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Inzwischen bin ich mit dem LERRY im September 2025 angekommen, wir treiben uns diesmal gerade wieder in Deutschland herum. Hier werden wir beide wie jedes Jahr versorgt, um die nächste Reise vorzubereiten. Ich bin inzwischen fast viereinhalb Jahre mit meinem Fahrzeug unterwegs ...
Bei einem Gespräch unterwegs werde ich neugierig auf ein
neues Abenteuer, und zwar hier in Deutschland und das ganz in der Nähe! Wir
haben noch gut vier Wochen Zeit, bevor es wieder auf eine längere Reise
gehen soll. Manchmal komme ich dann schon mal auch auf seltsame
Gedanken, zum Beispiel wenn es um Moore geht. Hier kann ich
vor der Abfahrt nach Süden tatsächlich auf ein
Moor treffen: Und zwar eines, das es nur ein einziges Mal auf der Welt so
gibt - ein schwimmendes Moor!
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Einige Erlebnisse mit Mooren habe ich bereits hinter mir: Wie war das noch - also da war zunächst das Pietzmoor. Es liegt ebenfalls in Deutschland, und zwar in der Lüneburger Heide. Jemand hatte mir erzählt, dass es dort einen Moormenschen geben soll. So neugierig wie ich bin, hieß es seinerzeit also rein in das Moor. DEN Menschen wollte ich schließlich kennenlernen, für ein neues Abenteuer. Damals gab es den LERRY noch nicht und vor 5 Jahren war ich mit einem ganz alten Opel Corsa unterwegs ...
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Am späten Nachmittag ging ich schließlich etwa
einen Kilometer tief in das
Moor: Dort fand ich eine Sitzbank, auf der ich bequem warten
konnte, etwas Tee hatte ich dabei. Hier im Moor gab es natürlich keine
Beleuchtung. Ich wurde nicht entäuscht, etwa eine Stunde vor
Mitternacht passierte es: Es war dunkel und es gab nur etwas
Mondlicht. Da kam er, der Moormensch. Mit ausgebreiteten Armen und
Händen wollte er mich doch tatsächlich erschrecken, aber ich bin
Seemann und deshalb einiges gewöhnt. So habe ich ihn ausgelacht und wir
haben dann zusammen meinen guten Ostfriesentee getrunken ... (Anm.
der Red.: Nach 5 Jahren wollen wir jetzt aber endlich
wissen, was war da drin, im Tee ..?)
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Anschließend musste ich den einen Kilometer wieder aus dem Moor
hinaus kommen. Mit zwei Taschenlampen. Für den Fall, dass eine
Lampe herunterfällt und im Moor verschwindet. Nur nicht vom Weg
abkommen ..!
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Dann war da noch das Stapeler Moor: Es liegt auch in Deutschland, bei diesem Moor handelt es sich um ein sogenanntes Hochmoor. Das heißt, ein Hochmoor bildet sich durch Aufschichtung von Torfmasse von etwa einem Millimeter pro Jahr. Am Rande des Moorgebietes ist ein tiefer Graben zu sehen.
Im Bild oben erkennt man das über eine sehr lange Zeit aufgeschichtete Moor. Der Graben ist mit braunem Wasser gefüllt, das aus den Moorschichten kommt. Hier ist der Graben gut vier Meter tief und zeigt, wie lange es dieses Moor bereits gibt. 18 Kilometer bin ich durch dieses Moor gelaufen, bis ich wieder draußen war. Das alles ist jetzt ebenfalls 5 Jahre her. Das Moor, welches ich nun besuchen will, ist ebenfalls ein Hochmoor.
