Einsatz Garmin DriveSmart 61 mit BaseCamp

Wahre Liebe sieht anders aus ...

BaseCamp

Viele Jahre ist das Navigationsgerät Falk FA Z10 ein treuer Begleiter gewesen: Zwar wurde im Lebenslauf des Gerätes der kostenlose Kartenupdateservice aufgrund der Pleite des Anbieters eingestellt, aber man konnte bei Nutzung der regelmäßigen Rabatt-Angebote das Kartenmaterial auf dem Navi gut und günstig aktuell halten.

Leider gab es seinen Geist auf und riss so eine Lücke in den Gerätepark. Es war einfach zu bedienen, man konnte immer direkt losfahren, denn die letzte Position war immer gespeichert. Routen wurden schnell berechnet. Natürlich konnte man aber nicht Wegpunkte, Routen und Tracks sowie eigene Karten usw. nutzen, so wie bei unseren TomTom- oder Garmingeräten.

Ein Ersatzgerät muss nun also her und die Angebote auf dem Markt wirken zunächst eigentlich recht umfangreich. Aber schaut man genau hin, so reduziert sich alles in drei Gruppen:

  • Günstige "China"-GPS-Geräte
    können lt. Beschreibung unglaublich viel, haben lebenslange Kartenupdates, sollen ganz Europa abdecken und sind vergleichsweise billig. Aber wie mag der Service aussehen, wenn man ein Problem hat?
  • TomTom-Geräte
    sind leistungsfähige Navigationsgeräte und haben auch lebenslange Kartenupdates, wobei "lebenslang" sich auf die Lebensdauer bezieht, die TomTom einem Gerät zugesteht . Davon betroffen ist auch eines unserer Geräte: Immer, wenn wir Waypoints und Routen auf das Gerät übertragen wollen, müssen wir das Lankabel ziehen oder den Netzwerk-Adapter deaktivieren, bevor wir das Dienstprogramm TomTom HOME für den Transfer starten. TomTom HOME prüft nämlich beim Start, ob es Updates zu dem angeschlossenen Gerät gibt. Es reicht dann aber dem Hersteller nicht, den Benutzer zu informieren, dass man keine Updates mehr bekommen kann, nein - man kann anschließend dann auch nicht mehr mit seinem Gerät kommunizieren und keine Waypoints und Routen laden. Das hat uns derart geärgert, dass ein TomTom-Gerät nun nicht mehr in Frage kommt.
  • Garmin-Geräte
    sind leistungsfähige Navigationsgeräte und haben auch lebenslange Kartenupdates, wobei uns hier so ein Zirkus wie bei TomTom nicht bekannt ist, also fiel die Entscheidung auf Garmin.

Die Gerätediagonalen von 18,5 cm des Falk FA Z10 ist dann auch ausschlaggebend, sich als für das Garmin DriveSmart 61 als Ersatz zu entscheiden. Bleibt noch die Frage, ob Variante LMT-S oder Variante LMT-D besser ist, was sich auch im Preis niederschlägt. Bei LMT-S benötigt man ein per Bluetooth angekoppeltes Smartphone mit Garmin-App, damit das Navi Verkehrsmeldungen bei der Fahrt berücksichtigen kann. Bei LMT-D hat das Navi einen eingebauten DAB-Empfänger und zusammen mit dem 12V-Kabel als Antenne werden die Verkehrsmeldungen direkt verarbeitet. Das überzeugt und der Aufpreis erscheint gerechtfertigt ...

Übersichtliches Einstiegsmenü ... Karte mit wenig Zusatzinfo ...
Die Halterung überzeugt ...

Ein wenig mutig erscheint die beigelegte Saughalterung: Mit seinen fast 19 cm Gerätediagonale und dem Glasdisplay ist das Gerät kein Leichtgewicht und so kommen Zweifel auf an der Saugkraft des Halters. Aber Garmin bietet eine rutschfeste Halterung für das Armaturenbrett an. Die wird nicht geklebt, sondern lediglich auf das Armaturenbrett gedrückt, wodurch sich der große Fuß anpasst und Reibung erzeugt. Zunächst macht sich Skepsis breit, ob das tatsächlich halten wird - in Kurven, auf Rüttelstrecken? Aber die Halterung bewährt sich tatsächlich und das Navi wird bombenfest gehalten. Positiv zu erwähnen ist auch das lange Kabel zum Zigarettenanzünder, das gibt Freiheiten bei der Platzierung des Gerätes im Cockpit.

Vom Falk-Navi ist noch eine große Sonnenblende übrig: Sie passt zwar auf das Garmin, ist aber unnötig. Selbst bei greller Sonne kann man das Display noch gut erkennen.

