12.Tag: Dienstag, 26.08.97, 06:00 Uhr UTC

Wieder wird um 6:00 Uhr aufgestanden: Schließlich geht es heute weiter nördlich, die berüchtigte F88 lang, und wer weiß, was sie uns noch zu bieten hat!

Es ist schon merkwürdig mit den Pisten hier, z.T. sehen sie schlimmer aus als sie sind, aber auch umgekehrt, teilweise rollen wir erneut über üble Waschbretter. Der Explorer quietscht mal wieder und produziert stets neue Geräusche, insgesamt aber sind Fahrzeug und Kabine ok nach diesem extremen Härtetest. Nur die Schraube vorn verlangt nach breiterer Unterlegscheibe, hat sie sich doch deutlich in den Kabinenboden eingegraben. Eine Überprüfung der hinteren 2 Schrauben ergibt ähnliches, wenn auch bei weitem nicht so stark wie vorne bei der einzelnen. Für welche Art von Pisten sind die Unterlegscheiben gedacht? Wir müssen beim nächsten Mal beim Hersteller nachfragen!

Wir erreichen die zwei letzten Furten auf unserem Trip entlang der F88, die allerletzte ist die bekannte über die Lindaá, die hier einen breiten Nebenarm der Jökulsá á Fjöllum ausbildet.

Die Furt verfügt wieder über ein Schild mit Anleitung zum Durchfahren, scheinbar fordert hier der Tourismus doch seinen Tribut. Allerdings ist die Furt auch beeindruckend breit, so dass man versteht, warum sie so manchem nicht geheuer ist. Der Vorfurter stapft gekonnt hindurch, nur diesmal laufen die Stiefel trotz wasserdichter Überhose voll, da der Weg hindurch doch länger ist als so oft ...

Wieder mal Furten an der Lindaá ...Nun gut, es ist geschafft, und der Rest bis zu unserem nächsten Ziel Reykjahlið am Myvatn scheint nur noch Routine zu sein. Doch weit gefehlt! Die F88 scheint sich noch endlos zu erstrecken auf dem Weg nach Norden, obwohl es von Herdubreiðarlindir bis zur Straße 1 nur ca. 60 km sind. Ein Waschbrett jagt das nächste, die Pistenrandsau kommt wieder zum Einsatz, der Explorer gibt erneut erschreckende Geräusche von sich, die zu einer ausgiebigen Inspektion Anlass geben. Doch wie schon vorher: Nichts festzustellen!

Ein Bus kommt uns entgegen, danach einsame Motorradfahrer, und am Horizont wird ein Felsen größer und größer, von dem wir glücklicherweise nicht wissen, dass er die nahe Auffahrt auf die Ringstraße 1 markiert - wie so oft korrigieren wir unsere erwartete Ankunft, das GPS zeigt je nach Streckenabschnitt eine erschreckende ETE bis zur Straße 1.

Doch irgendwann ist es soweit: Die F88 ist geschafft und stolz verweilen wir an den vielfältigen Schildern, die an der Abzweigung von der Straße 1 (N 65°37,5368´ W016°15,06131´) auf kommende 4x4-Strecken und nur wenige Tankmöglichkeiten Richtung Süden verweisen ...

Wir brausen auf der nationalen Haupt- und Ringstraße 1 Richtung Westen nach Reykjahlið und staunen, dass erstmals seit Tagen das GPS wieder weniger Minuten als Kilometer bis zum Ziel anzeigt, dabei vierter oder gar fünfter Gang auf einer Betonstrecke - kaum zu glauben!

Vorbei an Namarskard, den Solfatarenfeldern, die wir vor zwei Jahren besucht haben und dem Abzweig zur Krafla schrauben wir uns rauf und runter zur "Hauptstadt" des Tourismus am Myvatn, wo wir nach Tagen im Hochland endlich mal wieder die Segnungen der Zivilisation genießen wollen. Außerdem braucht der Explorer einen Ersatz für die vordere Unterlegscheibe, ein Problem, das wir direkt nach unserer Ankunft bei einer Autowerkstatt in der Nähe des Supermarktes lösen.

Der Meister findet nach einigem Suchen eine Metallplatte von fast 7x7 cm mit Bohrung, die zwar einiges Gewicht aufweist, unsere mickrige Unterlegscheibe allerdings optimal ablöst (Anm. der Redaktion: Auch heute noch im Jahr 2001 fahren wir mit dieser Metallplatte!). Dass er dafür nichts kassiert, versteht sich hierzulande fast von selbst, obwohl wir gern dafür bezahlt hätten.

Danach gehts wie ebenfalls vor zwei Jahren ins Hallenbad und in den Hot Pot, draußen lauern derweil unerbittlich Schwärme von Mücken, die allerdings nicht stechen (Sind halt Männchen!).

Wie schon bei unserem Trip Island 95 stellen wir uns nach den Badefreuden (diesmal mit dem Explorer anstelle des damaligen Scampers), auf den Rasen des Campingplatzes Eldá. Es ist der selbe schöne Platz am See, den wenige Wochen zuvor auch Anton Berger bei seinem Trip Island 97 mitsamt Sohn Max aufgesucht hatte (was wir allerdings erst später erfahren).

