Als Klaus Därr das Veranstaltungsprogramm verteilt, kann das Explorer Magazin die erste Sensationsmeldung des Tages setzen: Die Därr Expeditionsservice GmbH verkauft, dazu noch an den Konkurrenten Lauche & Maas, Klaus Därr als Geschäftsführer auf dem Programmblatt gestrichen! Über die Gründe können wir nur spekulieren, unsere erste fette Schlagzeile lautet: Herr Därr in Zukunft als Vollzeit-Globetrotter für uns tätig?
Der Schock legt sich, das noch sonnige Auftakt-Wetter lädt zu ersten Rundgängen auf der Wiese ein. Immer auf der Suche nach neuen Sensationen wird der Berichterstatter binnen kurzem fündig: ein echter Berliner (Ost) mit dem obligatorischen IFA kommt mit seinem eigenen Fallschirmjäger-Luftlandemodul, das er unter reger Anteilnahme auseinander klappt. Da es sich um ein ehemaliges Bundeswehr(!)-Teil handelt, lautet sein Kommentar: "... und damit wolltet Ihr den Krieg gewinnen?!"
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Gewitterwolken hängen am Nachmittag über dem Platz, zum Glück quert keine (von Luftfahrern und Campern gefürchtete) "squall line" den Platz, die vorsichtshalber schräg zum Wetter befestigte Zeltplane bleibt ungerührt.
Am Abend folgt der erste Dia-Vortrag im Gasthof Esterer. Wieder einmal scheint das Treffen völlig überraschend für den Gasthof gekommen zu sein, keine 620,- DM Kraft unterstützt offenbar die scheinbar einzige Bedienung für 1000 Leute - die arme Frau muss auch noch selbst den Schankkellner machen und hält sich dennoch wacker!
Die Dia-Vorträge waren zwar nicht, wie auf der Homepage zu lesen, bereits seit 4 Wochen im Internet angekündigt (oder haben wir sie nur nicht gefunden?), aber wie immer konnten wir uns unter der Rufnummer 089/282819 vorher informieren: Klaus Därrs Vortrag über seine Expedition ins Tibesti, 5000 km Zentralsahara zum Nord-Tschad, eröffnet die Vortragsreihe. Was folgt, ist ein sehr guter und spannender Bericht über seine abenteuerliche Reise, angereichert mit Überfällen und Kalaschnikows.
"Ein gelungener Auftakt-Tag in Zellerreit" kann der Berichterstatter am Abend zufrieden an seine Redaktion über Satelliten-Telefon durchgeben.

Fahrzeuge scheinen heute weniger da zu sein als im Vorjahr; was auffällt ist, dass neben dem üblichen "Schrotthandel" auf der Wiese fast jedes zweite Fahrzeug zum Verkauf anzustehen scheint: je größer, umso schneller will man sie dieses Jahr wohl loswerden - passt der Groß-LKW doch nicht auf jede Fähre und Piste? Dennoch sind die Hersteller unverdrossen: Neuste Expeditionsfahrzeuge wie das All Terrain Mobil, bereits bekannt von der 10. IOR, werden als Ausstellungsstücke bereitgehalten.
Jeder scheint jeden zu kennen, auch unser Hundefreund Leo samt Halter im IFA W50 aus Quedlinburg sind wie im Vorjahr wieder da, Nicol und seine Kumpanis haben diesmal eine hübsche IFA-Burg rund ums "Wind-Mobil mit Außen-Sinnspruch" gebaut.
Die Platzvermieter scheinen in diesem Jahr besonders aktiv zu sein, nicht nur kommen sie mehrfach bei uns vorbei, sondern der Berichterstatter trifft auch einen "Motorrad-Fußgänger" auf dem Platz, der gefragt wird, ob er schon bezahlt hat.

