Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Besuch in der Gelddruckmaschine ...

Allianz Arena München

 

    

Die Vorbereitung ...

"Erleben Sie die Allianz Arena exklusiv aus der Sicht einer Mannschaft oder eines VIP-Gastes! Sie dürfen auf der Trainerbank Platz nehmen, können den einzigartigen Blick von einer Loge in den Innenraum genießen und die Tour mit einem Glas Sekt abrunden. Diese komplett neu konzipierte Tour wird Sie begeistern!

Programm-Highlights:

Dann buchen Sie unsere neu konzipierte Arena VIP Tour. Dauer: Nehmen Sie sich für diese besondere Tour ca. 120 Minuten Zeit. Preis: Für 375,00 EUR kann ein erlesener Kreis von höchstens 15 Personen eintauchen in die Welt der VIPs. Hinweis: Ab sofort gibt es diese Tour auch für Individualgäste. ..."

Kann man einem derartigen Angebot widerstehen? Zumal noch dann, wenn man eine Anlage wie die Allianz Arena vor der Tür hat? Und vielleicht noch Details gehört hat von der Technik, die in Teilen dieses Bauwerks eingesetzt wird?

Wir meinten nein und machten uns auf den Weg - in der Tasche die Tickets für eine VIP-Tour durch die Arena, die bei ihrer Eröffnung Ende Mai 2005 bundesweit Schlagzeilen machte als Sportstätte der Superlative und in der ein Jahr später unter ihrem vorübergehenden Namen "FIFA WM-Stadion München" auch das Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2006 Deutschland gegen Costa Rica ausgetragen wurde.

Seit April 2006 ist Alleineigentümer der betreibenden Stadiongesellschaft und damit auch der Allianz Arena der FC Bayern München, aufgrund finanzieller Probleme war zu diesem Zeitpunkt der TSV München 1860 ausgestiegen, der bis dahin ebenfalls zu 50% Gesellschafter der Betreibergesellschaft war ...


Finanzielle Probleme? Als wir am spielfreien Tag der VIP-Führung die Arena erreichen und uns dem Stadion nähern, kann man sich in Anbetracht der Besuchermassen, die auch heute das Gelände überfluten, kaum vorstellen, dass irgend jemand finanzielle Probleme haben könnte, der Anteile an diesem Bauwerk hält: Ist es doch nicht nur in der Vergangenheit oft als "Arroganz-Arena" bezeichnet worden, sondern doch wohl auch als "Gelddruckmaschine" des FC Bayern anzusehen. Unmengen an Fans, Unsummen aus Übertragungsrechten, Fan-Artikel im eigenen Fan-Shop wohin das Auge blickt, eigene bestens besuchte Gastronomie, das Umfeld eines deutschen Fußballmeisters, der ein großes Rad dreht und von der Begeisterung für den Volkssport Fußball gut leben kann.

  
Wir denken noch darüber nach, was aus dem allem wohl werden würde, wenn alle soviel investierten wie wir in diesen und andere "Volkssportarten" und wie schnell es den ganzen Spuk dann möglicherweise nicht mehr gäbe oder aber vielleicht doch noch wegen unserer Rundfunkgebühren und Steuern ()? Schon sind wir eingetaucht in einen Besucherstrom, der hier offenbar noch anderes will, als an unserer VIP-Tour teilnehmen.

Schnell bemerken wir, dass es noch ganz "normale" Stadionbesucher gibt, die von dieser Arena angezogen werden und von anderen Touren dort, die man buchen kann - sie sind billiger und auch nicht auf Wochen ausgebucht wie unsere. 

Wir sammeln uns hinter unserem weiblichen "Guide" und unsere Führerin leitet uns schnell in die Höhen dieses Stadions, in dem ausschließlich Fußballspiele stattfinden und das derzeit für nichts anderes verwendet wird.
  