Nun, die Bedienung des Garmin-Navis ist uns vertraut, haben wir doch seit Jahren z.B. einen Zumo 550 im Einsatz. Viel geändert hat sich nicht an der Oberfläche. Praktisch ist beim Garmin DriveSmart 61, dass es sich per WLAN selbst aktualisieren kann. Auch das "Personal" ist neu: Steffi vom Zumo heißt nun Anna ...

Mit 46 Ländern in Europa ist das mitgelieferte Kartenmaterial recht umfangreich: Selbst die Kanaren und Island sind dabei. Man kann weitere Karten auf SD-Karte bereitstellen und nutzen, doch dazu mehr weiter unten. Wer vielleicht Namen kleinerer Ortschaften in den Karten vermisst, sollte bei den Einstellungen für Karten den Detailgrad "Mehr" einstellen.

Praktisch ist die Einstellung von "Zuhause", dabei sollte man aber nicht auf seinem Balkon auf der Rückseite des Hauses die Koordinate speichern, sondern besser die Adresse eingeben. Ansonsten muss man sich vielleicht (wie bei uns) bei einer Fahrt nach Hause ständig anhören, man könne dieses Ziel nur auf unbefestigten Straßen erreichen ...

Zu Anfang sollte man sich möglichst auch mit dem Fahrerassistenten auseinandersetzen: Damit ist nicht etwa Anna gemeint mit ihren Anweisungen, sondern ein "Piepsgenerator". Man kann einstellen, wann gepiepst werden soll: Bei Wildwechsel, Schulen und Kindergärten (wieso nicht bei Altenheimen?), bei Tempoüberschreitung, Bahnübergängen und Kurven, bei der Nutzung von Einbahnstraßen in falscher Richtung, zur Vorwarnung bei Temporeduzierung usw. usw. Wer da nicht einen Riegel vorschiebt - sprich alles deaktiviert -, fährt fröhlich durch die Gegend und verliert komplett den Überblick, warum die Kiste schon wieder piepst und irgendwelche Meldungen hochpoppen ...

Nicht getestet haben wir deshalb das Verhalten des Gerätes, wenn man mit überhöhter Geschwindigkeit in einer Kurve an einer Schule bei einem Bahnübergang mit Wildwechsel vorbeirast. Fünf Piepser? Dauergepiepse? Morsepieps (A..loch) ..?

... ein bisschen viele POIs auf dem Navi ...Beim TomTom und auch beim Falk Navi konnte man bei der Anzeige während der Navigation sowohl die geschätzte Ankunftszeit als auch die Entfernung bis zum Ziel sehen. Das geht beim Garmin-Gerät nicht. Man muss sich entscheiden: entweder Ankunftszeit oder Entfernung. Dafür ist die Tempoanzeige (man kann sie leider nicht ersetzen) zwingend - darauf könnte man zugunsten anderer Infos sicher leicht verzichten, denn zur Geschwindigkeitskontrolle reicht es zumeist doch eher, auf den Tacho zu schauen, als aufs Navi. Fährt man dabei noch durch einen Tunnel, versagt die Tempoanzeige nämlich komplett - sie friert ein auf die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt der Einfahrt in den Tunnel, was insbesondere bei einem langen Tunnel ärgerlich ist. Da wäre es doch deutlich besser, die Tempoanzeige würde ausgeblendet!

Garmin Drivesmart 61 verfügt über eine Sprachsteuerung: Mit dem Kommando "Sprachbefehl" wird die Steuerung aktiviert. Ruft man dann z.B. den Namen eines Favoriten hinterher, kann man dorthin navigieren, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen - so die Theorie. Im Büro funktioniert es perfekt! Im Auto ist es schwieriger, einen Sprachbefehl abzusetzen - sogar mit abgeschaltetem Motor will das Navi oft einfach nicht hören ...

Wer mit dem Navi losfahren will, braucht zunächst Geduld. Es dauert deutlich länger als bei dem alten Falk-Navi, bis die Satelliten gefunden sind und selbst kurze Routen werden aufwändig berechnet.

Praktisch ist die Pausenerinnerung. Man kann einstellen, in welchen Abständen - z.B. alle 2 Stunden - das Navi an eine Pause erinnern soll. Das tut es dann zuverlässig und zeigt gleichzeitig die nächstgelegenen Raststätten, Parkplätze und Tankstellen an.

Verkehrswarnungen erscheinen, sind oft aber leider oft auch nicht zutreffend. Wird eine Umfahrung eines Staus vorgeschlagen kann man davon ausgehen, dass wenn man die Umfahrung akzeptiert, gar kein Stau da war und wenn man die Umfahrung ablehnt, voll in den Stau gerät.

