37 Kilometer in 5 Stunden: Von Creek zu Creek ... 

ABER: Übermut tut selten gut! Denn schon zwei Kilometern weiter saß ich fest: Nach einer scharfen Kurve sah ich mich plötzlich vor einer lang gedehnten Schlammpfütze. Die graue Pampe spritzte überall hin und meine Geschwindigkeit nahm rapide ab. Obwohl ich das Gaspedal voll durchgedrückt hatte, musste ich runterschalten. Genau in diesem Moment traf ich auf einen unter dem Schlamm verborgenen, ca. 20 cm hohen Absatz in der Fahrspur. Dr. Billy machte mit mir einen hohen Satz, und dann waren wir mit der Umgebung fest "verankert". Die Räder drehten zwar noch durch und ich bewegte mich etwas vor und zurück, aber ein Freikommen war nicht mehr möglich. Im Gegenteil, es ging nur noch tiefer in die Pampe. 

Nun konnten wir endlich Andrews "Jackall", den kanadischen Wagenheber mit 150 cm Länge, auspacken, Dr. Billy anliften und Äste unter die Räder legen. Das Ganze kombiniert mit etwas Schaufeln ermöglichte dann auch schnell die Weiterfahrt. 

Beim allabendlichen Blick unter die Motorhaube fielen mir dann aber fast die Augen aus: Der Dreck war wirklich überall hingespritzt! Erkennbar war noch der gelbe Gummihandschuh am Verteilerfuß, der das Eindringen von Wasser verhindern sollte. Feuchtigkeitsränder zeigten, dass das Wasser auch so hoch gestanden hatte ...

muddy 2.6 ltr. Benziner ... "Dr. Billy on tour" in der Sch ...

Da ich aber nicht Stehen geblieben war, musste es also offensichtlich auch was gebracht haben. Im Vordergrund unseres Bildes der alte und wartungsfreundliche Ölbad-Luftfilter: Seine Öffnungen hatten mir des öfteren Kopfschmerzen bereitet, weil das Wasser da auf gar keinen Fall reinlaufen sollte (Wasser im Vergaser kannten wir ja schon von Steve). Deshalb kam auch bei tieferen Durchquerungen die Plane vorm Grill zum Einsatz, um den Wasserstand im Motorraum tiefer als vor dem Wagen zu halten. Eine Wassermarke entdeckte ich später bei ca. 2 mm unter den Öffnungen. UFF ..!

So, weiter also. Nach 3,5 km erreichten wir das Grab eines Linesman (Arbeiter an der Telegraph Line) und nach 6 km gab es wieder Herzklopfen: Der Cockatoo Creek war zu durchqueren. Wir fanden einen felsigen Untergrund mit mehreren recht tiefen Löchern vor. 

Andrew stellte sich vor das tiefste Loch, nachdem wir die beste Strecke zu Fuß (auch hier sind Krokodile) ausgekundschaftet hatten, und ich machte mich an die Durchfahrt im zweiten Langsamgang. Auf dieses Weise kosteten die ganzen Durchquerungen recht viel Zeit, und nach 5 Stunden Fahrzeit hatten wir lediglich 37 km geschafft. Wir waren fix und fertig und campten unter dem "Kreuz des Südens" mitten im Busch ...

Quer durch: Am Cokatoo Creek ...

Nächster Tag, nächste Strecke: Eine Wasserfalltour erwartete uns heute. Die Piste war einfach und der südliche Bypass traf wieder auf die OTL. Der Weg war breit, staubig und eine der typischen Wellblechpisten. Kein Spaß mit den harten Blattfedern eines Series III, es klapperte wie in einer Rappelkiste und das Dröhnen ließ sich auch nicht vom Radio übertönen. Wieder ein paar Bier weniger! Aber nach nur 9 km bog die Northern Bypass Road von der OTL links ab und für uns ging es weiter geradeaus, weg von der Wellblechpiste. 

Anhalten und Baden bei den Fruitbat Falls: Einfach herrlich, so eine Erfrischung bei fast 40°C im Schatten, Staubpisten und keiner Dusche seit 3 Tagen! Es schien ein sehr relaxter Tag zu werden, der uns etwas Erholung ermöglichen würde. Leider schien es aber auch nur so: Die nächsten Wasserfälle waren zwar nur ein paar Kilometer entfernt, doch der Weg dazwischen kostete Zeit. Ich hatte mich besonders verliebt in eine Lehmkuhle, die ich unbedingt tiefer erkunden musste. Zum Glück war Andrew voraus gefahren, und so konnte er mich mit Hilfe eines Bergegurtes wieder den Hang hinauf ziehen und es ging dann doch noch recht schnell weiter ...

