Die Oase wird gefunden ...

Heute geht unser Dodge Nitro zurück zur Mietwagengesellschaft am Flughafen: Die Fahrt am kommenden frühen Morgen zum Abflug wollen wir lieber einem ortskundigen Taxifahrer überlassen und nicht unserer ortsunkundigen Lisa.

Wir lassen unser Auto wieder holen, zum Glück ist keiner auf die Idee gekommen, es zu waschen, denn der Sand steht ihm gut.

Wieder sind Lisa und die Beschilderungen zwei Parallelwelten (TomTom-Mitarbeiter sollten dazu verdonnert sein, mit dieser Karte ein Jahr lang durch Dubai zu irren!).

Am Flughafen gibt es keinen Hinweis auf die Rückgabe von Mietwagen, aber glücklicherweise erkennen wir vor uns das Parkhaus, von dem wir abgefahren sind. Noch nie war das Glück so groß, das Auto wieder los zu sein. Auf dem Parkdeck ist niemand, also geht es zum Büro der Autovermietung in der Ankunftshalle. Die Dame dort ist ganz entsetzt: Vorwurfsvoll meint sie, wir hätten doch das Auto am Parkdeck abgeben müssen und nicht hier. Der Vorwurf mündet in einem schrillen ... I have told you! Wir erstarren, was für harsche Worte!? In den paar Tagen in Dubai hat man offensichtlich komplett verlernt, sich so anfahren zu lassen, man gewöhnt sich doch rasend schnell an den devoten Ton im Service ...

Geschafft, I did survive! Baustelle Palm Deira ...

Die Dame schickt uns zurück zum Parkdeck und siehe da, schon kommt ein Mitarbeiter daher. Wir erzählen ihm, dass es Glück war, dass wir ihn gefunden haben, da es keine Hinweisschilder gibt. Das ist ihm völlig egal und er kommentiert das Ganze mit Next time you will know ...

Mehr als unsere Beschwerde bezüglich der Beschilderung bringt ihn das Aussehen unseres einst schneeweißen Autos aus der Fassung und er meint: It was raining. Wir bestätigen ihn und sind sicher, dass er einen Anfall bekäme, würde er vom Sandausflug des SUVs erfahren. Immerhin, über 200 km sind wir auf Dubais Straßen gefahren, hätte Lisa sich ausgekannt, wäre es vermutlich die Hälfte der Strecke ...

Nun sind wir frei und nutzen die Metro wieder in die Stadt hinein. Heute hat alles geöffnet: Zuerst geht es zur Metro-Station Palm Deira, dort  kann man die Bauarbeiten für die nächste künstliche Inselanlage Palm Deira anschauen.

Unmittelbar daneben befindet sich der Deira Fischmarkt. Überall werden die tollsten Meeresfrüchte angeboten. Auf meinen Hinweis an einen mit seinem Angebot lockenden Verkäufer, ich hätte keine Küche, hat man sofort eine Lösung parat: Am Ende des Fischmarkts gibt es ein Restaurant, das einem den Fisch zubereitet. Verlockend, aber leider ist es noch zu früh am Tag für ein ausgiebiges Fischessen. Rings um den Fischmarkt reihen sich Stände mit Obst und Gemüse, das wünscht man sich, hätte man es nicht so weit nach Hause ...

An der Metro Station machen die Betreiber aufgrund der Nähe zum Fischmarkt deutlich, wie ernst sie es mit dem Transportverbot von Fisch meinen: Ein gigantisches Verbotsschild erinnert die Passagiere daran.

So viel frischer Fisch, und er darf nicht in die Metro ... ... aber nicht nur Fisch ...
Wohl zuviel eingekauft am Markt? Gewürze, Gewürze, wohin das Auge blickt ...

