von Reiner Morlock
Wie hieß noch gleich der Film, bei dem die Hauptperson - ein Wettermann - jeden Morgen wach wird und immer wieder das Gleiche erlebt? Richtig: "Und täglich grüßt das Murmeltier" heißt der Streifen mit Bill Murray in der Hauptrolle. Und wie lautete noch gleich die Signatur eines Users in einem einschlägigen Forum von Pickupfahrern, die auch Wohnkabinen mit sich herumschleppen und was hat das Ganze miteinander zu tun?
Nun, die Signatur lautet "... man kann die Meßlatte für menschliche Intelligenz noch so tief legen, irgendwann kommt wieder einer daher, der fröhlich pfeifend und aufrecht darunter durch hüpft!...". Dass an diesem Spruch durchaus etwas dran ist, beweist nicht nur das tägliche Geschehen überall um einen herum, sondern natürlich auch das, was in einem solchen Forum und drum herum immer wieder vor sich geht.
Nun, in der Regel kommen dort immer wieder etliche Neulinge daher, die wissen, dass
man heutzutage in einem Forum ganz einfach und ohne jeden eigenen Aufwand
täglich immer wieder die selben Fragen stellen kann, um deren Lösung man sich
früher selber kümmern musste. Und diese Neulinge treffen dann auf erfahrene "Altuser", die immer
wieder gerne bei den immer gleichen Fragen helfen und als echte Fachleute über ein profundes
Fachwissen verfügen, das sie selbstverständlich auch denjenigen zur Verfügung
stellen, die eine Suchfunktion weder bedienen können noch wollen.
Aber worum geht es dabei eigentlich?
Tja, da kommt z.B. einer daher, der gehört hat, dass ein PU (Pickup) ein so unglaublich vielseitiges Fahrzeug sei und der deshalb unbedingt auch einen haben möchte. Und weil er auch gehört hat, dass dieser Fahrzeugtyp so schöne Wohnkabinchen tragen kann, fragt er gleich nach, was er denn bloß für einen PU kaufen soll und welche Kabine dann dazu. Oder es kommt jemand aus der Womo-Szene, der zu den PU-Fahrern überlaufen will und sich endlich ein so viel leichteres Leben erhofft. Denn irgendwo in Skandinavien hat er neulich wegen seiner 7,50 Meter-Schüssel aus der Gattung "Weiße Pest" schließlich Schweißperlen vergossen - vielleicht auf irgend einem einspurigen Bom-Weg oder ähnlichem am Berg.
Und nun will er endlich
wechseln: Auch da kommt offenbar so ein PU gerade recht, den man ja dem
Hörensagen nach im
Alltag
ganz prima auch als ganz normalen Zweitwagen fahren kann. Warum und für was? Na ja,
wird sich
schon noch ein Einsatzzweck finden, schließlich gibt es ja auch bei uns immer
mehr
Holzheizer und da fährt man dann halt mit so etwas
vielleicht gerne in den Wald ins Unterholz ..!
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Auf jeden Fall folgt nun die ganz große übliche Fragenrunde: Welcher ist der beste PU? Wer kann am
meisten
zuladen? Welcher ist der schönste, schnellste, stärkste? Braucht man vielleicht doch
eher einen Ami? Welcher ist der
schönste Ami und welcher blubbert V8-mäßig denn am eindrucksvollsten?
Kann man einen Diesel auf Autogas umrüsten? Oder nur einen Benziner? Kommt man
dann auf vertretbare Verbrauchskosten? Und danach die unendlich lange Fragenliste zur Kabine: Wie
groß, wie schwer darf sie sein, was für ein Überhang, kann man einen PU-Doppelkabiner dafür nutzen?
Ist eigentlich eine Auflastung möglich und kann man dann auch noch ´nen Hänger
ziehen für die beiden Pferde und die sieben Huskys ..?
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Und in den Freds erfahrener Wohnkabiner liest man dann später Fürchterliches, wenn die Neulinge schließlich nach ganz kurzer Zeit auch ganz erfahrene Experten geworden sind:
"Die Camp 8L wiegt danach "reisefertig" mit Extras und etwas Gepäck um die 900 kg! Aber eine Restzuladung von 180Kg und das wo noch keiner im Fahrzeug sitzt und "nur" Gepäck für 1 Person ..... Das reicht auch mit Golfschlägern nicht."
