Viel Wind - Zwangspause auf Borkum - Beton, so weit das Auge reicht ...

Der Tag beginnt windig, diesig und bedeckt. Wind mit Stärke 6 aus SSW mit leichtem Niederschlag untermalt unser Frühstück. Ems-Traffic gibt über UKW eine Windwarnung: SW 6, Böen 8, See 3 m.

Die letzte Nacht war auch sehr unruhig, Bonni und Harry sind im Vorschiff in ihren Betten die ganze Nacht Fahrstuhl gefahren. Simone und Jürgen bekommen die Reflektion der Hafenwelle zu spüren, die während der gesamten Nacht im Sekundentakt unter das Heck der pacifico klatscht.

Loona schaut sehnsüchtig hinterher ...Der Borkumer Kommunalhafen entwickelt bei südlichen Winden einen ordentlichen Hafenschwell. Das liegt an der nördlichen Hafenbegrenzung: Dort ist eine Spundwand, die ankommende Wellen reflektiert. Es schaukelt sich eine Welle auf, die bei entsprechenden Windstärken bis zu einem halben Meter Seegang im Hafen verursachen kann.

Harry und Jürgen ziehen vormittags los in die Stadt: Wenn schon das Wetter nicht mitspielt, wollen wir wenigstens gut essen. Der Bus bringt die beiden hin und zurück, sogar nach Plan! Mit zwei vollen Rucksäcken kehren sie zurück an Bord.

Es wird ein Urlaubstag auf Borkum: Nachdem Harry und Jürgen vom Einkauf zurück sind, geht es los zum Südstrand, wieder mit dem Bus. Ab dem frühen Nachmittag ziehen die ankommenden Schauer weiter südlich ab.

Der Wind dreht zwischen SW und NW und nimmt langsam ab. Der Borkumer Südstrand ist wahrscheinlich der Ort Borkums, der die Kurtaxe verschlingt: Es wird überall gebaut oder ist noch nicht lange fertig ...

Bonni setzt sich zum Emsufer ab und genießt Meer und Natur. Loona schaut sehnsüchtig hinterher, zu gerne wäre sie mitgegangen. Auf jeden Fall sind wir heute einige Kilometer unterwegs. Am späten Abend wird der Himmel klar und der Wind bläst nur noch mit Stärke 3 aus südwestlicher Richtung - morgen soll es wieder raus gehen!

Seegang - Sicherheitstraining - Melonenbowling - Im Riffgat ...

Der 19. August 2013, ein Montag, beginnt schwach windig: Mehr als Stärke 3 aus ESE ist nicht, wir können ganz gemütlich frühstücken. Der Hafenmeister ist vor 08:00 Uhr nicht zu erreichen.

Nachdem wir unsere Kurtaxe brav entrichtet haben, können wir los: Um 11:00 Uhr legen wir ab. Fünfundzwanzig Minuten später erreichen wir über die Fischerbalje die Ems und fahren seewärts. Wir sind noch nicht lange auf der Ems, da kommt prompt ein Riesenschauer aus dem Norden genau auf uns zu. Anscheinend hat er es aber nicht so eilig. Wir lassen die Segel erst einmal unten und machen alles wasserdicht ...

Der Hafenmeister ist vor 08:00 Uhr nicht zu erreichen ... Riesenschauer aus dem Norden naht ...

Zu dem nahenden Schauer kommen inzwischen Blitze dazu: Das Gewitter geht dann direkt über dem Borkumer Hafen runter, der Schauer zieht direkt über unseren Liegeplatz auf Borkum.

Wir können sehen, wie dort das Wasser aus den Wolken kommt. Auch die Badegäste am Strand bekommen Regen ab, viele der Badegäste bewegen sich plötzlich erheblich schneller. Auf unserer Position bekommen wir keinen Tropfen ab.

Der östliche Wind hat aber auch etwas Lustiges: Er ist ablandig und die Badegäste am Südstrand verlieren ihre Badesachen. Also Wasserbälle und alles, was leicht weggeblasen werden kann. Diesen Umstand nutzen wir, um ein paar Mann-über- Bord-Manöver zu fahren. In einer halben Stunde "retten" wir einen blauen Ballon und einen Wasserball vor einem ungewissen Schicksal. Hier an Bord wartet Loona, um das Leid der Geretteten für immer zu beenden.

