Offroad-Fortsetzung (1): Entlang der Nordwestküste & Richtung Osten

Von El Cotillo nach Tindaya

Wieder Windstärke 6 oder mehr heute! Also rein ins Auto und los. Aber wir machen es uns einfach oder auch nicht. Schließlich wollen wir laut Karte zwei "archäologisch" interessante Punkte in der Nähe des "heiligen" Berges Tindaya finden, und die erreichen wir vielleicht nicht am einfachsten, aber doch auf dem interessantesten Weg, wenn wir einem Teil unserer Vorjahresstrecke entlang der Westküste nach Süden folgen und dann abbiegen - mal sehen, was wir finden! Unser diesjähriger Nissan Patrol ist ein solides Arbeitspferd und so können wir ihm und uns einiges zumuten ...

Fortsetzung Tour Nordwestküste ...

Wieder starten wir am "Castillo de Rio Roque" und fahren von da aus wie im Jahr zuvor bis zur Esquinzo-Schlucht (N28°38,23´ W014°01,54´). An dieser beeindruckenden Steilküste treffen wir diesmal auf eine größere Gruppe von Surfern, die sich bei dem starken herrschenden Wind dort unten gesammelt haben und Erinnerungen an den beeindruckenden Film "Gefährliche Brandung" wach werden lassen ...

Wieder am Esquinzo - diesmal mit Surfern ...

Auch dieses Jahr biegen wir hier nach Osten ab und fahren kurz darauf wieder hinunter bis ins ausgetrocknete Flussbett. Doch anstatt dann wieder zurück an die Westküste zu gelangen wie im Vorjahr, wollen wir diesmal versuchen, uns im Flussbett des Esquinzo oder parallel dazu Richtung Osten durchzuschlagen. Schon bald hinter der viel versprechenden Kurve unten sind wir aber am Ende: Hier geht auch für unseren 4Wheeler nichts mehr!
 

Was so anfängt ... ... kann so bald wieder aufhören

Also zurück auf die Piste, die nördlich zunächst ziemlich parallel zum Esquinzo verläuft und der man so leicht folgen kann. Schon bald merkt man aber, dass es nicht erforderlich war, ins Flussbett abzutauchen, da man auch auf der nördlichen Piste recht komfortabel voran kommt. Für diese Piste gibt es allerdings keinerlei Beschreibung in irgendeinem Reiseführer, aber sie lohnt sich auf alle Fälle!

Während wir uns mit Hilfe des GPS orientieren und unsere angepeilten Zielkoordinaten mit Handarbeits-Dreisatz aus der Karte ausmessen (muss man auch im Zeitalter von Fugawi und QuoVadis manchmal noch können!), merken wir bald, dass irgend etwas nicht stimmt. Und tatsächlich: Unsere gerade verwendete Fuerte-Karte 1:100.000 aus dem Verlag Guías y Mapas RAI MUNDO hat tatsächlich einen Breitengrad-Fehler von sage und schreibe 5 Minuten - eine erhebliche Verschiebung zu unserem tatsächlichen Standort! (Aber: Wir haben zwei unterschiedliche Karten dieses Verlages mit gleichem Maßstab dabei, die andere hat ein korrektes Grid - also Vorsicht beim Kauf auf der Insel!)

Kurz vor einem markanten Punkt in Form einer Windmühlen-Ruine (N28°37,25´ W013°59,58´) passieren wir auf der rechten Seite erneut einen alten Brennofen, den wir ausgiebig erkunden ...

Ein Brennofen am Pistenrand ...

An der hinter der Windmühle folgenden T-Kreuzung biegen wir nach rechts ab in Richtung Südosten - schließlich wollen wir zum Tindaya! Und in der Tat: Bereits nach kurzer Zeit taucht der heilige Berg vor uns auf - wir sind fast am Ziel bezüglich unserer "archäologischen" Punkte.

