An die Westküste

Mittwoch, 13. November: Nach weiteren knapp 150 km Richtung Südwest darf man sich heute auf Luxus freuen. Der Weg dahin zieht sich allerdings schon, der Verkehr bleibt in gewissem Umfang gewöhnungsbedürftig. Jede Menge Schilder am Straßenrand weisen auf eine umfangreiche Reglementierung hin, von gut gemeinten Warnungen bis hin zu gewissen Drohungen in Hinblick auf Fehlverhalten ist so manches zu sehen auf der Strecke ...

Warnungen ... ... und versteckte Drohungen ...
Die Kurve verträgt´s, der Fahrer nicht ..? Gute Ratschläge ...
Schnell mal parken und ein Parfum kaufen ..? Die Franzosen sind auch schon da ...

An der Westküste gegenüber der kleinen Insel Kapiti gibt es ein Holiday Resort im Ort Paraparaumu Beach, und dieses Camp hat es laut Vorabinformationen in sich: Jeder Stellplatz soll hier über eine eigene Sanitärzelle mit Toilette und Dusche verfügen, also Luxus pur für den "Glamper", so etwas hatten wir zuletzt vor Jahren, und zwar im tschechischen Frymburg bei unserer Tripline-Testtour, der 3-Ländertour 2018 - wahrhaft unvergessener Camper-Luxus!

Dass der Platz eingerahmt ist von hohen Hecken, merkt man bereits bei der Einfahrt, die das eine oder andere "Großgefährt" nur mit Mühe schafft.

Der Platzwart hatte uns einen "Luxusplatz" aufgeschlossen, und in der Tat befindet sich nun hinter unserem Fahrzeug eine kleine Hütte mit Dusche und Toilette, leider haben wir aber wohl die falsche Seite von der hohen Hecke erwischt: Hier gibt es heute nur heftigen und kalten Gegenwind von vorn, der eigentlich jeden Aufenthalt an dieser Stelle recht ungemütlich macht. Gegenüber vor der Hecke herrscht vergleichsweise fast schon Windstille, aber will man deshalb tatsächlich aufwändig umziehen?

Das zwar nicht, aber etwas waschen würden wir schon gerne, allerdings scheitert das bereits an den Waschmaschinen des Platzes, die nur Münzen annehmen, von denen wir heute leider keine einzige haben. Also bleibt doch noch der Weg zum Platzwart, aber der beteuert, ebenfalls keine Münzen wie die erforderlichen zu haben. Allerdings verweist er uns an einen kleinen Laden, der angeblich nicht weit um die Ecke an der Straße läge ...

Wingeschütze Duschen ... ... und weniger windgeschützte Duschen ... Heckenkunst vom Feinsten ...

Wir verzichten also auf Waschen wie auf einen Umzug am Platz, da wir eh unterwegs sein werden und nicht vorhaben, bei diesem Wetter  auf unserem Stellplatz "abzuhängen". Gegenüber auf der anderen Straßenseite vor dem Camp führt ein schmaler Weg direkt zum Paraparaumu-Strand, der in Anbetracht des windig-kühlen Wetters und drohendem Regen wie erwartet nahezu menschenleer ist.

Auch hier mit Blick auf die nahe Kapiti-Insel ist man nicht unbedingt bestrebt, länger zu verweilen als nötig und die bei uns mal geäußerte Vermutung, die Insel könnte vielleicht so etwas wie einen Windschatten bewirken vor dem hiesigen Strand, erweist sich in Anbetracht der Realität sowie ihrer Größe und Entfernung als echte Lachnummer ...

Daraufhin also wieder weg vom Strand und stattdessen ein Spaziergang angesetzt in den Ort: Nach gut einer Viertelstunde passieren wir den "nahen Laden um die Ecke", wollen jetzt aber wirklich kein Geld mehr tauschen und gehen stattdessen weiter vorbei an etlichen villenähnlichen Bauten, die offenbar von ausreichendem Wohlstand zeugen. Daneben findet sich aber auch eine größere Menge von zum Verkauf ausgeschriebenen Häusern, warum das ..?

Nach längerem Fußmarsch erreichen wir schließlich die Uferstraße "Marine Parade", wo sich nach unseren Vorabinfos Strandcafés, Restaurants und Handwerksboutiquen des Ortes befinden ...

Auch Hecken müssen mal enden ... Zurückgezogene Strandbewohner ... Viel Naturkunst ...
Heute keine Rundfahrten ... Interessanter Traktor ... Auf Augenhöhe mit dem Kapitän ..?
Kein Windschatten hinter Kapiti Island ... Wo sonst sollte man heute sein ..? Strand schön und menschenleer ...

Wer hier viele Besucher, Touristen oder auch nur Mengen von Einheimischen erwartet hätte, wäre heftig enttäuscht worden: Irgendwie wirkt der Ort insgesamt ziemlich tot, so dass sich schon bald die Frage stellt, was man hier wohl noch weiter machen könnte.

Nach einem vorübergehenden Aufenthalt im 180 Degrees Cafe & Bistro (warum mag das wohl so heißen ..?) verschlägt es uns schließlich ins "Muang Thai Restaurant", nochmals zwischen Camp hin- und herlaufen muss nicht unbedingt sein.

Das Restaurant serviert ein hervorragendes "Extra scharf", was am heutigen Tag willkommen ist und bestens bekommt. Nach dem Essen ist allerdings noch eine ungeplante Kommunikation mit dem heimischen Büro erforderlich, doch über ein WLAN verfügt das Lokal leider nicht. Da ein nebenan befindliches Restaurant jedoch derart stark zu uns herein funkt, dass man auch mit dessen WLAN gut arbeiten könnte, wird nach etlichen gescheiterten Hacking-Versuchen die freundliche Dame hinter dem Tresen (natürlich ganz scherzhaft! ) gefragt, ob sie vielleicht rein zufällig das Passwort der anderen kenne. Lächelnd (und natürlich überzeugend zurückscherzend!) erklärt sie allerdings, dieses Passwort nicht zu kennen. Selbstverständlich verrät ihr geheimnisvoller asiatischer Gesichtsausdruck dabei nicht, ob das tatsächlich so ist, doch aus dem hiesigen WLANEN wird damit nichts. Aber der Versuch war es wert!

Auch heute wird es wieder später und auch dunkler, bis wir schließlich wieder am "Luxuscamp" eintreffen. Trotz allem Komfort werden wir morgen ganz einfach und unverzüglich wie geplant weiterfahren!


© 2020 J. de Haas