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Nach Besichtigung des Kerlingarfjöll wollte ich keinesfalls wieder auf die fade F35 zurück, sondern auf die Piste, die parallel dazu nach Südwesten verläuft. Die Einfahrt dazu, die von der F347 beginnen sollte, fand ich schließlich mit Punkt "014" - somit lagen meine teuren Karten mit etwa 2,6 km daneben ...
Von hier gab es eine tolle Piste mit interessanter Landschaft, die ich wieder einmal für mich allein hatte. Für 4WD ideal, für Reiseenduros auch zu fahren - für den fitten Fahrer. Bei einer Furt "NEIN" stand ich erst einmal vor Respekt ganz still: Der Fluss hatte eine ziemliche Strömung, das Wasser war milchig und undurchsichtig. Weiter flussabwärts standen jedoch einige Markierungsstangen, die ich anfangs völlig übersehen hatte, weil man nur auf die Furt starrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Dort teilte sich der vorher einzige Hauptstrom in mehrere Flussarme auf, die einzeln gut zu fahren waren: "FURT".
Je weiter man südlich kam, desto besser wurde die Piste - sie verwandelte sich schließlich zum leicht zu bezwingenden "Fahrweg". Bei "KERL02" zweigt eine Piste nach Südosten ab, die auch in den Karten eingezeichnet ist. Bei "KERL01" mündet die Strecke, die inzwischen eine richtige Straße mit der Nr. 349 geworden ist, in die Straße 30.
Schließlich beim Geysir angekommen, stritten sich die Autofahrer um die letzten Parkplätze. Einige stellten sich dann mitten in die Einfahrt, so dass gar nichts mehr ging. Es ist schon etwas eigentümlich, wenn man aus der Einsamkeit heraus wieder mitten zwischen so vielen Autos und Menschen ist. An der Theke im Café bestellte ein deutsches Ehepaar Kuchen mit Schlagsahne. Der Mann konnte das Wort "Schlagsahne" noch so langsam und deutlich aussprechen mit den dazu passenden Handbewegungen - es half alles nichts. Das (ausgesprochen sehr hübsche) Mädchen verstand kein einziges Wort. In so einem Fall ist man dann besonders gern bereit, übersetzend zu helfen und ich bekam von allen Seiten dankende Worte zu hören. Nach diesem Augenschmaus und dem Besuch beim Strokkur war ich aber doch wieder froh, weiter fahren zu können ...
Später sah ich ein italienisches Pärchen auf einer neuen BMW 1150 GS entgegen kommen. Auf meine Frage, wie tief die noch kommenden Furten seien, wies er mit der flachen Hand auf eine Stelle so etwa 20 cm über dem Luftansaugschnorchel seiner BMW. Ich zeigte mich tief beeindruckt und nahm mir vor, nie mehr so schwierige Fragen zu stellen!
Die F208 ist wieder so eine Strecke, bei der man kein GPS braucht, weil zu gut ausgebaut und beschildert. Die Furten waren alle problemlos zu fahren, auch die Furt unmittelbar vor dem Parkplatz zur Eldgjá. Bis kurz vor diese Furt fuhren auch normale PKW. Unterwegs musste ich hinter so einem großen, zum Wohnmobil umgebauten Lastwagen herschleichen. Die Leute können einem direkt leid tun, so wie sie durchgeschüttelt werden - da ist man auf einem Fahrrad fast besser und auch schneller dran!
Später fuhr ich nochmals die F208 nach Landmannalaugar. Legte dort einen Ruhetag ein und wanderte, was einfach Pflicht ist in dieser tollen Gegend. Leider hatte ich aus Platzgründen keine Bergschuhe dabei, so dass ich keine Chance hatte, auf einen Berg zu kommen und immer im Tal bleiben musste. Mit Turnschuhen war das viel zu rutschig. Der Campingplatz von Landmannalaugar ist ein steiniger, matschiger und nasser Platz. Es waren bis zu 8 Reisebusse mit Reisegruppen gleichzeitig da - war das ein Gehämmer und Geklopfe, als alle gleichzeitig ihre Zelte aufbauten ...
© 2001 Hans-Jürgen Weise