Bei wieder mal tollem Wetter und steifer Brise ist es diesmal erneut der Skywindow-Starkwinddrachen, der auf dem Campingplatz mitsamt einigen Windturbinen für Aufsehen sorgt ...

Nach 2 Jahren endlich mal wieder am Myvatn ...

Dass bald darauf Regen einsetzt und uns zwingt, den Drachen einzuholen, stört nicht mehr. Der Fußweg in die "City" mit ein, zwei verbliebenen Touristenshops ist ein "Muss", auf einen Besuch des anderen Campingplatzes und des Flugplatzes wie vor zwei Jahren verzichten wir diesmal.

Drei bombastische Bigfoot-Fahrzeuge, eines davon tatsächlich mit einer ebenso auffälligen Pickup-Aufsetzkabine, erregen unsere Aufmerksamkeit. Ausgestattet mit GPS und allem, was das isländische Autofahrerherz höher schlagen lässt, tanken sie im Ort vor ihrer sicherlich aufregenden Tour abseits aller Pisten - Island, deine Autofahrer haben es besser! 

13.Tag: Mittwoch, 27.08.97, 06:30 Uhr UTC

(Siehe auch Übersicht "Küstentour")

Nach dem üblichen ausgiebigen Frühstück ist die heutige Tour klar: Es geht gen Norden zum zweiten Teil unseres Trips, diesmal überwiegend entlang der Küste.

Nach den notwendigen Einkäufen im Ort Reykjahlið mit den ebenfalls dort üblichen Begegnungen mit Touristenbussen (denn schließlich ist hier eines der touristischen "Zentren" der Insel) brechen wir zunächst auf in Richtung Osten.

Unser erstes Ziel ist die Bedarfstankstelle Grimstunga (N 65°38,75603´ W016°07,48492´), wo wir uns für die weitere Strecke auffüllen wollen. Staunend vermerken wir, dass hinter unserer erneuten Überquerungsstelle der Jökulsá á Fjöllum, diesmal wieder auf einer Brücke und der Ringstraße 1, eine riesige Baustelle die Verlegung der Hauptstraße markiert. Die Wanderer, die uns auf dieser Strecke entgegenkommen und genau die Hauptstraße entlang marschieren, anstatt mit einfachem Kompasskurs ihren vermutlichen Weg Richtung Reykjahlið zu finden, schauen genauso unglücklich drein wie so viele andere Wanderer, die wir unterwegs in Island treffen - wissen die eigentlich vorher nie, was sie hier erwartet ..?

Die Tankwartin in Gimstunga scheint nicht gerade erfreut darüber zu sein, dass um diese Jahreszeit noch einer ihre vorwinterliche Ruhe stört anstatt eine der Haupttankstellen aufzusuchen - aber wir werden nach ihrer Anfahrt mit dem Geländewagen vom nahen Hof aus dennoch bedient und können schon kurz darauf unsere Fahrt fortsetzen.

Über die Straße 864, eine echte "Mainroad" mit Hochland-Feeling, d.h. entsprechender Umgebung einschließlich "Gravel" und Wellblech, geht es Richtung Dettifoss, Islands mächtigsten Wasserfall.

Vom nahen Parkplatz (N 65°49,13843´ W016°22,7954´) ist wieder ein Fußweg zum Wasserfall erforderlich, aber das Ergebnis lohnt. Auch wenn sich hier einige Touristen einfinden, ist der Wasserfall samt Regenbogen stark beeindruckend, den auch hier unser bestens bekannter und mittlerweile beliebtester Gletscherfluss bildet, die Jökulsá á Fjöllum ...

... brodelndes Wildwasser ... ... mit Regenbogenidylle am Dettifoss ...

Als wahrscheinlich bekanntester aller isländischer Wasserfälle stürzt er sich an dieser Stelle ca. 44 m in die Tiefe eines Canyons, der nicht nur in Island seinesgleichen sucht. Mit einer Wassermasse zwischen 200 und 1.500 Kubikmeter (zur Zeit der Schneeschmelze) ist er zugleich der wasserreichste Wasserfall Europas. Auch hier dominiert die beeindruckend graue Färbung, die uns bereits während des gesamten Verlaufs dieses Gletscherflusses begleitet hat.

Blick von weit oben auf den Hafragilsfoss ...Wir folgen der Straße 864 zwei Kilometer weiter nach Norden zum nächsten Wasserfall, der bereits kurz hinter dem Dettifoss als weitere Attraktion wartet, dem Hafragilsfoss (N 65°50,17097´ W016°23,98534´). Der stürzt sich immerhin noch 27 m tief herab, wobei sich von hier oben nun der Eindruck einer fantastischen Spielzeuglandschaft im stetigen Wechsel der Lichtverhältnisse bietet. 

