Mit dem EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Island 1997:

Eine Reise mit Kind und Kegel
(Papa und Junior auf Entdeckungsreise)


Diese Reiseerzählung
handelt von den Erlebnissen meines Sohnemanns Maxi und mir anläßlich einer Islandreise 1997 mit Linienbus, Rucksack und Zelt durch die wilden und auch weniger wilden Gefilde dieses wunderschönen Landes - wunderschön, wenn die Sonne scheint!

Inhaltsübersicht:

1. Tag:
Von München nach Akureyri
2. Tag:
Akureyri
3. Tag
Von Akureyri nach Husavik
4. Tag:
Von Husavik zum Myvatn
5. Tag:
Myvatn / Reykjalið
6. Tag:
Myvatn / Namaskarð
7. Tag:
Von Reykjalið zurück nach Akureyri
8. Tag:
Die Kjölur-Route nach Hveravellir

Bild: Fauchende Quelle

9. Tag:
Weiter zum Kerlingarfjöll
10. Tag:
Raus aus dem Hochland zum Geysir

Bild: Strokkur beim Ausbruch

11. Tag:
Vom Geysir nach Thingvellir
12. Tag:
Thingvellir und Reykjavik
13. Tag:
Die Hauptstadt (Reykjavik)
14. Tag:
Die Blaue Lagune und ab in die Heimat


1. Tag: Von München nach Akureyri

Sonntag, 29. Juni 1997 -
Wir stehen am Flughafen München inmitten lauter reiselustiger Menschen und warten wie diese darauf, daß es endlich losgeht, ab in den Abenteuerurlaub, nach Island. Mein Sohnemann Max, fast schon 6 Jahre alt und ich (auch alt) haben einen preisgünstigen Flug bei Air Atlanta von München nach Keflavik gebucht:
825,- DM bezahlt Papa, Max die Hälfte.

Abflug 10:30 Uhr, zumindest will es der Flugplan so. Nur ist leider weit und breit kein Flieger aus Island zu sehen ...

So vergehen die Minuten, werden zu Viertelstunden und Stunden bis endlich um 12:10 Uhr unsere Maschine, eine schon etwas betagte Lockheed Tristar, das sommerliche München verläßt. Der Flug verläuft ruhig, zu sehen gibt es leider nicht viel, verdecken doch dichte Wolken die darunterliegenden Ländereien. Mäxchen läßt das alles kalt, Hauptsache es gibt bald was zu essen! Um 13:30 Uhr Ortszeit (15:30 Uhr in Mitteleuropa) landen wir in Keflavik, Island bei Sonnenschein! Wer schon öfter in Island war, kann diesen unerwarteten Glücksfall einschätzen ...

Noch vor der Paßkontrolle bietet sich die Gelegenheit, isländisches Geld per EC-Scheck oder Bargeld einzutauschen, übrigens ein gutgemeinter Tip, denn der Umtauschverlust bei der Devisenbeschaffung in Deutschland ist spürbar.

Vor dem Flughafengebäude warten schon die Transferbusse nach Reykjavik, je nach Busunternehmen wird der City-Airport beim Hotel Loftleyðir oder auch direkt der Zeltplatz in Reykjavik angesteuert.

Nach ca. 45 Minuten ist der innerisländische Flugplatz mitten in der Stadt erreicht, wir beide müssen zur anderen Seite zum "Domestic Airport". Kurzerhand wird ein Fahrer mit einem Kleinbus organisiert, der uns dorthin bringt. Wir staunen über die Freundlichkeit und das unkomplizierte Verfahren (was wir im weiteren Verlauf der Reise noch öfter erleben sollten).

Wir wollen gleich weiter nach Akureyri, die "Hauptstadt" des nördlichen Islands. Da wir wenig Lust auf fast 7 Stunden Busfahrt haben, leisten wir uns den Inlandsflug mit Icelandair. Der knapp 50 Minuten dauernde Flug über das Hochland bei strahlendem Sonnenschein ist phantastisch! Nur kurz vor der Ankunft gibt der viele Schnee in den Bergen meiner Begeisterung doch einen kleinen Dämpfer - ich bin gespannt, ob das Wetter weiter so hält.

Kaum sind wir aus der Maschine raus, weht uns schon ein empfindlich kühler Wind entgegen, na ja, 10°C geht ja noch. Ein Fußmarsch von 3km zum Campingplatz oberhalb der Kirche und direkt neben dem Schwimmbad tut gut nach all der Sitzerei. Nach einem Minimal-Abendessen kriechen wir in unsere Schlafsäcke und beschließen den ersten Tag.


Kreditkarten:

Weit verbreitet sind Euro- / Mastercard und Visa. Keiner wird Sie schräg ansehen, wenn Sie Ihre Rechnung über 10 Mark mit der Karte bezahlen.

Achtung: Bargeldabhebungen kosten saftige Gebühren.

Wechselkurs: 40 ISK = ca. 1,00 DM (Juli 1997)



2. Tag: Akureyri

Der erste Morgen in Island.

Eigentlich wollte ich ausschlafen, doch Mäxchen muß mal. Frierend kommt er von der Toilette zurück - mit der Unterhose in der Hand ...
Schnell umgezogen, rein in den Schlafsack und weitergeschlafen bis um halb neun.

Fröstelnd machen wir uns das Frühstück, am ersten Tag klappt das Camperleben noch nicht so richtig - doch der Zeltplatz hier wartet mit einer Überaschung auf: beim Warden gibt´s heißen Kaffee gratis und für meinen Sohnemann ist heisses Wasser für den Tee vorhanden (aus dem Wasserkocher, nicht aus der Leitung - erfahrene Islandreisen wissen, wie das heiße Leitungswasser schmeckt, nämlich nach Schwefel!).

Anschließend besuchen wir die Kirche, erfreuen uns an der lauten Orgelmusik, klettern an der Hafenmauer herum, fotografieren, schlecken Softeis, das in der nun scheinenden Sonne zu früh schmilzt.

