es weiter an die eigentliche Konstruktion, das Herzstück meiner Idee: Nachdem ich die Flachprofile an die Seitenwände angeschraubt hatte, nahm ich das genaue Maß von Mitte zu Mitte der beiden Profile und baute mir mit diesen Abmessungen zusammen mit dem Schlosser, bei dem ich auch schon die Flachprofile gekauft hatte, einen Tragrahmen aus Stahlprofilrohr von 20 x 30 mm. Das sind die Abmessungen, die auch die Lastbarren üblicher Dachträger haben, der Rahmen selbst hatte die Maße von 120 cm x 130 cm. Das ist nicht ganz das Maß der Hälfte des Dachzeltes im zusammengeklappten Zustand.

An dem Rahmen sind an der Unterseite, jeweils an den Ecken, vier senkrechte Streben angeschweißt, die alle vier am unteren Ende um 10 cm abgewinkelt sind. Diese abgewinkelten Fußstücke zeigen alle in die gleiche Richtung. Mit diesen "L-Füßen" (es handelt sich dabei um eine Konstruktion aus je zwei miteinander verschraubten und verschweißten Stücken des gleichen Flachprofils wie die Traghalterung), steht der Rahmen "aufgesteckt" auf den seitlichen Flachprofilen. 

Zwischen beiden Stücken Flachprofil der "Füße" sind mit M6 Schrauben drei Abstandsbuchsen aus Nylon mit einem Messingkern eingeschraubt. Der Abstand zwischen den beiden Fußprofilen beträgt 6 mm und passt so mit wenig Spiel auf das Tragprofil.

Die Last ruht nun auf den Nylonhülsen, die auch für den verminderten Reibungswiderstand beim Verschieben des Zeltes auf der Traghalterung sorgen. Da sie verschraubt sind, können diese Abstands- bzw. Gleithülsen bei Verschleiß leicht ausgetauscht werden. Um mir langatmige Erklärungen und Zeichnungen zu ersparen, hatte ich diese Füße, nachdem ich mir zuvor das passende Flachprofil gekauft hatte, schon selber angefertigt.

Auch die Gleithülsen entstanden dann auf meiner kleinen Drehbank. Der Schlosser brauchte so nur noch den Tragrahmen auf die schon fertigen Fußteile zu schweißen. Dabei war ich ja auch anwesend, konnte so direkt meine Vorstellungen kundtun und vermeiden, dass eventuell etwas falsch zusammen gefügt wird.

Eigentlich wollte ich die gesamte Trägerkonstruktion aus Edelstahl bauen lassen, aber der Kunstschlosser meines Vertrauens betätigte sich auch als Bewahrer meiner Finanzen und riet mir dazu, Edelstahl zu vergessen, ausgenommen, ich drucke mein Geld selber: Die Rohstoffpreise für V2A steigen schon längere Zeit durch die große Nachfrage am Weltmarkt, hauptsächlich durch China, wie Silvesterraketen.

Wir sollten alles aus normalem Stahl bauen, war sein Rat, und dann, wenn ich die Bohrungen und Anpassungen gemacht hätte und alles endgültig verschweißt wäre, die kompletten Teile verzinken lassen. Der Preisunterschied war tatsächlich spürbar und ließ mich darüber auch hinwegsehen, dass Edelstahl einfach besser anzusehen ist als verzinkter Stahl. Nun ja, einen Notgroschen hatte ich ja schon in Form der vielen Edelstahlschrauben verbaut ...

Eine kleines Dreieck aus Flachmaterial verbindet je einen der Füße mit den senkrechten 17,5 cm langen Streben, um diese gegen Abknicken zu stabilisieren. Um den Schwerpunkt so niedrig wie möglich zu halten, sind die senkrechten Streben gerade so lang bemessen, dass das Zelt mit der Unterseite nur knapp über dem Hängerdeckel steht ... 

Das Dachzelt lässt sich entweder so montieren, dass es in der Längsachse des Hängers aufklappt, dann müsste es mit der Breite von 140 cm quer zur Hängerlängsachse montiert werden. Bei einer Kastenbreite von 110 cm war das in diesem Fall keine sinnvolle Option. Also montierte ich das Zelt mit der Länge von 140 cm in Längsrichtung des 175 cm langen Kastens. So klappt das Zelt im rechten Winkel zum Hänger auf, 120 cm plus 120 cm macht eine Liegeunterlagenlänge von 240 cm bei einer Breite von 140 cm. 

