WK I: Die ersten Panzer der Welt

Die Briten legen nach: Der "Mark A Whippet"


Leichtere Panzer gefragt

Bereits kurz nach dem Ersteinsatz der Panzer vom Typ MARK I im Herbst 1916 begannen die Briten, sich Gedanken über leichtere und schnellere Kampfwagen zu machen, die letztlich die herkömmliche Artillerie unterstützen und die schweren Panzer ergänzen sollten. Wesentlicher Konstrukteur war auch in diesem Segment der "leichten" und späteren "mittleren" Kampfwagen erneut der Schöpfer des ersten Vorläufers der MARK-Familie "Little Willie": Der bereits im obigen Beitrag erwähnte William Tritton.

Mark A Whippet ...Der Konstrukteur begann im November 1916 mit der Entwicklung des zunächst als "Tritton Chaser" bezeichneten Prototyps eines neuen britischen Panzers. Dieser Kampfwagen hatte nur noch eine zweiköpfige Besatzung und bereits einen drehbaren Turm mit nur noch einer einzigen Kanone, dem Lewis Maschinengewehr Kaliber .303 inch (7,7 mm).

Der im März 1917 vorgestellte "Tritton Chaser" war mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 13 km/h etwa doppelt so schnell wie die schweren britischen MARK-Panzer und genauso manövrierfähig, allerdings wegen der geringeren Kettenabmessungen weniger geeignet für die Überquerung großer Schützengräben.

Die Zweimann-Besatzung war bei der Bedienung des Gerätes ziemlich überfordert: Der überlastete Fahrer saß in einem getrennten schmalen Aufbau, der Kommandant und Bordschütze eingezwängt in seinem engen Turm.

Der Prototyp wurde aufgrund dieser Erfahrungen zügig umgebaut und weiter entwickelt zu einer Nachfolge-Version mit der Bezeichnung Mark A "Whippet" (Windhund).

Der drehbare Turm wurde wieder abgeschafft zugunsten eines konventionellen rechteckigen größeren Aufbaus mit einer hinteren Tür, der nun drei bis zu vier Besatzungsmitgliedern Raum bot, was die Kommunikation untereinander erleichterte und die dadurch mangelnde Gefechtsfähigkeit des Prototyps verbesserte. Die Lenkung des Panzers unter verschiedenen Geländebedingungen über beide Ketten mit zwei ungekoppelten Motoren und eigenen Getrieben war unverändert schwierig. Die Bewaffnung erwies sich später als relativ schwach.

Dublin 1919: Siegesparade mit "FANNY ADAMS" ...Gebaut wurden die Tanks ebenfalls wieder von der Firma William Foster & Co. Im Sommer 1917 wurden die ersten 200 Kampfwagen von der Armee bestellt, die bereits im Herbst des Jahres zur Auslieferung kamen. Neben individuellen Namen erfolgte eine Nummerierung der Serie von A200 bis A399, auch um keine Hinweise auf die Gesamtzahl der produzierten Tanks zu geben.

Die ersten Einsätze der Whippets erfolgten in geringer Zahl im Dezember 2017 an der Westfront. Erst im letzten Kriegsjahr änderte sich das Bild, der erste größere Einsatz fand im März 1918 statt bei der Abwehrschlacht im Rahmen der deutschen Frühjahrsoffensive. Nur sehr wenige einzelne Exemplare wurden dabei auch wieder Beutepanzer der Deutschen und instandgesetzt sowie für den Fronteinsatz vorbereitet. Zu den verschiedenen Einsätzen gibt es teils ausführliche Historien. So finden sich z.B. Darstellungen einer Panzerschlacht am 24. April 1918: Mehrere Whippets gehen dabei verloren, unter anderem einer mit der Bezeichnung A256. Dabei kommt es auch zu einer Begegnung mit "Schnuck" (504), unserem Modell vom deutschen A7V aus dem vorigen Beitrag.

