Part 5 - Rallyetalk and a bit of Sand
Es war ein leicht bewölkter Freitagmorgen am Fuße des großen Tafelbergs.
Angenehm, nicht gleich von der grellen Sonne aufgeheizt und geblendet zu werden.
Wir waren kurz vorm Ende unseres ersten Teilstücks und wollten heute unter
anderem in Tagounite tanken. So frühstückten wir wie üblich umfangreich, packten
unsere Sachen zusammen, reinigten das Lager und verließen die kleinen Dünen
zurück Richtung Hauptpiste. Wir waren überrascht, wie nahe wir doch an der
nächsten Stadt waren, denn nur 2 km weiter wurde aus der Piste eine Teerstraße,
ein Ort folgte und viele Kinder waren auf dem Weg zur Schule.
Die Straße war so
verlockend, dass wir unseren Abzweig glatt verpassten und dann wenden mussten.
Unser Weg führte uns nun durch künstlich bewässerte Agraranlagen Richtung Tagounite. Alles ging irgendwie ganz schnell. In
Tagounite angekommen, stießen
wir auf eine kleine Demo auf der Hauptstraße, die wir vorsichtig umfuhren. Am
nördlichen Ende der Stadt gab es eine große Tankstelle - genau der richtige
Platz zum Erwerb von Benzin und Diesel.
An der Tankstelle jedoch trafen wir auf zwei Race-LKWs, die an der gerade
stattfindenen Rallye Marokko teilnahmen. Der Service erzählte uns, dass der
Fahrer den LKW erst vor drei Wochen gekauft hatte und man gestern sieben Stunden
Sand schaufeln musste. Daher würden sie heute in den Sand zum Üben fahren, weil
sie eh keine Chance mehr auf einen sinnvollen Platz hätten. Und genauso
fasziniert, wie wir die Hightech Trucks bewunderten, interessierte sich die
Rallyecrew für unsere Offroader.
Im Anschluss, gut gelaunt und motiviert für das nächste Teilstück gen Foum Zguid,
durchquerten wir die Stadt erneut mit Ziel Mhamid, dem Tor zum Erg Chegaga. Wir
wurden verfolgt von den beiden Race LKWs, die auch auf der Straße mächtig aufs
Gas drückten und Patrick keine Chance zum Entkommen gaben. Ich sah das ganze nur
im Rückspiegel, da ich etwa einen halben Kilometer Vorsprung hatte. Patrick
wiederum sah im Rückspiegel, dass die LKWs irgendwann die Straße verließen und
rechts ab fuhren.
Wir stoppten und kontrollierten diese Route auf unseren Karten - tatsächlich würde man so Mhamid komplett umgehen können und so auch den in den touristischen Reiseführern beschriebenen aufdringlichen Allrad-Guides aus dem Weg gehen. Wir drehten um und folgten den LKWs, die eigentlich schon am Horizont verschwunden waren. Querfeldein projizierten wir unser Ziel nach Himmelsrichtung und Intuition. Wir waren nun mal wieder Off-Offroad. Fernab jeglicher Piste durchquerten wir Geröllfelder und ein 350 m breites Mikroerg. Immer weiter gen Westen: Die Berge zur Rechten, die unendliche Ebene zur Linken ...
Irgendwann um die späte Mittagszeit begann das Erg Chegaga und wir hielten uns
weiter zwischen den Bergen und dem Erg. Patrick war zwar scharf auf Sand, aber
wir beschlossen, aus zeitlichen Gründen nicht extra tief hinein zu fahren und
stattdessen mehr vom Land später zu sehen.
Unterwegs fuhren wir auf einen der Geröllberge und vesperten ein bisserl. Er gab
uns auch eine gute Aussicht über die Gegend und die Strapazen, die vor uns
liegen würden.
Wir touchierten Erg Chegaga nur am Ende und surften leicht in kleinen Dünen.
Direkt am Anschluss ging der Erg über in den Lak Iriki, ein altes Flussbett
oder ein alter ausgetrockneter See. Ähnlich anderen Salzseen oder den Makgadikgadi Pfannen in Botswana, war der Boden hier sehr glatt und weitläufig.
Unter der harten Oberfläche fanden sich aber oftmals ein weicher Grund oder sogar Löcher. Wir beschlossen ein kleines Rennen, denn die Umgebung lud einfach dazu ein, mit maximaler Geschwindigkeit sein Fahrwerk auszureizen und einmal wie Major Tom durch die Steppe zu fliegen. Funfaktor maximal!
Im Anschluss posierten wir auf einem kleinen Geröllhügel, damit Forenmitglied "Anthrax" bei dem
Anblick wiederum der Sack in Fransen aufgehen sollte ...
Ich will das gar nicht so auseinander ziehen mit zuviel Text: Wir suchten uns
zum Abend eine kleine Dünenkette, die hinter einem Geröllwall versteckt vor der
Hauptpiste lag.
Dort surften wir erneut etwas durch den Sand und campierten in
einem geschützten Kessel direkt neben einem Erdhügel mit großem grünen Busch und
tausend kleinen Öffnungen.
Mit Einbruch der Dunkelheit gesellten sich einige
schwarze Käfer mit weißer Bemalung zu uns, dazu ein 250g schwerer
Monster-Grashüpfer, der irritiert vom großen Lagerfeuer erst gegen mein Zelt
sprang und mir irgendwann auch auf den Rücken. Ein süßer Fratz!
Wir futterten frische Tortellini in Grana-Padano-Ricotta-Tomatensoße mit feinster Schweinehack-Einlage. Ein guter Tag. Wir waren kurz vor Foum Zguid und ließen die Erlebnisse des Tages Revue passieren ...
© 2011 Andreas Pflug