Offroad Caravan "Takla-Makan"

von Marcus Esser


Nach nun knapp einem Jahr hat sich mein "Takla-Makan" als zuverlässiger, solider Reisebegleiter erwiesen. Es macht einfach Spaß, mit dem Gespann unterwegs zu sein. Man hat alles dabei, was nötig ist, nichts was überflüssig wäre. Einfach mal losfahren und etwas neues entdecken; das gibt es tatsächlich und dabei muss man gar nicht weit reisen ...

Die Entscheidung: Aufsetzkabine oder Offroad Caravan?

Takla-Makan (mit Mitsubishi Pickup L200 als Zugfahrzeug)Hat man einen Pickup, will diesen für "unterwegs" nutzen und nicht auf der bloßen Ladefläche "wohnen", so wird man früher oder später doch mit der Situation konfrontiert, sich bei der Auswahl eines Expeditionsfahrzeugs entscheiden zu müssen - so z.B. in der Frage: Aufsetzkabine oder Offroad Caravan ?

Vergleicht man die Aufsetzkabine "Explorer" mit dem Offroad Caravan "Takla-Makan", so kann man viele Gemeinsamkeiten feststellen. Kaum verwunderlich, ist doch der "Takla-Makan" im Prinzip eine Aufsetzkabine auf einem separaten Fahrgestell.

Aufsetzkabine und Anhänger sind aber zwei grundverschiedene Möglichkeiten, das gleiche Ziel zu erreichen. Da die Nutzer solcher Fahrzeuge meist sehr individuelle Ansprüche stellen, ist es schwierig, aus den Unterschieden zwischen Aufsetzkabine und Offroad Caravan generelle Vor- und Nachteile für den jeweiligen Fahrzeugtyp abzuleiten.

Für die von mir gestellten Ansprüche ist der "Takla-Makan" die bessere Lösung, die entscheidenden Vor- und Nachteile aus meiner Sicht:

Vorteile

  • Auf Reisen haben Pickup und "Takla-Makan" zusammen sehr große Gepäckkapazitäten (Ladefläche plus großer Bugstauraum im Hänger), ohne dass der Fahrgastraum zum Gepäckraum umfunktioniert werden muss
  • Unterwegs wird in der Regel die maximale Zuladung des Pickups nicht bis an die Grenzen ausgeschöpft, daraus ergeben sich gute Fahreigenschaften
  • Gespann aus Pickup und "Takla-Makan" ist sehr übersichtlich 
  • Zwischen den Reisen bleibt die Ladefläche des Pickup frei, ohne dass ein zeitintensives Absetzen der Kabine erforderlich wäre
  • Zwischen den Reisen bleibt der Pickup auch Tiefgaragen- und Parkhaus-geeignet
  • An- und Abkuppeln des Hängers in Minutenschnelle, besonders wichtig bei kürzeren Abstechern an Wochenenden und an freien Tagen.

Nachteile

  • Allgemeine Nachteile eines Gespanns gegenüber Pickup mit Aufsetzkabine, wie z.B. geringe Wendigkeit, geringere Kompaktheit, geringere Geländefähigkeit, Geschwindigkeitsbegrenzungen, höhere Gebühren auf mautpflichtigen Straßen, Brücken, Fähren etc.
  • Höhere Kosten durch Versicherung und Steuern für den Hänger.

Wie gesagt, was für den einen ein Vorteil ist, mag dem anderen als Nachteil erscheinen. Wichtig ist es jedenfalls, sich vor einer Entscheidung die wesentlichen Unterschiede klar zu machen.

Häufig gibt es zum Thema "Aufsetzkabine" und "Gespann mit Wohnanhänger" auch Anfragen und Meinungen zum Thema "Versicherung und Steuern". Steuern sind ein oft umstrittenes Thema bei den unterschiedlichen Pickup-Varianten, bei Zugfahrzeugen sowie deren Anhängern im Fall von Gespannen eher weniger.

Auch hinsichtlich Versicherungen ist die Lage bei Aufsetzkabinen zunächst unübersichtlich: Hier ist die Frage entscheidend, ob die jeweilige Versicherung die Kabine mitversichert und inwieweit das sowohl im abgesetzten als auch im aufgesattelten Fall gilt. Bei Gespannen ist auch dieses Thema einfacher: Hier kann man das Zugfahrzeug separat versichern. Falls es ein Pkw ist, kann man z.B. ganz einfach eine von der Stiftung Warentest geprüfte und als vorteilhaft eingestufte Versicherung wie die HANNOVERSCHE auswählen. Den Wohnanhänger kann man dann, falls er nicht mitversichert wird, auch woanders separat versichern. Die Kaskoversicherungen hierfür errechnen sich oft prozentual nach dem Neuwert oder dem Listenpreis des Fahrzeuges. Bei der Haftpflichtversicherung gilt häufig, dass sie für Wohnanhänger recht günstig sind, weil evtl. vom Hänger verursachte Schäden meistens dem Zugfahrzeug zugerechnet werden und dann auf dessen Versicherung gehen.