Auch hier verweilen wir mit Blick auf eine beeindruckende landschaftliche Kulisse, die mit Basaltformationen im steil abfallenden Canyon wieder einmal den Eindruck erweckt, in einer anderen Welt zu sein ...

Wir lassen die wenigen Touristen zurück, die ihren Weg hierhin gefunden haben und folgen der Straße 864 weiter nach Norden in Richtung auf unser heutiges Ziel, dem Campingplatz von Asbyrgi. Die letzten Meter auf der zeitweise recht schmalen Piste mit Blick auf das nahe Meer an der Nordküste Islands sind wie immer spannend. Der uns entgegenkommende Bus kann uns noch passieren, da wir fast am Ende der Piste sind, mit dem nahen Ziel fast vor Augen.

Die geologisch angeblich weltweit einzigartige Formation Asbyrgi erwartet uns als ca. 3,5 km lange "Anlage", von rund 100 m hohen Felswänden eingeschlossen und ein gewaltiges Schluchtenhufeisen mit entsprechender Geschichte und Legendenbildung darstellend. Es handelt sich hier um das alte Jökulsá-Bett, das sich im Laufe der Zeit verlagerte. Geblieben ist eine ca. 1 km breite Schlucht, die mit Teich, Büschen und Bäumen eine für Island recht untypische Atmosphäre bietet.

Der am Ende der "Anlage" liegende zweite Campingplatz erweist sich aufgrund der hier höheren Felswände zwar als der landschaftlich reizvollere, da er jedoch ungünstig für ein Campmobil ist, entschließen wir uns auf den vorderen Platz zurückzufahren (N 66°01,54922´ W016°29,74801´). Das heute wieder herrschende Superwetter reizt dazu, vor dem Explorer auf dem weitläufigen Areal des Platzes in der Sonne zu sitzen und meditativ mit Unterstützung einer Dose Bier die gegenüberliegende schnurgerade Felswand auf sich wirken zu lassen ...

Alternativ hierzu ist ein Fußweg zum Teich des hinteren Camps zu empfehlen mit unvergesslichen Eindrücken von Stein- und Birkenpilzen, Wacholder, Fliegenpilzen und Blaubeeren, zahmen Möwen, Heidelandschaft in Hülle und Fülle sowie Birkenwald. Unser Tipp: Eigentlich ist das Felsenhufeisen von Asbyrgi eine Gegend, in der man unbedingt mehrere Tage zubringen sollte, sofern die Zeit vorhanden ist!

... Der Felsen von Asbyrgi ... ... mit Idylle davor ...

Wir trauen unseren Augen kaum, als wir ganz in unserer Nähe wieder den uns bekannten "Hochland-Hymer" entdecken. Der ältere Herr mit dem schlohweißen Bart erkennt uns sofort wieder und schnell ergibt sich eine längere Unterhaltung. Mit der ersten Fähre gekommen ist er mit seiner Frau und gemeinsam mit uns werden sie mit der letzten Fähre Island wieder verlassen. Rentner müsste man sein! Er erzählt uns von seinem Hymer, der immer wieder bestaunt wird, selbst in Island. "Eine Versammlung von Wohnmobilisten dort in der Nähe seines Fahrzeugs. Gleich liegt der erste unter dem Auto, sagt er zu seiner Frau. Nein, meint sie, da liegen schon sechs."

Extra für Island haben sie ein CB-Funkgerät angeschafft, wegen der Sicherheit. Abgesehen davon, dass man noch mit niemandem Funkkontakt hatte, ist wohl auch die Konstruktion der Antenne am Fahrzeug falsch, zu wenig Masse. Dies können wir als "echte" CB-Funker nur bestätigen, in der Tat ist die Verbindung der Antenne mit der Hymer-Außenzelle unzureichend, kein Wunder, dass es hier schlechte "S-Werte" gibt! Aber was ist das? Es stellt sich heraus, dass die Hymer-Besatzung keinen Schimmer von CB-Funk hat und (natürlich) auch keinen Skip. Eine Kurzunterweisung nimmt ihren Lauf: Was ist ein Skip, was sind S- und Radio-Werte, was ist ein Squelch, QRV, CQ und QRZ, was ist ein "Träger", der heute in Asbyrgi zu hören zu sein scheint?

Nach verschiedenen Vorschlägen wird als Skip sein "Seehund" akzeptiert, ab sofort und in den folgenden Tagen wird der neue Skip der Hymer-Besatzung regelmäßig gerufen, wenn auch mit nahezu keinem Erfolg. Auf jeden Fall wird vereinbart, ab sofort auf Kanal 6 "QRV" zu sein ...

Der traumhafte Sonnenuntergang an der gegenüberliegenden Felswand ist fast schon surreal, wie schon so oft entsteht bei dem nachfolgenden Spaziergang am Rande der Abbruchkante mit Blick in die Tiefe und auf die Felswände der Hufeisenschlucht nur der Eindruck, hier nicht wirklich real "da" zu sein, aber für nur eine Illusion sind die Eindrücke doch zu intensiv, oder ..?


© Text/Bilder 1997 J. de Haas