Fliegerei am Boden: Lufthansa Aviation Center ...


Wer einmal länger am Frankfurter Flughafen "hängen" bleibt oder sich für die Organisation "Dahinter" bei der Lufthansa interessiert, dem sei der Besuch des Lufthansa Aviation Centers sehr zu empfehlen.

Vor dem Terminal 1 / Ankunftsebene im Bereich B steigt man in den kostenlosen Flughafenbus WEST 25 und meldet dem Fahrer, dass man am LAC (Lufthansa Aviation Center) aussteigen möchte. In wenigen Minuten ist das eindrucksvolle Gebäude erreicht, das bereits mit seiner Architektur die Transparenz des Lufthansakonzerns symbolisieren soll. Allein das Gebäude ist schon einen genaueren Blick wert: Mit seinen inneren Gärten wird sichergestellt, dass "normale" Luft durch geöffnete Fenster in die Büroräume fließen kann.

Im Gebäude meldet man sich zum Besuch an. Will man jedoch nicht nur das Gebäude besichtigen, sondern einen Einblick erhalten in die Technik, die hinter dem Lufthansaflugbetrieb steckt, muss man sich vorher schon bei der Lufthansa Technik anmelden.

Für den Besuch bei der Technik ist wichtig, dass man nichts mit sich führt, was man nicht auch beim Fliegen dabei haben darf, denn ein Teil der Besichtigungstour führt über das Vorfeld des Frankfurter Flughafens. Gutes Schuhwerk und Kleidung, die dem Wetter angepasst ist, sind ebenfalls empfehlenswert ...

Unser Führer ist ein Wartungsingenieur im Ruhestand, der uns mit Kopfhörern ausstattet und uns die Regeln erklärt.

Es besteht ein grundsätzliches Fotografierverbot mit wenigen Ausnahmen, man muss sich an die Anweisungen des Führers halten, wenn man in den Wartungshallen unterwegs ist. Erreichbare Schaltknöpfe und Tastaturen darf man nicht berühren. 

Das "LAC" in FRA ... Ein pompöser Empfang ...
Kurze Einweisung für die Besucher ...

Los geht es zu den Hallen mit den Simulatoren: Ob Airbus 320, Boeing 747 oder anderes - alle Flugzeugtypen, die bei der Lufthansa im Betrieb sind, finden sich auch hier und über 40 Simulatoren dafür warten auf die Piloten zur Schulung. Jeder Simulator entspricht jeweils immer genau einem Flugzeug aus der Flotte und trägt auch dieselbe "Tailnumber", die am Flugzeug oben am Seitenleitwerk angebracht ist. Wenn an diesem Flugzeug Änderungen vorgenommen werden (z.B. ein verändertes Ventil), dann wird dies auch am Simulator nachgestellt - dort allerdings nur in der Software. Im 4-Stundentakt finden die Schulungen statt, die nicht nur von der Lufthansa, sondern von Fluggesellschaften aus aller Welt gebucht werden können. So ist eine Auslastung der Flugsimulatoren von 365 Tagen im Jahr gesichert.

In kleinen Schulungsräumen finden mit den Piloten vor und nach der Schulung Besprechungen statt (Briefings). In den Simulatoren werden Standardverfahren geübt und all die Problemfälle durchgespielt, die dabei auftreten können. In der Halle stehen die Simulatorkabinen dicht nebeneinander und ein geübter Beobachter kann schon von außen erkennen, was dort gerade abläuft. 

"Der landet gerade" meint unser Führer, als so eine Kabine mit hörbarem "Bumms" zu rütteln beginnt. Gleich danach neigt sich die Kabine wieder nach oben, der Pilot startet offenbar durch ...

Neben der Halle mit den Simulatoren findet sich das Schulungsgebäude für die Flugbegleiter. Die Schulungsräume sind ausgestattet wie Flugzeugkabinen und durch große Scheiben kann man erkennen, was die angehenden Flugbegleiter gerade lernen. In einem Raum wird Sekt entkorkt und ausgeschenkt (müssen /dürfen die das auch trinken?), im nächsten Raum wird ein Ohnmächtiger auf dem Boden der Kabine behandelt. Kaffee- und Essensduft zieht aus den Trainingspantries ...

