Part 3 - Into the Desert

Es war ein wunderbarer Mittwochmorgen: Die Sonne schien prall, der Himmel war blau. Patrick und ich hatten gut geschlafen, geduscht und den Komfort eines westlichen WC´s genossen. Wir begannen direkt auf dem Hotelparkplatz mit der Reparatur der beiden Rollen und tauschten beide Lager gegen die gestern erworbenen Exemplare aus. Auch wenn Chrysler gern für teuer Geld ganze Umlenksätze verkauft, so sind die Lager doch Standardware und nur eingepresst. Mit Bordmitteln wie Hammer, Nuss und einem Holz kann man sie sehr einfach tauschen. Deshalb ging es einige Hammerschläge später auch schon los. Wir durchquerten Errachidia von West nach Ost ohne Stopp und machten uns auf den Weg nach Erfoud. Irgendwo nach etwa 50 km öffnete sich zu unserer Rechten ein Tal: Grün und anmutig, teilweise wie der Grand Canyon.

Aussicht im Tafilalet-Tal ... Kleine Pause hinterm Tal mit Futtern und Posing .. ;-))

Es war das Tafilalet-Tal - sehr beeindruckend. Die Straße schlängelte sich direkt daran entlang und wir genossen die spektakuläre Aussicht. Auf einer Aussichtsplattform an der Straße wartete schon ein findiger Dattelhändler auf uns, um mir für 10 Euro eine Packung Monsterdatteln zu verkaufen. Die waren vielleicht keine 10 Euro wert (eigentlich 100 Dirham), aber geschmacklich doch der Gaumenschmaus des Tages. So saftig, so prall. Ab dann versprach ich aber, Patrick das Handeln zu überlassen ...

Hinter dem Ende des Tales bogen wir querfeldein von der Straße ab und steuerten auf den Fluss zu, der das Tal von weiter oben her speist und hier nur noch ein dreckiges Bächlein war. Wir parkten stilecht auf Felsen und begannen mit unserem Frühstück, das aus kühlem Joghurt, Crossoints, Nutella, Schafskäse und natürlich der italienischen Salami bestand. Frisch gestärkt zapften wir noch einen Kanister von der Brühe und präparierten es mit einer Überdosis Mikropur (Chlor + Silberionen) zum späteren Duschen oder zu was auch immer.

Durch Erfurt fuhren wir einfach durch und tankten noch mal voll kurz vor Rissani. In Rissani teilten wir uns dann kurz auf: Erst machte ich den einheimischen "Führern" klar, dass wir keine Hilfe brauchen und auch nicht bereit sind, Geld für´s Parken an jemanden zu bezahlen, der sich selber einen Ausweis gedruckt hat. Patrick bewachte die Autos, während ich schnell und zielgerichtet mehr Getränke kaufte, als ich eigentlich tragen konnte.

Danach verpackten wir alles, ich drückte dem Einheimischen heimlich ein paar Dirham in die Hand und alle waren glücklich. Mein Tipp aber: Kauft Getränke vorher ein, wartet nicht bis dort unten, wo man Touristen förmlich auffressen will ...

Noch mehr Posing ... Die Ausläufer des Erg Chebbi: Bisserl Sand kosten ...
... und festrammeln ... Navigations-Stop im Drâa-Tal ...

Nun ging es auf einer kleineren Straße weiter Richtung Erg Chebbi, dem Touristen-Sahara-Stück in der Größe von Berlin-Pankow. Wir fuhren ganz kurz ran, um etwas Sand zu spüren. Der Plan war aber ganz klar, Erg Chebbi auszulassen. Die Dichte der Herbergen dort unten ist aberwitzig: Kein Quadratmeter, wo nicht schon Spuren im Sand sind und der Schilderwald der Herbergenwerbung ist aufdringlicher als 10 McDonalds Schildertürme aneinander gereiht. Also an Nächtigungsmöglichkeiten fehlt es dort sicher nicht. Aber wir waren Abenteurer, wollten im "Outback" schlafen und so rasten wir, nachdem ich mich direkt mal in einer Mikrodüne festgefahren hatte, weiter gen Süden nach Merzouga.

Merzouga: Das hat mit Stadt nicht mehr viel zu tun. Das ist nur noch ein Touri-Dorf, wo die Einheimischen Pseudo-Trachten tragen. Nicht mit uns: 180° Wendung und zurück auf die Straße nach Taouz. Hier ist das Ende der Teerstraße, dort irgendwo beginnt die Piste ins Drâa-Tal. Die muss man aber erst einmal finden, denn so einfach ist der Einstieg nicht. Wir suchten eine Weile, fuhren auf gut Glück wiederum querfeldein und fanden schließlich eine fahrbare Strecke.