"Da hilft nur wenn man hier einen Umrüster findet, der da mehr eingetragen bekommt. Nur dann kann man bei den 2500er die magische 3,5to Grenze eh vergessen."
"Bei nem "Short Bed" schrumpft die Zuladung gerade mal auf 671 Kg. Da hatte mein alter MD22 von 1990 ja schon mehr."
"Hinterachse 1960kg, Schein 1850kg,
Tank Diesel 70 Liter Voll, Wasser Voll 70 Liter, Gas Voll 2x5 kg. Komplette Ausstattung für 2 Wochen Griechenland
Urlaub (Wenig Kleidung) 4x Camping Stuhl
und 1x Camping Tisch,
Keine Verpflegung."
"Da muß ja wohl nicht nur das Wasser zu Hause bleiben."
"Die wog ohne Solaranlage und Batterien ca. 1t und wurde mir damals beim TÜV nicht eingetragen, da aufgesattelt schon 30kg zu viel auf der Hinterachse lagen. Dafür habe ich Boiler und Toilette rausgeschmissen. Ich fahre aber trotzdem ein bischen im "Graubereich", wenn ich noch Gepäck reinpacke. Naja, auf normaler Strasse komme ich mit 80-90km/h "gut" voran, aber bei Kurvenfahrten und unbefestigter Strasse wird mir manchmal Angst und Bange. Letztes Jahr bin ich berghoch vorn schon mal leicht abgehoben (allerdings mit voll überladenem Urlaubsgepäck, was mir sicher nicht noch mal passiert)."
"Ich hatte noch keine Gelegenheit auf die Wage zu fahren, aber ich ahne unangenehmes. Ich habe mir erst diesen Sommer Gedanken wegen der Überladung gemacht, und will in Kürze auf die Waage. Außerdem hat meine Kabine noch einen Heckträger für 3 Räder und einen Gepäcksack daran befestigt. Außerdem ist noch eine Markise dran. Ich gehe fest davon aus das die Kombi überladen ist."
"Wenn Dir da mal nicht beim wiegen die Augen aus dem Kopf fallen. Das geht nichtmal mit einem 1 1/2 Kabiner."
"Gewichtige Sonderaustattung: 2x Batterie, Solarpanel, Markise, Fahrradträger mit
Gepäcksack f. 2 Klappstühle, Portapotti, 2x5kg GAS, Gasgrill, Campingausstattung
ohne Gepäck, kleiner Tisch.
Es fehlen noch meine Frau mein Hund und die Räder, sowie mein 13 jähriger Sohn.
Ich würde sagen ordentlich überladen."
"War heute auf der Waage mit Kabine, locker an die 600 KG überladen mein Fahrzeug, kann nur sagen Glück gehabt das wir auf unserem Trip keine Probleme hatten mit grün Uniformierten oder gar Unfall oder so."
"Das ist die Krux bei dem Spiel: Egal welchen Pickup man nimmt, man stösst immer relativ schnell an irgendeine Grenze. Aber immerhin kann man sich aussuchen, an welche Grenze man stossen möchte."
Wenn man diesen ganzen Bohei schließlich zum hundertsten Mal gelesen hat, ist man
vielleicht nur noch
müde und denkt ans täglich grüßende Murmeltier:
Schließlich weiß man nun doch ganz genau, dass sich jetzt auf der Stelle alle
Experten zu
Wort melden werden: Die für Japsen-PU´s, die für Thai-PU´s (war das nicht derselbe
Kram??), und
natürlich auch die für Ami-Schlitten! Und alle wissen, dass sie hier ein
exklusives Expertenwissen
weitergeben, weil ja die Verkäufer der Hersteller eh nur dummes Zeug erzählen,
um was zu verkaufen. Und so ein Expertenwissen lautet dann vereinfacht so:
Japan-Doppelkabiner + 4 Personen + Standard-Herstellerwohnkabinenkasten = Schwachsinn.
Japan-Doppelkabiner + 4 Personen + Standard-Herstellerriesenwohnkabinenkasten = SuperSchwachsinn.
Japan-1,5-Kabiner + 4 Personen + Standard-Herstellerriesenwohnkabinenkasten = Schwachsinn.
Ami-Riesen-PU + x Personen + Ami-Riesenkiste vielleicht die Lösung??
