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Oktober 2011 -- "In Großbritannien haben wir inzwischen eine offizielle Inflationsrate von beinahe 5%, der Leitzins steht seit Jahren bei 0,5% und bei der Bank of England denkt man derzeit über eine weitere Runde "Quantitative Easing" nach, um der schwächelnden britischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Ich denke, es wird sich wohl noch eine Weile lohnen, in Euro zu verdienen und in Pfund auszugeben, aber natürlich wird damit spätestens in ein paar Jahren Schluss sein. Mittel- und langfristig bin ich ziemlich zuversichtlich für Großbritannien und gerade für den Fall, dass uns die EU mitsamt Euro um die Ohren fliegt, ist ein Wohnsitz in Großbritannien sicherlich nicht die schlechteste Option. ... Die typisch britische Idee, dass die EU nicht mehr als eine große Freihandelszone zwischen ansonsten unabhängigen Staaten sein sollte, gefällt mir außerordentlich gut und scheint mir wesentlich realistischer zu sein als die "United States of Europe"-Schnapsidee. Mit dieser Meinung bin ich in England Mainstream und in Deutschland ein Außenseiter. Wie unterschiedlich die Völker Europas doch sind ..." Solche Gedanken finden sich in einer Mail, die unser Autor Karsten Franke anlässlich des aktuellen Beitrags zu seinen England/Schottland-Impressionen verfasste - irgendwie bezeichnend für den derzeitigen Stand der Dinge ..?
Auch wenn es vielleicht nicht so zugehen wird wie in unserer Satire
"Die letzten Tage des Euro", so sieht der
Autor doch auf den Euro ein böses Ende zukommen und vertritt die Auffassung, dass ein Kollaps
der Weltwirtschaft kaum noch abwendbar ist. Dass die Regierung und allen
voran unsere Sprechblasen-Kanzlerin täglich Illusionen in dieser Angelegenheit
schürt, nun, das ist kein Geheimnis und ist bisher sicher nicht nur Stefan Homburg aufgefallen. Aber so deutlich wie er hat sich bislang offenbar
kaum jemand getraut, unbequeme Erkenntnisse zu verbreiten: Dass die
Regierungschefs und die Europäische Zentralbank (EZB) das Ende des Euro
lediglich so lange wie möglich herauszögern und nichts dafür spricht, dass
in Zukunft Stabilitätsregeln besser eingehalten werden als in den
vergangenen Jahren ...
Ebenso klar ist, dass mittlerweile mehr als die Hälfte griechischer Staatsanleihen, die bisher in privater Hand lagen, beim Steuerzahler angekommen sind. Homburg bringt in seinem Beitrag das Bild von der bevorstehenden "Ketchup-Inflation": Wenn man eine solche Flasche schüttelt, kommt zuerst nichts oder sehr wenig heraus, dann schließlich jedoch ein ganzer Schwall. Ähnliches steht uns nach seiner Meinung ebenfalls bevor: Insbesondere Vermögensbesitzer werden hart getroffen, und bei den kleineren sind vor allem viele Normalbürger, die seiner Meinung nach wenig machen können.
