Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Nach dem Quest ...

Nochmals im Allgäu - 
zum Geburtstag bei Silvia Furtwängler   

 

   

Wir waren selbstverständlich in Kontakt geblieben, und so freuten wir uns besonders, als uns Silvia nochmals einlud - ein runder Geburtstag und ein beschauliches Wochenende auf ihrem wunderschönen Hof sollten es werden. Leider konnten wir erst einen Tag später kommen, allerdings hätten wir auch am Vortag kein besseres Wetter gehabt: Es schüttete zwei Tage wie aus Kannen, als wir den Explorer Anfang Juni 2001 auf dem Hof hinter dem Haus geparkt hatten - die gemütliche Atmosphäre auch mit nassen Hunden vor der Kabine sollte nichtsdestotrotz für eine angenehme Nacht dort sorgen ...

   

Eigentlich hätte man schon vorbereitend auf den Besuch den ZDF-Film über Silvia Furtwängler "Die Herrin der Hunde" aus der Serie 37° sehen sollen - der aber wurde erst in der Nacht vom 17.07.01 ausgestrahlt und lieferte zwar ein paar komische Szenen, blieb jedoch in etlichen Punkten in allzu vagen Bemerkungen stecken - aber immer der Reihe nach!

Sehenswert war der Film dennoch: Lustig die dort zu sehende Begegnung von Silvia und Dieter Zirngibl unterwegs auf nächtlicher Strecke beim Yukon Quest 2001: Auf die Frage von Silvia, ob er ebenfalls rasten wolle, kam die entwaffnende Antwort von Dieter Zirngibl, dass sich sein Hundeteam gerade erst zu einer manierlichen Mannschaft entwickelt hätte - und wenn er jetzt eine Viertelstunde anhielte, müsse er die wieder neu anlernen ... Ein wahrhaftig beeindruckendes Statement eines berühmten Mushers, das uns an unsere eigenen Sprüche nach der ersten Pause mit einem Hundeschlitten überhaupt erinnerte - sollten wir etwa doch das Quest demnächst mal mitfahren ...?

Dann der Kommentar im Fernsehbeitrag, dass Silvia Furtwängler beim Quest mit Hunden startet, die gewöhnt sind, jeden Abend mit Touristen nach Hause zu kommen ... Oder Tausende von Dollars zahlen muss, aber mit der Gegenleistung unzufrieden ist ...

An all diese Bemerkungen aus der Fernsehsendung müsste man mit Sicherheit denken, wenn man heute wieder auf Silvias Huskyfarm ist. Viele Monate sind seit unserem letzten Aufenthalt hier vergangen und die Geschehnisse haben ihre Spuren hinterlassen. Da sind zum einen körperliche: Ein ärgerlicher Bandscheibenvorfall, hervor gerufen durch einen Unfall mit dem Schlitten beim Training vor dem Quest - mit lädierter Bandscheibe kehrt Silvia nach Hause zurück und muss sich dort viele Wochen mit Reha-Maßnahmen herum schlagen. Ihren eisernen Willen hat sie nicht verloren: Auch wenn es an diesem Wochenende mit dem Gehen, Stehen und Sitzen noch nicht so hundertprozentig klappt, lässt sich sich nicht in ihrem weiteren Trainingsprogramm und ihrem Optimismus beirren ... 

Und dann die Fingerspitzen: Es war ganz schnell gegangen, als sie während des Trainings in Alaska ein paar Leinen ohne Handschuhe entwirrt hatte - Erfrierungen kommen dort vor Ort manchmal schneller, als man hin gucken kann. Warnungen so genannter "erfahrener Outdoorspezialisten" dazu gab es natürlich nicht, nur gut, dass sie die späteren Ratschläge dazu aus dieser Ecke ignorierte: Hätte sie tatsächlich wie empfohlen ihre Finger ans Feuer gehalten oder die Blasen wie vorgeschlagen aufgestochen, wer weiß, wie ihre Finger heute aussähen ...

Überhaupt: Die Episoden, die wir hören und ebenso die Dias, die wir uns anschauen, erzählen ihre eigene Geschichte vom Geschehen in jenen Februartagen des Yukon Quests 2001. Die Hunde ihres Teams, die auf den Bildern zu sehen sind, erwecken - ganz im Gegensatz zu ihrem von zu Hause mitgenommenen "Caruso" - wirklich einen Mitleid erregenden Eindruck. Dass sie ihretwegen das Rennen abgebrochen hat, erscheint uns mehr als plausibel. Hätte Silvia irgend etwas anderes machen können nach all den vielen Monaten teurer Vorbereitung, als mit diesen ihr zur Verfügung stehenden Hunden dann auch zu starten? Oder hätte sie etwa auf den Start verzichten sollen? Wer so was nach ihrem Abbruch in Dawson City seinerzeit behauptete, hat wirklich nicht die geringste Ahnung ...

