Aufstieg: Zum Schloss Ambras ...

Wo war man eigentlich im Rahmen unserer "Tirol-Saga" bisher noch nicht? Da muss selbst die "Kennerin" im Team schon etwas länger nachdenken, um die Idee eines neuen Ziels zu präsentieren: Wir wollen zu Fuß etwas höher steigen aus den Niederungen der City und ein historisches Schloss besuchen, zuvor allerdings noch eine Waffensammlung besichtigen, die jeder gesehen haben sollte, der sich für die historisch wilden Zeiten rund um Innsbruck und auch Kufstein interessiert.

So steht also zunächst ein städtischer Fußweg zum Zeughaus auf dem Programm, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts vom einstigen römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. erbaut wurde und heute das kulturgeschichtliche Museum Tirols beherbergt. Nach seinem Bau stellte es die größte Waffenkammer seiner Zeit vor den Toren Innsbrucks dar und war das Lager von rund 150 Geschützen, darunter auch die historisch bekannten und damals größten Kanonen "Purlepaus" und "Weckauf". Mit denen wurde die Burg Kufstein erfolgreich von den Bayern zurückerobert, womit wir uns beim Kufstein-Besuch 2016 anlässlich des damaligen Weihnachtsmarktes bereits näher befasst hatten.

Vorbei am Fuß der berühmten Bergiselschanze, von der aus man nicht nur zu Zeiten der Vierschanzentournee atemberaubende Blicke hinunter nach Innsbruck genießen kann, machen wir uns auf den Weg und erreichen schließlich das Zeughaus. Das Erstaunen insbesondere beim ehemaligen "Innsbruck-Kind" im Team ist groß, als sich dort herausstellt, dass sämtliche Waffen verschwunden sind, die hier noch Anfang der sechziger Jahre besichtigt werden konnten ...

Nur noch zwei einsame Kanonen ... Das Zeughaus nun entmilitarisiert ..? Heute kulturgeschichtliches Museum Tirols

So geht später nach Rückkehr eine Anfrage per Mail sowohl an die Leiterin der Besucherkommunikation als auch an die "Kustodin" für Historische Sammlungen im Zeughaus. Die damals vorhandenen Ausstellungsstücke sind bis auf ein paar Kanonen im Eingang des Außenbereichs verschwunden, und es wird angefragt, ob man mehr über deren Verbleib mitteilen könne.

Die Antwort beider Damen war identisch: Es gab keine. "Schwaches Bild" kann man daraufhin nur feststellen, etwas mehr "Kommunikationsfreudigkeit" hätte man sicher auch gern von diesen "musealen" Damen erwartet. Aber vielleicht weiß man so etwas heute als "Kustodin" oder Kuratorin  überhaupt nicht mehr, es handelt sich ja um historische Sammlungen in den tiefen sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ..!?

Enttäuscht verlassen wir aber bereits auch schon bei unserem Besuch das Zeughaus: Nun also weiter zum nächsten Ziel, das Schloss Ambras wird angesteuert. Diesmal müssen wir wieder in die Straßenbahn steigen, die bis zum südöstlichen Stadtteil Amras fährt, über dem dieses Schloss mit dem noch zusätzlichen "b" im Namen auf über 600 Meter Höhe und damit rund 100 Meter über dem Inntal liegt ...

Die berühmte Bergiselschanze ... ... und beim Aufstieg zum Schloss wieder DER Blick auf Innsbruck ...

Wir verlassen die Straßenbahn an ihrer Endstation und machen uns erneut auf den Fußweg, diesmal hinauf zum Schloss. Vorbei am "Tummelplatz Erhaltungsverein Amras" und unter der Inntal-Autobahn hindurch, wo eine Treppe und anschließende Wege hinaufführen in den Schlosswald. Das Schloss selbst erreicht man dann je nach Kondition mehr oder minder keuchend. Die herrliche Umgebung wird standesgemäß bereichert durch einige stolze Pfaue, die einen großartigen Garten ihr eigen nennen können und dies auch ab und zu unüberhörbar hinausschreien.

Das Schloss war im Hochmittelalter Sitz der oberbayrischen Grafen von Andechs (Ja, ja, lange ist´s her! ) und hat seitdem eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es liegt in einer schönen Parkanlage und beherbergt heute diverse Sammlungen, darunter eine "Kunst- und Wunderkammer" und verschiedene "Rüstkammern", die wir zunächst besuchen.

Als ganz spezifische Sammlung erstmals im 16. Jahrhundert durch den damaligen Erzherzog Ferdinand II. aufgebaut, sollten die Rüstkammern mit speziell für diesen Zweck erworbenen Exponaten zunächst die große historische Bedeutung der Habsburger unterstreichen. Auch die aktuelle Präsentation ist dem historischen Konzept nachempfunden und wurde in der Zwischenzeit noch erweitert ...

Schloss Ambras Beeindruckende Lage ... Die aktuellen Herrscher? Schönheitsbewusster Auftritt ... 
Auf zur Heldenrüstkammer! Trabharnisch Erzherzog Maximilian III. ... Der Bartlmä Bon weckt das Interesse ... Ja, bei dem ist alles so groß! 
Knabenharnische mit Schattenspielen ... Auch ein Pferd will gerüstet sein ... Eingebaute Lanzenhilfe ..? Dieser Truppe möchte man nicht begegnen ... 
Weitere Rüstungen für Mensch ... ... und Tier ... Überzeugender Auftritt zu Pferde!

Wir gehen vorbei an Schaukästen der "Heldenrüstkammer", an "Gebrauchswaffen" des 17. Jahrhunderts in einer anderen Kammer sowie Selbstdarstellungen des ursprünglichen Sammlers. Die Exponate fallen bereits durch ihre Bezeichnungen auf, so gibt es Rüstungen zu sehen wie den "Riefelharnisch des Philipp Pfalzgraf bei Rhein", "Trabharnisch des Andreas Teufel von Guntersdorf", "Feldharnisch von Herzog Ferdinand von Bayern", "Sieben Knabenharnische", auch zusätzliche militärische Ausrüstung wie "Stechzeug", "Reissspiesse" und anderes.

Recht auffällig der "Knechtsharnisch und Kostüm des Bartlmä Bon". Dieser aus Riva del Garda stammende Knecht soll eine Größe von 2,60 m gehabt haben und galt als "Wunder der Natur". Er diente bei Ferdinand als "Hofriese" und war offenbar überall so riesig ausgestattet, wie interessierte Besucher*Innen beeindruckt feststellen können ...

Aufgrund des bereits umfangreichen heutigen Programms besuchen wir nur noch die "Kunst- und Wunderkammer" mit ihren recht interessanten und originellen Exponaten, bis wir uns wieder auf den langen Rückweg nach Kranebitten machen. Unser Fazit auch für heute: Der Ausflug hat sich wie üblich gelohnt!

Am Montag, den 25.06.2018, machen wir uns wieder auf den Rückweg Richtung München: Für das wenig glorreiche Ende deutscher WM-Auftritte erweist sich das stille Kämmerlein zu Hause bei weitem besser geeignet als Innsbrucker Kneipen, wovon die Erinnerung an frühere Fußball-Erlebnisse dort problemlos überzeugen kann ...


© 2019 J. de Haas