Vulkanausbruch in der Nachbarschaft ..?

Sehr zu empfehlen ist der nördliche Weg am Markarfljót (der Fluss nach Þórsmörk) ins Fjallabak, die F261. Der südlich gelegene Weg F249 führt beim Seljalandsfoss nach Þórsmörk und der nördliche ins Fjallabak. Das Fjallabak ist zum Ersten eine echte Herausforderung für das Auto und zum Zweiten landschaftlich ein Traum. Die F210, auf die man stößt, ist in beide Richtungen der Hammer. Egal, wie man abbiegt. Da muss man auch mal kitschige Bilder machen!

Regenbogen auch in Island aktuell ...

Ich fuhr nach diesem Trip ins Fjallabak und Erkundung einiger Wege dort auf die N1, die Ringstraße, und wollte nach Osten. Da schrieb eine Freundin, dass im Fagradalsfjall was los sei: Sie meinte die Erdbebenserie, die dort einen Ausbruch ankündigte. Also bin ich kurzerhand umgekehrt. Das Wetter sollte ja auch im Westen gut sein. Nun überschlugen sich fast ein wenig die Ereignisse. Ich hatte vorher schon mitbekommen, dass es lokal um den Vulkan im Fagradalsfjall Erdbebenserien gab. Von daher hatte ich ein Auge darauf, um rechtzeitig da sein zu können, falls es los ging.

Ich befand mich gerade zwischen Grindavík und dem Fagradalsfjall auf einer Anhöhe mit gutem Blick zur Ausbruchsstelle des letzten Jahres, als mich mein Kumpel anrief. Er meinte am Telefon, es ginge eben im Meradalir (vor meiner Nase also) los. Da ich das Fernglas gerade in der Hand hatte, schaute ich hinüber und erklärte ihm, das könne nicht sein. "There is not even smoke." War aber doch so und so erlebte ich tatsächlich bereits die ersten Minuten ...

Ich konnte glatt am nächsten Tag einen Weg fahren, der inzwischen gesperrt und nur für Wissenschaftler befahrbar ist. Ich machte spektakuläre Aufnahmen vom Ausbruch. Sie sind für mich spektakulär, denn zu Fuß ist die Stelle für mich unerreichbar.

Ich kann es immer noch gar nicht fassen, dass ich das erleben durfte. Ich bin ein Glückspilz! Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich nach einem dummen Unfall gehbehindert bin und der Weg zu Fuß, obwohl er immer noch offen ist, für mich völlig ausgeschlossen ist. Es war tatsächlich sagenhaftes Glück, mit dem Auto fast bis dorthin zu kommen. Vom Auto zur Eruption sind es ein paar hundert Meter Sichtlinie. Zu Fuß wären es von den angelegten Parkplätzen für die Eruption des letzten Jahres ca. 6 bis 7 km gewesen und damit für mich unerreichbar, da es auch noch steile Anstiege in unwegsamen Gelände gab. Der Weg, den ich nahm, ist zwar eine inzwischen außer für Wissenschaftler gesperrte Straße, aber ich fand einen legalen offenen Seiteneinstieg durch ein Lavafeld. Das Lavafeld war herausfordernd, aber der Landy hat es gemeistert ...

Zu Fuß zum Vulkanausbruch wäre schwieriger gewesen ... ;-)) Für Nachtbeleuchtung ist gesorgt ...

Die dortige Polizei war außer den SAR Leuten (Search and Rescue) natürlich anwesend, aber sie sind völlig anders, als man so erwarten würde. In Mitteleuropa hat man irgendwie ein anderes Verhältnis zu solchen Autoritätspersonen. Dort wollen sie es den Menschen ermöglichen, alles zu sehen und helfen wo sie können. Wenn es Restriktionen gibt, dann sind sie auch fundiert und haben einen Grund. Durch die Windrichtung ändert sich das mit der Gasbelastung von Stunde zu Stunde. Man tut also sehr gut daran, sich an ihre Anweisungen zu halten, denn nichts wird ohne stichhaltigen Grund eingeschränkt, auch wenn es nicht sofort offensichtlich ist.

Ich fand einen wunderbaren Übernachtungsplatz fast in Sichtweite. Nachts um halb zwei lief unter den rot glühenden Wolken eine Lichterkette aus Stirnlampen vom Berg. Man stelle sich das in einem anderen Land vor. So etwas ist nur in Island möglich … und Polizei sowie SAR Teams passen auf einen auf. Man spürt dieses Wohlwollen und kann es nur grandios finden.