Das Bild oben links zeigt eine von Whippets angeführte Siegesparade in Dublin im Juli 1919, bei der auch drei MARK V Tanks diesen folgen. Einer der Tanks auf dem Bild ist das Vorbild unseres Modells, der A351 "FANNY ADAMS". Auch nach Kriegsende wurden bis ca. 1920 noch Whippets in diversen Bürgerkriegen eingesetzt. Gemeinsam mit den Tanks der MARK-Familie waren sie Ausgangspunkt für Medium B, C, D etc. genannte Weiterentwicklungen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Ausstattungsmerkmale des Mark A "Whippet"

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Der "Whippet" hatte rundherum nach allen Seiten vorn, hinten und seitlich wieder die bis dahin übliche Waffenanordnung, und zwar vier Hotchkiss MK1 .303 inch (7,7 mm) luftgekühlte Maschinengewehre. Der Tank des Panzers wanderte von hinten beim Prototyp "Tritton Chaser" nach vorn beim "Whippet", unter anderem zur Verbesserung des Schwerpunktes.

Auffallend ist der Kettenantrieb des leichteren Panzers, der im Gegensatz zu den schweren MARK-Tanks nicht mehr rombusförmig umlaufend ist, jedoch über die gleiche Breite der Kettenglieder verfügt. Der Panzer ist als "mittlerer Tank" eingestuft und verfügt über folgende Abmessungen: Länge 6,08 m, Breite 2,58 m und Höhe 2,75 m. Seine Bodenfreiheit beträgt 50 cm, die Watfähigkeit 80 cm.

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Er hat bereits eine Reichweite von 100 - 130 km und wird von zwei 4-Takt-Vierzylinder-Ottomotoren angetrieben mit jeweils (heute fast unvorstellbaren! ) 45 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 13,5 km/h. Die Panzerung des Tanks hat eine Stärke von 6 mm bis 16 mm.

Literatur

  • British Battle Tanks, World War I to 1939,
    David Fletcher, © 2016 Osprey Publishing Ltd., ISBN 978-1-4728-1755-6
  • Medium Mark A Whippet, David Fletcher,
    © 2014 Osprey Publishing Ltd., ISBN 978-1-78200-398-4
  • British Mark IV Tank, David Fletcher,
    © 2007 Osprey Publishing Ltd., ISBN 978-1-84603-082-6
  • Panzerkampfwagen im Ersten Weltkrieg, Wolfgang Fleischer,
    © 2017 Motorbuch-Verlag Stuttgart, ISBN 978-3-613-03972-8

Das Modell

Auch dieser hervorragende Kartonmodellbausatz stammt wie die beiden vorherigen in unserer Serie vom polnischen Verlag Modelik und hat ebenfalls natürlich wieder den Maßstab 1:25. Zu diesem Bausatz Rok VIII (XV) Nr.25/04 ISSN 1428-3840 gilt alles bereits zu den beiden anderen Modellen gesagte: Stabil wie ein Plastikbausatz, detailliert bis in die Einzelheiten und insgesamt eine tolle Qualität.

Da wir hier allerdings keine Bauanleitung unseres begnadeten "Vorbauers" der beiden bisherigen Modelle mehr fanden, mussten wir uns diesmal ganz allein den Herausforderungen des wieder in polnischer Sprache vorliegenden Modells stellen und fanden etwas Verblüffendes heraus. Da wir diesmal nicht wie zuvor auf unsere Kosten eine "Übersetzungs-Gemeinschaft" fördern wollten, versuchten wir es mit einem anderen Verfahren. Wir scannten die polnische Anleitung ein und übersetzten sie mit Google-Translate: Zu unserer Überraschung ist die Übersetzung (wie auch bei dem nächsten Modelik-Folgemodell) derart gut, dass man die Texte problemlos und flüssig lesen kann.