Nach kurzer Metro-Fahrt zur Station Al Ras ist man wieder am Creek in der Nähe der Gewürz Souks, die nun geöffnet haben. Interessant ist der Gegensatz der Gerüche: Geht man durch Straßen mit den Gewürzläden, ist man betäubt von den Aromen, geht man durch Gassen hinter den Läden, bringt einen der Gestank von gärendem Abfall beinahe um.

Die Gewürzläden sind beeindruckend, insbesondere die Unmengen an Safranfäden, die in Gläsern angeboten werden. Da liegen Vermögen rum ...

Ein Laden mit der Aufschrift "Aldi Süd" weckt unser Interesse: Der Inhaber hat in Deutschland gelebt und spricht gut Deutsch. Als er von unserer Herkunft München erfährt, gerät er sofort ins Schwärmen vom Oktoberfest. Wer kann solch einem Händler widerstehen? Er lässt uns von allerlei Gewürzen kosten und mischt nach unserem Geschmack ein vorzügliches arabisches Curry zusammen. Auch bei den indischen Curries kann man nicht Nein sagen, sie sind einfach zu gut und die Vanilleschoten müssen auch noch mit. Einmal quer durch das Angebot der Rosinen probiert - von weich und hell zart gelb bis fest und schwarz wie Pfefferkörner reicht das Angebot - und schon lässt man sich unbekannte Sorten einpacken. Nach kurzem Handeln sind wir uns einig und spazieren zufrieden weiter.

Rings um den Souk wird man immer wieder angesprochen von jungen Männern, die die Nobelmarken in einer Geschwindigkeit aufzählen, dass es wie ein einziges langes Wort klingt - GucciPradaRolexLouisVuittonChanelArmaniDolce&GabbanaVersace .... Klar, hier will man Plagiate an Frau und Mann bringen. Bei einem Uhrenangebot wird kurzerhand der Arm hochgehoben, auf den Suunto gezeigt und gemeint: This is much better - dem Verkäufer verschlägt es die Sprache und er zieht verwirrt von dannen.

Es ist Gebetszeit und Trauben von Menschen zieht es zu den zahlreichen Moscheen rings um uns. Wir sind direkt zwischen zwei Moscheen, so dass die Rufe der Muezzin eher nach Zweikampf klingen als zu einer Einladung zum Gebet ...

Schon ganz nah bei der Oase, zweimal ums Eck und dann am Ende der Straße ... Geschafft, die Oase ist erreicht...

Uns ruft eine andere heilige Stätte: der Pub. Dank Wifi im Armani haben wir endlich einen Lageplan des Pubs und nun muss es doch mit dem Teufel zugehen, wenn die Oase nicht gefunden wird.

Und tatsächlich wir finden ganz versteckt unsere einzig wahre Oase. Der besch...... Reiseführer bezeichnete den Pub als Imitat eines Dubliner Pubs. Wir können das nicht nachvollziehen, denn in Dublin sind die Pubs so unterschiedlich, so dass dieser Pub sich dort gut einreihen könnte. Außerdem ist zu vermuten, dass der Pub eher seinem Namensvetter in Belfast nachstrebt.

Es wird zwar typische Pub-Food angeboten, aber der Koch ist Inder und einige seiner Spezialitäten sind auf der Karte zu finden. Dazu ENDLICH ein Pint of Kilkenny oder Foster, was will man mehr, zumal es das alles zu vernünftigen Preisen gibt. Nach und nach füllt sich der Pub - hier sind Araber eindeutig in der Minderheit - und am Nachbartisch packt eine Amateur-Gruppe Instrumente aus und beginnt mit einer munteren Musicsession. Wir beginnen zu filmen. Einer der der Musikanten - Brad Wilson, fragt, ob er das Video bekommen könnte. Klar - nach Rückkehr schneiden wir unseren ersten Musikfilm und stellen ihn hoch bei Youtube ...

Selbstverständlich ist es nicht bei einem einzigen Besuch im Pub geblieben ...


© 2012 Sixta Zerlauth