Nach diesen unglaublichen Eindrücken kam in mir tatsächlich ein sehr zufriedenes Gefühl auf wie "Jetzt hast du eigentlich genug erlebt, jetzt kannst du wieder nach Hause fahren." Ich machte mich darum auf den Weg zur Fähre nach Osten, um eine Standby Fahrt zu ergattern.

Zwischen und Osten und Westen ...

Auf dem Weg dorthin konnte ich am Morgen im Bett einen Steinschlag von einer steilen Wand hören. Die vielen Erdbeben wirkten immer noch nach. Zum Glück stellte ich mich schon am Vorabend so hin, dass nichts passieren konnte. Man sollte seine Stellplätze immer so wählen, dass man nicht getroffen werden kann, wenn mal was herunter kullert. Der Vulkanausbruch und die durch die Erdbebenserie auf vielen Wegen liegenden Steine haben meine Sinne dafür noch einmal extra geschärft.

Die vielen alten Land Rover auf den Höfen sind inzwischen fast überall verschwunden. Früher gab es sie sehr häufig, weil die Isländer nichts wegschmeißen … wegschmissen? Auch hier ändern sich die Dinge und auf dem Weg nach Osten waren sie kaum mehr zu finden ...

Land Rover Museum unterwegs ... Relikte aus vergangener Zeit ...
Isländer schmissen nichts weg? Einstiges Schätzchen auch hier ... Den Motor konnte man noch gebrauchen ...

Am Tag vor der Fährankunft wollte ich in Seyðisfjörður mal ins Smyril Büro gehen und auf mich aufmerksam machen, damit ich mitkomme. Es war jedoch nicht wirklich erfreulich, obwohl mir das per Mail von Smyril empfohlen wurde. Eine Fährpassage ist Standby ausgeschlossen, weil die ganze Besatzung des Büros am Schiff beschäftigt ist, wenn die Fähre schon im Hafen liegt. Es ist also gar keiner im Büro, der prüfen könnte, ob da irgend jemand nicht auftauchte und ein Platz frei geworden ist. Zudem wurde mir gesagt, dass freie Plätze im Schiff immer anderweitig genutzt werden. Standby zu fahren kann man also sowieso abhaken, selbst wenn man die Zeit dazu hat. Bis Ende September sei zudem alles ausgebucht. Das war dann doch einen Tick zu lange.

Mir wurde im Büro jedoch Smyril Cargo empfohlen und nach einem Blick ins Computersystem gleich mitgeteilt, dass da wohl was frei wäre. Es handelt sich dabei um RoRo-Frachtschiffe, die zweimal pro Woche von Þorlákshöfn im Westen Islands aus nach Rotterdam fahren. Na gut, dann versuche ich das, ich habe ja als Rentner keinen Zeitdruck! Der Unterschied ist allerdings, dass man nicht selbst mitfahren kann und noch einen Flug braucht ...

Auf der Fahrt von Seyðisfjörður zurück ins Land fühlte ich mich, als wäre ich zum siebten Mal gerade eben in Island angekommen. Man erkennt sofort die Neulinge, die bereits am ersten Wasserfall stehen bleiben und ihn andächtig bewundern. Das ist nicht unberechtigt, aber sie werden in den folgenden Tagen noch feststellen, dass er höchstens drittklassig ist. Ich musste ja wieder zurück in den Westen der Insel und konnte diesmal durch das Hochland fahren. Ich hatte im Vorfeld schon die Vorstellung, die Gæsavatnaleið sýðri endlich mal zu fahren. Hier war ich schon einmal gescheitert, weil sie gesperrt war.

Ich fragte also an der Askja eine Rangerin, ob die Strecke befahrbar sei und sie erklärte mir, wie es unter Umgehung einer Furt, die viele Opfer fordert, zu machen sei. Wieder kam mir schier unglaubliches Glück zu Hilfe, denn ich lernte an der Askja Berni und Maggy aus Salzburg kennen und konnte mit ihnen zusammen die Gæsavatnaleið sýðri fahren. Bei solchen Strecken ist es schon geboten, sie möglichst nicht alleine zu fahren. Die beiden standen am Askja Camping mit ihrem Jeep (manchmal muss man einfach in den sauren Apfel beißen ) neben mir und ich fragte sie einfach. Die beiden wollten die Strecke auch fahren und so taten wir uns zusammen.