Diesmal wird es auch normale Eigenheimbesitzer, Riester-Rentner und Lebensversicherte treffen. Ein Staatsnotstand führt seiner Meinung nach direkt auch zur Außerkraftsetzung der Grundrechte. Sein finsteres Fazit lautet schließlich: "Hoffnung haben diejenigen, die nichts besitzen, denn ihnen kann auch nichts genommen werden. Hoffnung haben auch jene ehrenwerte Mitglieder der Finanzindustrie, die jetzt noch ein oder zwei Jahre mit Steuerzahlers Hilfe Kasse machen, um sich dann mit dem eigenen Flugzeug auf die eigene Insel zu verabschieden und aus der Ferne zuzusehen, wie die übrigen hier klarkommen. Hoffnung hat schließlich, wer zu einer buddhistischen Lebensweise findet und materiellen Werten ganz entsagt. Für die anderen sehe ich schwarz." Nur wenig hoffnungsvoller ist da der Beitrag "Der Euro hat noch zehn Jahre" vom Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf in der SZ v. 05.10.2011: Er weist darauf hin, dass die Europäer praktisch alle Griechen seien, die ihren Lebensstandard in der letzten Dekade mehr oder weniger über Kredit finanziert hätten und ohne diesen Wohlstand auf Pump schon längst hätten Verluste in Kauf nehmen müssen. Er sieht weiterhin ein schmerzhaftes Durchwursteln auf uns zukommen mit einem nachfolgenden Schuldenschnitt oder wieder einer erneuten Währungsreform. Eine solche hält er zuletzt für wahrscheinlich, wenn am Ende des Wegs in 5 bis 10 Jahren die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu halten sein wird. Ein vereintes Europa mit Druck und Zwang zu schaffen, hält er ebenso für falsch wie Karsten es oben in seiner Mail für unwahrscheinlich hält. Genau so falsch, wie einst der Versuch, die Sowjetunion mit militärischen Mitteln zu erhalten - auch das ist letztlich gescheitert. Und nicht zuletzt weist Felix Zulauf darauf hin, dass für Deutschland die Währungsunion mittlerweile die Sprengkraft der Reparationszahlungen aus den Versailler Verträgen nach dem Ersten Weltkrieg erreicht hätte - und wie das letztlich ausgegangen ist, muss man nicht mehr besonders an die Wand malen. Alles in allem sind das oben nur zwei Beiträge aus einer Vielzahl von Meinungen, wie sich die Situation in Euroland weiterentwickeln wird, wenn auch besonders drastische, aber keineswegs unwahrscheinliche - ganz im Gegenteil! So wurde es höchste Zeit, eine der wenigen Euro-Touren, die bisher
noch in unserer Sammlung fehlten, nämlich die von Griechenland,
schleunigst nachzuholen - wir
glauben, dass wir uns mit dem Rest sehr beeilen müssen, bevor es zu spät ist für weitere Euro-Touren ...
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1. Nachtrag, Juni ´12: Wie lange noch ..?
Nur ein gutes halbes Jahr ist vergangen seit unserem obigen Beitrag, und immer schneller dreht sich das Krisenrad rund um Europa und den Euro: Nach schlechtem Start einer neuen Regierung in Griechenland, dem Regierungswechsel in Frankreich, der Bankenstützung durch Rettungsschirme in Spanien, der Flucht Zyperns unter den Rettungsschirm und erneut wachsenden Problemen auch in Italien scheint es von Tag zu Tag düsterer zu werden rund um die europäischen Zukunftsaussichten. Horror-Szenarien rund um einen möglichen Euro-Crash wie im Spiegel 26/25.06.12 oder etwa auch Beiträge der SZ zu einer politischen Union, die nicht kommen wird, machen derzeit nur wenig Mut.
Unstrittig ist derzeit wohl die Erkenntnis, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung ohne politische Union in Anbetracht der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der EU nicht funktionieren kann. Eine politische Union allerdings, die nach Lage der Dinge derzeit nur Illusion sein kann - ein europäischer Bundesstaat ist eben kaum möglich, da "Vereinigte Staaten von Europa" z.B. mit den "Vereinigten Staaten von Amerika" in keiner Weise vergleichbar wären - die EU ist eben keine Nation.
Doch sind diese "neuen" Erkenntnisse nicht in Wirklichkeit ganz alte Hüte? Nehmen wir z.B. die "Initiative Pro D-Mark", in den Jahren 1997/98 aktiv mit ihrem Initiator Bolko Hoffmann, der mit dieser Partei bei den Wahlen 1998 in den Bundestag einziehen wollte. Bei der Wahl wurde zwar die gesamte amtierende Bundesregierung abgewählt, doch die Warnungen dieser Initiative und anderer verhallten mit der Zeit ...
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Dabei hätte man bereits damals alles voraussehen können, wie Auszüge aus dem
damaligen Parteiprogramm der "Initiative Pro D-Mark" zeigen: Alle Fakten waren
bekannt. Ein Blick in die Forderungen der Initiative zum Thema "Euro", Anfang
1998:
Die "Initiative Pro D-Mark - neue liberale Partei -" fordert die politische
Union in Europa vor der Einführung einer einheitlichen Währung. Der Euro steht
nicht am Anfang, sondern ist der krönende Abschluß der Einigung Europas. Eine zu
frühe Festlegung auf den Euro wird Europa nicht zusammenführen, sondern
zerstören, weil die währungsschwachen Länder in ihren Exportchancen
benachteiligt werden. Bevor keine deutliche Wirtschaftsangleichung erfolgt ist,
brauchen diese Länder ihre Abwertungen, um international wettbewerbsfähig zu
sein.