Um dorthin zu kommen, mache ich mich mit LERRY am 13. September 2025 auf den Weg zum Meer, nämlich an die Nordseeküste ins Seegebiet Jadebusen. Um vor den Sturmfluten der Nordsee geschützt zu sein, haben die Bewohner hier kilometerlange hohe Deiche gebaut. Mein Womo wirkt vor den fast 10 Meter hohen Deichen sehr klein. Mit den Deichen war das nicht immer so: Früher gab es den Jadebusen noch nicht in der heutigen Größe, dort war damals noch Festland. In diesem Bereich gab es aber ein Moor, und zwar ein besonderes Moor, denn dieses konnte tatsächlich schwimmen. Ich muss dazu zurück ins 12. Jahrhundert: Es gab keine der heutigen Deiche, keinen Jadebusen und das Ufer der Nordsee war weiter weg, nördlich von hier.
Ich mache mich also auf den Weg, um einen Durchgang oben auf dem Deich zu finden, über den ich das Moor betreten kann. Im 12. Jahrhundert wurde schließlich mit dem Bau der Deiche begonnen, sie sollten diese Gebiete vor der Zerstörung durch die Sturmfluten der Nordsee schützen. Hier lag auch das Moor, seine Unterkante war tiefer als der Sandboden an dieser Stelle, die Oberkante aber höher. Es hatte sich über Hunderte von Jahren gebildet, gemeinsam mit anderen großen Moorflächen. Die Sturmfluten der Nordsee hatten aber immer wieder Bereiche des Landes ins Meer gerissen. Der Jadebusen wurde dadurch größer und das Meer reichte schließlich bis ans Moor heran, das ich heute besuche.
Das Besondere dabei war, dass die Nordsee mit den Sturmfluten das Moor auch zum Meer hin angehoben hatte. Etwa wie ein Teppich, den man an einer Seite kurz anhebt, um unter der Kante Staub zu saugen. Dabei wurden alle einfachen Gebäude, Bäume, Wege, Menschen und kleine Seen mit angehoben. Nach der Flut legte die Nordsee das Moor wieder ab. Leider hatte sie über die Jahrhunderte mit ihren Stürmen aber auch immer wieder Teile des Moores abgerissen, so dass es immer kleiner wurde.

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Ich bin
noch immer mitten im Moor: Auf den beiden Bildern kann man zwei der
Süßwasserseen erkennen, die bei Sturmfluten auch heute noch mit
dem Rest des einst großen Moores angehoben werden. In solchen Mooren
gibt es natürlich fast keine Bäume. Hier handelt es sich um ein über
eine lange Zeit aufgeschichtetes Moor, wie erwähnt ein sogenanntes Hochmoor.
Ein solches ist auf Oberflächenwasser durch Regen angewiesen,
sonst würde es austrocknen. Bäume, die das Regenwasser "trinken",
würden solchen Mooren also schaden. Wie das im Leben so ist: Man
kann nicht mit jedem problemlos einen trinken gehen ..!
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Im 16. Jahrhundert hatte dieses Moor noch eine Fläche von
1,4 Quadratkilometern. Mit dem Bau der Deiche kam ein Teil
davon hinter den Deich, also in das Schutzgebiet vor den
Sturmfluten. Dadurch trocknete dieser Teil und wurde zu einer
Landschaft mit Salzwiesen. Der Deichbau als Schutz zur Nordsee
wurde hier im Jahre 1725 abgeschlossen. Der Moorbereich vor dem Deich
blieb weiterhin den Stürmen der Nordsee ausgesetzt. Auf den
geschützten Salzwiesen am Deich finden sich heute Schafe und
Rinder. Immer häufiger sind auch Wildtiere wie Rehe und kleinere
Arten dabei. Ich befinde mich im Moorbereich vor dem Deich, die
Nordsee bleibt heute für mich ruhig ...
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Da der Deich nun mitten durch das Moor gebaut wurde, ergab sich ein anderes Problem: Der Untergrund eines Moores ist sehr viel weicher als der hier übliche Sandboden. Der Deich, der Bewohner und Ortschaften schützen soll, wird auf solchem Untergrund leicht instabil. Im Jahr 1958 sackte er im Bereich des Moores um ganze 1,50 Meter ab. Dabei hat sich der Deich natürlich auch selbst verformt, der Schutz war weg und er wurde instabil. Wenn so etwas in der Zeit der Stürme passiert, kann es schnell geschehen, dass die Bewohner rennen müssen: Um ihr Leben, denn die Nordsee kommt. Sie hat deshalb einen Spitznamen, der sich aus der Geschichte mit den Stürmen gebildet hat: "Nordsee ist Mordsee". Es gibt über das Verhalten der Nordsee auch ein Buch mit diesem Titel ...