Aber vorher eine kleine Geschichtsstunde zum Drâa-Tal: Es hat seinen Namen von L'Drà, dem mongolischen Großfürsten, der dort in der Schlacht um Draal auf die Dramarier stieß und von ihnen vernichtend zurückgeschlagen wurde. Das war 1985. Das Blut seiner Männer, so sagt man, formte das Drâa-Tal und wenn man nachts genau hinhört, kann man ihre Klagelieder im Wind, der um die Tafelberge pfeifft, noch immer hören (Anm. der Red.: Nachdem uns diese Geschichte doch sehr stark an die klaren, mondhellen Nächte erinnerte, in denen der Wind herüber von der Sahara weht und man deutlich das verzweifelte Rufen der unglückseligen Toten von Bord der American Star hören könne, die schließlich auch nicht weit weg vom Drâa-Tal entfernt liegt (), wurden wir aufmerksam: Nach stundenlangen Recherchen und gnadenloser inquisitorischer Befragung des Autors gab der schließlich zu, diese Geschichte frei erfunden zu haben. Wir prüfen derzeit noch, ob er überhaupt je in Marokko war! ).

In unserer Begeisterung für pures Offroaden und die karge Natur fuhren wir unsere eigene Linie und erkundeten, was uns gefiel. An sich eine feine Sache, aber wir kamen dabei auf die andere Seite eines ausgetrockneten Flusses, der sich sehr tief ins Gelände geschnitten hatte und per Fahrzeug nicht überquert werden konnte. So fuhren wir weiter gen Südosten, immer zwischen einer Bergkette und dem Flussverwurf - bis sich beide an einer Stelle trafen und die Strecke zwangsweise ein abruptes Ende nahm. Wir wollten wenden und schon standen hinter uns zwei Einheimische auf Moppeds, die uns nunmehr verfolgten.

Wir brauchten eine ganze Weile, bis wir nach etlichen Zickzack-Routen eine Möglichkeit der Querung fanden und auf die andere Seite kamen. Und dort verlief dann natürlich auch die eigentliche Piste, der wir erstmal folgten. Wir hatten viel Zeit verloren, wollten heute eigentlich viel weiter kommen, doch es zeichnete sich langsam der nahende Sonnenuntergang ab. Aber noch war etwas Zeit. So verließ ich als führendes Fahrzeug die Piste gen Norden und wir fuhren in ein interessant aussehendes Sand-Geröllfeld, um einen besseren Ausblick zu haben. Dort angekommen pausierten wir einen Moment.

Weiter ging es zurück gen Piste, querfeldein und alten Wasserläufen in den Dünen folgend. Es folgte der erste Kamelkontakt: Eine Gruppe junger Kameloiden lag auf der Piste und hatte es sich bequem gemacht. Wir warteten, bis sie sich in Ruhe etwas fortbewegt hatten. Kamele tun so etwas freiwillig, ohne dass ein akkustischer Eingriff nötig ist ...

Wow ... Was würde uns erwarten? Wieder festrammeln, direkt am Lagerplatz Auch die Sonne macht für heute Pause ... Eier aufschlagen zum fetten Frühstücks-Rührei ...

Wir waren nun schnell unterwegs, die Landschaft wechselte zwischen Geröll, schnellen Passagen auf weißem Flussbettuntergrund und Sandzungen. Kleinere Ortschaften kamen immer wieder, wir umfuhren sie weitestgehend. Mitten in einer längeren Strecke aus weichem Sand, in der man eine gewisse Mindestgeschwindigkeit hätte halten sollen, versagte dann erstmals mein Fahrzeug - es ging aus. Der Starter klang, als wären die Batterien leer: Patrick gab mir Starthilfe. Allerdings wurde schnell klar, dass es sich hier um ein Masseproblem handelte und ich erinnerte mich an die eine Schraube, die ich noch festziehen wollte ... Ja, wollte ... aber es nie tat. Wie auch immer, es ging weiter. Die Sonne stand nun schon sehr tief und unser Kurs ging genau Richtung Westen. Durch die Frontscheibe war nichts mehr zu sehen. Ich hing den Kopf aus dem Fenster. um erkennen zu können, wo wir gerade fuhren. Zu unserer Rechten lag eine große einzelne Düne und auf dem Navicomputer sahen wir einen Track von Desertcruiser, der dort lang gefahren war. Wir beschlossen, unser Nachtlager hinter der Düne zu suchen.

Gesagt, getan: Da ich mit meinem Fahrzeug in Bezug auf Leistung, Turboloch und HD Kupplung in der Kombination mit Sand noch nicht vertraut war, rammelte ich mich erstmal so richtig fest. Wie immer kam V8-Grafe und zog mich raus. Alles natürlich unter den Augen eines Ziegenhirten und seiner beiden Kinder.

Da kommen wir zu einem der wichtigsten Punkte der Reise. "Sie sind überall". Egal in wie abgelegenen Gegenden du bist. Bleib stehen und es dauert keine 10 Minuten und ein "Larry" ist da. Nun, wir verabschiedeten uns von der Schafhirtengruppe und schlugen unser Nachtlager endlich auf. Ein wirklich schöner Platz: Auf der einen Seite eine große Düne, auf der anderen die Berge. Im Sand nur Spuren von Kamelen, Schafen, Ziegen, Hunden und anderen Tieren ...

Zum Abendbrot gab es Pfeffer-Gnochi. Ich hatte etwas zuviel Pfeffer verwendet und das Essen wurde feurig scharf. Wir machten uns ein kleines Lagerfeuer in Form einer Dose Benzin (kein Brennmaterial vorhanden dort) und genossen den Abend, der doch recht frisch zu werden versprach ...


© 2011 Andreas Pflug