Nachmittags gehen wir ins Schwimmbad, gleich neben dem Zeltplatz. Dort finden wir eine super Rutschbahn, die ich natürlich im Rahmen meiner Aufsichtspflicht ebenfalls benutzen MUSS! Nach 5 Stunden kommen wir ziemlich aufgeweicht zu unserem Zelt zurück. Dann wird das Abendessen gekocht: Nudelgericht aus der Tüte und isländischer Krautsalat - bei unserem Bärenhunger sind wir nicht wählerisch! Anschließend spielen wir einige Partien Memory, die ich, wie gewöhnlich, meist verliere (kann man gegen ein Kind beim Memory eigentlich überhaupt bestehen???)



Zeitunterschied
:

Zeit in Island = deutsche Sommerzeit - 2 h
Zeit in Deutschland = isl. Zeit + 2 h

Island hat immer GMT (UTC) und keine Sommerzeit, somit ist die Zeitdifferenz im Winter zu Deutschland +1 Stunde.


Einige Lebensmittelpreise (Juli 1997):

Skyr (eine Art Quark) mit Blaubeeren, 500g

1,25 DM

1 Stück Birne oder Apfel, handverlesen

0,70 DM

1 Liter Apfelsaft

3,50 DM

1 Halbe Bier (Büchse, alkoholarm, schmeckt nach 3 Tagen Island hervorragend)

3,00 DM

1 Liter Kakao

3,00 DM

Leberwurst 250g (schmeckt wie in Deutschland)

3,70 DM

1 Rolle Keks (Doppelrolle, Grundnahrungsmittel)

3,30 DM

1 Joghurt 200g

2,50 DM

1 Büchse braune Bohnen in Tomatensauce (gibts weltweit)

1,50 DM

Leberpastete im Glas, ca. 150g

4,00 DM

1l Milch

1,70 DM

Maggi / Knorr Spaghetteria (Nudel-Fertiggericht, 5min Kochzeit)

3,50 DM

1 Stück Kiwi, Neuseeland (warum so billig???) 0,65 ... 1,00 DM
  • generell gilt: das Preisniveau im Supermarkt ist derzeit mindestens 30% höher als in Deutschland
    (das gilt *nicht* unbedingt für exotische Waren und Alkoholika
  • Kaufen Sie als sparsamer Traveller nicht das, was Sie wollen, sondern das, was es im Sonderangebot gibt
  • Versuchen Sie, Fisch frisch zu kaufen, die Qualität ist excellent, die Auswahl oft gigantisch.
  • Probieren Sie das dunkle Rugbraud (Brot), die meisten anderen Sorten sind Schlabberbrote.
  • Hat mal kein Supermarkt mehr auf, probieren Sie es an der Tankstelle, besonders auf dem Land !


3. Tag: Von Akureyri nach Husavik

Akureyri -
um 6 Uhr aufgestanden - es regnet. War´s das schon wieder mit dem schönen Wetter hier?

Nach einem spartanischen Frühstück darf Max bei dem netten Mädchen im Zeltplatzwärterhäuschen sitzen, während ich das Zelt abbaue. Wir müssen um 8 Uhr am Busterminal sein, ca. 15 Minuten von hier entfernt.

Wir fahren im halb vollen Bus über trostlose Berge nach Husavik. Nur ab und zu kommt ein Auto entgegen. In dieser Gegend möchte ich nicht leben!

Dann erreichen wir Husavik. Sofort suchen wir den Zeltplatz auf, der nördlich von der Bushaltestelle liegt, direkt am Fußballplatz.

Der Preis ist ok, 400 ISK, ca. 10,-DM pro Nacht, Kinder bezahlen nichts. Kochgelegenheit (Elektrokocher) ist vorhanden, Dusche kostet 50 ISK extra, Warmwasser mit viel Schwefel zum Abspülen ist auch vorhanden.

In Husavik gibt es einen schönen "Stadtpark", für isländische Verhältnisse ein üppig bewachsenes Stückchen Erde am Bachlauf mit mühevoll hochgepäppelten Pflanzen, die dem Wind hinter den Hecken trotzen. Wir kauern uns hinter einem "Baum" im Windschatten auf dem Gras und essen unsere mitgebrachten isländischen Kekse und Gebäck.

Am Hafen bietet sich die Gelegenheit zum "Whale Watching", mehrmals am Tag fährt ein Schiff raus auf´s Meer um die meistens anzutreffenden Zwergwaale aufzusuchen.

Tip für sparsame Leute (wer ist das nicht in Island?): im Supermarkt gibt es nach dem Einkauf einen Gratiskaffee und die Kleinen können derweil mit Legosteinen spielen.

Abends lohnt ein kurzer Spaziergang nördlich an der Straße entlang bis hoch zu einer Bergkuppe: wunderschöner Blick auf das Meer hinaus bei Sonnenuntergang, nur die Küstenseeschwalben mit ihren Tieffliegerangriffen stören etwas ...


4. Tag: Von Husavik zum Myvatn

Schon wieder Sonnenschein - allmählich wird´s unheimlich.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit heißem Toast (!), zubereitet in der kleinen Küche des Zeltplatzes Husavik geht es um 9 Uhr weiter zum Myvatn.

An der Bushaltestelle suche ich unseren Bus, aber nichts ist zu sehen. Kein Wunder, fährt doch heute auf dieser Strecke nur ein Jeep mit Anhänger, der Bus wurde woanders hin beordnet. Macht nichts, wir beide sind sowieso die einzigen Fahrgäste. Die Fahrt führt durch einsame Gegenden, ab und zu sind Bauernhöfe zu sehen. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das Südufer des Myvatn. Aus Naturschutzgründen isz die Straße auf der westlichen Seite des Sees gesperrt. So kommen wir auch noch zu einer Rundfahrt um den idyllisch gelegenen See.

Endstation der Fahrt ist der kleine Ort Reykjalið, das "Touristenzentrum" am Myvatn. Hier sind zwei Zeltplätze, ein Hotel, Postamt, Schwimmbad und ein kleiner Supermarkt.

Dort sehen wir auch den direkt am Seeufer gelegenen Zeltplatz ELDA. Wir melden uns für drei Tage an (450 ISK pro Nacht, ca. 11,-DM, heiße Dusche incl., Geschirrspülmöglichkeit im Freien, überdachtes Trockengestell für des Trampers nasse Klamotten).

