Anreise und Freitag in Dublin

Die Begrüßung ist stürmisch nach 20 Jahren! Zwar hatte der Pilot schon kurz nach dem Abheben in Frankfurt darauf hingewiesen, daß uns in Dublin Böen mit Sturmstärke erwarten würden, aber als wir nun bei Sonnenschein tief über der Irischen See in Richtung Küste mehr einreiten als einschweben, kommt doch kurz ein gewisses Unbehagen auf - aber wird schon gut gehen!

Nach dem Aufschlag auf der Landebahn beweist vereinzelter Applaus in unserem Lufthansa-Linienflieger, daß auch andere Passagiere recht froh zu sein scheinen, wohlbehalten angekommen zu sein - Irland hat uns wieder!

Wir waren schon recht früh aufgestanden an diesem Freitagmorgen in München. Wegen des nur kurzen Aufenthaltes in Irland kann das eigene Auto am Flughafen geparkt werden, immer noch billiger als eine Taxi-Anfahrt nach Hallbergmoos - schließlich hat München ja keinen eigenen Flughafen mehr!

Gegen 8:00 Uhr sind wir am Airport und warten in aller Gemütlichkeit auf unseren Flieger nach Frankfurt. Wir ignorieren entweder die Anzugsbomber an diesem Morgen oder freuen uns, daß wir heute nicht dazu gehören! Die Umsteigezeit hier reicht trotz aller modernen Verspätungsflugpläne aus, um unseren Anschlußflug zu bekommen, schließlich kommt man aus München nicht direkt nach Dublin, echtes "Drehkreuz des Südens"!

Mit nur halbstündiger Verspätung heben wir ab: endlich sind wir sind auf dem Weg zur "Grünen Insel"! Welche Motive das Explorer Team (diesmal ganz unsportlich mit dem Flieger) nach Irland führen, haben wir schon aufgeführt, eine ganze Menge auf einmal!

Ja, und davor muß man erst mal in Dublin ankommen. Kurz nach Mittag landen wir auf dem Dublin Airport - 1 Stunde und UTC gewonnen!

Wir schlagen uns zur "National" Autovermietung durch und mieten für 2 Tage ein Gefährt mit Rechtssteuerung - sie bieten uns einen Toyota Corolla mit Automatik an - na gut! Wieder sind wir in einem Land mit dem ach so geliebten Linksverkehr, aber wir halten uns nach Schottland 98 noch für sehr abgehärtet, einen Unfall wollen wir diesmal um jeden Preis vermeiden.

Noch vor wenigen Jahren fand man in allen Reiseführern den Hinweis, daß es in Irland keine Autobahnen gebe - wie schön waren doch die Mietwagen-Touren des Berichterstatters in den 70ern!

Die nächsten Tage bleibt fest im Gedächtnis haften, was der Mann von der Autovermietung bei der Abfahrt hinter uns herruft: "Next roundabout clockwise and BE CAREFUL!" Der erste Kreisverkehr erwartet uns nur wenige hundert Meter hinter dem Flughafen bei der Auffahrt auf die M1, die Autobahn nach Dublin. Selbstverständlich müssen auch hierzulande bei Neubauten sofort  unsere heißgeliebten mehrspurigen Kreisel her, irisch pragmatisch natürlich direkt mit Ampeln ausgestattet, was die Absurdität dieser "Verkehrsberuhigungsanlagen" endgültig deutlich vor Augen führt.

Zum Glück gehts erst mal schnurgerade immer direkt auf Dublin zu, keine Abzweigungen müssen beachtet werden. Schnell wird der Verkehr jedoch immer dichter und der Stre▀pegel steigt an wie im Cockpit einer Cessna: direkt ins Volle mit dem Verkehr einer Landeshauptstadt, unbekannte Verkehrsführung, Linksverkehr, Rechtssteuerung, Automatik, die vorerst nach Rennfahrerart bedient wird: linker Fuß auf der Bremse, rechter auf dem Gas (ändert sich später zu normaler Fahrweise!).

Klar, daß wir uns in der City sofort verfahren. Wollen wir doch ausnahmsweise nicht über die legendäre O´Connell-Bridge, aber über dieses jahrzehntealte Nadelöhr müssen alle, ob sie wollen oder nicht! Komisch nur, daß wir auf der Live-Cam dieser Brücke immer nur wenig Verkehr zu sehen scheinen, während wir persönlich bei allen Überfahrten immer mitten in der Hölle zu sein glauben!

Dublin by Night ...Beim ersten Versuch klappt gar nichts, eine Verkehrsleitung folgt der nächsten, selbstverständlich immer in eine andere als die gewünschte Richtung, rudelweise stürmen Fußgänger ohne Beachtung jeglicher Ampeln über die Straßen (was hier z.T. gar nicht anders geht, wie wir später selbst als Fußgänger noch erfahren werden!) - kurzum erneut ein Verkehrs-Alptraum!

Irgendwann kommen wir völlig fertig in der Camden Road an, sehen zufällig die Hoteleinfahrt, schaffen den Weg durch die Absperrung und dürfen aussteigen! Der mangels Sitzhöhenverstellung erforderliche Isländer, der als Sitzgelegenheit nötig ist, um über die Motorhaube des Corollas blicken zu können (!), kann ausgepackt werden und wir betreten das recht sympathische Hotel Camden Court, das auf dem Zimmer schon mit einem namentlichen Willkommens-Bildschirm auf dem Fernseher wartet.

Strömender Regen setzt abends ein, als wir den Fußweg in die City antreten. Da manche Ampeln einfach kein Grün für Fußgänger anzeigen wollen, trotz heftig gedrückter Knöpfe durch unzählige Passanten, finden wir uns bald mitten zwischen den hektisch über die Fahrbahnen rennenden Fußgängern wieder, die sich offenbar in Horden stark genug fühlen, den Autofahrern eine geringfügige Verlangsamung ihrer Geschwindigkeit abzutrotzen.

Trotz des miserablen Wetters herrscht wüstes Gedränge in der City - bald flüchten wir in ein Thai-Restaurant, das hervorragendes Essen und Service bietet - die gut 10% Service-Zulage sollte man hier nicht vergessen, auch wenn sie nicht auf der Rechnung steht.

Einen der berühmten "Dublin-Walks" können wir aufgrund des strömenden Regens vergessen, dafür sitzen wir bald umso intensiver in einem der unzähligen Pubs, die hier an jeder Ecke in bester Ausstattung vorhanden sind und auch immer brechend voll zu sein scheinen. Als auch noch der PC-Diskjockey mit seinem Equipment aus der Holzkiste loslegt, wirds endgültig saugemütlich - ein Smithwicks´s bitter jagt wieder mal das nächste - auch der günstige und milde Tullamore Dew rundet als Whisky erster Güte den Abend weiter ab. Auffallend viele Security-Leute sind hier überall - auch als Türsteher und im Lokal mit Ohrhörer - Erinnerungen an den Film "Staatsfeind Nr. 1" werden automatisch wach - aber sicher keine Leute von der NSA!

Trunken voller Eindrücke, Bitter und Whisky,  suchen wir irgendwann am Abend wieder das Camden Court auf - der nächste Tag wartet schon mit vollem Programm ...


© Text 1999 J. de Haas, Bilder: Ireland Now