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und so weiter und so weiter ...
In vielen Fällen liegt der Schwerpunkt dieser Karren so weit hinten, dass es eigentlich völlig sinnlos ist, die überladene Kiste irgendwo hin zu fahren. Also gestrichen und zurück oder hin zum Womo! Auch diese Kisten sind zwar sehr oft überladen und mit ihren X-Beinchen auf der Autobahn gar herzzerreißend anzuschauen, wenn sie da mit ihren 3 Fahrrädern hinten dran vorbeirasen Richtung Heimat: Mögen sie mit Hilfe ihres hoffentlich mitreisenden Schutzengels wohlbehalten zu Hause ankommen ...
Aber zurück zu den affeng...en PU´s: Also muss vielleicht doch ein Ami her: 7 Meter lang, dazu natürlich ausgerüstet mit Autogas und dann mal los samt Whirlpool an Bord und Slide out an der Kabine: Die heutige Camper-Luxusgesellschaft fordert eben ihren Tribut:
"Wir haben eine amerikanische xxxx mit allem, was man vom Eigenheim her gewohnt ist inklusive Backofen und Bettmass 1,60 x 2,00 zuzüglich 30cm auf jeder Seite ..."
Doch was könnte man nun wirklich raten? Oder was könnte man überspitzt zum Thema sagen? Nun, eine Aussage wäre z.B., dass die Kombination Pickup plus Wohnkabine eigentlich schon grundsätzlich Unfug ist, es sei denn ...
Und auf das "Es sei denn" kommt es nun an: Ein PU ist nur dann vermutlich sinnvoll, wenn man ihn anderweitig wirklich braucht oder ihn vielleicht sonstwo nutzen kann, z.B. als Firmenfahrzeug. Und wenn dem so ist, erscheint die Kombination mit einer Wohnkabine auch nur vielleicht dann ganz sinnvoll, wenn sie z.B. klein ist und mit allem Gerödel beladen nicht mehr wiegt als etwa die halbe mögliche Zuladung dieses Fahrzeugs beträgt. Alles andere ist Humbug und man sollte sich gleich was "Richtiges" kaufen, und dabei kann die Bandbreite durchaus vom Womo bis zum Expeditionsfahrzeug reichen ...
Doch selbst bei Einhaltung obiger Regeln gibt es bereits Einschränkungen: Vielleicht von Geschichten wie diesen alarmiert soll mittlerweile Mitsubishi dem Vernehmen nach einem PU-Besitzer schriftlich gegeben haben, dass sein 1,5 Kabiner L200 mit einer 400 kg Kabine bereits überladen und nicht mehr verkehrstauglich sei - wenn dem tatsächlich so sein sollte, sicherlich der bisherige Höhepunkt des ganzen PU-Wohnkabinenwahnsinns!
Man kann sich dem Thema aber auch anders nähern, so wie es einst Willy Enzinger tat, selbst langjähriger Reisender und Erbauer der Dustdevil-Koffer, in seinen nun schon berühmten Essays zu diesem Thema:
Die kleinen Pickup´s sind mit komfortablen Wohnkabinen für längere Fernreisen
meistens hoffnungslos überladen. Sie können nicht ausreichende Wasser- und
Treibstoffvorräte mitnehmen. Fehlende Nutzlast für Lebensmittel, Kleidung,
Werkzeug und Ersatzteile schränken Ihren Abenteuerdrang und den Grad der
Unabhängigkeit von der Zivilisation massiv ein. ...
Wenn man all diese Punkte berücksichtigt, kommt man zweifellos zu dem Schluss,
dass das Verfahren: Man nehme ein Fahrzeug, baue darauf einen Koffer und habe
dann ein Expeditionsfahrzeug der absolute Schwachsinn ist und das sicherste
Mittel um viel Geld zu vernichten.
Beim größten Teil der "kleinen" Expeditionsfahrzeuge ist das Basisfahrzeug
hoffnungslos überladen, der Schwerpunkt zu hoch, der Rahmen überbelastet und der
Kofferaufbau den auftretenden Kräften auf Dauer nicht gewachsen, was man an den
Rissen sieht.
Es sind unfahrbare, schwankende Ungetüme, die nicht mal mehr auf der Autobahn
vernünftig zu bewegen sind! ...
