Wracksuche: Zerlegt und abtransportiert - die "Massira I" ...


Besuch (fast) 5 Jahre "danach": Das Explorer Team am Faro de Toston ...

Anblick noch beim letzten Besuch ...

Februar 2004: Sie ist weg. Wenn man sich an den tollen Anblick gewöhnt hatte, wie einst in unserem Beitrag über das Schiff des Nordens beschrieben, fehlt sie wirklich. Auch wenn die Behörden vor Ort offensichtlich das Gefühl hatten, aufräumen zu müssen: Sie fehlt trotzdem.

Und wenn man nach ihr fragt, kennt sie jeder: Zu deutlich ist noch die Erinnerung an das Schiff, das plötzlich nach einer der Sturmnächte des Herbst / Winters 1999/2000 vor dem Leuchtturm El Cotillos zu finden war - die Massira I ...

Rückblende

Wie hatten wir in unserem oben erwähnten Artikel vor Jahren geschrieben:

"Folgende Geschichte scheint sich nun abgespielt zu haben: Der Kapitän der Massira I aus Tanger war allem Anschein nach betrunken (oder auch nicht!), als es das Schiff hart traf in diesen frühen Morgenstunden des 23. Oktober 1999, als die große Welle kam ...

Man möge uns die Spekulationen über den Alkoholisierungsgrad der fünfköpfigen (muslimischen!) Mannschaft verzeihen - sie stammen nicht von uns! Auf jeden Fall war die Welle an diesem Abend eine ganz besonders gewaltige - vermutlich schon Poseidon-verdächtig (oder es gab gar keine)! Und es herrschte starker Sturm (oder auch keiner!), auf jeden Fall stand das Drachenfest 99 auf Fuerte gerade vor seinem Beginn, als es geschah ...

Über Nacht vor El Cotillo: Die Massira I ...Auch gemäß Juan, dem Experten von El Cotillo, war an diesem Abend eine gewaltige Strömung zu verzeichnen, immerhin muss man noch wissen, dass die Gezeiten im November höher sind als jemals sonst (jahreshöchste Tiede). Diese gewaltige Strömung hat den Kahn dann wohl an Land gerissen und direkt vor dem Leuchtturm auflaufen lassen - in jedem Fall eine navigatorische Fehlleistung des Kapitäns, da sind sich alle Berichterstatter einig. Aber so ist sie nun mal, die Insel Fuerteventura, ein gewaltige Falle für so manchen einsamen Skipper, der dem Schein eines dortigen Leuchtturms vertraut ...

Wie dem auch sei, nachdem das Schiff aufgelaufen war, konnte sich die Besatzung retten - war wohl knapp, denn mit der See war offensichtlich nicht zu spaßen an diesem Tage - Glück gehabt, ihr Muselmanen mit Tanger-Schiff!

Die anschließend wohl versuchte Bergung des Kahns mit einem gigantischen amerikanischen Hubschrauber scheiterte, da sich das Schiff in den Felsen völlig verkeilt hatte - doch die vollen Tanks und die drohende Umweltkatastrophe an der Küste El Cotillos ließen nicht ruhen. Da auch mit Schiffen der gestrandete Kahn nicht frei zu ziehen war, konnten wenigstens die vollen Tanks zum Glück für die Region abgepumpt werden und die ganze Sache ging noch einmal glimpflich aus ...

Lustig zu hören, wie das Wrack in den ersten Tagen nach seiner Strandung wahre Volksfeststimmung auf der Insel hervorrief: Würstchen und Eisverkauf fand statt, wohl nahezu die gesamte Inselbevölkerung muss sich dort in den Prozessionen der ersten Tage eingefunden haben ..."


Nur noch Reste verkünden die Geschichte ...

Und bis heute sind noch weitere Geschichten hinzu gekommen: Wie uns die thailändische Ehefrau des Kölner Vermieters vom "Maravilla" im Februar 2004 nun erzählt, geschahen damals noch weitere merkwürdige Dinge: So wurden kurz nach dem Auflaufen der Massira I etwas südlich an der Küste angeschwemmt rund 40 kg Kokain gefunden -  sollte dies etwa die Ladung des knapp 30 m langen Schiffs gewesen sein und der wahre Grund, warum die Marokkaner bei diesem Wetter so dicht entlang der Küste fuhren?

Juni 2000: Die Massira I wird zerlegt ...Nun, wie dem auch so sei, wir werden es wohl nie erfahren. Die Frau weiß zu berichten, dass auch sie damals viele Fotos des Schiffs gemacht hat, als es noch Gegenstand der "Völkerwanderung" im Norden der Insel war, von der wir damals geschrieben haben.

Als rund ein halbes Jahr nach dem Auflaufen schließlich das Abwrack-Kommando im Juni 2000 eintraf, in tagelanger Arbeit das Schiff zerlegte und den Schrott mit Lkws abtransportierte, hatte sie keine Bilder gemacht - schließlich habe sie nicht wissen können, dass sich dafür noch mal einer interessieren würde, erklärt sie uns in dem ihr eigenen Dialekt-Englisch. 

