Seinerzeit bekundete der brandenburgische Ministerpräsident zur Werfthalle des
CargoLifter-Transportluftschiffs (in der in diesen Tagen ein überdachter
Regenwald geplant wird
,
Stand 07/03), voller Stolz:
"Und wenn wir nicht so bescheiden wären, dann würden wir noch hinzufügen:
Das ist vielleicht das achte Weltwunder."
Ende des Jahres 2000 bis zum Anfang 2001 verfolgten wir dann genauer das wilde Geschehen um den "Leichter als Luft"-Traum: Aktionäre sind dumm und unverschämt - aus dem CargoLifter-Anlegerforum gab es genügend zu berichten.
Bis weit ins Jahr 2002 reichte der Endkampf um dieses
Projekt, das schließlich mit der Insolvenz der CargoLifter AG endete. Wie es
vielleicht auch alles anders hätte verlaufen können, haben wir dann ebenfalls
noch berichtet mit unserer Geschichte aus dem Jahr 2015 ... ![]()
Eigentlich hatte es um den "richtigen" CargoLifter oder "Carli", wie ihn seine Fans nennen, somit schon genug Ärger gegeben, aber dennoch: Im September 2001 stellten wir unser Modell des Luftschiffs samt seiner Werfthalle im Maßstab 1:1.250 vor - und auch dieses war wieder mit Ärger verbunden. Dennoch hatten wir uns auch das große Modell von "Carli" im Maßstab 1:200 auf Halde gelegt - man konnte ja nie wissen, ob man nicht so etwas eines Tages ebenfalls mal bauen würde ...
Eineinhalb Jahre später waren wir froh, dass wir damit noch nicht angefangen hatten, als uns eine Mail von Roland Grün erreichte, der für sich die "Serienfertigung" des Luftschiffs schon begonnen hat:
... Seit Mai 2001 verwende ich einen großen Teil meiner Freizeit für den Bau des 1:200 - Modells des CL160. Momentan bin ich an Exemplar Nummer 4. ... Fast alles schlechte, was ihr am 1:1250 - Bausatz gefunden habt, gibt es auch beim 1:200 - Bausatz, nur ist alles umfangreicher ...
Nun, die Geschichte interessierte uns. Und Roland Grün
wird sie, beginnend mit diesem Beitrag, allen Fans des Modellkellers ausführlich erzählen ...
Im Mai 2001 brachte Cargolifter World neben dem bekannteren 1:1.250 - Bausatz der Werfthalle inclusive CL160 auch einen Kartonmodell-Bausatz des CL160 in einem vernünftigen Maßstab heraus, nämlich 1:200. Das ergibt eine Länge von 1,30 Meter.
Angepriesen wurde der Bausatz als "hochwertig" und "mittelschwer" (oder war
es "leicht"? - egal). Ich bezeichne ihn als gnadenlos dilettantisch,
schlampig und für Nicht-Fanatiker praktisch nicht fertig zu bauen. Wer daraus
schließt, dass ich fanatisch bin, liegt richtig. Man muss sowohl
Kartonmodellbau-Fanatiker als auch CL160-Fanatiker sein. Wenn nur eines
fehlt, sollte man sich die Frust-Ration ersparen!
Bis jetzt, März 2003, habe ich drei Exemplare gebaut, das vierte ist in
Arbeit. Ich habe mir vorgenommen, so lange weiter zu machen, bis der CL160
oder ein Äquivalent in Serie geht. Wer das aktuelle Geschehen um Cargolifter
verfolgt, wird die Tragweite dieses Vorhabens erkennen.
Gut möglich, dass ich vor Erreichen des Ziels aufgeben muss, aber Quatsch - daran will ich noch nicht denken ...
Ich nenne meine Modelle "Carli n", n = 1...4 bis jetzt. Carli 3 ist in Händen der Aktion www.zukunftinbrand.de, nachdem er ein paar Monate lang im World-Shop in Brand hing. Vielleicht ist er inzwischen dahin zurückgekehrt, aber momentan kommt man nicht rein.
