Final Part - All good Things come to an End

Es war wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht: Wir waren in Afrika, in einem fremden Land, einer fremden Kultur. Alles war neu, alles war anders. Wir waren so weit weg von daheim und unsere Reise näherte sich nun dem Ende. Leider sollte es ein Ende mit Schrecken werden. Kein Happy End, wie man es erwarten würde.

Wir hatten am Vorabend geplant, uns heute (Dienstag) vor der Fahrt zur Fähre ein ruhiges Plätzchen zu suchen, um dort Patricks gerissenen Längslenker auszubauen und zu schweißen. Die Ausrüstung war ja vorhanden und eine einzige Naht hätte gereicht. Aber erstens, und da wiederhole ich mich, kommt es anders, zweitens als man denkt!

Die Nacht im Ibis Hotel war keine leichte Nacht: Ich erkrankte an so etwas wie einem üblen Magen-Darm-Infekt. War es nun eine Lebensmittelvergiftung oder nicht? Wie auch immer, ich lag zitternd mit Schüttelfrost im Hotelzimmer und besuchte häufig die Hygienezelle. Brechdurchfall vom Feinsten und da bitte ich meine offene Wortwahl zu entschuldigen. Mir ging es elend und am nächsten Morgen war an frühstücken nicht zu denken.

Ich nahm eine Anti-Durchfall-Tablette und schleppte mich im wahrsten Sinne des Wortes zum Auto. Wir fuhren nun langsam gen Fähre, an Schweißen war nicht mehr zu denken. Ich war froh, durch das Medikament gerade meinen Darm unter Kontrolle zu haben. Kalter Schweiß, Magenschmerzen, es wurde nicht besser.

Im Hafen angekommen kümmerte sich Patrick ums Einchecken, während ich eine weiße Plastiktüte mit meinem Mageninhalt füllte. Weitere Einzelheiten bleiben der Fantasie des Lesers überlassen. Nach einer umfangreichen Zollkontrolle mit Röntgengerät und einem Vortrag vom Beamten, dass es doch wichtig sei, Französisch oder Arabisch zu sprechen, erreichten wir das Schiff und unsere Kabine. Ich fiel ins Bett und stand die nächsten zwei Tage nicht mehr auf. Mein Zustand verschlechterte sich weiter. Patrick organisierte für sein Fahrzeug inzwischen einen Transporter in Livorno. Das war gar nicht so einfach, da dort gerade Land unter war und alle Anbieter genug zu tun hatten ...

In Livorno angekommen wurde Patricks Jeep sofort beim Schiff abgeholt und wir fuhren mit meinem Range weiter gen Heimat. Erst fuhr ich, machte aber nach 20 km schlapp. Ab dann fuhr nur noch Patrick. Wir nächtigten in einem Hotel irgendwo an der Autobahn. Am nächsten Morgen ging es weiter gen Deutschland. Ich hatte beschlossen, bis Nürnberg irgendwie durchzuhalten und dort direkt ins Krankenhaus zu gehen. Leider war in München wie üblich Stau, so dass wir eine Menge Verspätung hatten. Bei Nürnberg wartete schon "Anthrax", um uns ins Klinikum Nürnberg Nord zu leiten. Die Notaufnahme wies mich sofort stationär ein und ich bekam einen Tropf zum Ausgleich meines Elektrolythaushalts. Starke Dehydration hatte mich auf der Fahrt wohl schon fantasieren lassen.

Patrick fuhr mit dem Range weiter nach Hause, aß vorher bei Chris noch Abendbrot. Ich blieb für drei Tage im Klinikum und ließ mich intravenös aufpeppeln. Dann brachte mich Chris zu Patrick nach Sachsen und einen Tag später fuhr mich Patrick wiederum nach Berlin. Mein Durchfall endete erst dort am Mittwoch, also neun Tage nachdem er begonnen hatte ...

Keine Bilder von all dem: Aber ein tiefer Dank an meine besten Freunde für die Hilfe und Geduld mit mir. Inzwischen geht´s mir besser. Weil mein Immunsystem stark angeknackst war, schloss sich direkt eine Erkältung an und ich bin noch immer heiser und huste wie verrückt. Aber es wird besser. Was der Auslöser war und was genau ich hatte, war auch nach der Laboranalyse im Krankenhaus unklar: Waren es die Eiswürfel bei McDonalds? War es psychosomatisch? War es das Essen im Ibis Hotel zwei Tage zuvor? Patrick und ich aßen immer das Gleiche, nur ich wurde krank. Zum Glück passierte es erst zum Ende der Reise und leider passierte es überhaupt auf der Reise.

Mein Resumé zu unserem Marokko-Trip: Ein wunderschönes Land mit vielem, was man sehen kann. Leider sind die sandigen Regionen eine einzige Touristenfalle. Erg Chebbi ist sowas wie ein Center Parc für Allradler, die Route an der algerischen Grenze ist besser mit Mobilfunk abgedeckt, als die meisten Städte in Mecklenburg-Vorpommmern.

Wir hatten viel Spaß, haben wahnsinnig viel erlebt. Aber wir werden nicht noch einmal nach Marokko fahren. Uns zieht es in Gebiete, die naturbelassener sind, die mehr Ruhe und Weite bieten. Gebiete, wo man auch mal zwei Tage am Stück keinen anderen Menschen trifft. Ich bin sicher, dass es solche Ecken auch in Marokko gibt. Aber nur um sie explizit zu suchen, würden wir nicht noch einmal starten. Die Westsahara ist bestimmt eine gute und auch gefährliche Richtung.

Unsere Autos haben gut gehalten: Bei mir kein wirklicher Schaden und Patricks Längslenker wird nun gegen etwas qualitativ höherwertiges ersetzt. Ansonsten kann man auch mit einem 8" gelifteten Jeep Spaß in der Wüste haben. Gut, er verbraucht eine Menge, aber dafür gibt es ja Zusatztanks und die Power macht wirklich Spaß.

Wir hoffen, unser kleiner ausgeschmückter Reisebericht hat Spaß beim Lesen gemacht und niemanden verschreckt.

Grafe und Flashi     


© 2011 Andreas Pflug