Erholung an den Twin Falls ...Das nächste Ziel waren die Twin Falls und deren Anblick entschädigte uns für so einige Strapazen. Zum Baden kamen wir diesmal nicht, da Deb ihre XT 600 in einem Wasserloch versenkt hatte und wir das Wasser aus dem Motoröl kochen mussten. Dazu hieß es Öl in einen Kochtopf ablassen und so lange Kochen, bis es nicht mehr schäumte. Wir hatten zwar noch ein paar Liter Öl als Reserve dabei, aber wenn man es auf diese Weise sparen konnte,  war das schon besser, denn man weiß ja nie, was da noch auf einen zu kommt ...

So langsam kann es ja nicht mehr härter werden, dachte ich mir und die Trek-notes gaben mir Recht. Leider aber nicht der Weg selbst: Der nächste Creek war schon wieder eine der härteren Prüfungen. So einige, die bisher die Bypass Road benutzt hatten, waren neugierig bis zum Canal Creek gefahren, schauten sich dort um und fuhren wortlos wieder zurück auf den Bypass: Aus gutem Grund, da der befahrbare Weg im Fluss nur der Wagenbreite plus 10 cm entsprach. 

Man musste auf die Felsen (links) zuhalten und kurz vorher abdrehen, ansonsten wäre man auf der anderen Seite sang- und klanglos in einem 2 Meter tiefen Loch versunken, oder kurz dahinter gegen eine Lehmwand (siehe Bild vorne links vor dem Wagen) geprallt. Solche "Unebenheiten" im Fluss erwiesen sich als nicht so lustig: Die restliche "Furt" war mit knapp über einem Meter auch die tiefste Durchfahrt der gesamten Strecke, kurz danach ging es kurz und heftig abwärts, so dass das Wasser über der Haube zusammen schlug. Die Ausfahrt war eine in den Lehmboden gebuddelte Rampe, die ebenfalls nur geringfügig breiter war, als der Wagen selbst (beim Nissan Patrol haben beide Kunststoffkotflügel am Lehm "geschabt").

Der anschließende Sam Creek war dann nicht mehr der Rede wert. Langsam wurde aber der Weg selbst immer schlechter: Waren es zu Beginn die Flussdurchquerungen, die uns Zeit und Nerven gekostet hatten, waren es jetzt tiefe Erosionen in den ehemaligen Fahrspuren. Der ursprüngliche Weg zeigte uns nur noch die Richtung. Wir fuhren rechts oder links von der Piste durch den Busch und überquerten des öfteren die OTL. Wir waren mittlerweile im Zickzack unterwegs und bei jeder Überquerung der OTL waren derartige Steigungen zu überwinden, dass Dr. Billy dabei ein Beinchen nach dem anderen hob ... 

Den Hang hinauf aus der Lehmkuhle ... Manövrieren am Canal Creek ...

Das Vorwärtskommen glich mehr einem Autotrial als normalem Allradfahren. Die Arme merkte man durch das ständige Lenken zusehends und bei über 40°C verlor ich den einen oder anderen Liter Flüssigkeit. Einen Vorteil hat diese staubige Gegend aber, denn noch bevor der Schweiß zu laufen beginnt, klebt der Sand daran fest und eine rote Kruste entsteht. 

Es ging als nächstes zum Mistake Creek, der Dr. Billy ein paar Zähne aus der vorderen Antriebswelle schlug. Die Durchquerung war bis auf das Wendemanöver im Fluss kein Problem, aber die Ausfahrt dafür um so härter. Es war mal wieder Lehmboden, uneben und steil. Es ging nur mit Anlauf und da ich diesmal der Erste war und Andrew mich nicht von oben hätte ziehen können, musste ich es auch unbedingt schaffen. Mit recht viel Schwung ging´s die Steigung hinauf und oben angekommen war ich wohl immer noch zu schnell (na ja, dritter Langsamgang ist nicht wirklich schnell, aber es reichte) und die Vorderachse hob ein Stückchen vom Boden ab. Bei der "Ankunft" am Boden krachte es dann ein wenig im vorderen Differential. Danach konnte ich die Freilaufnaben der Vorderachse nicht gekoppelt lassen, ohne den 4WD einzuschalten. Die Zähne verkeilten sich dabei und das Rad vorne links blockierte. Das war besonders in kniffligen Situation unschön und von denen sollten noch so einige kommen ...


© Text/Bilder 2001 Henning Schulz-Streeck