(Bericht
von S. Zerlauth)
04.09.2009 -- Eine Euro-Tour bei
Nordost09: Endlich wieder
einmal hat man die Gelegenheit, sich über den Euro und damit die
gemeinsame Währung zu freuen. Nach Russland,
Litauen und Polen ausnahmsweise mal kein
Währungswechselstress mehr an der Grenze und Rückkehr eines
Zustandes, an den man sich in den letzten Jahren bei seinen Reisen
sehr gut gewöhnen konnte: Die "eigenen" Scheine und Münzen gelten
wie zu Hause!
In einem Ort 50 km von der polnisch-slowakischen Grenze entfernt wollen
wir einkaufen. Sofort entdeckt ein Roma-Junge das Auto und will
natürlich alles sehen und erklärt bekommen. Im Laden gibt es endlich
mal wieder eine Hartwurst / Salami.
Ich bitte die Verkäuferin, mir 200g in Scheiben zu schneiden: Sie
nimmt die Wurst und hält mir einen Vortrag, von dem ich nichts
verstehe. Ich zeige noch einmal mit den Händen, dass ich
Wurstscheiben möchte. Wieder ein Vortrag. Ok, ich zeige auf eine
andere Wurst. Doch das scheint nicht die Lösung zu sein, die Verkäuferin
schüttelt erneut den Kopf. Dann macht sie mit Daumen und
Zeigefinger die international übliche Geste für Geld und sagt "Money".
Oh, Gott, sehe ich so aus, als könne ich nicht zahlen? Da, Da, Money
sage ich in russisch-englischem Kauderwelsch. Sie schüttelt wieder
den Kopf und sagt etwas wie "Nascha Money". Da hilft Russisch:
nascha = unser. Unser Geld ..??
Doch dann kommt die Erläuterung: Sie sagt "Zloty" und schüttelt
den Kopf, dann sagt sie "Euro" und nickt. Nun habe ich kapiert, die
Wurst wird nur gegen Euro aufgeschnitten! Ich zeige ich ihr meine
Euros, sage dazu, ich wäre Deutsche. Daraufhin beginnt sie die Wurst
aufzuschneiden, wir lachen und sie erzählt mir ausführlich irgend
etwas von Euro, und Europa und Polski und ständig braucht sie das
Wort "nascha". Eine stolze Europäerin und Eurobesitzerin, die mit
polnischen Zlotys nichts, aber auch gar nichts zu tun haben will -
sehe ich tatsächlich aus wie eine Polin ..??
 
Zum wie üblich äußerst kargen Gemüseangebot macht sie mich noch
darauf aufmerksam, dass die Tomaten schlecht wären. Das ist auch
nicht zu übersehen, denn matschig schimmeln sie in der Kiste vor
sich hin. Schmerzlich wird mir bewusst, dass ich den letzten grünen
Salat auf der Kurischen Nehrung in Nida gesehen habe. Wie
lange mag es noch dauern, bis ich mal wieder grüne Blätter in einem
Laden sehe ..?
Tage später an der Hohen Tatra: Auf dem
Campingplatz
von Stara Lesnoy wollen wir die Eurotour dokumentieren
und auch den nahen 2.655 m hohen
Gipfel der
Hohen Tatra besuchen. Ein Bus bringt uns für 50 Cent nach Lomnica. Die Preise für die Tickets bis zum Gipfel
sind stattlich: 33,- EUR pro Person sind fällig.
Für die Bahn auf den Gipfel
erhält man eine Zeitvorgabe: Damit wird die Auslastung der Bahn
gesteuert. Wir dürfen erst um 15:20 Uhr auf den Gipfel. Derweil kann man
mit kleinen Sesselliftgondeln zur Zwischenstation auf 1.700 m
fahren. Dort befindet sich eine astronomische Station und eine
Wirtschaft mit Preisen, die sehr unslowakisch sind: Kostet unten im
Tal ein Bier ca. 1,- EUR, so muss man hier 2,20 EUR bezahlen. Zurück
in Lomnica findet man zahlreiche Lokale und wir probieren "Mamas Küche"
aus, wo das Essen gut und wie üblich deftig ist. Von Lomnica aus
fahren wir mit dem Zug die eine Station nach Stara Lesnoy zurück, was pro
Person ganze 32 Cents kostet ...
Während der nächsten Tage ist es wieder an der Zeit, einkaufen zu gehen und diesmal hat man mir
wohl den Besitz von EUR zugetraut. Dafür werde ich heute im Laden
einer Taschenkontrolle unterzogen - muss ich doch an meinem Auftritt
arbeiten ..?

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