Auf nach Süden ...

Sehenswert ist der schönste Souvenirladen des Alaska Highways, der Beaver Post, der sich genau an der Kreuzung Alaska Highway / Cassiar Highway befindet.

Von Jade-Schmuck über indianisches Handwerk bis hin zum T-Shirt aus der  Massenproduktion ist hier alles zu finden. Besonders schön sind die vielen ausgestopften Tiere, die den Innenraum und die Veranda schmücken.

Nur wenige Kilometer weiter erreicht man Watson Lake. Während der Durchfahrt stößt man auf ein schon merkwürdiges Kunstwerk: Einen Schilderwald. Über 50.000 Schilder hängen hier an den Pfosten, man braucht mehrere Stunden, um sich wirklich alles anzusehen. Ortsschilder aus der ganzen Welt, Autokennzeichen und Wegweiser, selbstgemachte Holzschilder und Hinweistafeln sind zu finden, sogar ein DDR-Warnschild hängt dort ...

Rund 150 km hinter Watson Lake befände sich eine weitere heiße Quelle, die wir unbedingt besuchen sollte, sagte man uns. Im Wald versteckt fanden wir sie dann auch schließlich: Ein Campground an der Straße sowie ein großer Park- und Spielplatz wiesen auf die Quelle hin. 

Ein Holzpfad auf Pfählen bringt die Besucher mitten im Moorgebiet etwa 500 Meter in die Wildnis hinein. Hier versteckt sprudelt 80°C heißes Wasser aus der Erde und speist so einen Bachlauf, der an der Quelle mittels Kies einen Naturpool gebildet hat. Etwa 20 Meter lang, durch einen kleinen Wasserfall getrennt, erstrecken sich so zwei Badestellen. Je heißer man es mag, desto näher geht man an die Quelle heran. Nur 5 Meter von der Quelle entfernt hat das Wasser noch eine angenehme Temperatur von rund 45°C. 

Ein deutliches Plus ist, dass man diese Anlage kostenlos benutzen kann, sogar Umkleidekabinen sind vorhanden. Duschen fehlen aber, und so bekommt man den Schwefelgeruch des Wassers nur durch eine heimische Dusche wieder weg ...

Über steinige Kurven und durch bezaubernde Wildnis führte uns die Straße weiter entlang der Rocky Mountains. Und endlich bekamen wir auch die ersten wilden Tiere zu Gesicht: Immer wieder standen herdenweise Bisons an der Straße, die sich an dem Lärm und der Größe der vorbeifahrenden Fahrzeuge nicht störten. 

Man musste jedoch aufpassen, denn sollte so ein riesiges Tier einmal direkt auf der Straße stehen oder gar zum Angriff übergehen, muss man flugs ausweichen bzw. das Weite suchen. Denn in Natura sind diese Tiere viel größer und wuchtiger, als es auf Bildern oftmals erscheint. Bei uns aber waren sie gemütlich und ließen sich nicht weiter stören.

Über den Summit Pass und unzählige Kurven in wunderschöner Landschaft führte uns die Straße nach Fort Nelson, einen relativ großen Ort in dieser Gegend. Hier machten wir nur kurz Halt, denn der Ort sah eher trist und einfach aus und es lockte nicht wirklich etwas zum Anschauen ...

Südlich verlässt der Alaska Highway die Stadt und verliert hier nun auch von seinem Yukon-Charme: Die Strecke von Fort Nelson bis nach Fort St. John erwies sich als äußerst langweilige Landstraße, die sich mehrere hundert Kilometer in teilweise ewig langen, kerzengeraden Strecken durch das Land quält. Immer wieder ragen riesige Fackeln zwischen den Bäumen in den Himmel und zeugen davon, dass man sich auf hektarweise Erdgasfeldern bewegt. Links und rechts der Straße immer wieder Schilder der Erdgaskompanie, die darauf hinweisen, dass das gesamte Land Privateigentum ist und das Betreten verbieten. 

Das einzige was es hier also gab, war die Straße, die einfach kein Ende zu nehmen schien: Auch die Handvoll kleiner Orte, die entlang dieser Strecke zu finden sind, machten die Fahrt nicht angenehmer. 

Fort St. John und das gleich darauf folgende Taylor bestehen fast nur aus Erdgasverarbeitungsstationen und sind nicht wirklich sehenswert. Wer allerdings auf Kultur dieser Art steht, wird sich hier wohlfühlen. Wir aber machten uns auf nach Dawson Creek, wo sich die legendäre "Mile 0" des Alaska Highways befindet.

Dawson Creek selber entpuppte sich ebenfalls als Industriestadt: Die Vorfreude auf diese Stadt war sehr schnell verflogen, und auch der buntbemalte Holzpfosten, der mitten auf einer Kreuzung steht und die "Mile 0" anzeigt, war alles andere als sehenswert. Wir verließen die Stadt also schnell wieder. Diesmal ging es in westliche Richtung, wo wir nach vielen Kilometern in das Örtchen Chetwynd kamen. 