Während die eine Hälfte des Zeltes fest auf dem Tragegestell und somit am Hänger befestigt ist, stützt sich die ausgeklappte Hälfte mit der klappbaren, aber am Zeltboden fest angebrachten Leiter auf dem Boden ab. Sie wird außerdem noch gehalten von den stabilen Scharnieren. Man kann das Zelt natürlich auch benutzen, wenn es mittig auf dem Hänger befestigt ist, hat dann aber keinen Zugriff auf den Inhalt des Hängers, der Deckel geht ja nicht auf. Für eine Übernachtung während der Fahrt ist es aber die schnellste Variante. Die wichtigsten Utensilien kann man in dem Fall ja auch im Fahrzeug mitführen.

Der Aufbau

Meine Idee war nun folgende: Die "Füße" sind für die Fahrt mit vier 8 mm Schrauben durch das Flachprofil hindurch fest mit diesem verschraubt. Es handelt sich hier um Schrauben mit Kunststoff-Knebelgriff, sie sind einfach und ohne Werkzeug zu lösen. Zum Schutz vor Diebstahl kann man hier natürlich auch die handelsüblichen abschließbaren Sternschrauben wie bei einem Dachträger verwenden. Wenn man nun das Zelt so aufbauen möchte, dass auch der Zugriff auf den Hängerinhalt gewährleistet ist, geht man wie folgt vor:

Zuerst löst und entfernt man alle vier Halteschrauben. Nun stellt man sich über die Deichsel des Hängers und zieht das Zelt in Richtung Deichsel. Man zieht es gerade soweit vor, bis die beiden ersten senkrechten Streben über das Flachprofil herausragen und dabei etwas über die Hängervorderkante herausstehen. Durch die L-Form des Fußes steht das Zelt immer noch komplett auf dem Flachprofil, man muss also das Gewicht noch nicht tragen.

Nun kommt der Trick: Es gibt zwei runde Verlängerungsprofile, die man jetzt in je eine auf der Rückseite der senkrechten Strebe angeschweißten Hülse einsteckt. Dazu muss man jeweils kurz das Zelt etwas anheben, so dass man das Verbindungsstück in die Hülse stecken kann.

Um den gesamten Aufbau zu stabilisieren, kann man in die Hülsen am Rahmen einen S- Haken einhängen und den Aufbau mit je einem Spannseil und Häring nach rechts und links abspannen. In Längsrichtung stabilisiert nun die Verbindung zum Hänger, in Querrichtung die Abspannung.

Der Deckel des Hängers bleibt frei und kann geöffnet werden. Je nach Beschaffenheit des Bodens kann man noch Platten aus Holz, Kunststoff oder Blech, z.B. Reste des Riffelblechs mit einer Größe von ca. 15 x 15 cm unter die Auflageteller der Stützen, der Verlängerungsprofile und das Stützrad legen und so das Einsinken auf zu weichem Untergrund verhindern.

Das Dachzelt überdeckt die gesamte Deichsel des Hängers. Zelt und Hänger stehen in einen rechten Winkel zueinander. In diesem Winkel kann man nun sitzen und ist wind- und sichtgeschützt, wenn man z.B. an die Außenseite des ausgeklappten Teils des Zeltes eine passende Plane einzippt. Abends kann man Tisch und Stuhl/Stühle unter das Zelt stellen und so vor Regen und Tau schützen ... 

Man kann auch an das Dachzelt umlaufend drei Planenteile einzippen und einen kleinen geschützten Raum unter dem ausgeklappten Teil des Zeltes bilden. Es gibt dazu vom Hersteller schon fertig konfektionierte Zeltplanen. Da das Zelt aber nicht in der üblichen Höhe montiert ist, passen die etwa 180 cm langen Planenstücke nicht direkt. Hier sind dem Basteltrieb keine Grenzen gesetzt. Meiner ist enorm: So kam noch eine kleine, aber praktische Spielerei an die Ecken der Zeltbodenplatte.

Da sich das Zelt aufgeklappt etwa in Brusthöhe befindet, läuft man bei Dunkelheit eventuell Gefahr das grüne Zelt nicht rechtzeitig wahrzunehmen und vor die Kante zu laufen. An den Ecken befestigte ich je ein 5 cm langes durchsichtiges Kunststoffröhrchen mit einem Durchmesser von innen 6 mm. Da hinein kann man nun, wenn gewünscht, je eins dieser kleinen Angel Knicklichter stecken, die sich bei den bekannten Discountern ab und an im Angebot finden. Die leuchten etliche Stunden und man kann problemlos die Abmessungen des Zeltes ausmachen und ist durch das bunte Leuchtstäbchen auch überhaupt vor einem Hindernis gewarnt ...


© 2007 Bernd van Ooy (Lodjur)