Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Süd-West

Outdoorfest 2001

Haiming, Tirol

04.05. - 06.05.2001 


Hörte sich echt gut an, was da im aktuellen Katalog des Outdoor-Versenders "Süd-West" als Outdoorfest angekündigt wurde: "Ein Wochenende voller outdoor und Adventure! Erlebt mit uns in der faszinierenden Natur der Ötztaler Alpen die schönsten Outdooraktivitäten, von Profis organisiert."

Und weiter: "Aus folgenden Angeboten könnt Ihr Euch für das Wochenende 3 unterschiedliche aussuchen: Rafting, Canyoning, Canadier, Hochseilgarten, Klettersteig, Mountain Bike, Freewheeling, Adventure Parcours, Wildniskurs. Jede Aktion dauert ca. 1/2 Tag und wird in kleinen Gruppen von erfahrenen Guides geleitet. Es kann jeder mitmachen, vom Outdoor-Frischling bis zum Wildnisprofi - es zählt nur eins: Der Spaß am Outdoorleben!"

Klar, dass man darüber hinaus auch die aktuellste Outdoorausrüstung aller möglichen Hersteller besichtigen sollte, war ja auch kein Wunder, denn der günstige Wochenendpreis ließ schon einiges an zusätzlicher Werbung erwarten.

Veranstaltet werden sollte das Ganze von der auf Outdoor-Events spezialisierten Firma faszinatour aus Immenstadt, die in Tirol zwei Outdoor-Zentren betreibt: In Haiming und in Pfunds.

Der Entschluss war beim Explorer Team schnell gefasst: Das diesjährige "Eincampen" mit Explorer sollte mit dieser Veranstaltung verbunden werden - also hieß es bereits am Morgen des 04.05.: Auf nach Haiming!


Fr, 04.05.01

Die Anreise nach Haiming gestaltet sich geruhsam: Bei angenehmem Wetter geht´s ab München über die Dörfer - vorbei an Bad Tölz, Kochel- und Walchensee Richtung Scharnitz, mit Autoroute war es kein Problem, eine "pickerlfreie" Anreise ins Ötztal zu plotten.

Unser Ziel ist der Campingplatz von Haiming (N 47° 14.467´ E010° 52.663´), bekannt als das Oberlandcamping, direkt an der B171 am Ortsrand gelegen. Im Arrangement enthalten ist nicht nur volle Verpflegung, sondern auch noch die wahlweise Übernachtung auf dem Campingplatz, von der wir natürlich zum Saisonauftakt Gebrauch machen wollen.

Dank der frühen Abreise in München stehen wir schon gegen Mittag auf dem menschenleeren Campingplatz - nur die üblichen Dauercamper bevölkern das weite Areal, der Platz macht, beginnend bei der Rezeption, einen durchweg sympathischen Eindruck. Die Umgebung ist wunderschön bei diesem Wetter, gegenüber in geringer Entfernung sind die mächtigen Wände zu erkennen, die der Inn eingeschnitten hat.

Ein sehr erholsamer Freitagnachmittag folgt: Draußen in der Sonne auf der Isomatte lässt es sich trefflich warten auf die Dinge, die da folgen sollen: Hatte doch der Platzwart angekündigt, die von faszinatour hätten auf dem Gelände ein Büro und würden in der Regel am Nachmittag kommen. Und in der Tat, ein solches Gebäude mit buntem Veranstaltungszelt befindet sich direkt hinter den Waschräumen des Oberlandcampings, aber niemand lässt sich dort bis in den Nachmittag hinein blicken.

Für den heutigen Abend ist ab 19:00 Uhr im "Platschnass-Stadel" von faszinatour der Veranstaltungsauftakt mit Beginn des Abendessens angekündigt, eine Stunde später sollen die offizielle Begrüßung folgen sowie Infos zum Ablauf während der nächsten zwei Tage.

