Auftakt in Riberach ...

Es regnet: Durch den dichten spanischen Verkehr kutschiert uns Gerhild gewohnt souverän über die nahegelegene französische Grenze nach Bélesta, einem kleinen Dorf umgeben von Hügeln. Dort erwartet uns das vier Sterne Hotel Riberach. Das Architektenehepaar Luc Richard und Karin Pühringer haben das einstige Gebäude der mittlerweile aufgelösten Winzergenossenschaft im Jahr 2007 gekauft und innerhalb von vier Jahren zu einem schönen Ressort umgebaut mit einem Sternelokal und einer Kellerei.

Die ehemaligen Betontanks aus der Zeit der Massenproduktion wurden zu wunderschönen Zimmern umgestaltet mit angeschlossener Terrasse und weitem Blick in die Landschaft. Eine Flasche Weißwein "Riberach Synthèse" und allerlei Leckereien aus der Region erwarten den Gast. Wenn man sich im Zimmer umsieht, kann man sich kaum vorstellen, dass dieses Zimmer nur einer von mehreren Tanks war, der jeden Herbst voll mit Wein gefüllt wurde. Nun, die Wiederwendung - oder Neudeutsch Upcycling - ist hier hervorragend gelungen!

Trotz des etwas regnerischen Wetters wieder einmal eine traumhafte Lokation, wie üblich bestens ausgesucht von Gerhild.

Nach kurzem Einleben in den Zimmern treffen wir uns zu einem kleinen Umtrunk, bei dem Gerhild Burkard einen kurzen Überblick zu den Weinen und Winzern gibt. Sie kennt sich wirklich gut aus, denn sie hat hier einige Zeit gelebt. Aber nicht nur wir bekommen wichtige Infos zur Weinreise, auch Gerhild erfährt nun, wer in der Gruppe teilnimmt - und nein, es handelt sich nicht um die versteckte Kamera ...

Das Ressort Riberach ... Kurzer Überblick ...
Die Kellerei Riberach ... ... dem Wein zuhören ...

Diesmal befinden sich in der Gruppe unter anderem ein Sommelier-Anwärter mit Fructose- und Alkoholunverträglichkeit (kein Kommentar zur Berufswahl!), ein bekennender Nur-Biertrinker, der die Reise als Geschenk erhielt (was mag der Schenker wohl für Hintergedanken gehabt haben?) und gelegentliche Rotweinschlürfer mit Histaminunverträglichkeit (aus der Rubrik keine Liebe ohne Leiden ...).

Fehlbesetzung für eine Weinreise? Nicht bei Gerhild Burkard, sie nimmt die Herausforderung an und wird beweisen, dass jeder von ihren Reisen profitieren kann. Was wir zu Beginn noch nicht ahnen - auch für uns alte "Weinreise-Hasen" gibt es unerwartete Überraschungen!

Kurz durchgeatmet, und schon geht es nur wenige Schritte weiter zur Kellerei Riberach & Co. In dieser Kellerei wird ein so genannter "Naturwein" produziert. Dabei handelt es sich um Wein, der mit möglichst wenig Zusätzen (vor allem ohne Schwefel) und nur mit geringem Technikeinsatz biologisch hergestellt wird. Der Wein entsteht somit ursprünglicher und ähnelt mehr den Urweinen.

In 400 Meter Meereshöhe wachsen auf ca. 10 Ha zum Teil 100 Jahre alte Rebstöcke: Man verzichtet hier auf Pestizide und Herbizide und investiert viel in den Erhalt und die Verbesserung der Böden.

Es ist Erntezeit und in den Gärtanks und den Fässern gärt der Rebensaft. Bei der Führung bekommen wir Gelegenheit, dem Most beim Weinwerden zuzuhören, es gluckert angenehm im Fass ...

Aus dem Fass in die Gläser ... Das ist doch mal was anderes ?!?

