Khinkali, Khachapuri und Wein

Endlich etwas zu essen! Sightseeing macht müde und hungrig. Viele haben vor unserer ersten Reise nach Georgien vom Essen geschwärmt: Das dortige Essen wäre sehr lecker und vor allem sättigend, wurde uns mitgeteilt. Schon beim ersten Restaurantbesuch musste ich der Aussage zustimmen. Die georgische Küche besteht vor allem aus viel Teig. So werden Khachapuri, Lobiani oder auch der Klassiker Khinkali täglich serviert. Dazu gibt es ganz viel Brot und weitere Kohlenhydrate, mit denen man sich "vollstopfen" kann ...

Warum Khachapuri so gut schmeckt

Khachapuri ist so etwas wie die Creme de la Creme für Georgien-Besucher: Ein aus Teig geformtes Schiffchen, gefüllt mit einer Käsemischung, Ei und ganz viel Butter oben drauf. Gefühlte 5.000 Kalorien, aber mit gesicherter Geschmacksexplosion.

Ganz stolz sind die Georgier auf diese Speise. Das Adscharien Khachapuri stammt aus der Region Adscharien, die an das Schwarze Meer rund um die Hafenstadt Batumi grenzt.

Adscharien Khachapuri Imeretian Khachapuri

Um Khachapuri zu essen, gibt es übrigens eine spezielle Technik: So nimmt man zwei Gabeln zur Hand und mischt zunächst das Ei mit dem Käse. Anschließend reißt man das Ende des "Bootes" ab und taucht damit in die Ei-Käsemischung ein. So geht man Stück für Stück vor. Der Rand wird also genutzt, um die Füllung zu verspeisen. Wer nach einem ganzen Adjarian Khachapuri immer noch nicht satt ist, dem ist nicht mehr zu helfen!

Khinkali: Der Klassiker Georgiens

Khinkali ist ebenfalls ein weiterer wichtiger Klassiker der georgischen Küche: Es handelt sich dabei um kleine Teigtaschen, die aussehen wie Heißluftballons im Mini-Format. Der äußere Teig schmeckt so ähnlich wie eine schwäbische Maultasche, aber die Füllung lässt sich auf keinen Fall vergleichen. Die Georgier wissen nämlich genau, wie man Kräuter einsetzt.

Khinkalis werden mit Hackfleisch, Käse, Kartoffel oder einer Pilzkäse-Mischung gefüllt. Mir persönlich schmeckt die Hackfleisch- oder auch die Käsevariante am besten ...

Khinkali Georgischer Salat und Khinkali

Übrigens gibt es auch beim Khinkali-Essen genaue Regeln: Die kleinen Teigballen dürfen auf keinen Fall mit Besteck gegessen werden. Nachdem sie etwas abgekühlt sind, hält man sie mit dem Strunk nach unten. Daraufhin beißt man oben in die breite Fläche und schlürft den Khinkali-Saft aus der Teigtasche heraus. Anschließend wird der restliche Ballen verspeist. Der Strunk bleibt auf dem Teller zurück und wird nicht gegessen. Sechs Khinkalis sollten mehr als füllend sein, ich habe aber auch schon zehn oder mehr geschafft ..!

Wein - der ganze Stolz der Georgier

Wenn mir jemand vor ein paar Jahren von georgischem Wein erzählt hätte, wäre meine Reaktion wahrscheinlich sehr abweisend gewesen. Im Westen, d.h. in Ländern wie Spanien, Portugal, Frankreich oder Deutschland, ist georgischer Wein eher unbekannt. Auch findet man ihn nicht in gewöhnlichen Supermärkten. Begibt man sich allerdings in östliche Länder wie Polen, Tschechien, Serbien, Rumänien oder Bulgarien, findet man georgischen Wein meist mit Leichtigkeit. Woran das wohl liegt ..?