Nach der Entscheidung: Auf geht's!

Das Gespann ...In seinen Abmessungen unterscheidet sich der "Takla-Makan" (LxBxH: 4750x2000x2100 mm) kaum vom Zugfahrzeug L200 (LxBxH 4935x1775x1870 mm). Daraus ergibt sich ein übersichtliches Gespann mit guten Fahreigenschaften. 

Ein Blick in den Rückspiegel (siehe Bild unten links) bestätigt: Wo der L200 durchpasst, da schafft es auch der "Takla-Makan". So braucht man keine Zusatzspiegel! Dank seines geringen Leergewichts ist der Hänger hinter dem L200 während der Fahrt kaum zu spüren. Hält man sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen für Gespanne, nimmt der Dieselverbrauch im Gespannbetrieb auch noch erfreulich niedrige Werte an (im Vergleich zur schnellen Solofahrt)!

Details, bitte ...

Zu erkennen sind im Bild unten rechts Sandblechhalter und Ersatzrad, unterhalb des Ersatzrades befindet sich eine Bergeöse. Zugelassene Bereifung: 30x9.50R15 sowie 31x10.50R15 (identisch mit Mitsubishi L200). Manche sehen es als Vorteil, dass auf der Deichsel ein Fahrradhalter montiert werden kann. Als sehr praktisch erweist sich das Automatik-Stützrad, erkennbar ist die große Bodenfreiheit. 

Der Hänger macht sich im Rückspiegel schlank ... Seitenansicht ...

Hinter der Klappe vorne an der rechten Seite des "Takla-Makan" (Bild unten links) befindet sich der wirklich große Bugstauraum, der auch von innen erreichbar ist. Im hinteren Teil des Stauraums befinden sich hinter einer Verkleidung die Elektrik (oben) und die Heizung (unten). In Deutschland dürfen die seitlich angebrachten Kanister mit Kraftstoff gefüllt nicht verwendet werden. Hinten befinden sich zwei Kurbelstützen (kaum nötig, sofern der Hänger nicht vom Zugfahrzeug abgekuppelt wird).

Hinter der Klappe vorne an der linken Seite: Der Frischwasservorrat, bestehend aus 4 Kanistern zu 20 Litern (Bild unten rechts). Darunter finden zwei 5 kg-Gasflaschen Platz, unter dem Reflektor sitzt der Kamin der Heizung sowie der CEE-Elektrizitätsanschluss.

Die Hecktür öffnet zweigeteilt, der untere Teil dient als Einstiegshilfe. Die Türkonstruktion ist sehr stabil und hinterlässt im Vergleich zu den bei Caravans sonst üblichen "Windhemmern" einen sicheren Eindruck. Von der Türinnenseite aus kann zwar das Schloss nicht betätigt werden, aber zum Verriegeln von innen reicht es, einen Schlüssel in das Schließgestänge zu schieben, wonach die Tür von außen nicht mehr geöffnet werden kann - trickreich!

Ist das Dach nicht ausgestellt, ist die Höhe im "Takla-Makan" zum aufrechten Sitzen ausreichend. Der normalerweise in der Mitte stehende Tisch wurde für das Foto unten ausgebaut. Unter den Sitzbänken befinden sich weitere Stauräume, rechts vorne speziell für ein Thetford PortaPotti 335 (kleinstes Modell). Durch die kleine Tür kann das WC auf den Gang geschoben werden ...

Bugstauraum satt ...

Wasser- und Gasvorräte ...

Ganz vorn erkennbar (Bild unten links): In der Mitte eine Zugangsklappe zum großen Stauraum, rechts und links Schränke. Die zu sehende Kühlbox arbeitet mit Absorbertechnik (Vorteil: absolut geräuschlos, Nachteil bei Batteriebetrieb: hoher Stromverbrauch) und kann mit 12V, 220V und Gas betrieben werden (Gasbetrieb nicht im geschlossenen Fahrzeug). Am Standplatz der Kühlbox befindet sich eine 12V Steckdose. Hat man nachts keine externe Stromversorgung angeschlossen, sollte die Kühlbox allerdings abgeschaltet werden, sonst ist morgens die Batterie leer ...

Oben befindet sich ein großes, ausziehbares Bett für zwei Personen, 140x200 cm. Bei Verwendung dieses Betts muss das Dach aufgestellt werden. Bei ausgezogenem Bett kann darunter nur recht eingeschränkt gesessen werden.