Wir erreichen eine weitere T-Kreuzung (N28°35,99´ W013°59,13´) auf dem Weg zu unserem gesuchten Punkt am 401 m hohen Tindaya. Schon bald nähern wir uns auf einer nach oben führenden Piste dem Marmor-Steinbruch (N28°35,83´ W013°58,81´) am Fuße des Berges. Hier geschieht allerdings merkwürdiges: Wir müssen in dieser menschenleeren Einsamkeit drei (!) Touristinnen, die uns offensichtlich den Weg nicht freigeben wollen, mit unserem Patrol durch langsames, aber stetiges Vorwärtsfahren vom Wege verscheuchen ...

Die hier ohne erkennbaren Grund in der Nähe ihres leeren Fahrzeuges herumstehenden Frauen erscheinen  als merkwürdige Begebenheit am Wegesrand inmitten dieser einsamen Steinwüste. Unwillkürlich kommen einem dabei die seit unserer letztjährigen, nicht allzu weit von hier erfolgten Vorbeifahrt am Horrorhaus in Erfahrung gebrachten Geschichten zu geheimnisvollen Priesterinnen dieser Gegend in Erinnerung. So wird u.a. in Vicente Sánchez Arana´s Buch Fuerteventura hierzu ausgeführt: "Nach der Legende, war der Einfluss der Geister der beiden Guanchenpriesterinnen ... noch bis vor kurzer Zeit hier zu verspüren. Diese Geister des geheimnisvollen Berges wurden angerufen und bei Mondschein das Tal hinunter gebeten."

Wir rollen schließlich doch die Bergpiste hinauf, die drei Frauen werden wir allerdings auch später wieder mit ihrem Fahrzeug antreffen. Der Steinbruch ist tatsächlich bemerkenswert - sind doch Ansichten der Marmorkunstwerke dieser Stelle selbst in der deutschen Bäckerei in El Cotillo als Postkarte auf dem Tresen erhältlich ...
 

Nach unheimlicher Begegnung am Steinbruch angekommen ... ... stehen wir recht einsam zwischen Marmorblöcken ...

Zurück vom Steinbruch biegen wir an der Abzweigung der Piste nach rechts ab und fahren in östlicher Richtung am Fuße des Tindaya entlang. Schon nach ein paar hundert Metern passiert man eine (Stand Febr. 05: inzwischen nicht mehr) mit Kette abgesperrte Abzweigung nach rechts, die man allerdings nicht befahren darf, da sich dahinter angeblich Privatgrund befindet ...

Doch wenig später sind wir am Ziel: Wir haben unseren "archäologischen" Fundort erreicht (N28°35,96´ W013°58,19)! Die Reste eines alten Gehöftes liegen vor uns, malerisch am Fuß des Tindaya terrassenförmig angelegt, auch ein sehr tiefer Brunnen gehört dazu, der wohl noch vor einigen Jahrzehnten mit einer Pumpe betrieben wurde. Die Reste der Pumpenkonstruktion sind umgeknickt und ragen bis in eine angrenzende Piste hinein ...
 

Reste eines alten Gehöftes am Fuße des Tindaya ... ... mit eigenem Tiefbrunnen ...

Lange erkunden wir das weiträumige Gelände, in dem sich sogar noch Reste einer Getreidebepflanzung befinden sowie kunstvoll angelegte Bewässerung erkennbar ist. Wer mag hier wohl wann noch gelebt und gearbeitet haben?

Mit dem sicheren Gefühl, dass sich unsere Tour hierhin gelohnt hat, fahren wir weiter bis zur nahen Hauptstraße, die von Tindaya nach La Oliva führt. An der Einmündung unserer Piste auf diese Straße (N28°35,89´ W013°57,28´) bleiben wir noch eine Weile stehen und genießen den Anblick des geheimnisvollsten Berges Fuerteventuras hinter uns, bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Norden machen ...


Nachtrag, März ´05: Wiederholung ...

Den letzten Teil dieser Strecke haben wir Jahre später wieder befahren. Mehr dazu unter


© Text/Bilder 2000-2005 J. de Haas