WeingeschäftIst georgischer Wein im Westen nicht ausreichend konkurrenzfähig oder ist es vielleicht sogar die Tatsache, dass sich die zuvor genannten westlichen Länder vor Umsatzeinbußen fürchten müssten? Ich persönlich vertrete die Meinung, dass georgischer Wein zu den besten gehört, die ich je probiert habe. Selbst ein günstiger Wein von dort schmeckt gut und verursacht keine Kopfschmerzen, das soll etwas heißen!  

Saperavi: Beliebtester Wein Georgiens ...In Georgien sind es Saperavi, Kindzmarauli oder Tsinandali, die zu den Topweinen gehören. Man mag es nicht glauben, aber die georgische Tradition der Weinherstellung ist bereits über 8.000 Jahre alt. Georgien ist damit eines der Ursprungsländer des Weinbaus und darauf ist die Bevölkerung besonders stolz. In vielen Weingütern wird Wein immer noch auf die alte Art und Weise hergestellt.

Vor allem in Kleinbetrieben werden die Trauben noch manuell verarbeitet. Das Pressen und Stampfen erfolgt durch Manneskraft mit den Füßen. Nach einer kurzen Ruhephase, wenn die Gärung einsetzt, wird der Jungwein in kleine Tongefäße (Qvevri) gefüllt.

In den Kellereien sind diese Amphoren in der Erde eingelassen, lediglich die Öffnung schaut oben heraus. Während des Reifungsprozesses bleibt das Gefäß allerdings komplett versiegelt. Je nach Betriebsgröße stehen Qvevris in unterschiedlichen Größen zur Verfügung. In den meisten Weingütern lautet das Motto "Klasse statt Masse".

Weinregion Kakheti

In Georgien Osten befindet sich eines der wichtigsten Weinanbaugebiete: Die Region mit dem schwer auszusprechenden Namen Kakheti (Kachheti) bietet besonders fruchtbare Böden und damit ideale Bedingungen für den Anbau. Die Stadt Telawi stellt das Zentrum dar an der Kachetischen Weinstraße. Wer dort übernachtet, wird vermutlich mit Wein "beschenkt" - so zumindest ist es bei unserem Besuch passiert ...

Alter Minibus nach TelawiNachdem wir die zweistündige Ralleyfahrt mit dem Minibus überstanden hatten, sind wir in einem älteren georgischen Gästehaus gelandet. Der Begriff Gästehaus ist vielleicht etwas übertrieben, denn es war nicht mehr als ein zweistöckiges Haus. Unten wohnte die georgische Familie und der obere Bereich war für die Gäste vorgesehen. Insgesamt gab es drei Zimmer.

Für schlappe neun Euro die Nacht hatte ich über Booking.com ein Doppelzimmer angemietet. Besonders sauber und modern eingerichtet war es nicht, sondern eher etwas modrig. Dafür war der georgische ältere Herr herzallerliebst, auch wenn er überhaupt kein Englisch konnte. Und Russisch war auch nicht gerade unsere Stärke ...

Dafür brachte er uns gleich eine ganze Flasche hausgemachten Wein aus seinem Garten. Und die war natürlich im Übernachtungspreis enthalten. So haben wir dann auch die durchgelegene Matratze und den Rest in Kauf genommen. Am nächsten Tag waren wir trotzdem wieder raus aus der Bude!

Neues Zimmer, neues Glück in Telawi

Für den nächsten Tag buchten wir ein anderes Zimmer, nun etwas mehr im Zentrum. Das andere war mit 25 Minuten Fußmarsch doch etwas weit weg. Von Lilias Guesthouse aus waren es allerdings nur noch 10 Minuten. Bei all dem Regen, der im Mai 2021 vom Himmel fiel, waren schon fünf Minuten zu weit. Aber egal, es gehört zum Reisen dazu ...

Georgische Weinkaraffe ...Anstelle von 9 Euro musste ich nun plötzlich 13 Euro für die Übernachtung ausgeben: Dafür gab es aber ein ordentliches Bett mit sauberer Bettwäsche und sogar eine Klimaanlage, die man auch als Heizung nutzen konnte. Nicht dass es frostig kalt gewesen wäre, aber bei regnerischem Wetter konnte man sich so schneller aufwärmen. Insgesamt drei Nächte sind wir dort geblieben.