POIs ohne Sinn und Verstand ...An POIs (Point of Interests) bietet das Navi viel: Zum einen die "normalen" POIs - von Garmin zusammengestellt und in Gruppen wie Tankstellen, Hotels usw. zusammengefasst. Man kann diese durch eigene POIs ergänzen.

Dann die POIs von Tripadvisor für Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten mit Bewertungen von Besuchern.

Dazu kommt aber noch die POI-Liste von Foursquare, einem sogenannten standortbasierten Empfehlungsdienst. Auch hier gibt es Bewertungen, die aber nicht nachvollziehbar sind. Wer bei Foursquare registriert ist - und damit einer weiteren Datenkrake Futter gibt - kann sein Smartphone mit dem Navi koppeln und hat Zugriff auf sein Foursquare-Konto.

Da Foursquare registriert, wo man sich aufhält und welche POIs man besucht, bekommt man (positiv gesehen) gemäß der erkennbaren Vorlieben individuelle POIs angeboten, negativ gesehen bekommt Foursquare ein 1A Bewegungs- und Besuchsprofil seiner Nutzer (der Verfassungsschutz erblasst vor Neid!). Aus diesen Bewegungs- und Besuchsprofilen leitet der Anbieter übrigens mit geheimen Algorithmen die Bewertungen ab. Die aufgeführten POIs wirken darüber hinaus unstrukturiert: Als POIs in der Nähe des Redaktionsbüros erhalten wir ein Gewerbegebiet, eine Tankstelle und einen Aussichtsturm mit der sensationellen Bewertung von 7.4.

Auf Foursquare könnten wir gut verzichten, aber man muss es ja auch nicht nutzen ...

Selbstverständlich bietet das Navi bei Kopplung mit dem Smartphone Funktionen für Freisprech, Anzeige von Nachrichten, Annahme von Telefonaten usw. Mittlerweile sind das Standardfunktionen, die Käufer von Navigationsgeräten erwarten. Die Freisprecheinrichtung erscheint uns suboptimal: Man muss ziemlich laut sprechen (selbst wenn man parkt) und hört den Anrufer auch nur recht schlecht, selbst wenn die Lautstärke auf Maximum eingestellt ist.

Wer eine Garmin Uhr besitzt, kann auch diese mit dem Navi koppeln und z.B. die Parkposition speichern.

Kleine Tipps zum Garmin Drivesmart 61:

  • Befindet man sich an einem Ort, dessen Koordinaten man unbedingt aufbewahren will, dann lange auf das Symbol (Pfeil, Auto usw.) drücken, die Koordinate erscheint und man kann sie speichern.
  • Hat man Karten auf einer SD-Karte bereitgestellt, muss man diese in den Einstellungen für Karten und Fahrzeug unter dem Punkt myMaps aktivieren, bevor man sie nutzen kann.
  • Hat man den Eindruck, dass man während der Fahrt manuelle Funktionen nicht nutzen kann, sollte man prüfen, ob in den Einstellungen der "Eingeschränkte Modus" aktiviert ist. Leider findet man dazu im Handbuch keinerlei Informationen.
  • Friert der Bildschirm ein (passiert leider hin und wieder), dann lange (ca. 15 Sekunden) auf den Aus-Knopf drücken - das Navi wird neu gestartet.
  • Zum Laden des Navis verwendet man am besten ein Ladegerät mit 2.1 Ampere und ein etwas besseres USB-Ladekabel - mit dünnen Billigkabeln und schwachbrüstigen Ladegeräten dauert der Ladevorgang unendlich lang. Das teure Garmin Ladegerät muss es übrigens nicht sein.

Zusammengefasst wird das keine wahre Liebe, denn ich möchte das Auto anlassen und in endlicher Zeit losfahren können, das Navi soll sich die letzte Position merken und nicht beim Einschalten so tun, als wäre es neu auf der Welt. Ich möchte die Restentfernung UND die Ankunftszeit jederzeit im Blick behalten und mein Navi soll auf mich hören, vor allem, wenn ich wie auf dem Kasernenhof Sprachbefehle brülle. Und der Freisprech sollte deutlich besser und klarer funktionieren, das ganze POI-Gedöns ist mir einfach too much ...

Wenn es nach allem nicht reicht, nur mit "Zieleingabe" zu reisen, sondern man seine Touren auch planen oder weitergeben will, wird eine zusätzliche App für den PC benötigt: Das kostenlose Garmin-Programm BaseCamp, das wir bereits in unserem Beitrag über Navigations-Apps kurz vorgestellt haben und das wir uns nun genauer anschauen wollen ...


© 2021 Sixta Zerlauth