Gewitter kündigen sich in der gesamten Umgebung an, während der Abend herein bricht. Explorer-Deckel runter heißt es vor dem Abmarsch aus Sicherheitsgründen: Man weiß nie, was so ein Gewitter mitsamt seinen Böenwalzen im Inntal anrichten kann, wenn es von der falschen Seite kommt ...

Schon unser Weg zu Fuß vom Camp aus zum Ort erweist sich neben der bürgersteiglosen B171 als der erste Abenteuerparcours am Straßenrand: Entweder man geht tief im Gelände oder aber man spielt den vom Verkehr gehetzten Hasen ...

Wir erreichen die Ortsmitte. Der Gang weiter zum Inn zeigt: Hier waren wir seinerzeit ausgestiegen nach unserer Raftingtour von Landeck 98! Zu unserer erneuten Erheiterung nach all den Jahren führen die Erinnerungen daran, wie es damals danach weiter ging: Wie wir nur mit Badehose bekleidet unter dem Regenmantel und fast ohne Geld in einem Lokal saßen und darauf warteten, dass wir endlich von den Veranstaltern abgeholt würden ...

Wir erreichen das "Platschnass"-Stadel von faszinatour - einige Hersteller von Outdoorausrüstung haben dahinter eine kleine Messe aufgebaut, insbesondere die Zelte hier vermitteln schon fast so was wie eine Campingatmosphäre ...

Im Anmeldungsbüro von faszinatour haben sich bereits etliche Teilnehmer eingefunden, wir werden direkt Zeuge enttäuschter Diskussionen: Der Wildniskurs soll einen ganzen Tag dauern? Der Hochseilgarten ausfallen? Andere Veranstaltungen sind ebenfalls abgesagt? Die Leute, die sich hier für ihre drei Outdooraktivitäten eintragen wollen, geben sich z.T. widerspenstig, als sie erfahren, dass sie wohl umbuchen müssen auf andere "Events".

Der Wildniskurs entpuppt sich tatsächlich bei unserer Anmeldung als eintägige Veranstaltung, was man vorher offenbar nicht wusste - nicht die einzige Wissenslücke der Veranstalter in Bezug auf diesen Programmpunkt, wie sich später noch herausstellen soll ... 

Uns stört es nicht, dass es morgen für uns nur einen einzigen Programmpunkt gibt und "buchen" für Sonntag den Klettersteig, da es den ursprünglich ebenfalls angebotenen Hochseilgarten nun doch nicht geben soll. Dass auch dieses nicht zutrifft, werden wir ebenfalls erst später erfahren.

Das Abendessen nimmt seinen Lauf, die Programmpunkte der nächsten Tage und ihr organisatorischer Ablauf werden vorgestellt, dazu gibt es noch eine heftige Werbeveranstaltung: Garmin, Mammut, Odlo, Wolfskin etc. stellen ihre Produkte vor. Nun ja, für den günstigen Wochenendpreis muss man eben Werbung pur verkraften! Gut 100 Leute sollen es sein, die an dieser Süd-West-Veranstaltung teilnehmen, sie findet erstmalig statt und stellt wohl so etwas wie den ersten Versuch einer "Hausmesse" dar.

"Kein Fleisch?" Es gibt tatsächlich Teilnehmer, die entrüstet sind, so was beim Abendessen heute nicht vorzufinden - übrigens weniger eine Süd-West-Sparmaßnahme als vielmehr eine für die Gegend typische Eigenart: Die Krautspatzn, die es statt dessen gibt, sind aber auch nicht zu verachten!

Es wird noch eine lustige Abendveranstaltung mit (Werbe-)Videos, jeder Teilnehmer bekommt ein Süd-West T-Shirt und kann damit so ab sofort als "Alternativer" auf Veranstaltungen von Süd-West-Konkurrenten herum laufen - warum nicht, wenn es passt?

Leicht angeheitert vom (selbstbezahlten) Bier und bester Laune geht es am späten Abend wieder zurück zum Camp - die Wildnis morgen wartet schon!


© 2001 J. de Haas