Die anderen Carlis tummeln sich
noch nahe der Stätte ihrer mühseligen Geburt. Carli 1 ist aufgrund von
Anfänger-Fehlern und daraus folgender Abstürze in einem desolaten Zustand
und fristet sein Dasein unter einem Carport-Dach. In diesem Beitrag sehen wir ein paar Bilder von Carli 2
im Kinderzimmer (zusammen mit den "No Angels"!) und Carli 4, letzterer in
seinem
Produktions-Käfig, "Carlibauer" genannt ... ![]()

Carli 4 hat Flecken. Die allerschlimmsten habe ich übermalt, habe mir aber
absichtlich keine besondere Mühe für eine perfekte Tarnung gegeben. Das
klappt sowieso nicht, außer man malt den ganzen Carli an. Anmalen ist aber
im Kartonmodellbau generell nicht angesagt, das ist zumindest meine
Vorstellung. Also, ich stehe zu diesen Flecken.
Die Flecken kommen vom Epoxidharz. Carli 4 musste meine Lernkurve ertragen,
wie man Epoxidharz mit Kartonmodellbau zusammen bringt. Alles andere als
einfach, kann ich euch verraten. Inzwischen habe ich aber das Rüstzeug
beisammen, um Carli 5 fleckenfrei hinzukriegen. Glaube ich.
Ich kenne keinen anderen Kleb- und Füllstoff, der mit dem Aushärten so wenig
schrumpft, wie eben Epoxidharz. Das ist das Entscheidende.
Bis jetzt sind noch keine zwei Carlis innerlich gleich aufgebaut. Sobald das der Fall ist, sieht es mit der Dokumentation wieder anders aus. Aber das kann noch Jahre dauern!
Carli 5 fange ich aber erst in ca. zwei Monaten an. Bis dahin bin ich noch mit Carli 4 beschäftigt. Und wahrscheinlich bin ich am Ende von Carli 5 wieder ein gutes Stückchen schlauer, und mache es bei Carli 6 wiederum viel besser ...
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Warum mache ich das alles:
Im Alter von so etwa 8 bis 12 Jahren habe ich etliche, auch große,
Kartonmodellbausätze aus dem Schneider-Verlag gebaut, zuletzt solche Brummer
wie den Stephansdom zu Wien und die Burg Hohenzollern. Dann war auf diesem
Gebiet jahrzehntelang Ruhe (jetzt bin ich 45).
Als ich das erste Mal die Cargolifter-Idee begriff, war mir ziemlich schnell folgendes klar:
1. Technisch machbar und wirtschaftlich tragfähig ist es (Anm. der
Redaktion: Da gibt es auch andere Meinungen, s.o.!)
2. Die Finanzierung von der Entwicklung bis hin zur Serienproduktion, bis es
sich von alleine trägt, ist kritisch.
3. Ich kann dazu fast nichts beitragen, bin kein Bill Gates.
Als dann 2001 der Bausatz herauskam, trafen diese Beweggründe zusammen:
1. Den Kartonmodellbau wieder aufleben zu lassen.
2. Ein Zeichen zu setzen für den CL160.
3. Überhaupt irgend ein größeres Projekt wieder anzufangen, nachdem das
Projekt "Familie" alle anderen Projekte mehr oder weniger zum Erliegen
gebracht hatte.
Wenn ich "Kartonmodellbau" sage, so möchte ich aber gleich eine mögliche
Illusion zerstören: Grundlage ist zwar der vorgedruckte Bausatz. Und das fertige Modell könnte
(und sollte) den Eindruck erwecken, als ob alles aus Karton besteht. Aber
das stimmt nicht. Im Inneren und teilweise auch an der Oberfläche kommen
alle möglichen Materialien zur Anwendung.
Hier eine sicher unvollständige Liste, alphabetisch sortiert:
Alu-Flachprofile
Balsaholz
dünne Holzleisten
Epoxidharz
Faden (am besten aus der Chirurgie)
Federstahldraht
Flachstahl
Grundiermittel für Holzanstriche, wasserfrei
Rundholz
Kunststoff (PS, Polystyrol) in Form von Platten und Stripes
Messing-Rundstangen
Mini-Magnete
Ruderer L530 (Klebstoff)
Sperrholz
Uhu Kraft
Uhu Plus endfest 300
Und man benötigt ein Arsenal an Werkzeugen und Hilfsvorrichtungen, das
ziemlich weit über das hinaus geht, was man sich so gemeinhin beim
Kartonmodellbau vorstellt.