Natürlich wurde der abgesackte Deich so schnell wie möglich wieder auf die alte Höhe gebracht. Sicherheit geht vor! Der weiche Untergrund bleibt natürlich als Unsicherheit auch für die Zukunft.
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Um dem Deich in der heutigen Zeit eine möglichst große Stabilität zu geben, wurde im Jahr 1984 mit einer riesigen stählernen Spundwand eine weitere Erhöhung vorgenommen. Die Spundwand ist bis zu 25 Meter tief im Deich und dem darunter liegenden Sandboden verankert und geht damit also auch durch den Bereich des ehemaligen Moores. Diese Arbeiten waren erst 2011 beendet. Auf dem Bild oben kann man das obere Ende der Spundwand erkennen. Kaum jemand weiß aber, wie tief dieser Stahl im Boden verankert ist. Die Höhe des Deiches beträgt inzwischen 8,60 Meter. Doch der Meeresspiegel steigt, wie wir alle inzwischen wissen ...
Der Deich wird auch von innen angegriffen: Kleintiere finden es darin sehr angenehm und richten sich dort ihre Appartements ein. Ein gefährlicher Wohnsitz. Sie durchlöchern den Deich und bieten Regenwasser und Sturmfluten die Möglichkeit, dort einzudringen. Dabei kann das einfließende Wasser den Deich aufweichen und zerstören. Die geschlossene Grasfläche des Deiches darf deshalb nicht zerstört werden, denn sie wirkt wie eine Schutzmatte.
Ich bin noch immer im restlichen Moorgebiet unterwegs: Seine ehemalige Größe von 1,4 Quadratkilometern ist durch die Nordsee und ihre Sturmfluten inzwischen auf eine Fläche von 0,1 (!) Quadratkilometer geschrumpft. Dieser kleine Teil eines ehemals riesigen Gebietes ist das einzige Moor der Welt, das IM Meer liegt und schwimmt. Bis ins Jahr 1908 stand darauf ein letztes Haus. Der Deichbau begann hier später als an anderen Stellen, da die Bewohner durch das Aufschwimmen des Moores relativ sicher waren.
Bei meinem Besuch ist gerade Ebbe: Die Anziehung des Mondes hat das Meerwasser der Küste nach draußen gebracht. Der Tidenhub kann hier über 2,50 Meter betragen. Die Kante des kleinen Restmoores wurde durch einen Steinwall befestigt. Dadurch kann man das restliche schwimmende Moor etwas sichern.
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Ich hatte bereits erwähnt, dass es sich bei diesem Moor um den Rest eines Hochmoores handelt. Wenn bei Stürmen oder Orkanen das Wasser der Nordsee 1,70 Meter über das normale Hochwasser der Tide steigt, beginnt diese mehr als drei Meter dicke Moorinsel wieder zu schwimmen. Mit allem, was sich darauf befindet. Doch die Moorinsel liegt im Sterben, da die Wellen der Stürme das Moor erreichen, wird es auch immer weiter zerstört. Eines Tages in nicht so ferner Zeit wird die Nordsee auch diesen Rest des ehemals großen Moores zerlegt haben. Das kleine Reststück hat auf unserer Welt noch eine weitere echte Besonderheit zu bieten: Hier lebt ein Ökosystem aus Süßwasser und ein Salzwassersystem direkt nebeneinander ... Flora und Fauna.
Nun aber los, der LERRY wartet auf mich. Der
will wohl auch wieder weiter ...
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© 2026 Jürgen Sattler
Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Jürgen Sattler finden sich in unserer Autorenübersicht!

















