(Bericht
von S. Zerlauth)
28.08.2009 -- Wieder mal eine Euro-"Extratour" - und dann
noch im gemäß Einwohnerzahl wohl zweitgrößten EU-Land OHNE Euro
- zum ersten Mal sind wir in Polen und durchqueren das Land auch
recht umfassend bei unserer
Tour Nordost09.
Polnische Zloty hatten wir diesmal direkt an einer Wechselstube
hinter der Grenze bekommen, nach Rubeln und litauischen Litas nun
also schon die dritte "Fremdwährung" in Folge - keine leichte Tour
für den Euro-"Extratourer"!
Wenn schon keine Euros, so könnte die hiesige Polizei aber doch
wenigstens Unmengen an Zloty einsammeln, so jedenfalls ist das
Gefühl, wenn man nur kurze Zeit über Polens Straßen fährt. Denn
Verkehrsregeln scheinen hier eher nur wenig beachtet zu werden und
wenn, dann schon ganz bestimmt keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Aber wir sehen nur wenige Polizeikontrollen unterwegs während
unserer Durchfahrt und vermutlich nehmen die auch nicht allzu viel
ein, was wohl mit der Unmenge polnischer Autofahrer mit
CB-Funkantenne an ihrem Fahrzeug zusammenhängen könnte ...
Polen muss sich mächtig anstrengen bis zur Aufnahme in den
Euro-Club: In 2005 war der 01.01.2010 geplant, nun sind wechselnde
Termine wie der 01.01.2012 oder 01.01.2014 im Gespräch.
Voraussetzung ist, dass die Polen die Inflation in den Griff
bekommen, was durch die Wirtschaftskrise nicht einfacher geworden
ist. Besonders versessen scheinen die Polen auf die Einführung des
Euros derzeit ohnehin nicht zu sein: Solange der Wechselkurs Zloty/Euro bei
über 4 Zloty zu 1 Euro steht, erscheint der polnischen Regierung der
Beitritt wohl insgesamt wenig verlockend. Und wer weiß, was dabei herauskommt, wenn das polnische Volk befragt
wird, ob es den Zloty aufgeben will ...
Eine Branche scheint in Polen offensichtlich zu boomen: Die Baubranche.
Im Nordosten ahnt man noch wenig vom Boom, denn die Häuser sind nur einfach und grau
verputzt, aber je weiter man durch das Land fährt, umso mehr sind entlang der
Straßen unzählige neu erbaute Einfamilienhäuser zu sehen: In den absonderlichsten Farben gestrichen, leider oft mit sehr
einfallslosen Gärten gestaltet mit blumenlosen Rasen, Koniferen und
sonstigem pflegeleichten Gestrüpp. Auffällig sind die
Dachkonstruktionen: Einfache Satteldächer entsprechen hier nicht dem
Standard. Dächer sind stets wüst verwinkelt und haben Gauben
unterschiedlichster Größe, Türmchen und ähnliche Spielereien.
Auch die katholische Kirche trägt das ihre bei zum Bauboom,
nirgendwo sonst haben wir bis jetzt so viele neu erbaute Kirchen
gesehen wie in diesem Land.
Der Großteil der Werbeflächen wird genutzt für das Anpreisen von
Baumaterial, Baugeräten, Baumärkten ...
Da wirkt es dann doppelt traurig, wenn schön gelegene
Campingplatze wie der in Piecki heruntergewirtschaftet sind und
wenig einladend wirken.
Zum Glück hat der Bauboom noch nicht alle verschlafene Städtchen
erreicht: Ein Beispiel dafür ist Pasym, wo ein Stopp auf dem
wunderschönen Campingplatz zu empfehlen ist.
Im nahen Ort
mit seinem hübschen Rathaus
und den alten Häusern und Kirchen
kann man in einem
großen modernen Supermarkt einkaufen oder auch auf einem kleinen
Bauernmarkt Frisches aus der Region erwerben. Es fällt auf, dass bei
unseren gesamten Einkäufen in Polen stets nur Schweine- und
Hühnerfleisch angeboten wird - Lamm, Rind, Pute oder sonstiges
scheint es kaum im Angebot zu geben. Das Wurstsortiment ist zwar
reichhaltig, aber Hartwürste wie Salami sucht man vergebens.
Durch die Straßen von Pasym hasten eilig Frauen, beladen mit ihren Einkäufen,
zwischen den Läden hin und her, während vor den Hauseingängen Männergruppen
ruhig stehen, diskutieren und keinerlei Anteil an dem geschäftigen
Treiben der Frauen zu nehmen scheinen.
Der schlechte Kurs des Zloty hat für die Touristen aus den
westlichen EU-Staaten Vorteile: So kann man für wenig Geld gut Essen
und Trinken gehen, wobei man allerdings auf die einheitliche europäische
Friteusenkost wie Schnitzel, Pommes oder Burger lieber verzichten
sollte. Die polnische Küche hat Besseres zu bieten und da sollte man
ruhig etwas experimentierfreudig sein.
Die Touristensaison scheint kurz zu sein, denn Ende August sehen
wir kaum Autos mit ausländischen Kennzeichen und wir finden nur
leere Campingplätze vor. Man berichtet uns, dass die Saison in
diesem Jahr mindestens eine Woche kürzer gewesen sei als in
den Jahren zuvor. Das Wetter hat diesmal keine Schuld, denn der
Sommer war trocken und schön, auch die Mücken hielten sich in
Grenzen.
Wie werden sehen, ob der Tourismus in den nächsten Jahren der
Region den ersehnten Aufschwung bringt ...
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