All das wird gewürzt mit feinem Chlorgeruch: Im Hause befindet sich auch ein Schwimmbad zum Üben von Notwasserungen. In einer weiteren Halle stehen "abgeschnittene" Flugzeugrümpfe, mit Fluggastkabinen und Türen. An diesen Flugzeugrümpfen werden Übungen zum perfekten Rutschen durchgeführt.

Nun geht es weiter zu den Wartungshallen: Hier erfolgt die Sicherheitskontrolle, die sich in nichts von der im Abflugbereich unterscheidet. 

In der Wartungshalle Flugzeuge am Dock ...
... auch von fremden Fluggesellschaften ... Blick unter den Kabinenboden

In einer der Hallen werden die Triebwerke überholt: Eindrucksvoll ist das Innenleben sichtbar und man lernt, dass immer genau drei Leute an so einem Triebwerk arbeiten, wobei einer lediglich die Handgriffe überwacht und kontrolliert. Anhand von Modellen wird die Funktionsweise der Triebwerke erläutert und man kann die Entwicklung anhand der Ausstellungsstücke nachvollziehen.

Dann geht es zur großen Wartungshalle, in der die Airliner stehen. Die Halle verfügt über eine freitragende Decke mit einer beeindruckenden Länge von ca. 300 m und einer Breite von ca. 100 m. Sie war in den 70er Jahren die größte Wartungshalle der Welt.

Hier erfolgen die Checks (Wartung) streng nach Plan: Abhängig von den Flugstunden, die das Flugzeug absolviert hat, sind die Arbeiten für die Checks in wenigen Stunden oder auch erst in einigen Wochen erledigt. Auch hier sind die Wartungsarbeiten nicht nur auf  die Flotte des Lufthansaverbunds beschränkt, nein, auch fremde Fluggesellschaften lassen hier die Wartung durchführen.

Wir dürfen einen Jumbo und einen Airbus 340 besuchen. Wer jedoch eine komfortable Gangway für den Einstieg erwartet, wird enttäuscht. Eine eher schmale wacklige und recht steile Treppe führt hinauf in den Einstieg.

Das Cockpit des Jumbos hat noch viel mehr "analoge" Instrumente als bei neueren Fliegern üblich und strömt noch ein gewisses Flair vergangener Zeiten aus. Das Cockpit des Airbus ist dagegen modern - ein so genanntes Glascockpit, auf dem alle erforderlichen Informationen auf dem Bildschirm angezeigt werden und nur für Notfälle gibt es noch wenige "analoge" Instrumente für die wesentlichen Informationen Kurs, Geschwindigkeit, Höhe und Neigung. 

Ein Hauch aus vergangener Zeit: Das B 747 Cockpit Modern: Das A 340 Cockpit
Luxus pur: First Class ... Auch nicht schlecht: Business Class ...

Die ersten Klassen unterscheiden sich bei B 747 und A 340 nur minimal. Luxus pur: breite Sitze, Fußfreiheit selbst für Basketballspieler, Kissen, Fernseher, Umbaumöglichkeit zu einem Liegestuhl. Aber das ist wohl nichts gegen das, was den First-Class-Passagier im A 380 erwartet. Leider können wir uns das nicht anschauen.

Die Business Class erscheint gegenüber der Holzbankklasse immer noch wie bequemer Luxus, den man gerne auf Langstrecken genießen würde..

Auf dem Gelände führt uns der Weg vorbei am neuen Tower, der in wenigen Wochen seinen Betrieb aufnehmen soll, vorbei an den Neubauten der Abfertigungshallen für den A 380, die erforderlich sind, da dort in 3 Ebenen ein- und ausgestiegen wird.

Bei den Schallschutzmauern, vor denen die Triebwerke getestet werden, verlassen wir das Gelände. Wir hatten eine Führung von 2,5 Stunden, die wie im Flug vergingen und beim nächsten Flug wird man das eine oder andere mit etwas anderen Augen sehen ... 

Die neuen Abfertigungshallen für den A380 ... Schallschutz gegen die Triebwerke ...
Der neue Tower neben der Wartungshalle 


© März 2011 S. Zerlauth