Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Tunesien 1998/1999


Nachdem wir  - Uwe (37), Stephanie (39), Jan (12) und Mathis (10) - unseren Landrover 130C nebst Aero-Plast Explorerkabine fertig gepackt hatten, fuhren wir am 22.12.98 in Richtung Marseille los. Nach einer bitterkalten Nacht kurz vor der Ankunft - unser Explorer hat keine Heizung - standen also auch wir in der Schlange der Wartenden am Hafen.

Dort bekamen wir den ersten Eindruck von arabischem Lang- und Gleichmut. Zu allem Überfluss hatten wir die Zeit des Ramadan gewählt und es schien, als sei die tunesische Besatzung der HABIB schon gegen 11 Uhr morgens geschwächt. Irgendwann kamen auch wir mal unter und auf Deck, nach einer Besichtigungstour unserer Kinder wussten wir über das Schiff bescheid. Angemerkt sei, dass im Fährpreis der HABIB die Verpflegung nicht mehr inklusive ist. Fährt man 1. Klasse, darf man im Restaurant für FF 130,-- gut speisen. Getränke müssen extra bezahlt werden.

Nachdem man auf dem Schiff die Passformalitäten erledigen konnte - wieder war arabischer Lang- und Gleichmut sowie Flexibilität gefordert - verbrachten wir nach Ankunft in Tunis weitere 2 Stunden im Hafen, bis wir endlich in Richtung Nabeul weiterfahren konnten.

Unterwegs trafen wir Steffen wieder, einen Motorradfahrer, der nach Libyen wollte, und wir beschlossen, den heiligen Abend gemeinsam in Nabeul beim Hotel "Les Yasmines" (Campingmöglichkeit für 12 Dinar/Nacht) zu verbringen. Unser Weihnachtsessen nahmen wir im Restaurant "Slovenija" ein, wo wir extrem freundlich bedient wurden (wahrscheinlich wollten sie damit die überteuerten Preise wett machen).

Unser Hauptziel in Tunesien war das militärische Sperrgebiet im Süden des Landes, wo wir hofften, auf "Sahara für Anfänger" zu treffen. Da in Deutschland die Aussagen unterschiedlich waren bezüglich der Genehmigung, beschlossen wir, zunächst nach Djerba zu fahren, um dort die Genehmigung einzuholen. Nachdem wir bei Regen und Sturm auf Djerba angekommen waren, suchten wir verzweifelt nach einer Campingmöglichkeit. Allen sei zu empfehlen, nicht beim Hotel Sidi Slim in Aglier zu campen. Absolut überteuert und .....

Nachdem Steffens Motorrad Ärger machte (Ölverlust), Djerba desillusionierend und uns der dauernde Regen lästig war, entschieden wir uns, den direkten Weg nach Tataouine zu nehmen und dort unser Glück zu versuchen. In Tataouine suchten wir zunächst das Governat militaire, das wir nach langem Suchen und Fragen endlich fanden. Aber auch hier "Inschallah", "Kismet", Gott wird's richten, aber heute nicht!

Nachdem ich jedoch renitent genug war, rückte der nette Bedienstete ein Schreiben heraus, das uns als Vorlage für unsere Bitte an den Gouverneur dienen sollte. Mit etwas langen Gesichtern - es war Freitag - suchten wir das Hotel "La Gazelle". Steffen nahm sich ein Zimmer, wir durften für 16 Dinar/Nacht auf dem Hof campieren.

Aber glücklicherweise gibt es auch positive Fügungen des Schicksals. Auf dem Hotelhof trafen wir eine Gruppe Deutscher, die ebenso ins Sperrgebiet einreisen wollten. Und ihnen voran unser guter Abdeladif Ben Salah, kurz: Ben, seines Zeichens waschechter Tunesier, mit fast allen Wassern gewaschen und ebenso Mitglied im Sahara-Club. Dank seiner Hilfe bekamen wir unsere Autorisation am Montag früh, ohne noch extra für den Führer, den es gar nicht gab, bezahlen zu müssen. (Preis für die Genehmigung 10 Dinar/pro Person).

Das Wochenende verbrachten wir mit Rundreisen im Dahargebirge, Motorradreparaturen und Badeeinlagen in Ksar Ghilane, wo es eine warme Quelle gibt. Da Steffen beschlossen hatte, nicht nach Libyen einzureisen, blieb er bei uns und am Montag, den 28.12.98, ging es dann los in Richtung Remada

Dort muss man seine Autorisation von der Mitlitärbehörde abstempeln lassen (und auch wieder warten!), dann kann man nach einer weiteren Kontrolle ins Sperrgebiet einreisen. Es sei erwähnt, dass es im Sperrgebiet keine Tank- und Wasserschöpfmöglichkeit gibt, daher sollte man mit allem bestens ausrüstet sein (plus GPS).