Nachmittags wandern wir zur Storjaga, einer Felsengrotte im weitläufigen Lavafeld nordöstlich des Zeltplatzes. Gut markierte Pfade führen uns dorthin. Weiter über schwarze Steine zum wunderschönen Krater Hverfall, die Flanke queren hoch zum Kraterrand. Oben haben wir eine herrliche Aussicht über die Gegen, überblicken den ganzen See und suchen schon die nächsten Tourenziele aus.

Weiter geht´s steil hinab zu den Dimmuborgir, eine irreale Landschaft mit skurril geformten Lavaformationen entstanden beim letzten Lavaausbruch hier am Myvatn.

Der Rückweg wird uns lang - ca. 8 km auf der Teerstraße zurück bis zu unserem Zelt. Unterdessen brennt die Sonne unbarmherzig herunter, unser Getränkevorrat ist schon lange erschöpft.

Abends dann Erholung am Zeltplatz, zu essen gibt es heute Nudeln mit Tomatensauce und Würstel, Tee, Bier, Skyr und Kiwi. Hört sich furchtbar an, schmeckt aber! Um 18 Uhr zeigt das Thermometer immer noch 18°C an. Wir sitzen im Freien, spielen Memory bis Max müde ist und sich in seinen Schlafsack verkriecht. Ich nutze die schöne Abendstimmung noch zu einem Spaziergang zur Kirche beim Hotel Reynilid.


Telefonieren

von Island nach Deutschland:
0049 - Ortsvorwahl ohne 0 - Teilnehmernummer



5. Tag: Myvatn / Reykjalið

Myvatn / Reykjalið -
Die Sonne scheint, der Schädel brummt. Gibt´s hier auch Föhn wie zu Hause im Voralpenland?

Wir erkunden den kleine Ort Reykjalið, besuchen den Zeltplatz neben der Kirche, klettern in den Lavaformationen herum, die beim letzten Ausbruch die Kirche verschonten und sie fast im Halbkreis umschließen. Dieses Ereignis wird als Wunder angesehen und wenn man inmitten der zerklüfteten Felsen herumstreift mutet es schon seltsam an, daß ausgerechnet wenige Meter vor dem Gebäude die glühende Lava zum Stehen gekommen ist.

Beim kleinen Postamt kaufen wir Postkarten mit Motiven heimischer Vogelarten, die wunderschön und zudem noch deutlich billiger (25 ISK = 0,65 DM) als die üblichen Bildpostkarten sind .

Nachmittags gehen wir zum Schwimmbad, ca. 2 km vom See entfernt. Zu unserer großen Entäuschung ist es geschlossen - Wartungsarbeiten an der Filteranlage, angeblich wird morgen wieder geöffnet ...

Gleich gegenüber liegt das neu erbaute Informationscenter des Ortes mit Touristeninfomation, Ausstellung der örtlichen geographischen Gegebenheiten, Fauna und Flora am Myvatn, Videofilm (auch in deutsch), Motorschlittensammlung und viele Steine zum anfassen. Mäxchen findet die Spielecke jedoch bei weitem interessanter!

Das Abendessen wird nochmals aufregend, da uns die hier lebenden Mückenschwärme den letzten Nerv rauben. Außerdem bläst der Wind die Wärme aus unserem Essen (Nudeln, was sonst?). Überhaupt die Mücken: einige Leute rennen dick vermummt mit einem zusätzlichen Mückengitter um ihren Kopf herum. Nur müssen sie beim Essen und Trinken zumindest kurzzeitig das "Visier" öffnen, worauf sich die kleinen Biester mit Juhu auf die Beute stürzen. Wir haben auf das Netz verzichtet, den Kopf immer in den Wind gedreht und uns nicht aufgeregt, und das ging auch ganz gut.

Dann beginnt es zu regnen ...


Trinkgeld:

versauen Sie bitte nicht die Sitten. Ein Isländer wird Sie höchst verwundert ansehen, wenn Sie ihm ein Trinkgeld geben - absolut unüblich!


6. Tag: Myvatn / Namaskarð

Die ganze Nacht hat´s geregnet
und am Morgen ist alles grau in grau. Wir frühstücken im Zelt, der Wind bläst zu stark. Zu allem Überfluß fängt auch noch unser Benzinkocher an zu spucken.

Wir erfinden eine neue super schmeckende Müsli-Variante: Müsli, Skyr und Kakaogetränk (©Berger, 1997).

Wir gehen nach Namaskarð, ca. 1h vom Zeltplatz in nördlicher Richtung, immer der Straße lang. Schon von weitem wabbern uns die Dampfwolken mit deftigem Schwefelwasserstoff-Geruch entgegen. Während vor 10 Jahren das ganze Gebiet frei zugänglich war, kanalisieren jetzt Absperrungen die Besucherströme und helfen so mit, daß die immer wieder vorkommenden Unfälle durch Verrennungen weniger werden. Betritt man die weißen Stellen rings um die Fumarolen, hat man eine gute Chance einzubrechen und sich die Wadl zu verbrennen. Neben den pfeifenden Schwefelstinkern sehen wir kochende und spritzende Schlammpfühle mit z.T. mehreren Meter großen Minikratern in denen es heftig blubbert und sprotzt.

Die abgesicherten Wege passen nicht so recht zu dieser wilden Landschaft, schade, mir hat es früher hier besser gefallen.

Auf dem Rückweg checken wir das Schwimmbad --- geöffnet --- !

Schnell zurück zum Zelt, Geld in der kleinen Bank im Hotel Reynilið umgetauscht (1 EC ist für max. 13.000 ISK = 325 DM gut), die Familie zu Hause vom Postamt aus angerufen (warum funktioniert die verdammte Telefonkarte eigentlich nicht, alle 10 Sekunden Gesprächsabbruch) und dann rein ins nasse Vergnügen.

Nach 3 Stunden Einweichen im Hot Pot reicht´s uns, Abendessen ist angesagt. Unsere Zeltnachbarn aus Holland haben eine ganze Flasche Whiskey dabei und der Völkerverständigung sind keine Grenzen mehr gesetzt!