So ergab sich ohne Zweifel und fast zufällig ein weiteres Highlight dieser Reise mit völlig umwerfender Sicht ins Hochland vom höchsten Schotterweg Islands. Zusammen mit sehr sympathischen Leuten noch dazu. Direkt vom Rand des größten Gletschers Europas, dem Vatnajökull, ist von über 1.100 Metern Höhe die Sicht nach Norden in das Hochland atemberaubend. Der Weg führt am Nordrand des Vatnajökull entlang und bietet unglaubliche Aussichten ...

Auf ins Hochland: Always cross in company! Weiter Blick ... ... und hervorragende Aussichten ...

Leider gab auf dieser Strecke die hydraulische Unterstützung meiner Servolenkung auf. Ab jetzt gab es also dicke Oberarme. Die Servopumpe förderte nichts mehr und der Hydraulikdruck war weg. Dann musste es eben nach Kräften ohne den und mit Muskelschmalz weitergehen: Ächz ... aber so ein Land Rover ist ja nie ganz kaputt ... auf jeden Fall wurde offensichtlich, warum man nicht alleine fahren sollte. Etwa 40 km Fußweg in beide Richtungen mit nur einer Schutzhütte wären sonst im Extremfall zu Fuß zu bewältigen ...

Zurück mit Smyril Cargo

Nach dieser umwerfenden Tour, die die Reise schon alleine wert gewesen wäre, kümmerte ich mich um die Rückreise bei Smyril Cargo und um meine Lenkung, soweit es ging. Die Lenkung stellte sich als voll funktionsfähig heraus, aber nur ohne hydraulische Unterstützung. Ok, das war verkraftbar. Ich baute den Keilriemen der defekten Servopumpe gleich ganz aus, damit die Pumpe nicht unnütz mitlief und vielleicht noch mehr Schaden anrichtete.

Bei Smyril Cargo konnte ich tatsächlich quasi sofort einen Platz haben. Natürlich fragte ich einfach mal, ob man auf dem Frachter denn auch mitfahren könne? Man hört ja immer häufiger von Frachtschiffreisen. Meine Frage führte allerdings zu allgemeinem Gelächter im Büro: Dieses Bedürfnis hatte man noch nie gehört. Montag gebucht für Mittwoch danach, also nur zwei Tage später ... echt der Hammer! Das hätte ich nicht erwartet. Mir wurde noch gesagt, dass umbuchen kein Problem sei, wenn es mit dem Flug Probleme gäbe. Einen Tag später habe ich dann telefonisch noch von Mittwoch auf Freitag umgebucht, weil ich am Mittwoch keinen sinnvollen Flug finden konnte. Telefonisch und absolut unkompliziert.

 Smyril Cargo ist eine echte Alternative zur Fähre Norröna: Die Leute dort sind extrem "gelenkig" und helfen, wo es geht. Schließlich konnte ich am Freitag mein Auto bei Smyril Cargo abgegeben. Lange habe ich im Café Bristol in Þorlákshöfn gesessen und prima mit der Wirtin geratscht. Die Fahrt nach Keflavik war spät, weil mein Kumpel lange arbeiten musste. Er brachte mich zum Flughafen und so musste ich mich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln quälen.

Vielen Dank nochmal dafür an dieser Stelle! Es ist schon toll, Freunde in Island zu haben. Auch die anschließende Abholung in Rotterdam einige Tage später war völlig problemfrei. Das Auto kann fünf Tage nach Ankunft kostenfrei stehen bleiben, bis es abgeholt wird. Unter dem Strich ist zusammen mit allen Sekundärkosten Smyril Cargo wohl etwas teurer, aber es bietet die Möglichkeit, zwei Tage ohne Fahrzeug in Rotterdam oder Reykjavik zu bleiben. Das muss man einfach abwägen.

Resumé

Island hat sich mal wieder voll gelohnt, obwohl das Wetter im Sommer 2022 eher schlecht war ... und es hat sich nicht nur wegen der spektakulären Erlebnisse mit dem Vulkan und der Gæsavatnaleið gelohnt. Wie immer sage ich zum Abschluss, dass es nun aber wirklich genug sei - wohl wissend, dass dieses Gefühl in wenigen Monaten wieder völlig verfliegen wird ...


© 2022 Sigi Heider  


Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Sigi Heider finden sich in unserer Autorenübersicht