(Bericht
von
J. de Haas)
15.01.2005 -- Norwegen gehört zweifellos zu den Nicht-
EU-Staaten, von denen aus man am leichtesten in die EU hinein
kommen kann und umgekehrt auch heraus.
Aber selbst wer bereits einmal völlig ungehindert von Norwegen aus nach
Finnland oder umgekehrt gereist ist, wie z.B. bei den Touren Skandinavien
99 oder 2000, der wundert sich dann doch ein
wenig, wenn dies plötzlich ebenso einfach von und nach "Laufzettel-
Deutschland" geht.
So geschehen am 15.1.05 auf dem Weg von Deutschland nach Norwegen
und am 16.01.05 wieder zurück: Nicht einmal ein einziger Zöllner
hält sich in der verwaisten Kabine mit der Aufschrift
"Zoll" auf, als Tausende von Passagiere in Kiel auf die Color
Fantasy strömen und das Schiff einen Tag später dort wieder
verlassen. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Norwegen gehört zu
den wenigen Nicht-EU-Staaten, die dem Schengener Abkommen
beigetreten sind!
Zwar werden alle Bordkarten mit mobilen Lesegeräten sowohl beim
Betreten des Schiffes als auch beim Verlassen desselben gescannt,
jedoch scheint dies eher dem Versuch zu dienen, trotz Tausender von
Passagieren mögliche Schwarzfahrer abzuhalten ... 
An Bord des "größten Kreuzfahrtschiffes der Welt mit
Autodeck", das im Dezember 2004 seinen regelmäßigen
Liniendienst zwischen Kiel und Oslo aufgenommen hat und auf
dem wir als Kurztrip eine "Fantasy Cruise" unternehmen, ist
selbstverständlich die norwegische Krone (NOK) die Währung, in der
alle Waren und Dienstleistungen ausgezeichnet sind, schließlich
handelt es sich hier um ein norwegisches Schiff.
Da es allerdings zwischen Deutschland und Norwegen verkehrt, hat
hier an Bord auch der Euro eine gute Chance: Sämtliche Kassen weisen
die Preise bei Bedarf auch in EUR aus, somit ist der Einkauf auch
dann kein Problem, wenn man sich vor der Fahrt nicht mit einer
einzigen Krone eingedeckt hat. Und so kann man dann auch problemlos
für läppische 11,50 EUR zwei irische Kilkenny-Biere im Pub der
Fähre auf dem Promenadendeck 7 genießen - was will man mehr ..? 
Allerdings: Wer nachts Durst bekommt und sich nicht mit den
stillen Wässerchen begnügen will, die auch auf diesem Schiff im 24
Stunden geöffneten Kiosk nur zu bekommen sind, der muss zu einem
der Getränkeautomaten an Bord - und die akzeptieren nur die
norwegischen Münzen. Pech gehabt!
Und das ist eher ein Abbild der norwegischen Realität als die
trügerische Schein-Eurowelt an Bord dieser Superfähre, die auch
dem Fotografen in ausreichender Zahl
künstlerische Motive liefert: Als wir im Osloer Hafen
pünktlich zum fotogenen Sonnenaufgang einlaufen, der gemäß
unserem Sonnenauf-/-untergangsrechner
heute morgen um 9:01 Uhr erfolgt, haben wir die Euro-Welt verlassen.
Auf der anschließenden "Zeitreise", einer Bustour für
fortgeschrittene Norwegen-Touris durch das historische Oslo, wird
auch erklärt, wie der Weg Norwegens von einem sehr armen Land bis
zum heutigen Öl-Krösus verlief - ganz klar, dass so ein Land
wirklich weder einen Anschluss an die EU braucht noch deren Währung
- der Anreiz, als Nettozahler irgendwo für bürokratische
Überregulierung drauf zu zahlen, erscheint verständlicherweise
mehr als gering ... 
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