Um 23 Uhr beginnt es wieder zu regnen - na dann "Gute Nacht" -


Elektrizität:

220 V, 50 Hz (die flachen Euro-Stecker passen)


7. Tag: Von Reykjalið zurück nach Akureyri

Bewölkt, aber warm,16°C.
Spartanisches Frühstück heute, uns ist das Brot ausgegangen und der kleine Laden nebenan öffnet erst um 10 Uhr. Unser Benzin für den Optimus-Kocher geht zur Neige. An der Tankstelle im Ort tanken wir "Normal bleifrei", der Liter kostet ca. 2,20DM. Immer wieder lustig, mit der kleinen Brennstoff-Flasche am der Zapfsäule zu stehen.

Wir verbringen den Rest des Vormittags mit Faulenzen, stromern am Seeufer rum und bauen dann das Zelt ab - gerade rechtzeitig, bevor ein leichter Nieselregen alles durchnäßt. Direkt neben unserem Platz sehen wir, wie eine Möve ein kleines Entenbaby auffrißt, unsere Rettungsversuche mit Geschrei und Gefuchtel helfen leider nichts, im Nu ist das Kleine verschlungen. Leider kein Einzelfall, aber anscheinend sorgen die vielen Entennachkommen dafür, daß der Bestand nicht gefährdet ist.

Die restliche Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses nach Akureyri verbringen wir in der Lounge des Hotels Reynhilið. Immer wieder überaschend, wie freundlich die Leute hier auf die Anwesenheit des "fahrenden Volkes" reagiert - passendes Verhalten vorausgesetzt ...
Max spielt mit den hier ausliegenden Legosteinen, ich schmökere in den Bildbänden, die den Reisenden die Wartezeit verkürzen sollen.

Um 16:15 Uhr fährt dann endlich der Bus nach Akureyri über Godafoss, hier nur kurzer Stop, reicht nicht mal für´s Pinkeln oder Fotografieren. Ankunft in Akureyri um 18 Uhr. Wieder am bereits bekannten Zeltplatz bauen wir unsere Leinwandvilla inmitten zahlreicher Zelte auf, jetzt am Wochenende ist hier deutlich mehr los. Telefonieren mit zu Hause, dort regnet es in Strömen, naja der Sommer in Oberbayern ist dieses Jahr wohl auch nicht das wahre.

Einkaufen im Supermarkt: - Kaufrausch -, alles was wir für die nächsten Tage im Hochland brauchen, erstehen wir im Vorrat. Meine Recherchen vor dem Urlaub ergaben, daß es wohl keinerlei Möglichkeit auf der Kjölur-Route gibt, Lebensmittel zu kaufen (näheres dazu später).

Zum Abendessen gibt es heute Milchreis Spezial, fast hätten wir die Milch dazu vergessen. Ehrlich gesagt, es schmeckt seltsam, aber Max, der zu Hause eher etwas heikel ist, wenn´s ums Essen geht, schlingt tapfer seine Portion hinunter.

Nach einigen Partien Memory (Max gewinnt, wie meistens) gehen wir ins Bett, ich bin todmüde, Max ist total überdreht. Aber irgendwann fällt auch ihm das Mundwerk zu und es ist Ruhe - .


Sprache:

Fast jeder Isländer spricht Englisch, manche sogar sehr gut Deutsch (2. Fremdsprache im Gymnasium).


8. Tag: Die Kjölur-Route nach Hveravellir

Wecken ist heute um 6:30 Uhr,
Als Entschädigung dafür gibt es auch ein phantastisches Frühstück mit Nestle-Kaba (für Wasser!). Beim Zeltabbau müssen wir uns leider an unseren Zeltnachbarn rächen, die sich gestern abends 20cm neben unser Zelt aufgebaut haben. Ich hab´s ganz gern etwas lockerer und Platz genug auf der Wiese wäre ja eigentlich vorhanden gewesen. Machmal kapier ich diese Leute nicht! Also verläuft der Abbau ziemlich geräuschvoll und Max hat so seinen Riesenspaß - wahrscheinlich war das pädagogisch total verkehrt, aber ich hab das einfach gebraucht ;-))

Unser Bus fährt um 9 Uhr vom Busterminal ab, die Fahrt nach Hveravellir kostet 3300,- ISK für uns beide, VISA wird akzeptiert (wie fast überall in Island, sogar in manchen Überlandbussen kann man mit dem Plastikgeld bezahlen).

Bei Nieselregen fahren wir durch die monotone Landschaft, der Bus schaukelt dermaßen, daß wir schleunigst unsere Sitzplätze im Heck gegen solche genau zwischen den beiden Achsen eintauschen bevor wir endgültig seekrank werden. Während der nächsten 3 Stunden muß ich unzählige "unwahre Geschichten" und Witze erzählen, bis wir endlich um 12:30 Uhr in Hveravellir ankommen. Bis hierher ist die Strecke sicherlich mit dem PKW befahrbar, nur einige größere Schlaglöcher und Wellblechpisten dürften Schwierigkeiten machen, Wasserläufe sind keine zu durchqueren. Immer wieder kommen uns isländische PKW´s entgegen, doch diese Herrschaften sind wahrscheinlich auch diese Straßenverhältnisse gewohnt.
Die Gegend hier ist phantastisch, leicht gewelltes Gelände, im Hintergrund Gletscher, nur spärlicher Grasbewuchs. Es weht ein empflindlich kalter Wind, ca. 5°C.

Nachdem der Bus abgefahren ist und sich der "Massenauflauf" wieder verzogen hat, gehen wir in die Berghütte des Isl. Bergsteigervereins und melden uns zum Zelten an (500,- ISK pro Nacht für uns beide; eine Übernachtung in der Hütte kostet 1200,- ISK). Direkt daneben ist eine große Wiese am warmen Bach, wo wir anschließend unser Zelt aufbauen. Achtung: Schafscheiße!