Und man sollte einen Raum haben, wo das alles gut greifbar und genügend
Platz ist, und man ungestört arbeiten kann. Kurzum, eine kleine Werfthalle! Bei mir
ist das der Dachboden. Man braucht eine Arbeitsfläche von mindestens 0,8 mal
1,5 Meter, wo man über Eck hin kommt, also eine Schmal- und eine Längsseite.
Und noch mindestens eine, besser zwei weitere ebenso große Flächen zum
Rangieren.
Ich schätze den Erstausstattungs-Aufwand für Material und Spezialwerkzeug,
ausgehend von einer normalen Bastel-Ausstattung, auf 500 Euro. Und je
Exemplar schätze ich das verbrauchte Material auf 200 Euro.
Die Arbeitsstunden je Exemplar sind besonders schwierig zu schätzen. Bei
Carli 4 werden es wohl so an die 500 sein. Und die Arbeitsstunden für die ganzen Hilfseinrichtungen: Ich schätze meinen
bisherigen Aufwand auf 400 Stunden. Da waren aber etliche Irrwege dabei, die
man sich (vielleicht) ersparen kann, wenn man meinen Bericht liest ...
Die
allermeisten Probleme, die der Bausatz hat, tauchen bei meinen Methoden
nicht mehr auf. Für mich ist der Bausatz nur noch eine Art Vorlage der
äußeren Gestalt, und nicht mehr eine Konstruktions-Anleitung.
Also versuche ich jetzt einmal an Carli 1 zurück zu denken, denn damals habe
ich mich an den Bausatz und seine (dürftige) Anleitung von A bis Z gehalten.
Das Rumpfsegment 1 wurde offensichtlich früher gedruckt als alle anderen Teile, denn die Farben sind andere. Meine Frau mit ihren Super-Augen sieht das jedenfalls so. Ich sehe nur, dass das Weiß etwas dunkler ist, und dass das Grün etwas abweicht. Die Grenzen gehen quer durchs Logo. Da kann man nichts daran ändern, es sei denn, man fängt mit dem Malen an, wovon ich abrate.
Auch mit den Konturen des Logos gibt es an einer Stelle eine Unstimmigkeit: Hier kann man einen Filzstift nehmen, oder es so lassen.
Die Leitwerke: Alle inneren Teile sind zu groß und müssen
angepasst werden.
Ich habe damals die Leitwerk-Abmessungen bei Cargolifter World angefragt,
und aus der Antwort schloss ich, dass wirklich die inneren Teile falsch sind
und nicht die äußeren.
Die Aufhängung der vorderen Marsch- und Manövriertriebwerke: Da sind gleich
zwei dicke Hunde drin. Wenn man die nicht kompensiert, ist die einzige
richtige Stellung diejenige für Auftrieb. In Abtriebs- und Marschbetriebs-Stellung
schielen die Dinger nur in der Gegend herum. Das ist in etwa so, als ob bei einem Auto die
Vorderräder nur bei
scharfer Linkskurve richtig
stehen.
Noch einmal die Aufhängung der vorderen Marsch- und Manövriertriebwerke:
Auch der Kartonmodellbau-Weltmeister schafft so wie vorgesehen nicht
annähernd eine brauchbare Drehscheibe. Dazu ist allein schon der Karton in
sich selbst zu schwach. Abhilfe geht nur mit einer anderen Konstruktion und
anderen Materialien. An dieser Stelle bin ich selbst bei Carli 4 noch nicht
zufrieden.
und und und ....
Das war jetzt vielleicht 1 Prozent von dem, was zu sagen wäre. Aber mehr soll
es diesmal noch nicht sein. Schließlich gibt es ja auch noch eine Fortsetzung:
Mehr zum Carli-Bau, natürlich! ![]()
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© 2003 Roland Grün