Die beiden bedeutendsten Schiffe der einstigen US Passagierlinie "United States
Lines" sind mit Sicherheit von großem Interesse für Modellbauer:
Die SS AMERICA mit ihrer wechselvollen
Geschichte bis hin zu ihrem traurigen Ende als American Star, aber natürlich auch ihr
größeres und jüngeres "Schwesterschiff", die SS UNITED STATES, wären sicherlich
Leckerbissen für jeden Modellkeller.
Die Bibliothek der SS AMERICA an Bord der PRIDE OF AMERICA enthält ein rund 1,20 m langes Modell, das die AMERICA von 1946 darstellt.
Ebenfalls von Bill Lee sind die beiden anderen Bilder und die Geschichte eines weitaus berühmteren Modells der AMERICA: Dieses mehrere Meter lange Abbild des Schiffes steht im Mariners´ Museum, das sich nur wenige Kilometer entfernt von der Schiffswerft in Newport News in Virginia befindet, wo einst das Schiff gebaut wurde ...
Verblüffend ist auch die Geschichte dieses Modells, fast ebenso lang und interessant ist wie des Originals.
Bereits Ende 1938 entstand das Modell nach den Originalplänen des Schiffes und wurde im Laufe seiner ebenfalls langjährigen Geschichte später an das tatsächliche Aussehen des Originals mit seinen charakteristischen Schornsteinen angepasst.
Zuletzt zwischen 1981 bis 1984 in mehr als zweijähriger Arbeit liebevoll restauriert, steht es heute wieder in dem Museum, wo es ursprünglich ausgestellt war: Im Mariners´ Museum und dort in der "Great Hall of Steam" als einzigartiges Zeugnis eines wohl ebenso einzigartigen Originals.
Jahre später als die SS AMERICA wurde vom selben
Konstrukteur und Schiffsbauer William Francis Gibbs das schon
erwähnte "Schwesterschiff
" der selben Schifffahrtslinie in Angriff genommen: Die SS UNITED STATES war ebenfalls für den Linienverkehr von New York nach Europa
vorgesehen, wo sie später - genau wie auch die AMERICA - oft in Bremerhaven
anlegte. Der Konstrukteur wollte mit der UNITED STATES endlich sein "Big
Ship" bauen, was ihm auch gelang: Mit einer Länge von 302 Metern, einer
Breite von 32 Metern und rund doppelter Tonnage war sie deutlich größer als
die mehr als ein Jahrzehnt ältere AMERICA, die es "nur" auf 220 Meter
Länge und 28 Meter Breite brachte.
Das neue Flaggschiff der United States Lines schrieb Seegeschichte, da es bereits bei seiner Jungfernfahrt im Juli 1952 das Blaue Band gewann für die schnellste Atlantiküberquerung von Passagierschiffen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 34 Knoten. Die benötigte Rekordfahrzeit betrug ca. 3 Tage und 12 Stunden.
Wie bei der AMERICA waren auch bei der UNITED STATES Vorkehrungen getroffen worden, um sie in kürzester Zeit zum Truppentransporter umrüsten zu können. Auch ihr Bau wurde von der amerikanischen Regierung finanziell und technisch gefördert. Im Gegensatz zur AMERICA / WEST POINT kam es jedoch nie zu einem solchen Einsatz als Truppentransporter.
Das
neue Schiff war unter vielen
Gesichtspunkten einmalig: Von seiner Innenausstattung ganz im Zeichen der Feuersicherheit
über die Rumpfgestaltung zur Sicherstellung der Schwimmfähigkeit bis hin zum
Antrieb setzte das Schiff Maßstäbe, die seither in der Passagierschifffahrt
unerreicht blieben (auf Bild rechts klicken, Quelle: Life Magazine, Juli 1952). Die Dampfturbinen der UNITED STATES hatten den den leistungsstärksten Antrieb aller je gebauten Handelsschiffe,
Details dazu wurden aufgrund militärischer Geheimhaltung erst viele Jahre später
bekannt.
Wie der AMERICA wurden auch der UNITED STATES die immer
billigeren Flugreisen zum Verhängnis: Als der Passagierdienst zwischen Nordamerika und Europa
schließlich nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war, wurde auch dieses Schiff im November 1969 außer Dienst gestellt.
