Vorbereitungen: Ein Fahrzeug muss her ...

Der nördlichste Punkt des australischen Kontinents: Das Gebiet wird als "Wet Dessert" bezeichnet, da der Boden kaum fruchtbar ist, obwohl es einem halbjährlichen Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeit unterliegt.

Da war aber auch schon das nächste Problem, wie komme ich da hin? David, ein Arbeitskollege von mir, war schon mal da oben gewesen und durch seine Erzählungen wurden meine Vorstellungen von Cape York konkreter. Meine geplante Reisezeit erschien passend, da die Regenzeit (November bis Mai) gerade vorüber sein würde und die Wege bis zu meiner Ankunft wieder befahrbar sein sollten ...

Dr. Billy ...Die nächste Zeit verging mit Umhören, Infos sammeln und Tips zum "Offroaden" suchen. Mir war ziemlich schnell klar, dass ich ein eigenes, geländegängiges Fahrzeug brauchte, weil man sonst nur mit teuren und fremdorganisierten Touren dort hin kam. Mit einem gemieteten Geländewagen, von Britz oder sonst wem, darf man so entfernte und schwer zu befahrene Strecken nur mit Sondererlaubnis benutzen. Die von mir gewählte Route über die "Old Telegraph Line Road" hatte allerdings nicht gerade die besten Chancen, genehmigt zu werden, da sie als eine der größten Allrad-Abenteuer in ganz Australien gilt. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Mietwagen für 3 Monate viel zu teuer geworden wäre. 

Da es nicht meinen Vorstellungen von Urlaub entsprach, eine festgelegte Route mit 15 Leuten gemeinsam zu fahren und ich dort anhalten wollte, wo es mir gefällt, musste halt Eigeninitiative ergriffen werden. Das bedeutete einen tiefen Griff ins Portemonnaie. Auf meiner Suche nach einem Toyota oder Land Rover habe ich viele Grotten und Blender gesehen, aber dann auch ein passables Fahrzeug gefunden. Es war ein Land Rover, Series 3 (109er), Ex-Army Funkwagen mit 2.6 ltr. Benziner, Sechszylinder, Long Wheel Base, Soft-Top, Freilaufnaben, guten Reifen und massivstem Überrollkäfig - alles für 7.000,- DM. Von der serienmäßigen Langsamkeit und Geräuschkulisse fange ich hier gar nicht erst an ... 

Zwei Tage später war er meiner und da mein Landy besser sein wollte als seine Kollegen und die bekanntlich nicht "ganz dicht" sind, kam das Verdeck gleich mit kopfgroßen Löchern daher. Die Undichtigkeit anderer hatte er damit um ein Vielfaches übertroffen und nach der ersten Testtour über die Osterfeiertage, als es "Katzen und Hunde" regnete, stand fest, dass es so nicht weitergehen konnte. Gaffer-Tape (ultrastarkes Klebeband) hält eben doch nicht alles zusammen: Ein Swimmingpool ist nett, aber nicht im Auto! Da das Dach zu spröde zum flicken war, wurde ein Händler aufgesucht, der gebrauchte Teile verkauft. So einen gab es auch in Sydney, nur eine Stunde Fahrt vom Zentrum entfernt und nach telefonischer Auskunft hatte er mehrere Soft-Tops. Doof nur, dass sich die Army-Verdecke von denen der "Zivilisten" unterscheiden. Ein neues Verdeck war zu teuer und so habe ich mich dann für ein gebrauchtes Hard-Top für 360,- DM entschieden: Das hat sich im Nachhinein auch als richtig erwiesen (Staub, Regen, Einbruchsicherheit) ...

That´s a Camp ..!

Insgesamt ließ ich recht viel Geld bei dem Händler, aber eine gute Vorbereitung auf so eine Tour kann lebenswichtig sein. Der Landy wurde mit einem Funkgerät, den gängigsten Ersatzteilen, höhergelegten Achsentlüftungen, einem zweiten Reserverad, 3 x 20 Liter Blechkanistern und einem Werkzeugkasten ausgestattet (sollte man als Kfz-Mechaniker immer dabei haben, gelle ). Eine selbstgebastelte Hecktürkombination - unten schwenkbar und oben geklappt, er hatte vorher einen "runden" Einstieg -, Feuerlöscher, Dachgepäckträger und diverse andere Sachen fanden auch noch Verwendung. Irgend wann sah Dr. Billy (so hieß der Landy inzwischen), recht wohnlich und komfortabel aus ...

In der Zwischenzeit hatte ich gute Tips über Fahrtechniken und Fahrzeugpräparierung aus dem Buch "4-Wheel-Driving - go Bush" erhalten und mich auf Cape York mit dem Buch "Cape York, An Adventurer´s Guide" von Ron and Viv Moon vorbereitet. Jedem, der einmal in der Gegend von Cape York unterwegs sein sollte, kann ich diesen Guide nur wärmstens empfehlen. Neben tollen Hintergrundinfos sind "Trek-Notes" enthalten, die sehr gute Tipps zu einzelnen Streckenabschnitten und Flussdurchquerungen beinhalten. NIEMALS OHNE durch Cape York!! Ergänzt werden sollten die Vorbereitungen noch durch eine gute Karte, wie z.B. der Crocodile Map, die es nur in den "Crocodile-Souvenirshops" von Cooktown und Cairns zu kaufen gibt. Sie wird in regelmäßigen Abständen von den "Locals" überarbeitet und ist meist auf dem aktuellsten Stand. Die überall zu bekommende "Hema Map" ist dagegen bunter, aber auch mit Fehlern behaftet (wir wollten zweimal Tracks fahren, die schon seit Jahren vor dem Erscheinungsdatum der Karte nicht mehr existierten).

Die Zeit verging kaum und ich konnte es gar nicht mehr abwarten, bis es endlich losging. Die Wartungsarbeiten an Dr. Billy waren erledigt und ein Bett auch schnell improvisiert: Ein Kabelbrand hätte zwei Wochen vor Abfahrt fast alle Pläne zunichte gemacht. So aber war am geplanten Abfahrtstag, dem 11. Mai ´99, schließlich doch noch alles startklar. Eine gute Freundin war zwei Tage zuvor ebenfalls eingeflogen und es konnte losgehen ..!


© Text/Bilder 2001 Henning Schulz-Streeck