Nette Kinderchen spielen lautstark und mit netten Schattenspielchen auf der Leinwand rund um den ausgefallenen linken Lautsprecher, die Eltern müssen sich hier Gottseidank um nichts kümmern geschweige denn ihren Nachwuchs in irgendeiner Weise ruhigstellen, da hier sicherlich niemand kinderfeindlich wirken will und darf. Dass es später etwas ruhiger wird, bemerken wir zwar angenehm überrascht, noch kennt jedoch der Sensationsreporter vom Explorer Magazin nicht die Hintergründe ...
Im Anschluss an "Atacama" folgt die Vorführung eines Filmberichts über die Tibesti-Expedition von Klaus Därr, der Aufhänger ist sehr gelungen: zu den unverändert aktuellen Aufzeichnungen von Vogelsang, der vor ca. 100 Jahren diese Gegend bereiste, wirken die eindrucksvollen Bilder des Films doppelt so intensiv.
Nach dem gelungenen Abend sitzen wir noch lange bei strömendem Regen unter der Plane des benachbarten Expeditionsanhängers: Trolli ist wie immer ein guter Gastgeber!
Der Berliner (Ost) hat inzwischen mit seinen Nachbarn soviel Ärger, dass er abreisen will. Völlig entnervt versucht er sein Luftlandefahrzeug zusammenzufalten, viele falsche Handgriffe und ein zuletzt tropfender Benzinhahn bringen den guten Mann völlig aus der Fassung. Er ist nach eigenen Angaben völlig geladen, als ein benachbarter "Wessi" eine Verbindung von Kinderfeindlichkeit und Umweltschwein in ihm sieht und ruft lautstark in seine Richtung, dass dieser ja "nicht mal einen Kanarienvogel züchten" könne, aber von Kindern reden würde ... Bei soviel "Menschlichem" hält der Reporter kaum mit beim Aufschreiben, doch es kommt noch mehr!
Bei teilweise sonnigem Wetter hat sich die Wiese wieder gefüllt, das Panorama ist wie immer beindruckend.

Inzwischen hat sich auch ein riesiger Lkw neben uns eingefunden, der unseren Horizont abdeckt. Ein verirrter Tuch- und Bierverkäufer entsteigt seinem Gefährt und erklärt, dass er keine Böschungen wie die am Wiesenrand fahren würde: ein echter Offroader!

Kurz danach kann der Sensationsreporter der Explorer-Redaktion neue Schlagzeilen liefern: Jetzt hat Leos IFA einen Dodge-Pickup angekratzt, den guten Mann kennen wir noch vom Vorjahr. Am IFA-Steuer diesmal nicht der Fahrzeughalter, sondern Robert (Beste Grüße von dieser Stelle an ihn!). Weiter überschlagen sich die Ereignisse: Leo wird von einem Huskie verletzt und muss beim Tierarzt behandelt werden. Von der äußerst sympathischen Huskie-Haltertruppe im "200.000 DM-Unimog" versucht Nicol vergeblich, 50,- DM Zuschuss zu den 100,- DM Behandlungskosten zu erhalten - als Student würde er sich über einen solchen Beitrag freuen. Die netten Leute zahlen natürlich nichts, sondern schwafeln stattdessen nur viel von Versicherungen und Rechtsbeiständen und werden unverschämt - so macht man das halt heute am Standort D!
Erst als der Berichterstatter sich als Rechtsvertreter des Geschädigten einschaltet und umfangreiche Schriftsätze ankündigt, werden 40,- DM herausgerückt - sympathische Offroader, denen man für ihre nächste Tour jederzeit ein paar nette Zeitgenossen mit Kalaschnikow wünscht, vielleicht sind die ja auch mit 40,- DM zufrieden ...
Klaus Därr steht heute mit Restekiste auf dem Platz, hier kann man ein Besteck von DM 6,- auf DM 5,- herunterhandeln oder Expeditions-Kleinteile für 0,40 DM erwerben - Auflösung der stillen Reserven?
Der Abend sieht trotz Därr-Internet-Aufforderung, man möge für schöne Beiträge ins IMAX gehen, wieder einen echten Profi-Spitzenbeitrag: Konstantin Albert berichtet von seiner Expedition mit dem LKW durch Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan - ein mehr als gelungener Schlussbeitrag dieses Treffens!

Als Fazit des diesjährigen Treffens können wir gegen Mittag festhalten: gelungene Veranstaltung, 3 Super-Vorträge, gute Stimmung, viel Action. Eine Frage, die allerdings bleibt, ist: Was wird aus Zellerreit nach der Übernahme der Därr Expeditions GmbH? Zwar schreibt Klaus Därr, dass er voraussichtlich auch künftig die Globetrottertreffen weiter organisieren und persönlich anwesend sein wird, aber wer kann da heute sicher sein?
Na hoffen wir das beste und freuen uns auf das nächste Jahr - wieder beim Globetrottertreffen in Zellerreit!
© Text/Bilder 1998 J. de Haas
Nachtrag, Juli ´98: Der Verkaufsgrund ...
Wir wissen jetzt, warum die Fa. Därr Expeditionsservice GmbH verkauft wurde: WEGEN UNS!!!
Wer nun glaubt, dass die Explorer-Redaktion ab und zu weniger trinken sollte, der möge nur den nachfolgenden Email-Austausch lesen!