Zunächst fuhren wir in Richtung El Borma. Wellblechpiste, ab und zu versandet, aber gut zu fahren. Zirka 10 km vor El Borma fangen die ersten Ausläufer des Grand Erg an.  

   

Unsere Rastplätze suchten wir in den Dünen - es war herrlich. Noch besser war es, dass wir tagsüber immer wieder Holz gesammelt hatten. Nachts wird es nämlich eisigkalt und ohne Lagerfeuer geht gar nichts. Vorsicht ist jedoch geboten beim Sammeln von Holz; meine Jungs machten recht schnell die Bekanntschaft mit einem nicht sehr freundlich aussehenden Skorpion!

Am 30.12.98 trafen wir dann zufällig auf die anderen, die mit uns die Genehmigung erhalten hatten. Große Freude und Hallo und dann der Beschluss, ein gemeinsames Lager aufzubauen und von dort aus Ausflüge in die Dünenlandschaft des Grand Erg zu starten. Gesagt, getan! Uns gab es schon ein gewisses Maß an Sicherheit, einen IFA und einen MAN und Saharaerfahrung im Hintergrund zu haben. Und zum Üben und Schaufeln hatten wir genug Gelegenheiten ...

Diese Sicheldünen waren manchmal ganz schön heimtückisch und so fuhren wir den halben Tag und hatten gerade 6 km geschafft.    

   

Als Tipp für Leute, die in der Wüste warm duschen wollen: La Arich. Ihres Zeichens Ölbohrstation, die Leichtöl fördert und die auch eine Wasserpumpstation hat, die etwas defekt ist. Aber Vorsicht: Kein Trinkwasser, da stark schwefelhaltig - aber zum Duschen phänomenal!

   

Mit materialmordenden und schweißtreibenden Dünenüberquerungen vertrieben wir unsere Zeit bis zum 03.01.99, dann verließen wir das Sperrgebiet in Richtung Ksar Ghilane. Dort labten sich unsere Kinder an den warmen Quellen, wir amüsierten uns über den Touristennepp. Nachdem wir vorzüglich gegessen hatten (wir schleusten uns in eine Touristengruppe ein), fuhren wir per Piste weiter nach Douz. Auch diese Strecke ist nicht zu unterschätzen, da hieß es ein paar Mal: Luft ablassen und schaufeln ...

In Douz quartierten wir uns auf dem von Italienern geführten Campingplatz ein: sauber, teuer und voll. Essen sollte man in Douz besser im Restaurant "Les Roses", da es günstig und sehr authentisch ist.

Am 05.01.99 fuhren wir über Chott el Jerid weiter nach Touzeur, wo wir uns nach einer Nacht im Camping "Bedouina/Degache" von unserem Motorradfahrer trennten. Weiter gings über Tomerza in Richtung Algerien, wir machten einen Schlenker nach rechts und fuhren über Gafsa, Sfax, El Jem, Monastir und Hammamet nach Tunis zurück.

Der Norden Tunesiens ist sehr touristisch geprägt, für Camper ist es problematisch, einen Übernachtungsplatz zu finden, da es hier keine Campingplätze gibt. Wer also in Tunesien nicht nur auf Kultur und Strandleben machen möchte, ist im Süden besser aufgehoben, da man sich dort gut im Pisten- und Sandfahren üben kann.

GPS-Koordinaten findet man im Reise Know-How Führer von Ursula und Wolfgang Eckert. Aber Vorsicht: Seite 690 GPS Daten Sperrgebiet sind ab Punkt 10 verschoben, d.h. Punkt 10 ist eigentlich Punkt 11 usw.

P.S.: Die Explorerkabine hat alles mitgemacht, das Auto ebenfalls. Aber nach 2 Jahren Neu-Landrover-Erfahrung muss ich sagen, dass die Kabine ein "Sonntagswerk" und unser 130er wahrscheinlich ein "Montagsauto" ist ...

Sollten noch Fragen auftauchen:

Uwe & Stephanie Hartmann
Ringstr. 7, 71739 Oberriexingen
Tel.: 07042/16339
Fax.: 07042/16006

    

© Text/Bilder 1999 Uwe & Stephanie Hartmann, Karten: Explorer Magazin

    

Weiterer Tunesien-Bericht: Jahre später reist unser Autor Detlef Bauer mit seiner Familie ebenfalls in dieses Land:


Mitteilung an das Explorer Team