Nun, so haben wir halt keine Bilder von ihr dazu bekommen, aber so toll war der Anblick runde vier Monate nach unserem letzten Besuch im Februar 2000 wohl auch nicht, wie unsere nebenstehenden Bilder beweisen. Auf jeden Fall scheinen hierfür genug EU-Mittel vorhanden gewesen zu sein, wie auch für andere "gelungene" Aktionen im Norden der Insel, von denen wir bei unserer Eurotour Spanien berichten. Ansonsten ist die Beseitigungsaktion offenbar gelungen, denn auf den ersten Blick ist von dem Schiff heute nichts mehr zu sehen ...   

Dennoch finden wir uns damit nicht ab: Erneut fahren wir zum Leuchtturm (N 28.7157° W014.0138°) und gehen vor bis zum Wasser, was bei der aufkommenden Flut nicht von großem Erfolg gekrönt ist. Aber trotzdem werden wir fündig: Wie unser Bild oben zeigt, wurden die großen Mengen von Schrott auf dem Areal vor dem Leuchtturm bis zum Abtransport zwischengelagert und wer heute an dieser Stelle noch genau hin schaut, findet den einen oder anderen Überrest. Mal ist es eine Metallstange, mal ein liegen gebliebenes anderes Blechteil - doch dass diese Teile von der Massira I stammen, wissen heute wohl nur noch die Eingeweihten. Ob die paar Touristen dazu gehören, die hier am Faro de Toston außer uns ebenfalls herum stolpern, darf heute mit Recht bezweifelt werden ... 

Keine Spur mehr von der Massira?? Doch! Einige Metallreste gibt es noch ...

Am Faro de Toston, im Februar 2000 ...

Die Massira I ... ... malerisch am Faro de Toston ... Ein Blick auf die Brücke des Geisterschiffs ... ... und eine echte Bereicherung der eigenen Drachen-Fiesta ...

1. Nachtrag, März ´09: Grüße aus der Tiefe ...

Manchmal kommt man aus dem Staunen nicht heraus: Da sind wir im Februar 2009 wieder auf der Insel in der Nähe des Leuchtturms von El Cotillo, in dem inzwischen ein Fischereimuseum untergebracht ist, als uns ein größeres rostiges Gebilde unten am Strand ganz in der Nähe auffällt - ziemlich genau an der Stelle, wo nun mittlerweile schon vor fast zehn (!) Jahren die Massira I aufgelaufen war.

Nachdem wir uns das Teil genauer angesehen und den Museumswärter dazu befragt haben, ist das Staunen noch größer als am Anfang: Nur eine Woche vor unserem diesjährigen Besuch, also Mitte Februar 2009, wurde dieses Teil bei einem Sturm wieder aus dem Meer an Land gespült und es besteht kein Zweifel, dass es sich hierbei um ein Teil eben dieser Massira I handelt, das wohl zurück blieb, als die Abwrackaktion im Juni 2000 beendet wurde.

So kann einen die Vergangenheit ganz überraschend wieder einholen, wenn man am wenigsten damit rechnet - aber allzu lange wird man das Teil hier sicher nicht liegen lassen ...

Grüße aus der Tiefe ... Ein rostiges Teil ... ... wird überraschend an Land gespült ... Erinnerungen an die Massira I ...

2., 3. und 4. Nachtrag, Februar ´13 - ´17: Reste ...

Wie schon bei der American Star, die in diesen Jahren wohl endgültig ihrem letzten Verfall entgegensieht, sind auch die Reste der Massira I nun offenbar endgültig dem Verschwinden nahe. Auch im Jahr 2013 ist nahe der Stelle, an der wir vor 4 Jahren die obigen Reste gesichtet hatten, immer noch (oder wieder?) etwas zu finden: Erinnerungen an eine nun schon mehr als ein Jahrzehnt (!! ) zurückliegende Geschichte ..!

Und dann noch das Erstaunen ein Jahr später: Nahezu unverändert liegt das Teil immer noch am Faro de Toston, wobei der sich selbst mit bröckelndem Putz äußerlich eher zu seinem Nachteil verändert hat als das verbliebene Trümmerstück.

Jahre sind wie Tage: Auch im Februar 2015 bietet sich dem Besucher ein nahezu unverändertes Bild. Und wie uns Leser Daniel Wiegand im Mai 2017 anhand seiner aktuellen Fotos beweist, zeigen diese auch immer noch nahezu unverändert das, was unten rechts zu sehen ist ...

Unwirtliche Ecke ..? Suche nach Blechresten ... Die Massira lässt grüßen ... Bald ebenfalls verschwunden ..?
Jahre sind wie Tage: Zeitloses Panorama ... Auch 2015 alles weitgehend unverändert ...

© 2000-2017 J. de Haas