(Bericht
von S. Zerlauth)
22.08.2004 -- Seit einigen Tagen sind wir nun bereits in
Estland.
Die Tour Baltikum
2004 hat uns auf die Aadu Farm geführt - ein beschauliches Plätzchen im Süden
der Insel Saaremaa. Hier fassen wir unsere bisherigen Erfahrungen mit Euros, Estnischen
Kronen und ihren Cents zusammen:
Die Estnische Krone wurde 1992 an die gute alte Deutsche Mark
gekoppelt. Seit Einführung des Euros ist nun die Leitwährung
ebenfalls der Euro.
Der Kurs wurde fixiert auf 15,6466 Kronen = 1 EUR. Seit
dem 27.06.2004 nimmt die Krone am Wechselkursmechanismus (WKM) II teil,
was Kursschwankungen auf ±15% begrenzt. Faktisch beträgt die
Kursschwankung seit 1999 eindrucksvolle 0%.
Der Euro wird hier jedoch nur selten akzeptiert und die Akzeptanz sinkt
mit der Entfernung von der Hauptstadt Tallinn zunehmend. Immerhin können
wir auf
einem kleinen Campingplatz, den ein älterer Russe betreibt, und auf
dem Campingplatz von Haapsalu mit Euros bezahlen.
Wir sind aber gar nicht so erpicht darauf, mit Euros zu zahlen,
schließlich gilt es doch unsere mühsam auf der Fähre eingetauschten Kronen unters Volk
zu bringen. Das ist außerhalb Tallinns gar nicht so einfach, denn das
Preisniveau ist deutlich niedriger als bei uns und - damit natürlich auch
verbunden - das Lohnniveau ebenfalls.
Wir erfahren aus der Baltischen Rundschau, dass Estland unter der Abwanderung von Ärzten leidet,
die mit ca. 3,20 EUR Stundenlohn auskommen müssen. Krankenschwestern
werden mit ca 1,50 EUR entlohnt. Seit dem 01.05.2005, dem Beitritt zur
EU, sind die Preise erheblich gestiegen. So ist der Preis für Zucker
mittlerweile um mehr als 300% höher, Benzin um 25%. Mit Bangen
sieht die Bevölkerung die Entwicklung und wagt noch gar nicht zu Ende
zu denken, was eine etwaige Euroumstellung für die Preisgestaltung bedeuten
wird. Zusätzlich versucht Brüssel auf die Regierung einzuwirken, die
noch niedrigen Verbrauchssteuern bis 2009 auf EU-Niveau anzuheben.
Noch können wir den Benzinpreis von 0,75 EUR pro Liter genießen.
Wir zahlen für die Übernachtung auf dem Campingplatz zwischen
ca. 9,00 EUR für den Luxus in Haapsalu und ca. 3,20 EUR für normale
Campingplätze. Auch Bier, das es u.a. in 2 Liter Pet-Bomben zu kaufen
gibt, ist mit 0,80 EUR pro Liter sehr preiswert. Kuchen wird nach Gewicht
verkauft, für 3,00 EUR pro Kilogramm wird man mehr als satt ...
In den Supermärkten gibt es eigentlich alles, solange die Regionen
durch Tourismus oder Hautpstadtnähe florieren. In ärmeren Regionen
nimmt dagegen z.B. das Gemüse- und Fleischangebot rapide ab: Frischfleisch ist
Mangelware und in der Tiefkühltruhe sind viele Sorten Hackfleisch zu
finden, jedoch nur wenige Packungen mit Gulasch oder Kotelett. Auch
das Angebot an Frischfisch ist eingeschränkt. Liegt dort Lachs, so ist
es nach unserem Empfinden eher mindere Qualität, da der Lachs extrem
fett ist und deshalb eher blass gelblichrosa schimmert. Räucherfisch
und Salzhering gibt es jedoch immer und das recht billig.
Der günstige Preis für Alkohol lockt vor allem viele Finnen an, die
zum Wochenende wie eine Plage in Tallinn und auf den Inseln einfallen,
um sich abzufüllen. Findige Schnapsläden in Tallinn bieten
mittlerweile den Service an, bei Telefon- oder Internetbestellung die
Ware zum Fährhafen zu bringen, so dass die Finnen nur noch ankommen,
einladen und wieder abfahren.
Günstig ist auch überall der Internetzugang: Häufig werden kleine
Ecken in einem Kiosk genutzt, den Bürgern für ca. 0,05 EUR je Stunde
den Zugang zum WWW zu ermöglichen.
Auch wenn man kaum mit Euro zahlen kann, so ist der Euro hier doch
noch eine Menge wert. Aber leider ist absehbar, dass auch die Esten
unser Schicksal der systematischen Enteignung - verkleidet durch
EU-Beitritt und Euro-Einführung - ereilen wird ...   
Nachtrag, Oktober ´05: Neues Beitrittsland ab 2007 Estland
soll ab 2007 in die Europäische Währungsgemeinschaft aufgenommen
werden, mehr dazu in unserem Beitrag Die
"Anderen" und die "Neuen"! (Stand April
´06: Der Beitritt wurde mittlerweile auf das Jahr 2008
verschoben ...)
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