Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Besuch 10. IOR

München, Neues Messegelände 1998


Am 01.05.98 ist es soweit: Wir besuchen die Jubiläums-IOR in den neuen Messehallen von München, die vom 29.04. - 03.05.98 als größte Geländewagenausstellung der Welt firmiert.

Drei große Hallen und ein weitläufiges Außengelände warten auf die Off-Road-begeisterten Besucher, die sich in großen Mengen an den zahlreichen Ständen vorbei schieben. Ein Verweilen zum Fachsimpeln mit dem Standpersonal ist oft nicht mehr möglich, zum Probesitzen in den Geländewagen steht man in Warteschlangen an.

Auf den Ständen der Geländewagenhersteller blitzt und funkelt es nur noch so: Viel hochpolierter Chrom und abgerundete Ecken sind Trend. Nur - für wen mögen diese "Geländewagen" wohl gebaut werden? Selbst leichte Geländefahrten werden dazu führen, dass die Karosserie verschrammt, Ersatzteile ohne Ende benötigt werden und die Poliermittelindustrie einen Konjunkturaufschwung verspürt. Viel mehr als Samstagabends die Boulevards europäischer Großstädte abzufahren, mag man diesen Luxuskarossen wirklich nicht zumuten ...

 
Ein Tip an die Hersteller: Vielleicht sollte man dazu übergehen, die Geländewagen sowohl als Boulevard-Edition (Luxus, Chrom, Glanz, Glamour - für Leute, die Putzen und Polieren nicht scheuen), als auch als Off-Road-Edition (Robust, Kratzfest, Unempfindlich - für Leute, die lieber Off-Road fahren als zuhause putzen) anzubieten.

Auf dem Toyota-Stand gibt es neben dem neuen RAV 4 - Cabrio auch einen Geländewagen zu sehen, dessen Räder durch Ketten ersetzt wurden, was die Geländefähigkeit enorm verbessern soll.

Aufgrund des immensen Gewichts kann man die Ketten jedoch kaum mal eben auswechseln und auch beim zulässigen Höchstgewicht schlagen sie erheblich zu Buche. Das Fahren auf "normalen" Straßen soll noch möglich sein (Panzerfeeling), doch bei 80 km/h ist Schluss.

Ein paar Schritte weiter stellt Toyota den "Moguls" vor: Ein kleiner runder Kerl mit beeindruckender Verschränkung und aufgrund seiner Größe immer dann ideal, wenn es mal eng wird, wie beim Einsatz im Wald. Da werden die Borkenkäfer staunen!

     

Wir ziehen weiter zum Nissan-Stand: Dort fragen wir nach, ob der Pickup "Kingcab Benziner" mittlerweile mit Schnorchel nachgerüstet werden kann.

Prompte Antwort: "Selbstverständlich!" Bei der Frage nach dem Preis schon etwas zögerlicher: "Wissen wir nicht, das machen sowieso nur Fremdfirmen, wie Taubenreuther". Bei dem Hinweis, daß es für den Luftfilter des Kingcab Benziners auch bei Taubenreuther keinen Schnorchel gibt, folgt nur noch kleinlaut: "Da kennen wir uns nicht aus, man wird wohl die gesamte Luftfilteranlage umbauen müssen". Tja, so lieben wir sie, unsere hochgeschätzten "Geländewagenspezialisten" der Firma Nissan!

Interessanter ist da schon das Expeditionsfahrzeug "Tanis II", das (nicht nur) unser Herz höher schlagen lässt: Eine Studie auf Basis eines verlängerten Pinzgauers 6x6 von Special Mobils. In Leichtbauweise (Aluminium satt) sollen 70 namhafte Firmen an diesem Projekt mitgearbeitet haben. Das Ergebnis: Der Tanis II mit höchster Geländegängigkeit, geringem Gewicht und Passfähigkeit für 2,5" Standard-Container ...

Er sei schon verkauft, munkelt man, für schlappe DM 300.000 -.

Die Innenbesichtigung bleibt allen Besuchern verwehrt, ein kurzes "Die Kiste bleibt zu" des Standpersonals klärt diesbezügliche Anfragen. Wir vermuten: "Die Kiste ist leer".

Nicht weit vom Tanis II ist ein Aufbau von All Terrain Mobile auf Basis des 3-achsigen Bucher Duro zu besichtigen, dem wir bei Zellerreit 98 wieder begegnen werden.

Auf dem Freigelände treffen wir die Messe-Sanitäter des BRK, die "stilecht" in einem ausrangierten, umgebauten Geländewagen zu ihren Einsätzen unterwegs sind.

Sehnsüchtig betrachten sie den Pinzgauer, der für medizinische Einsätze ausgerüstet wurde: Der wäre ein wirklich angemessenes Einsatzfahrzeug - die Sanitäter kommen ins Schwärmen ...

Ansonsten hat das Freigelände noch den obligatorischen Geländeparcours zu bieten, bei dem die Besucher als Beifahrer einen Eindruck vom Off-Road-Fahren bekommen sollen.

Daneben wird Traktorpulling vorbereitet (viel Gestank und noch mehr Lärm) und Sicherheitstraining (viel Wasser und noch mehr ABS) angeboten. Und dort finden wir auch die Crew der Aero-Plast Engineering Schmitz KG, die keine Mühen gescheut hat, die Ausstellungsstücke aus den Haßbergen nach München zu schleppen ...

Im komfortablen Büro-/Wohnanhänger gibt es sogleich was zu trinken und zu knabbern. Das nehmen wir dankend an, denn das gastronomische Angebot der Messe lässt zu wünschen übrig. 

Ein kleines Café, ein vollkommen überfüllter - da viel zu kleiner - In-Door-Biergarten, einige Stehausschänke, das ist alles, was die IOR den durstigen und hungrigen Gästen zu bieten hat. Die IOR in den alten Messehallen verfügte wenigstens noch über ein geräumiges Bierzelt!

Frisch gestärkt, wollen wir nun ein GPS 12XL erwerben. Das Ergebnis: Wir haben kein GPS gekauft. Die Preise schwanken zwischen DM 699,- (Woick) und DM 798,- (GPS GmbH). Die Softwarestände variieren ebenso stark (Woick: Nur alte Software, neue Software nicht lieferbar; GPS GmbH: Nur neue Software; Därr: Alte Software auf der Messe, neue Software im Laden) wie die Detailinformationen zu Aktivantennen, Adaptern, digitalen Karten, GPS-Software, ...

Da denken wir doch lieber noch mal in Ruhe nach und holen uns die Detailinfos direkt bei Garmin!

Bei den digitalen Karten lernen wir ein neues Europa kennen: Die GPS GmbH bietet eine "Europa-Karte" in digitalisierter Form an. Vorsichtig fragen wir nach, ob Island dabei wäre: "NEIN". Großbritannien? "NEIN". Irland? "NEIN". Norwegen? "NEIN". Schweden? "NEIN" - da geben wir auf, denn auf ein Europa(-Kartenwerk) ohne all diese Länder können wir verzichten.

Müde machen wir uns auf den Heimweg - eine gewaltige Gewitterfront zieht heran und mahnt zur Eile ...

Wer ausführlichere Informationen benötigt, findet diese im den Offiziellen Katalog 1998 der IOR, erhältlich bei der ORV Off Road -Veranstaltungs- und Management GmbH, Alte Landstraße 21, 85521 Ottobrunn.

   

© Text/Bilder 1998 Sixta Zerlauth