Wir dürfen den Most aus dem Fass probieren, der sich schon viel weiter auf dem Weg zum Wein befindet als der übliche Federweiße. Dringend der Hinweis dabei, den Most anschließend auszuspucken, denn eine verdauungsfördernde Wirkung ist garantiert. Der Weinwerdungsprozess wird akribisch dokumentiert: So findet man auf den Fässern Zahlenreihen mit den Messergebnissen zum Fruchtzuckergehalt, der nach und nach abnimmt, da er in Alkohol umgewandelt wird.

In dem Verkostungsraum geht es dann zur Sache: Wir verkosten ...

Rotwein

Rotwein:

  • Synthèse aus 2011 (Carignan, Syrah, Grenache)
  • Antithèse aus 2012 (Syrah)
  • Thèse aus 2009 (Grenache)
             Weißwein

Weißwein:

  • Synthèse aus 2013 (Macabeu, Grenache, Carignan)
  • Hypothèse aus 2013 (Carignan gris)

Hier gibt es keinen Mainstreamgeschmack, im Rotwein finden sich für uns leicht verstörende Aromen, die wir noch nicht einordnen können, jedoch die Weißweine überraschen angenehm und rufen nach einer Essenbegleitung.

Es bleibt später genug Zeit für einen Spaziergang durch das mittelalterliche Bélesta mit seiner Burg aus dem 16. Jhdt., denn der Regen hat aufgehört. Der Ort wirkt verlassen, man trifft kaum Menschen auf den neu gepflasterten Straßen. An den Fassaden sind überall Zikaden aus Keramik angebracht, deren männliche Vorbilder in den Sommernächten mit lautem betörenden Zirpen die Luft erfüllen ...

Am Abend erwartet uns ein mehrgängiges Menü aus lokalen Zutaten, alles aus biologischer Produktion: Zum Auftakt werden frittierte Algen serviert, die sehr würzig schmecken. Besonders zu erwähnen der Gang mit Dreierlei von der Tomate, bei der man Tomatenaromen intensiv schmecken kann sowie der Gang aus dem zarten Cochon Tirabuixo, einer katalanischen Schweinerasse, die im Freiland aufwächst.

Passend zum Bio-Menü schließlich die Bio-Weißweine Llum von Rocs des Anges aus 2014 (Grenache gris, Maccabeu) und der Grenache gris von Salveterre aus 2013. Wir verkosten anschließend noch die Rotweine Les Mirandes von Danjou-Banessy aus 2012 (einem reinsortigen Syrah) und L' Alba von Tribouley aus 2012 (Carignan, Grenache, Syrah). Alles Weine, die dem Schwefel abgeschworen haben und von Weingütern stammen, die zwar uralte Reben haben, aber erst in diesem Jahrtausend Weine solcher Art produzieren ...

In Bélesta ... Algen mit Weinbegleitung ...

Erstaunlich die Weißweine, die mit ihrer robusten Aromatik zu jeder Speise bestehen, echte "Vins artisanales" (Anm. der Red.: Gemeint ist damit eine Art der traditionell-"kunst"handwerklichen Herstellung).

Doch auch unser Biertrinker kommt nicht zu kurz, obwohl es kein gezapftes Bier gibt: Die erste kleine Flasche eines Bière artisanal "La belle en goguette" ist seiner Meinung nach recht schmackhaft und harmoniert mit dem Essen. Bei der Nachbestellung wird jedoch ein anderes Bier serviert mit dem Hinweis, dass kein "La belle en goguette" mehr da wäre und das Bier von einer Mikrobrauerei stammt mit nur geringen Produktionsmengen. Das andere Bier mundet unserem Reisenden aber überhaupt nicht: Frust bei Tisch, Frust schon am ersten Abend? Nicht mit Gerhild, sie erinnert sich, dass in der Minibar im Zimmer "La belle en goguette" verfügbar ist und so räumen wir unsere Minibars nach und nach aus, damit auch Biertrinker auf Weinreisen das Leben genießen können ...


© 2016 Sixta Zerlauth