(Bericht
von
Sixta Zerlauth)
25.02.2004 -- Auch auf den Kanaren regiert nun der Euro
die Welt. Zum einen sicher nicht ganz unpraktisch für die Touristen,
denn wer war im Kopfrechnen wirklich so fit, die Preise so umzurechnen,
indem man durch 84, 86 oder ähnlich krumme Beträge dividierte?
Wer aber nun glaubt, hier wäre es billiger geworden, der irrt
ganz gewaltig. Denn offensichtlich hat man auch hier die Euroumstellung
eher dazu benutzt, die Preise an
andere Euroländer anzugleichen ...
Spaziert man durch Corralejo im Norden
Fuerteventuras, so fallen die unzähligen Geschäfte
auf, die Digitalkameras, DVD-Player und ähnliches zu angeblich
kleinsten Preisen anbieten. Der Vergleich fällt leicht und zeigt
eines: Wirkliche Schnäppchen sind kaum darunter und die angebotenen Geräte sind
zum Teil veraltet. Wer dabei Durst bekommt, merkt schnell: Bier, 0,4
Liter zu 2,80 EUR, ist hier wohl eher als Schnäppchen zu bezeichnen,
und gutes Essen ist von der Preisgestaltung auch durchaus auf deutschem
Großstadtniveau.
Etwas fällt auf: Deutsche Touristen gibt es nur noch wenige. Hörte man
früher in jedem Lokal ein deutsches Grundraunen, so ist die Insel nun
fest in britischer Hand. Auf Fragen bei den Einheimischen
erfahren wir, es ist den Deutschen zu teuer und die Briten profitieren
vom günstigen Kurs Pfund zu Euro. Für die ist hier alles ein
Schnäppchen, Immobilien eingeschlossen, denn viele britische
Residenten prägen das Alltagsbild der Insel. Seien es britische
Supermärkte, Bars, Restaurants oder auch die zunehmend Englisch
sprechenden Angestellten im Service.
Offensichtlich will man auf der Insel nun statt der Peseten Teuros
ohne Ende schaufeln, und da kann man auch keine Rücksicht auf die wunderschöne
einmalige Natur mehr nehmen.
Zum einen wird die Natur zerstört durch den Bau von riesigen
Steinbrüchen, die erforderlich sind, damit man an anderen malerischen
Plätzen die Natur durch den Bau von Immobilien zu Grunde richtet. Und
wenn sich Bürger gegen einen Steinbruch wehren, wie einst 2001 in Caldereta, und sie auch gute Aussichten auf Erfolg haben, da die
Betreiber es mit den Genehmigungen nicht so genau genommen haben, da springt schon der Bürgermeister von
La Oliva herbei: Senor Domingo
González Arroyo - genannt der Pate - verspricht, die Genehmigungen
nachträglich zu erteilen ...
Der größte Coup des "Paten" beginnt bereits im Jahr
2000: Trotz des
Baustoppmoratoriums sollen 6 Luxushotelneubauten mit 4.500 - 6.000
Betten, Golfplatz, Museum, Altersheim und Einkaufszentrum die
Naturschönheiten von El Cotillo beleben.
Zunächst werden von der Baugesellschaft 2 Millionen EUR für
Lizenzen (klingt doch viel besser als Schmiergeld!) kassiert. Nach dem
Geld sucht man angabegemäß heute noch in La Oliva vergeblich. Die
Bürger wehren sich und gewinnen 2001/2002 vor den spanischen
Gerichten. Aber dennoch wird unverdrossen an gigantischen
Zubringerstraßen und Boulevards weiter gebaut. Demonstrationen gegen
das Projekt werden von den Behörden in La Oliva behindert, es sollen
sogar Gemeindeangestellte Steine auf die Autos der Demonstranten
geworfen haben ...
Dass die Regierung von La Oliva im Winter 2002/2003 in ein neu
errichtetes Gebäude zieht, das von der EU unterstützt für 540.000 EUR
errichtet wurde, rundet das Bild ab. Nicht weit vom neuen
Regierungsbau entfernt wird das historische Casa de los Coroneles für 1 Million
EUR renoviert. Auch hier sei der EU gedankt! Warum die eigenen Kassen
bemühen, wenn doch die EU-Geldtöpfe so weit offen stehen?
Gegen Ostern 2003 wird dann endlich nach 24 Jahren Senor Domingo
González Arroyo abgewählt. Claudia Morales Rodríguez soll nun die
Geschicke der Gemeinde leiten und findet - wen wundert es - eine
ziemlich leere Kasse vor. Man erinnert sich an den Satz des "Paten", als er
die Führung seiner Gemeinde beschreiben sollte: "una fábrica de hacer
dinero" (eine Gelddruckfabrik) und forscht nach. Es wird
festgestellt, dass kurz vor den Wahlen noch 3 Millionen EUR in
der Kasse waren, nun sind es nur noch 300.000 EUR. An "nahestehende"
Firmen wurden in den 12 Monaten vor der Wahl 3 Millionen EUR gezahlt - wofür bleibt im Dunkeln. Der wundersame Euroschwund gibt Rätsel auf,
doch die Lösung kann jeder ahnen.
Gleichzeitig brodelt der Steinbruchskandal wieder hoch, man findet
"merkwürdige" Gutachten und unglaubliche Genehmigungen für
Erweiterungen, alles aus der Zeit des "Paten" und alles aus der
Zeit, als noch die Pesete regierte. Die Gemeinde La Oliva wird immer
weiter von neuen Skandalen überrollt, aber eines zeigt sich recht
deutlich: Im Bereich der Korruption hat die Einführung des Euros ganz
reibungslos funktioniert ... 
Nachtrag, März ´05: Siehe hierzu auch Ergänzung
bei Fuerte 2004!
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