9. Tag: Do 29.07.99
22:49
03:17Auf die verzweifelte Anfrage, ob man sich vielleicht das abgenudelte Teil in der Reserveradhalterung mal anschauen könnte, reagiert das "Lappi Team" ebenfalls zuvorkommend - die kurz danach erteilte Auskunft "absolute no problem to repair" wird mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und unverschämter Freude aufgenommen - das Teil ist noch brauchbar und soll nach der Reparatur sogar "autobahnfest" sein!
Wir machen Bilder vom Team und stellen diese für den Werkstatt-PC
zur Verfügung - mit Windows 98 umzugehen bereitet dem Team hier genau
so wenig Probleme wie mit General Tire-Reifen ...
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Als die beiden vielsagend durch das Fenster nach draussen schauen, wird klar, warum sie so wenig überrascht von unserem Kommen waren: auf dem Hof nähert sich (zum zweiten Mal an diesem Morgen) unsere Helferin von gestern - bereits vor einer Stunde hatte sie in der Werkstatt nach uns gefragt! Sie bringt uns Semmeln mit, gibt uns deutsche Schriften der Zeugen Jehovas, diskutiert mit dem "Lappi Team", lässt sich von uns die Email-Adresse des Explorer Magazins geben und kündigt an, sich mit uns in Verbindung zu setzen (wir hören nie mehr etwas von ihr!).
Viel Winken, Händeschütteln, Verabschieden, Vorausfahren usw. folgen - für nur wenig Geld ist unser Reifen repariert, wir haben ein Frühstück und fahren glücklich zum Campingplatz zurück - die Semmeln wollen schließlich vertilgt werden!
Als wir einige Zeit später Arvidsjaur verlassen - schließlich
gehts noch heute raus aus Schweden - fallen unsere Blicke beim Einkauf
auf die Ladenöffnungszeiten, wie später noch öfter: Die
Diskussion um Wochenendöffnungszeiten scheinen ein echt deutsches
Problem zu sein, wie unsere Tabelle (Stand August 99) zeigt:
| evtl. Ladenöffnungszeiten |
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(zum Vergleich) |
| Werktag |
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| Samstag |
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| Sonntag |
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einzelne Ausnahmen |
Auf unserem Weg nach Nordosten fahren wir den idyllischen "Silvervagen"
entlang, die direkte Verbindung von hier nach Norwegen. Wir kreuzen zum
dritten Mal den Polarkreis - diesmal wieder in nördlicher Richtung,
immer noch herrschen angenehme Temperaturen ...
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Die Fahrt Richtung Norwegen verläuft wildromantisch, es wird kälter und wir steigen höher, bei 730 m geraten wir in starken Jochwind und stehen bald am Ende des Regenbogens ...

Wir kommen uns vor wie Spanienurlauber, als wir Norwegen erreichen: T-Shirt und Sonnenbrille sind schnell vergessen, als wir den Isländer und später auch Goretex-Jacken drüberziehen - die scheinen es hier endlich ernst zu meinen mit dem skandinavischen Wetter!
Gegen 17:00 Uhr treffen wir im 400 m hoch gelegenen Camp Gradis Fjellstue auf der norwegischen Seite ein (Camp 7 N66°44.54153´ E015°44.29473´) - deutlich härter scheinen hier die Bedingungen zu sein!
Es wird kälter, 9°C um 18:30 Uhr zuzüglich / abzüglich deutlich bemerkbarem Windchills lassen nun doch erkennen, wo wir wirklich sind. Auf dem einsamen Campingplatz steht ein deutsches Womo mit winkenden Insassen - seit wann gibts sowas? Unsere seit langem aufgestellte "goldene Womo-Regel" erfüllen sie aber trotzdem: Ein Womo-Camper kommt eigentlich nie aus seinem Fahrzeug!
10. Tag: Fr 30.07.99
22:45
03:21
Knapp 14° C zeigt der Suunto heute vormittag an - zusätzlich haben wir deutlichen Wind. Es gibt somit wieder spürbaren Windchill, aber vereinzelte Mücken kümmern sich nicht drum und proben dennoch den langsamen Anflug, später werden es mehr - die "400 m-Norwegen Mücken" lachen auch über Citronella-Kerzen, diese brennen aber schön als Windlichter - insofern wird es doch noch recht gemütlich ...

Wir machen eine Wanderung zum nächstgelegenen Wasserfall - siehe auch unsere Diashow - die Gegend hier dicht hinter der Grenze lädt wirklich zum Verweilen ein!

Unsere 30 m-Schlange steht wie üblich als "ordentlicher Wind-Drachen" über dem Camp und wir machen später am Ruhetag wieder mal unsere geruhsamen Betrachtungen der Umwelt - die heute erneut bestätigte Hypothese: 90% aller Berg- und Wanderfexe kommen mit roter Soße zum Spülen ...
Unser norwegischer Nachbar ist ein Dauercamper und baut jetzt ab: Er erzählt uns von der Vorjahres-Schneekatastrophe, die seinen Wohnwagen bis zum Dach verschwinden ließ - nun geht es weiter runter einige km weg von hier zum nächsten Platz!
Er schenkt uns zwei Rentiergeweihe nach ausgiebiger Kauderwelsch-Unterhaltung, bekommt als Gegengeschenk eine Dose Münchner Bier - "Tausend Dank" sind seine Worte. Er war mal in Deutschland, erwähnt als Rentner selbstverständlich auch die deutschen Soldaten in Norwegen und wir sind wieder mal wie so oft auf unseren Reisen konfrontiert mit den Nachwirkungen unseliger deutscher Geschichte - eine unendliche Geschichte?
© Text/Bilder 1999 J.de Haas