Die Landschaft wechselte hier schlagartig von weiten offenen Feldern in Waldgebiete. Der John Hart Peace River Highway führt hier verschlungen durch bergiges Gelände und immer wieder stößt man auf die Gleise der BC-Rail, die oftmals neben dem Highway entlang führt, um dann wieder im Wald und zwischen den Bergen zu verschwinden.

Endspurt nach Vancouver ...

Der Verkehr nahm nun deutlich zu, je mehr wir uns Prince George näherten. Die Einsamkeit Kanadas verlor sich und war für uns fast nur noch auf einigen Campgrounds zu spüren, da sie in dieser Zeit nur spärlich bis gar nicht mehr benutzt wurden. Die Saison war vorüber. So kam es nicht selten vor, dass wir Campgrounds völlig für uns allein hatten, was jedoch ein gewisses Unwohlsein aufkommen ließ. Allerdings brauchten wir eigentlich nicht wirklich etwas fürchten. Aber die Dunkelheit und die fremde Umgebung tat ihr eigenes daran ...

Wir erreichten schließlich Prince George: Da wir aber nicht unbedingt den Städtetrubel haben wollten, machten wir hier nur Halt, um in einem Einkaufszentrum unsere Vorräte wieder aufzufüllen und verließen die Stadt schnell wieder. Ebenso in Quesnel und Williams Lake. Wir hielten uns nicht lange dort auf, weil wir rechtzeitig in Vancouver ankommen wollten, um Bekannte zu treffen.

Im Örtchen Clinton, das sich ungefähr bei Mile 60 des Cariboo Highways befindet, verließen wir die vielbefahrene Straße. Ich hatte aus der Karte eine kleine Abkürzung herausgesucht, die uns rund 80 Kilometer auf dem Highway ersparen sollte. Diese Straße führt von Clinton nach Pavilion. Auf der Karte warn zu lesen, dass diese Straße nur im Sommer befahrbar sei - das machte sie interessant. 

Schon ein paar Meter hinter Clinton wurde es auch still und die Straße führte direkt entlang an einem See und in die Berge. Leider war ein hier gelegener Campground geschlossen, gerne wären wir an diesem Ort geblieben. So fuhren wir also weiter.

Man konnte nur raten, wo sich die Straße in dieser Gegend entlang schlängelte, denn sehen konnte man durch die Wälder nichts. Jedoch bot die teilweise nur 4 Meter breite Schotterstrecke immer wieder fantastische Ausblicke auf eine wunderschöne Berglandschaft, die im Verborgenen hinter dem Highway lag.

Und dann ging es aufwärts: In engen Serpentinen und mit Steigungen von bis zu 15% führte die Straße nach oben. Der Ausblick wurde von mal zu mal schöner. Wir hatten Glück, dass uns auf diesem Teil kein Fahrzeug entgegen kam, denn die enge Straße hätte ein Vorbeifahren nur sehr schwer zugelassen.

Kein Ende war in Sicht, es ging immer nur in Serpentinen nach oben, bis letztendlich mitten im Wald der Pass erreicht war. Diese Auffahrt zeigte uns deutlich, warum sie im Winter geschlossen ist. Unser Fahrzeug aber, immerhin rund 4 Tonnen schwer, schaffte die Auffahrt mit Leichtigkeit. Belohnt wurden wir mit einmaligen Landschaften und dem einzigen Coyotengeheul, das wir diesmal in Kanada gehört haben ...

Ein Stück unserer "Abkürzung" führte durch Privatgelände, das deutlich durch Schilder gekennzeichnet war. Durch große Felder, auf denen Kühe grasten und sich Pferde frei im Gelände bewegten. In einer nicht ganz so steilen Serpentine führte uns der Weg über offenes Gelände auch wieder nach unten, direkt in das Dorf Pavilion. Und schon kurz dahinter sahen wir dann den einzigen Grizzly dieser ganzen Fahrt: Er stand an der Straße und war wohl gerade im Begriff, diese zu überqueren. Doch unser großes Fahrzeug hielt ihn davon ab und so blieb er nur 3 Meter von der Straße entfernt im hohen Gras sitzen. Er lief nicht davon. Seine Fellfarbe ließ ihn aber fast unsichtbar erscheinen, so dass man auf Fotos kaum etwas von ihm erkennt ...

Schade war, dass es schnell dunkel wurde, denn die Strecke zwischen Pavilion und Lillooet gehört eindeutig zu einer der schönsten Straßen Kanadas, die durch tiefe Schluchten und nahe den Abhängen entlang führt. Vereinzelte Lichter zeigten, dass hier Häuser standen, die man bei Tageslicht kaum sehen konnte. Rechts der Straße zeigte sich ein tiefer Abgrund, in dem sich rund 100 Meter weiter unten der Fraser River seinen Weg bahnt, und links war die Felswand des Berges, in den die Straße filigran gehauen wurde.

