Das Abenteuer beginnt ...

Unsere Tour von Sydney bis nach Cairns ist eine eigene, sehr schöne und interessante Geschichte, die ich vielleicht später einmal aufschreiben werde und bei der aus der "guten Freundin" schließlich "die Meine" wurde. Dennoch war in Cairns Abschied nehmen angesagt, da sie wieder nach Hause und zurück an die Arbeit musste ...  

Allein wollte ich aber auf gar keinen Fall das große Abenteuer Cape York angehen und so machte ich einen Aushang im "Backpackers" von Cooktown. Zwei Tage später stand fest, dass ein englisches Pärchen, Steve und Deb, beide unterwegs mit Geländemotorrädern (Yamaha XT 600), mitkommen würde. Inzwischen hatte ich selbst auch schon etwas Übung im Umgang mit Dr. Billy: Bisher war ich ca. 5.500 km gefahren und hatte das 4WDriving auf Fraser Island, der weltgrößten Sandinsel, trainiert.

Am 30. Juni war es endlich soweit: Mit frischen Vorräten, vollen Tanks und Benzinkanistern sowie Frischwasser starteten wir zu unserem großen Abenteuer ... 

Den ersten Zwischenstop gab es kurz vor Laura (Aboriginal Community) bei der "Split Rock Aboriginal Art Gallery", dort gibt es Felszeichnungen, die bis zu 40.000 Jahre alt sind. Der Aufstieg bei über 40°C ist nicht gerade einfach, aber eine frische Brise, tolle Ausblicke und die Eindrücke der Wandmalereien sind durch nichts zu überbieten ...

Split Rock Art  und ... ... ein Baby Kangoo ...

Auf dem Parkplatz hatten wir Einheimische getroffen, die gerade ein kleines Känguru neben seiner toten Mutter auf der Straße gefunden hatten und es zur Aufzucht mit nach Hause nehmen wollten: Sind schon süß, die Dinger!

Wir erreichten einen "wilden" Zeltplatz an einem kleinen Fluss. Nach den ersten 150 km waren wir ganz schön staubig, dachten wir zumindest - wir sollten aber noch lernen, was es heißt, Staub zu "fressen"! Wir schlugen unser Lager auf und verbrachten die Nacht am Fluss.

Auf der Peninsula Developmental Road: Von Dips und Road Houses ...

Über die Peninsula Developmental Road ...Wir waren langsam gespannt auf die ersten richtigen Sandpisten und das Gelände. Es ging am nächsten Tag weiter über die Peninsula Developmental Road, vorbei am Musgrave Road House, wo auch Flugzeuge landen und tanken.

So ein "Road House" ist auf dem Weg die einzige Möglichkeit, Vorräte, Kraftstoff oder ein kaltes Bier zu bekommen. Oft aber ist das Angebot von den selten, aber regelmäßig fahrenden "Road Trains" abhängig. Man bekommt also nie alles und das auch nicht immer frisch, aber die dringend benötigten Vorräte sollte man ja sowieso schon im Auto haben. 

Wenn in der Beschreibung steht, dass man "minor repairs" am Road House machen könnte, dann sind auch nur "kleine Reparaturen" gemeint. Als ich z.B. vor dem Musgrave Road House einen Reifen wechseln wollte und das originale Werkzeug zusehends "nachgab", meinte ein älterer Herr, dass ich doch auf den Road Train warten solle, der hätte bestimmt passendes Werkzeug dabei. Tolle Idee, dachte ich, und auf die Frage, wann der denn wieder vorbei kommen würde, bekam ich "in 2 oder 3 Tagen" zur Antwort, hmmm...?! 

Da fragte ich doch lieber hier im Road House nach passendem Werkzeug. Und wurde nach einer halben Stunde Sucherei im endlosen Kuddelmuddel der Werkstatt auch fündig. Begleitet von dem gutgemeinten Vorschlag des besagten Herren, doch vom Dach aus auf den Knebel zu springen, um die festsitzenden Radmuttern ohne Kraftaufwand zu lösen, wechselte ich den Reifen auf meine (unartistische) Art und Weise und war schließlich froh, wieder weiter (weg!) zu kommen.