   
Wir lernen heute viel über dieses gigantische Bauwerk: Grundsteinlegung und Baubeginn war der 21.10.2002 und es misst ca. 260 x 230 x 50 m bei 171.000 qm Gesamtnutzfläche. Was die Dame offenbar nicht weiß, als sie von einem Teilnehmer danach gefragt wird, ist, dass die Arena aus Sicherheitsgründen direkt an zwei alternative Umspannwerke angeschlossen ist, um einen eventuellen Stromausfall zu vermeiden. Ebenfalls nichts berichtet sie uns über die Tatsache, dass das Bauwerk derzeit bei bestimmten Schneelagen mit einem Hubschrauber auf seiner Oberseite "freigeblasen" werden muss - aber das ist eine unerfreuliche Geschichte am Rande, die wir aus anderer Quelle erfahren haben ...

Überall im weiten Rund der Arena sitzen noch weitere versprengte Besuchergrüppchen, die vereinzelt sogar die Laola-Welle proben und damit auch Anlass für einen kurzen Akkustiktest bieten: Ein mit voller Lautstärke herüber gebrülltes "Ruhe" kommt in der gesamten Arena problemlos an und sorgt für gewisse Heiterkeit ...

Beeindruckende Zahlen kann unsere "Guide-in" weiter präsentieren: Sie schildert uns anschaulich, dass auf jeder der beiden Videotafeln der Arena eine Vierzimmerwohnung Platz fände: Sie haben jeweils rund 100 qm Fläche.

Weitere Daten folgen:

  
Selbstverständlich führt unser Weg auch in eine der Business-Logen und man kann sich gut vorstellen, wie man vor der gewaltigen Kulisse dieser Arena seine geschäftlichen Kontakte bestens pflegen kann - allerdings werden wir wohl nie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen (können), denn wir sind weder die "Allianz", "adidas", die "KPMG", "Siemens", "Audi" oder andere, die hier auf den Logentafeln verzeichnet sind ...  
    

 

   
Nach Rundgang durch Restaurationsflächen und vorbei an der "Davidoff-Lounge" kommen wir schließlich auch zu den Business Seats und den Ehrengastplätzen. Tatsächlich hat man von hier aus sicherlich den besten Blick aufs Spielfeld unten, aber man braucht sich auch in dieser Hinsicht keine Hoffnungen machen: Selbst wenn man den Betrag dafür aufbringen wollte, könnte man es doch nicht: Diese Plätze sind für die gesamte Saison ausgebucht ... 
    

  
Ein Highlight der "VIP-Tour": Sie führt uns auch zum Spielfeldrand mit Trainerbank und in die FC Bayernkabine. Zwar dürfen wir den heiligen Rasen nicht betreten - das bleibt anderen sowie den Jungmillionären in kurzen Hosen vorbehalten - aber immerhin darf man einmal auf der Trainer- und Ersatzbank sitzen: Auffällig, wie niedrig die Überdachung über den Lufthansa-Sitzen dort ist (Hatte die Fluglinie die übrig oder sollen sich die Fußballgötter dort nicht groß umstellen müssen, wenn sie zum nächsten Auswärtsspiel fliegen? ) ... 

Nachdem wir nun ein echtes "Klinsmann-Gefühl" genießen können, warten jetzt noch gewaltigere Eindrücke: Es geht in DIE Bayernkabine!
  

  
Andächtig stehen die teils jugendlichen Teilnehmer der Tour in der Kabine und auch vor dem "Entmüdungsbecken": Hier also zieht sich der berühmte Ribery persönlich um und auch der große Poldi selbst berührt diesen geheiligten Boden, nachdem er seine legendären Pressekomments abgegeben hat und bevor er seine nicht weniger berühmten Tagebucheinträge macht ...
   

 

   
Vorbei an den Pressebereichen führt unser Weg schließlich in das Arena-Restaurant, wo uns ein Glas Sekt zum Abschluss des Besuches erwartet. Wir sind sehr beeindruckt und wissen eines: Nun müssen wir uns hier aber auch wenigstens einmal ein Fußballspiel anschauen - Ehrensache ..!
   

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