Groß genug: Der Innenraum ... Einstieg auch bei geschlossenem Dach ...

Durch die Verwendung von speziellen Halterungen sowie der Tischplatte und einer weiteren Platte können die Sitzflächen in eine durchgehende Liegefläche umgewandelt werden. Auf diese Weise finden im unteren Bereich des Fahrzeugs zwei Personen eingeschränkten Platz zum Schlafen (als Querbett: Länge ausreichend für zwei Kinder). Die Liegefläche kann auch von Nutzen sein, wenn z.B. bei Sturm das Dach nicht aufgestellt werden soll und dadurch das Bett oben nicht verwendet werden kann.

Schlafen mehr als zwei Personen im "Takla-Makan", müssen die Abläufe gut organisiert werden, es geht dann wirklich recht eng zu ...

Platz genug für Leckeres: Der Küchenblock ... Im Camp: Dach hoch!

Die Möglichkeiten zur Zubereitung leckerer Mahlzeiten sind gut. Platz für Töpfe, Pfannen, Geschirr, Besteck und Vorräte ist genug vorhanden. Beim Kochen sollte der Bereich rund um den zweiflammigen Kocher (Fenster und teppichverkleidete Wand, Bild oben links) mit Metallplatten oder Alufolie gegen Hitze und Spritzer geschützt werden. Das erleichtert auch die anschließende Reinigung. 

Über dem Kocher befindet sich eine Dachluke, die den Dunstabzug gewährleisten soll. In der Praxis ist die geöffnete Luke allein nicht ausreichend, aber hilfreich. Ein Warmwasserboiler ist in diesem Fahrzeug nicht eingebaut, wird von uns aber auch nicht wirklich vermisst. Der Wasserhahn kann am Schlauch durch das Fenster nach draußen gezogen werden für die so genannte "Außendusche". Unten im rechten Schrank befindet sich ein Abwasserbehälter mit einer Kapazität von 10 Litern.

Neben einer 220V- und 12V-Steckdose befinden sich Thermostat und Bedienteil der Truma E 2400 Heizung: Diese ist im Stande, auch bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt den "Takla-Makan" in Minuten in eine Sauna zu verwandeln. Dank der Temperaturregelung wird die gewünschte Temperatur sehr konstant gehalten. Will man bei Kälte Gas sparen, sollte das Dach nicht aufgestellt werden (Anm. der Red.: Alternativ kann man hier jedoch auch einen Thermoschutz einknöpfen, wie bei uns im Explorer möglich).

Unterwegs ...Bei aufgestelltem Dach (Bild oben rechts) hat man im Fahrzeug mehr als Stehhöhe und kann das große ausziehbare Bett im oberen Teil benutzen. Von dort aus hat man durch die seitlichen Fenster im Zeltbalg eine sehr gute Aussicht nach draußen. Das Aufstellen bei unbeladenem Dach geht einfach, da innen zwei Gasdruckdämpfer "mitdrücken".

Und noch etwas zum Ausklang ...

Der Hänger wurde früher vom ehemaligen Hersteller Aero-Plast gebaut, siehe hierzu den Ausflug in die Hersteller-Historie des Takla-Makan. Auf unserem Offroad Caravan steht allerdings Knaus, das Ergebnis einer kurzen und erfolglosen Zusammenarbeit der beiden Hersteller (siehe dazu auch den Nachtrag im Explorer-Beitrag). Aber nur wenig Knaus-typisches findet sich daran (glücklicherweise, möchte man sagen).

Auch bei Knaus selbst stellte man wohl rasch fest, dass deren Stammkunden mit solch einem Wohnanhänger nur wenig anzufangen wissen. Und so war es kaum verwunderlich, dass der bei Knaus "Wildcat" genannte "Takla-Makan" nach kurzer Zeit bereits wieder aus dem Angebot verschwunden war, ebenso wie die Pickup-Kabinen "Explorer" und "Traveller" ... 

Zum Thema Tempo 100: Wird der "Takla-Makan" mit Stoßdämpfern nachgerüstet, sollte eine Abnahme problemlos verlaufen. Achtung: Penible Prüfer vergessen das Reifenalter nicht !

Fahrten durch schweres Gelände oder tiefes Wasser habe ich bisher noch nicht mitgemacht, aber kann ja noch kommen! Laut Prospekt beträgt die Wattiefe 50 cm. Der Böschungswinkel soll besser als der des Zugfahrzeugs sein (Das ist beim L200 sicher nicht schwierig ... ).


Hinweis zur Beschaffungsmöglichkeit des Takla-Makan: Siehe Anmerkung der Redaktion.