Nach weiterer langer und wechselvoller Geschichte über verschiedene Stationen
und Käufer wurde die UNITED STATES schließlich im Jahre 1996 ein weiteres Mal
verkauft: Der neue Eigner ließ das Schiff wieder über den Atlantik zurückschleppen
in die Vereinigten Staaten, wo der legendäre Ozeanriese heute noch in Philadelphia
an einem Pier liegt, wovon man sich über Google Earth überzeugen kann (N
39,9184834° W 075,1371973°).
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Klar, dass wir wenigstens ein Modell der UNITED STATES im Modellkeller haben wollten, wenn es schon in dieser Form die AMERICA nicht gibt: Als Kartonmodell im Maßstab 1:250 gibt des das Flaggschiff der United States Lines als "Wilhelmshavener Modellbaubogen" vom Möwe-Verlag Wilhelmshaven (48,- EUR bei moduni.de, Stand 03/08). Weil uns dieses Modell recht gut gefiel, fragten wir in Abstimmung mit Bill Lee beim Möwe-Verlag an, ob nicht ggf. Interesse an der Herstellung auch eines AMERICA-Modells im selben Maßstab wie die UNITED STATES bestünde - Bill war bereit, hierfür seine Unterlagen zur Verfügung zu stellen.
Die Reaktion des Verlags war positiv: Schon für das Folgejahr
wurde ein AMERICA Modell in Aussicht gestellt und Bill wurde gebeten, dem
US-Repräsentanten des Verlags seine Unterlagen zu benennen. Dies machte Bill
selbstredend auch unverzüglich - doch vom Verlag hörten wir danach nichts
mehr. Auf spätere Rückfragen hin erklärte man zunächst, dass noch ein
anderes Modell
vor der AMERICA an der Reihe wäre. Später antwortete man irgendwann auf weitere Rückfrage
hin, die Unterlagen von Bill lägen gar nicht vor.
Auf nochmalige
Mitteilung hin schließlich flüchtete man sich in fadenscheinige Ausreden - aus
den Modellplänen ist bis heute nichts geworden. Eines jedoch steht für uns
fest: Ein derart armseliges Verhalten hätten wir von diesem Verlag nicht erwartet und
das wird sicher auch in Zukunft beeinflussen, ob wir von dort noch einmal etwas
in unsere Sammlung aufnehmen ... ![]()
Wir haben seinerzeit für Bill Lee, der einst auf dem US Flugzeugträger USS ENTERPRISE Dienst tat, einen ganz besonderen Leckerbissen aus unserem Modellkeller aufbereitet. Dabei wurde mit zweien unserer Modelle eine Szene aus dem November 1964 nachgestellt: In jenem Jahr lagen die SS UNITED STATES, allgemein genannt "Big U", und eben dieser Flugzeugträger, auch genannt "Big E", Seite an Seite in den gigantischen Docks von Newport News.
Der 53.000 Tonnen Ozeanriese wirkte dabei neben dem 87.000 Tonnen Flugzeugträger fast schon zwergenhaft. Bill Lee, der seinerzeit mit an Bord der ENTERPRISE war, erinnert sich noch genau an dieses Zusammentreffen: Er habe damals vom Deck des Flugzeugträgers hinunter geschaut auf die UNITED STATES und man habe den Eindruck gehabt, einfach auf ihr Deck herab springen zu können, berichtete er uns später in einer Mail.
So haben wir also sowohl die USS ENTERPRISE in unserem
Modellkeller, die wir bereits in einem eigenen Beitrag vorstellten, und nun
auch noch die SS UNITED STATES, allerdings beide im
unterschiedlichen Maßstab: Den Flugzeugträger in 1:350 und das Flaggschiff der
United States Line in 1:250. Aus diesem Grund musste in der unten nachfolgenden
Schwarz-Weiß-Fotomontage die ENTERPRISE im Vergleich zur UNITED STATES etwas
vergrößert werden, so dass die Relation wieder stimmt, wie sie im Jahre 1964
tatsächlich war, als die beiden Schiffsriesen so einträchtig nebeneinander lagen
in Newport News ...


Was wäre ein Schiffsmodell ohne einen dazu passenden Anleger?
Nun, das dachten wir uns auch und schon bald kamen wir auf die "Columbuskaje" in Bremerhaven: Sie ist ein Schiffsanlegeplatz im Nordwesten der Stadt und entstand in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Besondere Bekanntheit gewann sie als wichtigster Ablegeplatz von Überseedampfern im Transatlantikverkehr mit den USA und war damit Drehscheibe eines großen Teils des Auswandererstroms von Europa nach Amerika.