Schließlich erreichten wir Lillooet: Es war bereits spät und wir fuhren direkt zu einem Campground am Ort. Ich empfand es als eine Unverschämtheit, für einen blanken Stellplatz ohne Extras über 20 Dollar zu bezahlen. Also einigten wir uns auf die Weiterfahrt und schon kurz hinter Lillooet fanden wir einen Campground, der nicht in der Karte eingezeichnet war. Es handelte sich um einen von BC Hydro (die Wasserwerke von British Columbia). Schnell erfuhren wir, dass diese Plätze von den Wasserwerken gesponsort und somit kostenfrei zu nutzen waren, dementsprechend belegt war der Platz. Trotzdem fanden wir einen der besten Stellplätze noch frei vor und hatten somit ein schönes Nachtlager. 

Unser Essen bereiteten wir auf einem Grill, der zu dem Stellplatz gehörte. Selbst das Feuerholz wurde von BC Hydro kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Empfehlung: Ausschau halten nach BC Hydro Campgrounds, die deutlich an der Straße gekennzeichnet sind, denn hier übernachtet man sehr gut in schöner Lage und das ganze zum Nulltarif ...

Früh am nächsten Tag besuchten wir nochmals Lillooet, jedoch ohne uns irgend wo länger aufzuhalten. Schnell ließen wir die Stadt dann hinter uns. Äußerst sehenswert waren die folgenden 100 km: Gleich hinter Lillooet folgt eine neu angelegte Staustufe des Seton Lake, der sich elegant mit seinem glänzend türkisen Wasser zwischen die Berge schmiegt. Sehr kunstvoll auch, wie direkt am Ufer auf einer gerade mal 3 Meter breiten Trasse die Bahnlinie entlang kurvt.

Wer Pseudo High Society und Hotelstädte mag und dazu deutlich zuviel Geld hat, der sollte unbedingt in Whistler Halt machen: Eine Stadt, die anscheinend nur aus Hotels und teuren Geschäften besteht. Ringsum führen Skilifte die Berge hinauf und Schilder zeigen deutlich, dass es sich hier um ein begehrtes Wintersportareal handelt. Ein Ort, wo wir uns absolut nicht wohl fühlten und deshalb schnell weiter fuhren ...

Der Verkehr nahm nochmals deutlich zu und eine Baustelle folgte der nächsten, weil hier die immer breiter verlaufende  Straße begradigt wurde. Auf die schöne Landschaft konnte man hier nur noch als Beifahrer achten, weil der Verkehr schneller und auch aggressiver wurde.

Drei sehenswerte Wasserfälle hat die Gegend noch zu bieten: Die Nairn-Falls, die Brandywine-Falls und die Shannon-Falls. Diese verteilen sich auf der Strecke zwischen Pemberton und Vancouver.

Unser nächster Halt war Britannia Beach. Direkt an der Bay gelegen und deutlich vom Highway aus zu sehen war das große Minenmuseum: Bekannte Filme wie ScoobyDoo 2 wurden unter anderem hier gedreht. Einen Besuch ist das Museum allemal wert. Mit einer kleinen Bahn geht es rund 400 Meter in den Bergstollen hinein, wo man dann einige der damals dort benutzten Gerätschaften erklärt und im Betrieb vorgeführt bekommt. 

Weiter entlang Richtung Vancouver führt die kurvenreiche Küstenstraße und bietet immer wieder einen atemberaubenden Blick über die Bay zu den mit bläulichem Nebel umschlossenen Inseln: Mysteriös und gespenstisch schien er bewegungslos in der Luft zu hängen ...

Und schließlich erreichten wir Vancouver: Eine hektische, staubelastete Stadt, die allerdings auch ihre schönen Seiten hat. Wir hatten noch drei Tage zur Verfügung, die wir zusammen mit unseren Bekannten verbrachten. Kommerzielle und teure Sehenswürdigkeiten wie die Fahrt mit der Seilbahn auf den Grouse Mountain oder die Capilano-Hängebrücke, sowie das Aquarium im Stanleypark ließen wir aus. 

Downtown und Chinatown sowie die Marktinsel im Hafen mit der wunderschönen Skyline von Vancouver gehörten dagegen sehr wohl zu unseren Ausflugsorten. Mit Insidern unterwegs zu sein, hat viele Vorteile: So konnten wir Restaurants kennen lernen mit Zubereitungstechniken, die in Deutschland fast völlig unbekannt sind, Läden mit Kunsthandwerk und Artwork und schließlich Geschäfte mit Material, das ich für meine Bastelarbeiten zu Hause brauchen konnte. Abends saßen wir dann entweder in einer Bar oder entspannten uns im Whirlpool.

Leider vergingen die drei Tage rasch und der Abschied von unseren Freunden und von Kanada war gekommen. Mit einer Träne im Auge verließen wir dieses große, weite Land. Aber immer mit dem Wissen, dass wir eines Tages zurück kommen werden ...


© 2004 Text Frank Schultz, Fotos: Jürgen Ratmann