Eine Einführung des Euros sollte auch zunächst erst in den währungsschwachen
Ländern Europas eingeführt werden, bevor die währungsstarken Länder hinzukommen.
Deutschland könnte frühestens ab dem Jahr 2020 dem "Euro-Club" beitreten, wenn
zuvor sichergestellt wird, daß die währungsschwachen Länder die
Inflationstendenzen anhaltend unter Kontrolle gebracht haben.
Daraus folgt: Eine zu frühe Einführung des Euros führt entweder zu einer enorm
hohen Staatsverschuldung, die einen weichen Euro bedingt, oder durch strikte
Sparmaßnahmen zu einer Destabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen
Verhältnisse in fast allen Mitgliedsländern.
Wie es weiter ging mit Europa, wissen wir - und im Dezember 2001 schließlich unternahmen wir unsere erste Euro-Tour in Deutschland ...
Dass sich vieles wiederholt in der Geschichte, aus der allerdings nur wenig gelernt zu werden scheint, zeigt derzeit die "Bürgerbewegung PRO NRW": Deren Hauptforderung ist gegenwärtig eine Volksabstimmung zur Wiedereinführung der D-Mark, während andere einen baldigen Volksentscheid für eine europäische Verfassung und damit auch eine neue Basis für den Euro fordern ...
2. Nachtrag, April ´13: Weiter zum Abgrund
Wieder ist fast ein Jahr vergangen und wieder hat sich nichts wirklich verändert, was auf einen anderen Verlauf als den in den obigen Prognosen hoffen lässt. Während die Schuldenberge weiterhin unverändert wachsen, ließ eine vorübergehende Scheinstabilität manche aufatmen und auch von der Politik kam natürlich nichts, was auf ein anderes, ehrlicheres Bild der Lage in Europa hin deutete.
Nun aber ist es wohl doch unübersehbar: Die Lage in Europa verschärft sich
weiter und auch der Widerstand gegen die von Deutschland "verordnete"
Sparpolitik wächst. Und nun scheint es auch Hinweise auf ein mögliches
Euro-Ende von anderer Seite zu geben: In einem Interview in DIE WELT im April
2013 gibt der Vorsitzende des Wissenschaftsbeirats beim Bundesfinanzministerium,
Kai Konrad, dem Euro "mittelfristig nur eine begrenzte Überlebenschance"
und hält einen Zeitraum von etwa 5 Jahren für realistisch. Schuldengrenzen in
Europa will er abschaffen und auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso
hält weitere Sparmaßnahmen für nicht mehr durchsetzbar.
In diese Entwicklung passt die Gründung einer neuen Partei in diesem Lande, die sich Alternative für Deutschland (AfD) nennt und ein klares Ziel für die kommende Bundestagswahl im Herbst 2013 vertritt: Eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes mit der Einführung nationaler Währungen oder der Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Damit vollzieht sich auch hierzulande eine Entwicklung, die in anderen europäischen Ländern schon länger begonnen hat: Die reicht von der neuen "Plan B" Partei in Griechenland, die wieder zurück zur Drachme will, über die "Wahren Finnen" im hohen Norden bis hin zur italienischen "Bewegung 5 Sterne", um nur einige eurokritische Parteien zu nennen. Nimmt man dazu noch EU-kritische Strömungen, kommt man auf noch viel mehr Länder, in denen auf Abspaltungen hinarbeitet wird.
Sollte unter dem letzten Punkt der AfD, den kleineren und stabileren Währungsverbünden, z.B. der so genannte "Nordeuro" verstanden werden, so kann man sich allerdings wohl heute bereits ausmalen, mit welchen neuen Problemen dies verbunden wäre: Welcher deutsche Politiker würde es wohl wagen, z.B. Frankreich den Beitritt zu diesem Verbund zu verweigern?
Da würde man wohl eher den
"einfacheren" Weg der Rückkehr zur guten alten D-Mark wählen: Eine schöne neue
Deutsche Mark für sagen wir - 5 oder 10 alte Euro - das wäre doch ein tolles
Geschäft und eine geradezu brilliante Fortsetzung aller ungestraft gebliebenen Aktionen
der Finanz-Terroristen des letzten Jahrzehnts und ihrer hervorragend
gelungenen Umverteilung von unten nach oben, oder ..?
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