   

Und dann die teure Unterkunft, da braucht man keine Geschichten - die Bilder einer Bruchbude mit Frosteinbruch sprechen eine deutliche Sprache. Oder die Geschichten über die Fotos, auf denen Silvia von "Geschäftsfreunden" abgelichtet wurde und die ihr gleich mehrfach verkauft werden sollten - halt für jeden künftigen Zweck separat ...

Wir gehen das Risiko ein, einige an Silvia verkaufte Fotos ohne ein weiteres Honorar hier zu veröffentlichen - wir haben die Dias abfotografiert mit Silvias Einverständnis. Unsere Erkenntnis, was sie wohl in Zukunft beherzigen wird: Das nächste Abenteuer "Yukon Quest" angehen mit eigenen Hunden (der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern!) und mit den richtigen Partnern ...

Trotz der Geschichten und manchmal traurigen Bilder wurde es noch richtig lustig: Die Episoden, die Silvia zu einzelnen teilnehmenden Mushern zu berichten wusste (wir nennen hier natürlich keine Namen!), konnten einem schon das eine oder andere Mal Tränen vor Lachen in die Augen treiben - wenn man bloß da mal Bücher drüber schreiben würde ..!

Es wurde ein netter Abend mit der ganzen Familie: Ehemann Jürgen und Sohn Steven trugen das ihrige bei zu bester Laune, selbst dann noch, als beide schließlich eine vortreffliche Schlafgruppe abgaben - während wir gemeinsam mit Silvia ihren anstehenden Diavortrag für das kommende Globetrottertreffen in Saarbrücken vorbereiteten. Wie wir später erfuhren, ein voller Erfolg!

Als wir nach einem reichhaltigen Frühstück gegen Mittag am nächsten Sonntag wieder zurück nach München steuern, sind wir uns bezüglich zweier Punkte ganz sicher. Erstens: Es war ein gelungenes Wochenende. Zweitens: Das nächste Yukon Quest wird Silvia ganz anders angehen - genug Lehrgeld hat sie dafür im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt ... 

   

1. Nachtrag, November ´01: Inzwischen hat auch Silvia ihre eigene Webseite, auf der in Zukunft aktuell (auch über ihre Teilnahme am Yukon Quest 2002) berichtet werden soll!

   

2. Nachtrag, Januar ´02: Wie man mittlerweile weiß, wird aus einer Teilnahme am Yukon Quest 2002 nichts mehr: Aus privaten Gründen musste Silvia ihr Training in Alaska abbrechen und nach Deutschland zurückkehren. Tut uns leid, Silvia! Aber vielleicht klappt es ja noch ein anderes Mal - Alaska wird dir nicht weglaufen ...

  

3. Nachtrag, 10. Februar ´03: Und wieder startet Silvia Furtwängler in diesem Jahr zum Yukon Quest - mit der Startnummer 17 ist es ihr dritter Anlauf und es geht in die selbe Richtung wie 2001 - vielleicht ein gutes Omen?

Leider hat sie uns vorher wenig über ihre Vorbereitungen berichtet, auch auf ihrer Webseite findet man immer noch die Sommerpause von 2002. 

Wünschen wir ihr also in diesem Jahr mehr Glück bei einem Rennen, das um fast 80 Meilen im Vergleich zu sonst verkürzt wird nach einem trailbedingten Restart in Carmacks. Und immerhin konnte sie erstmals mit 14 Hunden ins Rennen starten. Mehr zu ihrer Positionierung auf der offiziellen Webseite des Yukon Quests!

   

4. Nachtrag, 23. Februar ´03: Und es ist wieder entschieden, das diesjährige Yukon Quest! Wir gratulieren erneut Hans Gatt, der am 20.02.03 als erster Musher das Rennen zweimal hintereinander gewinnen konnte. 

Und dann gratulieren wir natürlich noch Silvia Furtwängler, die sich in diesem Jahr endlich ihren Traum erfüllen konnte, als erste europäische Frau das Rennen erfolgreich zu absolvieren. Sie erreichte Fairbanks als Sechzehnte, gut zwei Tage nach Hans Gatt. Mit ihr noch 9 Hunde ihres ursprünglich vierzehnköpfigen Teams, das wohl das erste europäische Hundeteam ist, das im Ziel ankommt. Glückwunsch!


© 2001-2003 Text / Bilder J. de Haas, Fotos Yukon Quest 2001: Silvia Furtwängler / Bill Flirris, Tozi River
© 2003 Startfoto Yukon Quest 2003: Carsten Thies/Yukon Quest