Während ich die Gegend erkunde, spielt Max im Zelt und räumt dabei all unsere Sachen ganz toll auf (warum klappt das eigentlich zuhause nicht?).
Essen gibt es hier nicht zu kaufen und die in diversen Landkarten eingetragene Tankstelle entpuppt sich als einsame Tanksäule ohne zugehörigen Tankwart.

Nach dem Abendessen besuchen wir den berühmten "Hot Pot" von Hveravellir, ein vor Jahren gemauertes Becken, in das aus zwei Kunststoffrohren kaltes und heisses Wasser eingeleitet wird. Je nach Lust und Laune der Badegäste wird die Wassertemperatur so sehr flexibel "geregelt". Das Wasser ist stark basisch und fühlt sich seifig an. Nur das wieder rauskommen aus dem Pool ist schwierig, da der schneidend kalte Wind es nicht gerade erleichtert, sich aus dieser Oase zu entfernen.
Dann beginnt es zu regnen ---


Radioempfang / Nachrichten:

Deutsche Welle auf KW im 49m-Band abends astrein! Der Bayrische Rundfunk auch auf 49m geht manchmal.

UKW-Empfang der isl. Sender nur in besiedelten Gebieten möglich, im Hochland absolute Funkstille.

Nachrichten in englisch (BBC World Service) auf FM 106,8MHz werktags um 8 / 9 / 12 / 17 Uhr oder unter der Tel.Nr. 515 3690 abrufbar.

In Hveravellir dampft und broddelt es überall aus dem Boden: Diese Quelle ist der "Star" unter all den Stinkern.

Die heißen Quellen sind auf Holzlaufstegen gut zu erreichen, ein Verlassen der Wege wird nicht empfohlen, der brüchige Boden verbirgt das darunter brodelnde Wasser.

Eine detaillierter Beschreibung von Hveravellir und Übersichtskarten (in der Berghütte erhältlich) zeigt das gut markierte Wegenetz in der näheren Umgebung. Sehenswert: neben den Quellen das Versteck und der Schafstall des Outlaws Eyvindur (ca. 20 min.) sowie ein altes Steinhaus mit Rasendach (ca. 5 min.).


9. Tag: Weiter zum Kerlingarfjöll

Hveravellir - trübes Wetter, aber trocken.
Mäxchen hat einen neuen Bekannten - ein Motorradfahrer, unser Zeltnachbar. Dieser wird die nächste Stunde vollgequasselt, er hilft ihm sogar beim Zeltabbau. Zu seiner Enttäuschung fährt er jedoch heute schon weiter, noch Stunden später schwärm Max von ihm.

Wir besuchen die Höhle von Eyvindur, ein gut getarntes unterirdisches Versteck des Vogelfreien, der hier um 1760 gut 20 Jahre zusammen mit seiner Frau im Hochland lebte. Heute unvorstellbar, wie ein Mensch in dieser Einöde und mit den damaligen Mitteln so lange überleben konnte.
Als Abschluß unseres Besuches hier genießen wir nochmals die wohltuende Wärme im heißen Pfuhl bevor wir um 13 Uhr den Bus in südlicher Richtung nehmen. Endlich fahren wir auch durch einen Bach, Max ist schon sooo gespannt, wie das wohl ist. Spannend ist dann noch die letzte Flußquerung hoch oben in den Bergen kurz vor Kerlingarfjöll. Vom Bussitz aus ist der Fluß ganz harmlos anzusehen. Der Fahrer eines Range Rovers, der stirnrunzelnd in die Fluten blickt, läßt uns jedoch ahnen, wie man sich hier als "Abenteurer" fühlt. Pikanterweise folgt gleich nach der Furt ein Wasserfall und die Vorstellung, was passiert, sollte der Waen die Durchquerung nicht schaffen, ist alles andere als angenehm.


Interessanterweise sehen wir bei der Ankunft in Kerlingarfjöll dann einen VW Polo vor der Hütte stehen ...

Die Hütte und die direkte Umgebung wirken auf den ersten Blick eher abstoßend, so wie eine alpine Liftanlage im Sommer - und um nichts anderes handelt es sich auch hier.

Täglich in den Sommermonaten fährt hier ein Shuttlebus hoch zum Gletscher und zurück und bringt so die wenigen Skifans zum Lift. Rings um die Hütte herrscht gelinde gesagt ein Saustall, überall liegen Schrotteile von Maschinen und Fahrzeugen herum und Öl verschmutzt den Boden.

Wir suchen uns einen möglichst trockenen Zeltplatz jenseits des Baches, den wir auf einer abenteuerlichen Holzbrücke überqueren. Hier muß es viel geregnet haben, überall in den Wiesen steht das Wasser. Nach langem Suchen entdecken wir ein halbwegs passables Fleckchen und dort stellen wir unser Zelt auf. Unser Reisebegleiter von der letzten Strecke (Gruß nach Hamburg, Servus Horst - ja Du, mit dem GPS!) schaut noch kurz vorbei, bevor er mit dem Bus weiter nach Süden fährt. Wir sind die einzigen Zeltler hier und die aufkommende Melancholie bekämpfen wir mit: *ESSEN*!

Anschließend starten wir zu einer kleinen Bergtour, zuerst querfeldein, dann immer der Straße zum Skigebiet hoch entlang. Nach ca. 2 Stunden und 315 Höhenmetern über unserem Camp erreichen wir die heißen Quellen von Kerlingarfjöll. Wunderschön ist die Aussicht auf die zerklüfteten Felsformationen und den Gletschern, hinab in die Schlucht in der der Bergbach runter zum Zeltplatz rauscht. Weit oben sehen wir den Skilift, die letzten Brettlfans haben das Gebiet schon verlassen. Wir machen einige Foto´s von den Quellen, an die wir jedoch nicht herankommen. Eine weite Talquerung steil hinab läge noch vor uns und es ist schon spät. Wir schenken uns den Rest, essen ein paar Keks in der kalten Abendsonne und gehen dann zurück zum Zelt.

Heiße Duschen gibt´s in der Hütte (kostenlos), das kleine Schwimmbad (mit Ölheizung!) ist noch nicht betriebsbereit.

