Canyonlands, Teil 1

Grand Junction, 24.10.2018: Wir sind aktuell auf dem Weg von Moab nach Grand Junction, der einzig größeren Stadt in dieser Gegend im Umkreis von über 300 km. Wir haben dort einen weiteren Termin mit einer LKW-Werkstatt, die auch Webasto-Heizungen installiert. Mal sehen, was geht. Die Tage seit dem letzten Bericht haben wir in vier großen Parks verbracht, die sich hier nördlich des Colorado aufreihen.

Vor Millionen Jahren geriet die Erdkruste von Nordamerika in Bewegung und formte mit der Zeit diese unvergleichlichen Canyonlandschaften. Die Triebkräfte Wasser, Temperatur, Sonne und Erdfaltungen formten seitdem die Natur. Entstanden ist eine Landschaft, wie sie abwechslungsreicher nicht sein kann.

Tiefe Canyonlandschaften, die bis zu 700 m senkrecht abfallen, wechseln sich ab mit monolithischen Formationen, die wie vergessen als Solitäre in der Natur stehen. Insbesondere in den Morgen- und Abendstunden leuchtet das rötliche Gestein faszinierend wie Feuer.

In jedem Park erhält der Besucher kostenlose Karten und ausführliches Informationsmaterial. In einem Raum erläutert jeweils ein Film die Geschichte und Schönheiten des Parks, Panoramareliefs veranschaulichen die Topologie, aufwendige Ausstellungen erklären die Geologie, die Tierwelt und die Entwicklung des jeweiligen Parks. Parkranger stehen kompetent mit Rat zur Seite, dazu gibt es für uns noch freies WLAN. Ein Souvenir- und Buchladen bietet manch interessante Dinge an. Ich stelle mir dann vor, wie ein amerikanischer Tourist erstaunt in München vor dem "Visitor Center" am Marienplatz steht ...

Der Bryce-Canyon NP

Dieser Canyon ist eigentlich kein Canyon, sondern eine 40 km lange, mehrere hundert Meter hohe Abbruchkante, an der sich bizarr-skurrile Formationen erodierten Sandsteins erheben. Die Panoramastraße folgt der Abbruchkante und von der Höhe aus gibt es immer wieder Aussichtspunkte und Wanderwege durch die schönsten Stellen ...

Im Bryce Canyon ... ... hier gibt´s viel zu fotografieren ...
Hohe Abbruchkante ... Bizarr-skurrile Formationen ... Eigentlich kein Canyon ...

Grand Staircase Escalante NM

NM bedeutet "National Monument" und in diesem sind auch Hunde erlaubt. Wir können uns somit auf Wanderwegen mit Hund Ben ohne Einschränkungen bewegen. Er umfasst ein riesiges Gebiet von 7.700 qkm mit mystisch engen Canyons, grünen Hochebenen, eigenwilligen  Felsformationen - alles, was Naturliebhaber begeistert. Es existiert nur eine sehr spärliche Infrastruktur, es gibt keine festen Straßen zu den Attraktionen, die Pisten werden sehr schnell zu unpassierbaren Lehmfallen, sollte es länger regnen ...

Versteinerte Wanderer ..? Eigenwillige Felsformationen ...
Keine festen Straßen zu den Attraktionen ... Bei Regen schnell unpassierbare Lehmfallen ... Alles, was Naturliebhaber begeistert ...

Capitel Reef NP

Capitel Reef ist ein langgestrecktes, fruchtbares Tal mit imposanten Felswänden. Ab 1860 wurde diese entlegene Gegend von den Mormonen urbar gemacht und umfangreiche Obstplantagen wurden angelegt, die heute noch existieren. Tief eingegrabene Schluchten laden zum Wandern ein, von denen abenteuerlich angelegte Wege entlang der Felswände bis auf das Plateau führen ...

Unterwegs im Capitel Reef ... Tief eingegrabene Schluchten ... Langgestrecktes, fruchtbares Tal ...
Einst von Mormonen urbar gemacht ... Imposante Felswände ...

 Moab, Canyonlands Nordseite

Aus der isolierten Lage der bisherigen Parks kommen wir mit Moab ist eines der großen touristischen Zentren. Mit Canyonlands und Arches gibt es gleich zwei NP´s vor der Haustüre und unzählige Outdoormöglichkeiten. Allein für 4x4 Freunde gibt Tausende Kilometer von Offroadpisten aller Schwierigkeitsgrade.

Gerne wären wir die White Rim Road mit 100 Meilen Länge entlang des Colorado Canyons gefahren. Leider geht dies nur ohne Hund, da diese durch den Nationalpark führt ...

Canyonlands Nordseite ... wieder bizarre Felsstrukturen ...
Tausende Kilometer Offroadpisten ... Große touristische Zentren nahe ... Erneut faszinierende Landschaften ... ... und abendliche Naturidylle ...

Auf dieser Etappe hatten wir noch zwei nette Begegnungen: Auf der Suche nach Frischwasser sprachen wir einen Bauern vor seinem Gemüsegarten an. Anfangs war er sehr zurückhaltend und zögerte, einen Schlauch anzuschließen. Als wir seine Tomatenstauden sahen und von unseren in Italien erzählten, taute er auf.

Nach der Tankfüllung war das Eis gebrochen, er führte uns in seine Kühlkammer, gab uns einen großen Beutel eigener Äpfel und ein tiefgefrorenes Stück Hirschfleisch. Wir konnten uns mit einem Glas unseres Olivenöls erkenntlich zeigen. So müssen Äpfel schmecken und so ein gutes Stück Fleisch haben wir selten gegessen ...

Selten so gutes Fleisch gegessen! Nette Begegnung unterwegs ...

Auf einem abgelegenen Übernachtungsplatz wurden wir von einem etwa 75-jährigen Mann mit langen Haaren und Bart angesprochen. Er fuhr ein eigenwilliges Mobil und fragte uns, ob wir Erfahrungen mit Russland und der Mongolei hätten. Er wollte sein Fahrzeug nach Italien verschiffen und über Norwegen und Russland in die Mongolei reisen. Er selbst kam aus Alaska und hatte sich sein Mobil als Schreiner selbst gebaut, aber schaut euch doch selbst ein YouTube Video dazu an:

Senior Builds Tiny Houses and Travels the World with His Incredible House Truck.

Fortsetzung folgt!


© 2018 Hans-Jörg Wiebe


Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Hans-Jörg finden sich in unserer neuen Autorenübersicht, die wir ab sofort und  künftig weiter
vervollständigen werden!