Die Gastgeberin Lilia war sehr lieb. Natürlich hatten auch sie und ihr Mann ein kleines Weingut im Garten. Sie brachte uns ebenfalls eine ganze Karaffe voll mit süffigem Hauswein: Was soll ich sagen - hausgemachter Wein schmeckte uns besonders gut! Wenig Säure, nicht zu süß, nicht zu trocken und wieder keine Kopfschmerzen am nächsten Tag.

Eigentlich war kein Frühstück im Übernachtungspreis inklusive. Unsere Gastgeberin Lilia war allerdings so nett, dass sie uns jeden Morgen ein Stück selbstgemachten Kuchen brachte. Dazu durften wir eine kleine Küchenecke im Obergeschoss nutzen, wo auch auch Tee und Kaffee bereit standen ...

Wein, Wein und noch mehr Wein

Alaverdi Kloster bei TelawiOh Georgien, was machst du nur mit uns? Überall gab es Wein! Lilia hatte uns einen Fahrer mit Englischkenntnissen organisiert. Zumindest behauptete sie, dass er Englisch sprach. Naja, belassen wir es einfach mal bei der Aussage. Leider kann ich mich nicht mehr an den Namen des Fahrers erinnern. Im Hinterkopf geblieben sind mir jedoch sein alter Opel Astra sowie die kirchliche Musik, die während unserer Tour laut durch das Fahrzeug schallte.

Er zeigte uns nicht nur mehrere alte Kirchen und Bauwerke, sondern führte uns auch zu zwei Weinfabriken. Während Ersteres eher langweilig war, hat uns das Wine-Tasting mit Tour deutlich besser gefallen.

Wie schon zuvor erwähnt: Hat man eine Kirche gesehen, hat man alle gesehen. Aber ich bin ehrlich: In der Nähe von Telawi waren auch einige besonders alte Kirchen aus dem 6. und 8. Jahrhundert dabei - sicherlich durchaus interessant für so manchen Reisenden?

Auf zum Wine-Tasting

Nachdem wir die teilweise öden Kirchen "abgeklappert" hatten, war endlich Zeit für ein bisschen Spaß: Mit Alkohol würde man sicher auch die kirchliche Musik des Fahrers besser aushalten, dachte ich. Auf unserem Plan standen zwei verschiedene Winerys: Bei der ersten handelte es sich um die Shumi Winery, die unweit von Telawi liegt. Das Gelände und das höfische Weingut sah man schon von Weitem.

Bei einer Führung lernten wir über die Techniken der Weinherstellung. Wir sahen mehrere Kellerräume, Fässer, Tonkrüge und Weinflaschen. Die Führung war sehr interessant, es war mein erster Rundgang durch ein Weingut. Beim anschließenden Wine-Tasting durften wir sechs verschiedene Weine probieren.

Mein Favorit war schon damals die Rebsorte Saperavi - Grundlage hervorragender Rotweine. Im Shop des Weingutes konnten wir uns noch umschauen und haben natürlich gleich drei Flaschen gekauft ...

Shumi Winery (1) Let´s taste! Shumi Winery (2)

Das zweite Weingut war eine deutlich ältere Kellerei: Im Gegensatz zur Shumi Winery, die eher für den "normalen" Touristen geeignet war, durften wir bei der Kindzmarauli Cooperation große Tanks und alte Anlagen bestaunen. Mir persönlich hat die zweite Führung viel besser gefallen, schon allein aufgrund der Tatsache, dass das junge Mädchen, unser Guide, beim Tasting mitgetrunken hat ...

Für umgerechnet drei Euro durften wir vier verschiedene Weinsorten probieren - alles in allem eine tolle Erfahrung, die ich jedem angehenden Weinfreund weiterempfehlen würde!  


© 2023 Tom Bischoff