Dabei erweist sich auch, dass man sie eigentlich sogar nur selten braucht, wenn man sich einmal in die Modelik-Welt eingearbeitet hat: Durch die detaillierte Bildanleitung und die genaue numerische Abfolge der Bauabschnitte braucht man sie eigentlich kaum, wenn man sich einmal an bestimmte Problembereiche wie z.B. die Kettenfertigung gewöhnt hat. Trotzdem muss natürlich darauf hingewiesen werden, dass es sich auch hier insgesamt doch um ein kompliziertes Modell mit unendlich vielen Einzelteilen einschließlich Kettengliedern handelt, das sicherlich die Geduld des einen oder anderen manchmal etwas überstrapazieren kann ...

Modelik Bausatz Mk "Whippet" Geschafft: Unser Modell steht!

Das wieder preiswerte Modell (Baubogen ca. 10,- EUR, Lasercutsatz 6,- EUR, Stand 12/18) hat für uns einen großen Vorteil: Ein noch vorhandener Kettensatz vom Mark IV kann hier problemlos verwendet werden, den es für den Whippet nicht gibt und der wegen identischer Kettenbreite und Ausgestaltung genau passt, was viel Arbeit spart.

Allerdings ist speziell dieses Modell auch ein wenig hinterlistig: Wenn man nicht aufpasst und vorher alles genau prüft, baut man unter Umständen auch Teile, die später nicht oder kaum sichtbar sind. Man bringt dafür dann wie wir z.B. auch aufwendige Bohrungen am Modell an, die später wieder überklebt werden. Das gilt hauptsächlich für den Kettenantrieb, was besonders ärgerlich ist, da er auch mit den gut sichtbaren Teilen genug Aufwand erzeugt. Falls man nicht das Original genau nachvollziehen will und sich auf sichtbare Teile beschränkt, muss man nicht unbedingt auch noch viele zusätzliche Antriebsteile bauen, die später kaum sichtbar sind wie z.B. die Kettenantriebs-Zahnräder hinter der Abdeckung.

Unser Modell stellt den tatsächlich seinerzeit vorhandenen A351 "FANNY ADAMS" dar, der den Weltkrieg überlebt hat und so auch an der Parade bei der Siegesfeier im Juli 1919 in Dublin teilnehmen konnte (Bild weiter oben links). Dieser Panzer trägt auch eine gegen Kriegsende übliche Farbgestaltung britischer Tanks: Eine weiß-rot-weiße Bemalung zu seiner Kavallerie-Zugehörigkeit ist zu sehen, die auch insbesondere bei den Panzern der MARK-Familie zur Unterscheidung von Beutepanzern durch die Luftwaffe diente.

Auch dieses Modelik-Modell hat wieder den üblichen Vorteil für uns: Man kann es wie die anderen problemlos "einschmutzen", so dass es aussieht wie man sich ein derartiges Gerät im Einsatz vorstellen muss. Und das wurde auch hier in ausreichendem Umfang gemacht, so dass es wie aus dem Gelände kommend wirkt. Ebenfalls ein spannendes und attraktives Kartonmodell, das wieder mit seiner bizarren Erscheinungsform bestens in unsere Serie passt!


Bauanleitung in Bildern Der FANNY ADAMS in der Entstehung ... Stabiles Kartonmodell als Basis ... Detaillierung und Darstellung der Bauanleitung vorbildlich
Weiterer bizarrer britischer Tank ... Rückkehr zum rechteckigen Aufbau Bewaffnung nach allen 4 Seiten ... Weiß-rot-weiße Kennzeichnung wie später üblich
Doppelte Geschwindigkeit der schweren Panzer der MARK-Familie Unterscheidung von Beutepanzern durch die Luftwaffe ..? Platz für 3-4 Besatzungsmitglieder im Aufbau Hoher Detaillierungsgrad des Modells
Verschmutzung angesagt! Kettenspanner ... Auspuff und Entlüfter ... Kettensatz vom MARK IV brauchbar ...
Abkehr vom drehbaren Turm des Prototyps ... Bessere Kommunikation zwischen Fahrer und Kommandant ... Bewaffnung insgesamt zu schwach ... Tank nun vorn angebracht ...

© 2019  J. de Haas


Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Jürgen finden sich in unserer Autorenübersicht!