Für technischen Unfug halte ich die Pickup-Absetzkabinen. Sie sind meistens sehr
schwer und auf viel zu schwachen Autos aufgesetzt. Normalerweise, wenn am
Fahrgestell nichts modifiziert wurde, hängen sie mehr recht als schlecht auf den
Autos und schaukeln sich bösartig auf. Deswegen haben sie alle möglichen
Zusatzanbauten, um ein einigermaßen erträgliches Fahrverhalten vorzutäuschen.
Warum glauben Sie denn, haben diese Dinger auf Ausstellungen immer die Stützen
am Boden, bzw. sind ohne Zuladung ?? Die Festzurrvorrichtungen auf der
Ladefläche oder am Fahrerhaus haben in meinen Augen schon recht abenteuerlichen
Charakter.
Pickup-Kabinen mit hohen Alkoven und langen Überhängen hinter einer kurzen
Doka-Pritsche eignen sich hervorragend, um allen Naturgesetzen zu spotten.
Beim Elchtest der A-Klasse und dem Smart haben Sie ja auch innerlich süffisant
gegrinst. Sie können jedoch sicher sein, dass das im Vergleich zu Ihrer Fuhre
noch absolut sicher und beherrschbar ist!
Wenn Sie beim Bergsteigen einen riesigen, überhohen Rucksack, der beinahe so
schwer ist wie Sie selbst, ca. einen Meter hinter Ihrem Rücken tragen und damit
auch noch im Gelände rumhopsen, dann ist Ihnen eine Rückgratverletzung sicher,
beim Auto heißt das gleiche Rahmenbruch, bei den Knieverletzungen sind´s die
Achsen usw. - nettes Spiel! ...
Dann kommt der nächste Hammer und wir setzen das Ding ab! - Der Hersteller sagt,
ein bisschen kurbeln, das war´s.
Bauen Sie jedesmal Ihr Fahrgestell um und bringen´s wieder zum TÜV. Nein ? ,- na
dann versuchen Sie mal mit Ihrem absolut stocksteifen Bock auf Kopfsteinpflaster
bei Regen zu fahren. Vermutlich werden Sie lieber auf allen Vieren laufen, als
mit diesem Ding zu fahren. Und jetzt wissen Sie auch, wozu die ganzen
Federspanner, Fahrwerksverstärkungen usw. gut waren - für 1000 kg mehr!
Oder wie wär's mit einer vollen Ladung Adrenalin, wenn Sie um die Kurve hoppeln
oder mit springender Hinterachse mal eine Notbremsung hinlegen? - Da brauchen
Sie keinen Abenteuerurlaub mehr!
Haben Sie sich so die gelobte Alltagstauglichkeit vorgestellt?
Nun, schöner kann man es kaum sagen: Und der Mann hat recht! Aber wer will sowas wirklich hören?
Also, liebe PU-Camper, dann mal wieder los auf die Piste.
Und wenn dann noch ein Neuling kommt und fragt, welchen PU und welche Kabine er
dazu nun kaufen soll, grüßt spätestens morgen schon wieder das PU-Wohnkabinen-Murmeltier ...
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Nachtrag, Januar ´10: Noch mehr zu "Kabienen" ...
Fast hätte man es vergessen: Natürlich kann man auch in diesen Tagen viele
Fragen zum obigen Thema in besagten Foren lesen, fast hat man den Eindruck, seit
diesem Beitrag kommen noch mehr als zuvor ...
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Deshalb noch eine kleine Ergänzung: Wie man ab und zu lesen kann, betreffen
die vielfältigen (fielvältigen??) Fragen dann und wann auch "Wohnkabienen".
Alle unsere Nachforschungen ergaben bislang allerdings, dass es diese Tierchen
genau so wenig gibt wie "Wohnkawespen". Doch in der unverfälschten
Foren-Diktion müsste man dazu anmerken: "Wer in dieser Katigorie sucht,
was gild, ob nähmlich Kabienen Ladung sind", wird oft enttäuscht: Unsere
Finanzbeamten agieren immer mehr wie Kawespen und reschpecktieren nix mehr
heutzutage! Aber unter der Meßlatte hüpfen wir doch fröhlich pfeifend
und aufrecht drunter durch ..!
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© 2010 Explorer Magazin, Foto Rahmenbruch Island: Kurt Markert