Rettung von Wasserbällen gelingt ...Der Wind wird unregelmäßig und schwächer. Dafür kommt Schwell aus Nordwesten und große Wolkentürme nahen. Der Schwell ist um 12::00 Uhr auf 1,50 m Wellenhöhe angestiegen.

Die Fahrwassertonne Nr. 16 liegt gerade hinter uns, Simone übernimmt das Steuer. Wir drehen den Bug Richtung Riffgat und nehmen die Wellen von vorn. Durch unseren hohen Bug kommt kein Tropfen Spritzwasser an Deck.

Die meisten Probleme hat allerdings Loona: Sie hat in der Plicht keinen richtigen Halt, wenn das Schiff schaukelt. Da müssen wir uns für die Zukunft etwas einfallen lassen. Simone ist begeistert vom stetigen Auf und Ab. Mr. H. junior und Leo, die unten geblieben sind, haben sich in den Sofas verkeilt, um nicht den Halt zu verlieren ...

Inzwischen kommen unten aus dem Schiff die ersten Hilferufe unseres Hausstandes. Jemand hat die Wassermelone auf der Anrichte der Küche vergessen. Die spielt nun Melonenbowling mit allem, was darauf liegt.

Der Wind bleibt schwach und ohne feste Richtung: Wieder kein Segeln. So ist die Strecke nach Norderney tagsüber nicht zu schaffen. Im Dunkeln durch die Sandbänke vor Norderney wollen wir aber auch nicht. Kurz nach Passieren der Fahrwassertonne 12 drehen wir um. Loona ist alles nicht geheuer, viele Dinge an Bord entwickeln ein seltsames Eigenleben ...

Eine lange nordwestliche Dünung schiebt uns wieder emsaufwärts Richtung Borkum. Immer wieder regnet es kurz und leicht, der Himmel bleibt bedeckt und es sieht nach noch mehr Regen aus. Die Rückfahrt nach Borkum verläuft ruhig, wir lassen uns Zeit.

Fahrwassertonne 12: Erst ab hier zeigt die Nordsee, was gerade auf ihr los ist ...In der Zufahrt nach Borkum überholt uns die Borkumfähre: Sie kommt aus Emden, bringt Passagiere von dort und nimmt Tagesgäste von hier aus wieder mit zurück nach Emden. Inzwischen ist es 15:30 Uhr geworden und wir hoffen, noch vor stärkerem Regen fest zu sein.

Um 16:10 Uhr machen wir im Kommunalhafen von Borkum an Brücke 4 Ostseite fest. Jetzt erhält Loona den geretteten Badeball: Mit Feuereifer geht sie daran, ihn fachgerecht zu zerlegen. Dann gehen wir alle in Deckung - es kommt viel und lange Regen. Wieder folgt der Blödsinn mit der Kurtaxe: Loona zahlt wie gehabt voll mit. Nur gut, das wir nicht auch noch zwei Hamster an Bord haben, die müssten dann wohl auch beide Kurtaxe bezahlen. Immerhin, wir haben vorsätzlich Mr. H. junior und Leo verschwiegen: Wir Betrüger! Schande über uns ..!

Wir legen einen weiteren Hafentag ein, das Wetter ist sehr unregelmäßig. Nach einem klaren Himmel früh am Morgen ist dieser bereits um 10:00 Uhr wieder bedeckt. Den ganzen Tag ziehen südlich von uns immer wieder Riesenschauer durch.

Wir nutzen die Zeit und erledigen kleine Arbeiten an Bord: Batterien des Heizungsthermostats wechseln, die Motorwelle fetten, die Rauchmelder testen und den Abfluss des Waschbeckens der Heckkabine wieder frei machen. Eben Kleinkram, der sich so ansammelt ...

Loona hat bei diesem Wetter keine Lust auf neue Abenteuer. Als sie bemerkt, das wir nicht los wollen, verschwindet sie umgehend wieder in ihrem Bett. Unsere pacifico wiegt sich den ganzen Tag in einer flachen Hafendünung. Harry und Jürgen ziehen am Nachmittag noch einmal los in die Stadt, um ein paar Lebensmittel zu besorgen.

Am späten Nachmittag läuft dann schließlich die Njord ein, unsere Nachbarn aus Weener. Am Abend wird bei uns an Bord wieder lecker gekocht. Mit viel Knoblauch - eigentlich nichts für Besucher. Ahnungslos kommt gegen 19:30 Uhr die Besatzung der Njord, Christa und Klaus, vorbei. Die beiden haben es überlebt ...


© 2015 Jürgen Sattler