Zeltplatzgebühr 650,- ISK für uns beide, die Wasserstellen auf der Zeltwiese funktionieren nicht, Müllberge zieren den Platz. Landschaft schön, Camp verbesserungswürdig.

In der Hütte gibt es einen Kios mit Keks, Eis und Softgetränken zu kaufen, keine Lebensmittel!!! Jedoch bieten die Betreiber der Berghütte warme Mahlzeiten und Frühstück an.


Kaufen Sie Ihre Lebensmittel vor dem Trip ins Hochland ein, es besteht keine Einkaufsmöglichkeit zwischen Varmahlið und Geysir!


10. Tag: Raus aus dem Hochland zum Geysir

Das war vielleicht eine kalte Nacht heute,
wir sind beide mehrmals schnatternd aufgewacht. Katzenwäsche am Bach, dann machen wir eine kleine Bergtour südlich den Geröllhang hinauf. Max findet viele tolle Steine, die alle mit müssen.Wir klären die Transportfrage der Steine (Max trägt sie), finden kleine Blumen inmitten der Steinwüste, haben einen tollen Ausblick auf den Hofsjökull und den Langjökull, schlagen einen weiten Bogen zurück zum Zelt.

Während ich das Zelt abbaue, entdeckt Max das Trampolin (sic!) neben der Hütte, auf dem er die nächsten 2,5 Stunden rumtollt. Fehlt nur noch der Big M*c.

Die Energieversorgung der Hütte, neben der Ölheizung erfolgt durch ein kleines Wasserkraftwerk mit ca. 10 m Wasserfallhöhe, 50cm Rohrdurchmesser (wer ausrechnen kann, wieviele kW das bringt, soll mir doch bitte schreiben! Erste Resultate liegen vor, 27.08.1998: Die bisherigen Hochrechnungen von Konrad Bauckmeier belaufen sich auf 70kW, mein aus der von ihm angegebenen Formel abgeleiteter Wert liegt bei 13kW).

Um 14:45 Uhr fährt der Bus nach Süden, hier trifft kurz vorher auch der nordwärts gehende Bus ein, ein Richtungswechsel ist also möglich.

Die weitere Strecke ist sehr interessant und abwechslungsreich, die nächste Pinkelpause jedoch erst bei der Abzweigung nach Hvitarnes.
Von dort aus gibt es eine markierte Wanderstrecke nach Hveravellir, ca. 3 Tage, Übernachtung in Hütten - näheres im BSI Busprospekt oder beim Ferðavelag Islands (Bergsteigerverein).

Kurz vor dem Gulfoss dann noch eine spektakuläre Passüberquerung. Uns kommen einige Mountainbiker entgegen. Schauen nicht so glücklich drein, vor allem im Wissen, welche Staubwolke durch den Bus sie gleich einhüllt. Die Radfahrerdichte auf dieser Strecke ist nicht allzuhoch, alle 50 km sehe ich einige. Mit wenig Gepäck muß das echt Spaß machen, aber wer hat hier schon wenig dabei.

Kuze Pause am Gullfoss, es reicht gerade zu einem schnellen Spurt zum Wasserfall, die obligatorischen Fotos, kurz naß werden durch die Gischt und zurück zum Bus.

Endstation für heute: Zeltplatz am Geysir (schön wie immer, Tankstelle mit Futternachschub, Hotel, Schwimmbad !!!!!

Nach dem Abendessen besuche ich die Springquelle Strokkur, die etwa alle 5 Minuten laut fauchend einige 10 Meter in die Luft spuckt. Jetzt wo die vielen Besucher (immer diese Touristen ...) wieder in Richtung Reykjavik verschwunden sind, herrscht hier diese wundervolle friedliche Stimmung, die ich bei meinen Besuchen der letzten Jahre schon so erleben durfte. Nur einige Unentwegte harren vor dem Sinterbecken aus und warten nach jedem Ausbruch "nur noch einmal" bis zum nächsten Auswurf. Dann kommt auch noch die Sonne heraus und taucht die Landschaft in ein warmes Gelb.

  

Werfen Sie bitte nichts, auch keine Steine oder Münzen in die Quellen.
Immer wieder müssen die Förderschlote von Zivilisationsmüll gereinigt werden.


11. Tag: Vom Geysir nach Thingvellir

Max will zur Springquelle -
unbedingt, sofort, jetzt!!!

Nichts kann ihn mehr aufhalten, war es gestern Abend doch zu spät für ihn. Der leichte Nieselregen stört uns nicht, ist es doch angenehm warm. Leicht irritierend sind nur die einige hundert (!) Schaulustigen, die die eingefassten Wege zwischen den Quellen regelrecht verstopfen. So einen Massenandrang habe ich in Island auch noch nicht erlebt. Ziemlich nervend ist das blöde Gequatsche einiger Leute aus unserem Heimatländle- manchmal ist es wirklich besser, nicht als Deutscher erkannt zu werden. Die Kinder, egal welcher Nationalität, haben ihren Riesenspaß an dem spuckenden Monster, einige sind gar zu mutig, gehen nahe ran und werden prompt naß. Aber wen stört das schon hier, Nässe von oben und jetzt eben auch von unten.

Wir verziehen uns an ein ruhigeres Fleckchen, oberhalb der Quellen auf den Aussichtshügel. Dort oben betrachten wir das Treiben dort unten, sitzen im Gras, essen Schokokekse und warten "auf´s nächstemal".

Foto-Tip: bei blauem Himmel ist der Strokkur von hier oben sehr fotogen, wenn die weißen Dampfschwaden sich vom Himmel besonders gut abheben.

Zurück zum Zelt und abbauen, bevor es noch mehr regnet. Falsches Timing heute, sowohl das Zelt als auch wir sind naß. Zum Aufwärmen gehen wir ins Schwimmbad, gleich beim Hotel (sehr schöner Holzbau). Wer ehrlich ist und in der Tankstelle für´s Zelten bezahlt, bekommt auch die Gutscheine für den Swimming Pool und die beiden Hot Pots. Darin suhlen wir uns, bis wir es vor Hitze nicht mehr aushalten, schwimmen einige Runden um uns dann gleich wieder in den Topf zurückzuziehen. es ist schon ein tolles Gefühl, bis unter die Nase im ca. 42°C warmen Wasser zu liegen, sich eine steife Brise um die Ohren wehen zu lassen und die schnell ziehenden Wolken am Himmel zu beobachten. Ab und zu tauchen wir unter, damit die Ohren auch wieder auftauen.