Zurück auf der Peninsula Developmental Road begann es im Wagen immer stärker nach Bier zu riechen. Woher kam das?! Ein Blick unter das Bett löste das Rätsel: Die in den Pappkartons gelagerten Bierdosen hatten sich durch die Kombination von Wellblechpiste und der harten Federung des Landys so stark aneinander gerieben, dass sie mittlerweile durchgescheuert waren. Vier Dosen waren für immer verloren! Die Restlichen packte ich so, dass sie sich möglichst wenig aneinander reiben konnten. Alle Eventualitäten konnte ich aber nicht ausschließen und so musste ich mich während der Tour, begleitet von dem bekannten Geruch, nach und nach von einem Viertel aller Dosen nebst Inhalt verabschieden. Dabei ist es so schön, abends am Lagerfeuer eine Dose warmes Bier schlürfen zu können, eine Zigarette zu rauchen (?), sich über die Geschehnisse des Tages auszutauschen und dabei in die Sterne zu gucken. So blieb mir aber ja wenigstens der Geruch in der Mittagshitze erhalten ...

Und so sieht sie aus: Die Developmental Road ... Steve´s "Dip" ...

Auf der Wellblechpiste gab es auch noch die "Dips": Das sind trockene, feuchte, matschige oder unterschiedlich tief mit Wasser gefüllte Kuhlen, die den Weg kreuzen. Wenn man ein Warnschild sieht, kann man meist den Dip noch gar nicht sehen, weil er in der Regel tiefer als der restliche Teil des Weges liegt. Aber: VORSICHT ist immer geboten, weil ein Dip auch mal das Fahrzeug einen guten Meter ins Wasser "dippen" kann. 

Die Motorräder fuhren zumeist voraus, was den Vorteil hatte, dass ich die Tiefe etwas besser abschätzen konnte. Leider ist ein Landy breiter als ein Motorrad und so konnte ich nicht immer den gleichen Weg nehmen und es blieb etwas Ungewissheit übrig.  

Genau das hat dann auch ein Problem verursacht: In einem von mir völlig unterschätzten Dip ist der Ventilator ins Wasser eingetaucht und hat sich nach vorne bis in den Kühler gebogen. Das Ergebnis waren drei zerschlagene Kühlrippen, begleitet von Kühlwasserverlust und einer steigenden Motortemperatur. Als es passierte, war es schon spät und wir waren noch 35 km von Coen entfernt, der letzten Ortschaft auf unserem Weg zur Spitze. Die Nacht verbrachten wir erst mal im Busch und warteten mit der Fahrt nach Coen bis zum nächsten Tag, schließlich waren wir schon 7 Stunden unterwegs und unsere Mägen meldeten sich immer stärker.

Reparaturaufenthalt in Coen ...Die verbleibende Strecke schafften wir am nächsten Morgen mit 10 Litern Wasser, ständigem Blick auf die Motortemperatur und maximal 50 km/h. In Coen gibt es eine kleine Werkstatt, die man nicht verfehlen kann, da der Ort nur aus zwei Straßen besteht. 

Dort angekommen, bauten wir den Kühler aus und der wurde uns dann auch für 30 AU$ (35,-DM) gelötet. Es dauerte alles recht lange und so verbrachten wir die Nacht gleich gegenüber auf dem Campingplatz. Wir gönnten uns eine letzte Dusche für die nächsten Tage.

Der nächste Tag brachte den Aufbruch zum Archer River Roadhouse, das erst mal unsere letzte Anlaufstelle war. Danach ging´s in den Busch! Wir entschieden uns für einen Abstecher zur Lockhart River Aboriginal Community: Eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Strecke, die uns durch den Iron Range Nationalpark führte, der berühmt ist für seine Vogelvielfalt. Nach eineinhalb Tagen hatten wir die 140 km hinter uns ... 


© Text/Bilder 2001 Henning Schulz-Streeck