Erst im Jahre 1929 wurden die bereits über zehn Jahre zuvor begonnenen Arbeiten wieder aufgenommen und schließlich 1931 abgeschlossen. Für die 1924 in Dienst gestellte COLUMBUS sowie die zwei Jahre später vom Norddeutschen Lloyd bestellten Schnelldampfer BREMEN und EUROPA waren sowohl die vorhandene Anlegestelle als auch die Abfertigungsgebäude zu klein. Aus diesem Grund wurde bis 1927 eine neue 700 m lange Kaimauer an der Weser fertig gestellt.
In
dieser Zeit entstand auch der Columbusbahnhof mit einem über 200 Meter langen
Abfertigungsgebäude und ausgedehnten Gleisanlagen. Vor Ankunft eines Dampfers
konnten hier bis zu sieben Züge bereitgestellt werden und von zwei Gleisen am
Kai aus konnte direkt an Bord gegangen werden. Viele Auswandererzüge, die über die so genannte Amerikalinie
aus dem Osten des Deutschen Reiches in Bremerhaven ankamen, endeten hier und
machten so einen direkten Umstieg auf die Schiffe möglich.
Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Anlage vollständig zerbombt und nach dem Krieg wieder neu aufgebaut. Die großen Überseedampfer AMERICA und UNITED STATES schließlich legten hier mit als die ersten in den fünfziger Jahren wieder an: Während die AMERICA im Juli 1951 Bremerhavens Columbuskaje zum ersten Mal ansteuerte, folgte die wesentlich jüngere UNITED STATES nur eineinhalb Jahre später: In einer Nacht Anfang Januar 1953 lief auch sie die Columbuskaje erstmals an.
In dem Buch "Die `UNITED STATES´ in Bremerhaven" ist sehr schön die gemeinsame Geschichte dieses Schiffes und der Stadt Bremerhaven und seiner Columbuskaje beschrieben und mit vielen zeitgenössischen Fotos angereichert (siehe dazu auch Link am Seitenende unten rechts).
Vom HMV (Hamburger Modellbaubogen Verlag) nun gibt es die "Columbuskaje" im selben Maßstab wie unsere UNITED STATES, nämlich in 1:250. Enthalten sind Kräne, Personen- und Güterwaggons, eine Lok, PKWs, LKWs, Gangways usw. (ca. 20,- EUR bei moduni.de, Stand 03/08).
Allerdings zeigt dieses Modell den Bauzustand aus dem Jahre 1929, also noch den vor dem großen Neubau nach dem Zweiten Weltkrieg. Und so fragten wir uns natürlich: Kann man es wagen, die Columbuskaje der dreißiger Jahre mit dem Überseedampfer der fünfziger Jahre zusammen zu bringen und in einem gemeinsamen Diorama darzustellen?
Selbstverständlich hätten alle Historiker und Modellbauer, die Wert auf äußerst genaue Richtigkeit ihrer Modelle und Dioramen Wert legen, die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Wir aber entschieden uns, die UNITED STATES eine Zeitreise machen zu lassen: In unserem Diorama würde sie rund zwanzig Jahre früher anlegen, als sie es tatsächlich in der Geschichte getan hat ...
Uns soll es nun also nicht
sonderlich stören: Was Fachleute in der Kunst eine "Mariage" nennen,
also die "Vereinigung" zweier Stücke, die eigentlich so im Original nicht
zusammen gehören, sollte auch uns möglich sein! Also ließen wir unser Schiff
eine Zeitreise machen und unser Diorama zur "Mariage" werden: Wie wir
im Modell sehen, hätte die UNITED STATES auch bereits zwanzig Jahre früher als
schließlich später geschehen, an der Columbuskaje von Bremerhaven anlegen
können. Und was den (schon älteren) Modellbauer dabei besonders erfreut und
ihn bestätigt: Die Personenzüge bis hin zu den Waggons der dreißiger Jahre
konnte man in den frühen fünfziger Jahren durchaus auch noch antreffen ... ![]()
Und so gibt es nun also unser Groß-Diorama mit einer Länge von über 1,20 Meter: Die SS UNITED STATES an der Columbuskaje der 30er Jahre - ein Blickfang und eine Kombination, die es tatsächlich gegeben hat, aber ganz genau so eben doch nicht ...

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© 2008 J. de Haas