Um 17 Uhr geht unser Bus nach Thingvellir über Laugarvatn, dort umsteigen in einen Minibus und über eine Sandpiste zum Nationalpark, Ankunft 18:15 Uhr - bei Regen.

Während ich das Zelt aufbau, sitzt Max im Cafe bzw. Informationsbüro, dort ist es warm und trocken. Das haben auch die meisten restlichen Zeltler hier entdeckt und so ist der Laden gerammelt voll. Jeder hat einen "Dauer"-Kaffee vor sich, der wundersamerweise mindestens eine Stunde reicht, bis das schlechte Gewissen einen zwingt, doch noch Nachschub zu kaufen. Ich freue mich immer wieder, wenn ich hier in Island erlebe, wie freundlich man uns Campern entgegenkommt. Der Zeltplatz selbst ist sehr weitläufig, an mehreren Stellen kann man sein Zelt aufschlagen. Alle notwendigen Informationen gibt es hier im Infobüro. Die Nacht kostet hier 450 ISK (ca. 11,- DM).

Durch die Unterhaltung mit dem Nationalparkwächter bekomme ich eine Menge Informationen über die hier deutlich sichtbare Drift der beiden tektonischen Platten am Mittelatlantischen Rücken, die die Ebene von Thingvellir zerreißt und die gegenüberliegenden Talwände jedes Jahr um einige Zentimeter voneinander entfernt.In den südlichen Küstengebieten rumpelt es zur Zeit wieder mächtig, Erdbeben mit einer Stärke bis 4,5 (Richter-Skala) deuten auf große Aktivität im Erdinnern hin.



Thingvellir hat inzwischen auch eine eigene Homepage: http://www.thingvellir.is/


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12. Tag: Thingvellir und Reykjavik

Wetterbericht: Heute regnet es aber wirklich!
Dick in Gore Tex verpackt wandern wir zum Wasserfall Öxararfoss (Axt-Wasserfall), dort wo zu Zeiten des Things die Verbrecher geköpft wurden. Weiter in die Allmännerschlucht, am Hotel vorbei, zur kleinen Kirche mit dem Friedhof und runter zum Seeufer. Bei dem Wetter heute treibt es nicht viele Leute zu diesen Sehenswürdigkeiten und auch wir schlagen mehr oder weniger nur die Zeit tot. Nachdem wir noch denErtränkungspfuhl besucht haben - hier wurden liederliche Frauenzimmer wie räudige Katzen ertränkt -, die Brennugja (Hexenverbrennung) inspiziert und uns in dem spaltigen Gelände verlaufen haben, machen wir uns wieder auf den Rückweg. Patschnaß erreichen wir unser Zelt, das ich dann auch gleich abbaue, während Max, wie schon mehrfach geübt, im Cafe ein Eis schleckt.

Um 17 Uhr fährt dann endlich der Bus nach Reykjavik bis zum Busterminal BSI., nicht weit vom Stadtzentrum.

Wir gehen ins Tourist-Info an der Laekjargata, Ecke Amtmannstigur, dort tauschen wir Geld per EC um. Diese Wucherbrüder behalten doch tatsächlich 500 ISK (12,50 DM) bei einer Umtauschmenge von 7000 ISK ein (das sind stolze 6,75%), aber da es schon spät am Abend ist, alle Banken üblicherweise um 16 Uhr schließen und wir pleite sind, müssen wir in den sauren Apfel beißen ...

Wir nehmen den Stadtbus, Linie 5, der uns direkt bis zum Zeltplatz am Sundlaugarvegur bringt. Das weitläufige Gelände ist meist gut besucht und wir treffen viele Leute, die wir unterwegs gesehen haben, wieder.
Unser Zelt sieht jämmerlich aus, durch den Rucksacktransport ist alles total durchgeweicht, so daß wir es zum trocknen erst mal 2 Stunden leer mit offener Apsis stehen lassen (ach ja, es regnet *nicht* mehr!).

Nach den Nudeln geht Max ins Bett, ich treffe Horst aus Hamburg (GPS...) wieder und wir verratschen den ganzen Abend bei mehreren Dosen Bier, das erstaunlicherweise nicht mal teuer ist, ca. 2,50 DM für die Halbe, im Supermarkt gleich um die Ecke gekauft. Und als ich dann um Mitternacht zum Zelt komme, ist Mäxchen immer noch wach, ja das wird morgen lustig werden, wenn der so aufgedreht ist.

   

Campingplatz am Sundlaugarvegur:

  • 250 ISK / Person und Nacht plus
  • 250 ISK / Zelt und Nacht
  • Überdachte Koch- uns Sitzgelegenheit
  • Grillplatz
  • Telefon, Postkarten, Kocherbrennstoff
  • Achtung: Warmwasser nicht trinken (Schwefel)
  • Schwimmbad gleich nebenan
  • Bustransfer nach R´vik / Keflavik (fragen)


13. Tag: Die Hauptstadt (Reykjavik)

Stadtbummel (bei Regen)

Wir ergattern einen der heißbegehrten, weil überdachten Tische, zum Frühstück.
Alles trieft und in den Waschräumen riecht es deftig nach Sockenspeck, da einige besonders Betroffene ihre Socken über die elektrischen Handtrockner stülpen und so wieder benutzbar machen, - keine schlechte Idee, muß ich mir merken.

Wir fahren mit der Linie 5 zum Einkaufszentrum Kringlan, die Errungenschaft in der Hauptstadt. Hier gibt es wirklich alles und der Kontrast zwischen dem bescheidenen Warenangebot in den kleinen Ortschaften auf dem Land und hier ist gigantisch, die Preise allerdings auch. Uns gefällt das alles nicht so besonders, eben wie zu Hause in der Stadt, austauschbar.

