(Bericht
von
J. de Haas)
22.04.2012 -- Der letzte Tag einer
wieder mal sehr gelungenen
Weintour: Nach Rückkehr aus dem Douro-Tal mit vielen
vielen Verkostungen dort führt uns der letzte Tag vor der Abreise
noch einmal nach Porto.
Schon der Reiseauftakt hatte in der noch überschaubaren Metropole
am Atlantik stattgefunden, hier hatte sich die Gruppe der Reisenden
getroffen und hier ging es dann schließlich auch los für mehrere Tage
Richtung Osten - leider muss selbst eine solch fantastische Tour
einmal enden und so
genießen wir nach Kräften auch unseren letzten
Aufenthalt am Strand der Stadt ...
Etliche Eindrücke haben wir auch zur wirtschaftlichen Lage des Landes
gewonnen, das seit knapp einem Jahr unter dem so genannten
"Rettungsschirm" steht und als ärmstes Land Westeuropas gilt.
Beim IVDP, dem "Instituto dos Vinos
do Douro e do Porto" erfahren wir aber, dass Portwein-Hersteller auch
derzeit keine Krise spüren. Die
Produktionsmenge wird limitiert durch "Verknappung" auf dem Markt
und dadurch wird auch Preisstabilität erzielt. Die Portweinindustrie
lebt vom weltweiten Export, so werden zum Beispiel die eher
leichteren Ruby-Ports nach Frankreich exportiert für den Aperitif,
die schwereren Tawny-Ports nach Großbritannien für den Genuss nach
dem Essen oder zum Dessert.
Kleinere Weinbauern im Douro-Tal berichten uns, dass zwar der Weinabsatz stagniert, jedoch kein Rückgang
erfolgt.
Portpreise sind nach wie vor breit gefächert, abhängig von Qualität und Alter
reicht hier die Bandbreite von unter 10 EUR die Flasche bis weit in den vierstelligen Bereich.
Weinpreise haben demgegenüber eine erheblich geringere Bandbreite,
hier stoßen wir auf ein Angebot, das von ca. 10 EUR bis ca. 60
EUR reicht, ein Hochpreissegment finden wir nicht. Unser Fazit: Hier
bekommt man wirklich gute Weine auch zum günstigen Preis.

Rundgänge in einer Stadt wie Porto zeigen dagegen andere
Verhältnisse: Hier stoßen wir überall auf Ruinen neben luxussanierten Gebäuden, viele Häuser
stehen zum
Verkauf und befinden sich in einem bemerkenswert schlechten Zustand.
Die
Immobilienpreise sind dennoch recht hoch, beim Makler werden z.B. 175.000 EUR für eine 75qm Wohnung gefordert, die sich nicht gerade in einer
außergewöhnlichen Lage befindet.
Trotz der zahlreichen Ruinen wirkt die Innenstadt dennoch sauber.
Die Markthallen von Porto: Ebenfalls eine Bauruine, die offenbar mit Stützen vom Zusammenbruch abgehalten wird.
Man erkennt jedoch noch, wie schön der Markt einst wohl gewesen ist.
Die Präsentation von Fleisch und Fisch dort entspricht sicher nicht ganz
den deutschen Hygieneanforderungen.
Wurstwaren sind günstig zu haben: 1,00 - 1,50 EUR werden pro 100g
verlangt, für edlere geräucherte
Würste bis ca. 5,00 EUR, Käse erscheint etwas günstiger als bei uns.
Die
Spritpreise sind hoch: 1,75 EUR für Super erinnern uns nur allzu gut
an heimische Verhältnisse. Ordentlich essen zu gehen ist bezahlbar,
mit den günstigen und guten Weinen dazu gibt es keinen Grund zum
Klagen. Die
Portionen sind immer reichlich, man scheint stolz darauf zu sein und
erwähnt sogar
"portugiesische Portionen", auch wenn manchmal die Präsentation
darunter etwas leidet, wie wir in einem guten Lokal vor Ort
feststellen müssen. Auch in Spitzenlokalen wird man problemlos satt, wie
wir im DOC von Rui Paula am Pier von Folgosa unweit von
Pinhao im Douro-Tal erleben.
Der Betrieb von
Taxis erscheint sehr reglementiert: So darf der Fahrer niemanden am Straßenrand auflesen
und
muss immer anzeigen, ob er frei ist oder auf dem Weg zu einem Kunden.
Daten der Fahrten werden gesammelt und ausgelesen gegen Gebühr - wir
sind erstaunt, als uns der Fahrer über die üblichen Praktiken
berichtet ...
Am Abflugtag werden wir schließlich auch ausführlich mit portugiesischer Organisation
konfrontiert. Am Flughafen verweigert man uns am Lufthansa-Schalter
kurz vor Mittag ein Check-In: Gepäck darf frühestens zwei Stunden vor Abflug
aufgegeben werden und Bordkarten
kann man auch noch nicht drucken.
Wir werden zur Gepäckaufbewahrung weiter geschickt, da wir nicht mit
unserem gesamten Gepäck zum Strand fahren wollen. Die Gepäckaufbewahrung
ist allerdings geschlossen, jedoch prangt daran unübersehbar ein Schild "Geöffnet von 05:00 -
23:00 Uhr". Nach erneuter Rückfrage werden wir diesmal weiter zum
Bereich Sperrgepäck verwiesen. Mitteilung dort: Man ist nicht
zuständig. Wieder nennt man uns ein neues Ziel, diesmal die
Sicherheitskontrollen. Dort zeigt man sich allerdings genau so wenig
zuständig, nennt jedoch zur Abwechslung mal ein weiteres Ziel, zu dem
wir nun sollen: Die Information.
Dort versteht man nicht unsere langsam aber sicher steigende
Bereitschaft zur Randale: Schließlich hätten sie ja
geöffnet und nähmen auch Gepäck an, allerdings mit folgenden Regeln:
Keine Lebensmittel im Gepäck (Wein gehört wohl dazu?!), alle Wertgegenstände müssten ausgepackt und
vorgezeigt werden, ca. 7 EUR pro Gepäckstück, das eingeschweißt
wird, würden fällig. Und: Man muss die Gepäckstücke spätestens zwei Stunden vor Abflug abholen.
Fazit für uns: Das alles hat zwar viel Aufwand verursacht, bringt
jedoch gar nichts. Also heißt es schließlich doch, alles Gepäck nun
mitzunehmen zum Strand ...
Nun ja, irgendwie muss man uns schließlich doch den Abschied
erleichtern, denn wie sollten wir sonst hier ohne Wehmut nach so
schönen und weinseligen Tagen wieder abreisen können ..?

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