Wir besuchen die Hallgrimskirche, ein Wahrzeichen der Stadt. Das Gebäude ist aus Beton gegossen und widersteht so auch größeren Erdbeben, eine latente Gefahr in Island, der die Bauvorschriften entsprechend Rechnung tragen.Während es draußen in Strömen schüttet, lauschen wir der Orgelmusik, super Sound! Am Sonntag ist Konzert, deshalb wird jetzt fleißig geübt.

Weiter zu meinem Lieblings-Wollgeschäft in der Skolavördurstiga. Hier gibt es Gestricktes von isländischen Frauen und Männern, meist Handarbeit zu fairen Preisen. Die Pullover kosten 6500 ISK (162 DM), die Mehrwersteuer kann bei der Ausreise (z.B. am Airport in Keflavik) geltend gemacht werden und wird zurückbezahlt! Beim Kauf daran denken und auf der Quittung bestätigen lassen; "Tax Free".

Bei dem Sauwetter ziehen wir eine ruhige Busfahrt vor und so nehmen wir den Bus in die falsche Richtung. Bei der vorletzten Station fragt uns der Busfahrer, wo wir eigentlich hinwollen, er fahre jetzt ins Busdepot. Nachdem die Situation erklärt ist, ruft er über Funk seine Kollegin an, die eben jetzt das Depot verläßt, sie wartet auf uns und nach dem Umsteigen geht´s wieder zurück. So kommen wir zu einer ausgedehnten Stadtrundfahrt. Toll, wie entgegenkommend die Leute hier sind!

Nachmittags besuchen wir das Schwimmbad am Sundlaugarvegur, eine sehr große Anlage mit 2 Becken, mehreren Hot Pots mit bis zu 46°C heißem Wasser und der Hauptatraktion: Islands längste Rutschbahn.

Um meiner Aufsichtspflicht zu genügen, muß ich mitrutschen und ich frage mich wirklich, wer hier den meisten Spaß gehabt hat ;-)))

Achtung: die Haut am Rücken wird radikal abgehobelt.

Abendessen: "Das haut den Sven um" - Braune Bohnen in Tomatensauce mit Instantreis - ich muß gestehen, das war das schrecklichste Gericht des ganzen Urlaubs, aber Max hat´s gegessen.


Tip für´s Schwimmbad:

In der Garderobe nackt (!) ausziehen, dann mit dem Handtuch und der Badbekleidung in der Hand zum Duschraum, dort Handtuch und Badekleidung in den Fächern deponieren, mit Seife waschen, Handtuch deponieren und dann erst ins Schwimmbad. Nicht mit nassen Füßen in die Umkleide gehen, das lieben die Einheimischen gar nicht.


14. Tag: Die Blaue Lagune und ab in die Heimat

Irgendwas fehlt heute - richtig! Der Regen.

Alle Klamotten werden zum Trocknen rausgehängt, die Büsche am Zeltplatz sind dafür ideal. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und fahren mit dem Bus um 10:25 Uhr in die Stadt und zu Fuß den Rest zum Busbahnhof BSI (ca. 1h einplanen). Wir kaufen uns Kaffee und Gebäck - im Preis ist immer eine zweite Tasse inbegriffen!. Dann um 13:30 mit dem Bus weiter zur Blauen Lagune, unweit vom Airport Keflavik.

Die Blaue Lagune (Eintritt 395 ISK, Kinder kostenlos) ist eine Attraktion, badet man doch im Abwasser eines geothermischen Kraftwerkes. Das Wasserauffangbecken ist ca. 50 x 30m und stellenweise ca. 2m tief. Die Wassertemperatur schwankt stark von etwa 30°C am Rand zu ??? direkt beim Kraftwerk. Je nach Strömung steigt die Wassertemperatur bis zur Schmerzgrenze an, Vorsicht ist also angesagt. Kreislaufschwache Menschen sollten also etwas aufpassen.
Laut fauchend schießen Dampffontänen in den Himmel, alles ist in Dunstschwaden gehüllt, die nur ab und zu vom Wind weggeblasen werden. Der Schlamm besitzt heilende Wirkung bei Hautkrankheiten. Wir nutzen das Zeugs, um uns von oben bis unten gegenseitig vollzuschmieren. Das macht Spaß!
Wir liegen bis um 20 Uhr faul im Wasser, fotografieren die z.T. gespenstisch anmutende schwarze Lavalandschaft, die weißen Dampfwolken und die silbernen Edelstahlrohre des Kraftwerks. Eine tolle Kombination aus Technik und Natur.

Dann kommt auch noch die Sonne zum Vorschein.

Um 20:25 Uhr nehmen wir den letzten Bus zum Flughafen. Dort angekommen bereiten wir uns auf einem Wiesenstück am Parkplatz unser Abendessen (Nudeln, das letztemal), trinken Tee und Kaffee, brennen den Kocher leer und gehen zum Check-In.

Unser Flug geht erst um 02:15 Uhr, eine unchristliche Zeit besonders für Max. Wir schlagen die Stunden im Duty Free Shop tot, tauschen unser Restgeld in DM zurück und setzen das isländische Kleingeld in Guatl (hochdeutsch: Bonbons) um.

Hier ist auch die letzten Gelegenheit, isländische Wollwaren zu kaufen, die Preise sind OK (85 US$ für den handgestrickten Pullover, jedoch nicht so schön gearbeitet wie in Reykjavik gesehen).

Die letzten anderthalb Stunden schläft Max dann doch noch ein, bevor wir wieder an Bord der Tristar gehen und bei Nebel pünktlich um 02:15 Uhr starten, immer der aufgehenden Sonne hinterher. Um 03:00 Uhr gibt´s dann Essen - warmen Fisch - und Max streikt! Das ist ihm dann doch zuviel.

Um 07:30 Uhr Zwischenlandung in Frankfurt, leider keine Möglichkeit, während der einstündigen Wartepause die Maschine zu verlassen.


Um 09:30 Uhr landen wir wohlbehalten und leicht verspätet in München, wo uns meine Frau und Maxi´s Bruder Anton schon freudig erwarten ...
   

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© 1997 Anton Berger

  

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