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Drachenfest München 09.09 - 11.09.2000


Auch dieses Jahr lädt Uwe Hesse von Bavarian Kites München wieder zum Drachenfest bei der alten Flugwerft in Oberschleißheim bei München. Wie jedes Jahr üblich, gibt es auch noch freien Eintritt in die Fliegereiabteilung des Deutschen Museums.

Und auch in diesem Jahr strahlt die Sonne, der Wind verhält sich zurückhaltend. Eigentlich nix Neues, außer dass man den Enthusiasmus von Uwe Hesse wirklich bewundern muss, all dies zu organisieren und sicher auch eine Menge zu investieren. Aber schließlich ist das auch Werbung für seinen Drachenshop am Isartor in München.
 

 
Was uns als regelmäßigen Besuchern jedoch sofort auffällt, ist die Besucherzahl. Auch wenn die Süddeutsche Zeitung wieder Tausende gesehen haben will, es waren deutlich weniger, zumindest am Samstag. Lässt die Drachenbegeisterung nach? Fehlt es an einer Drachenkultur? In der Drachen-Newsgroup werden alle möglichen Aspekte und Probleme der deutschen Drachenfeste diskutiert: Es geht um Selbstdarstellung - Abzocker - Enthusiasten - Kulturbanausen - Besserwisser ...
 
Der Himmel ist aufgrund des müden Winds kaum bevölkert, doch von weitem hört man Michael Steinermer - einen tollen Drachenfestmoderator. Mit glänzender Laune lockt er die Besucher und zeigt, dass man auch ohne Wind mit einem bunten Drachensegel Spaß haben kann. Den Kindern gefällt's, sie machen begeistert mit. Kleine Drachen hängen an Angeln, auch so entsteht die Illusion von fliegenden Drachen.
 
 
Der leiseste Windhauch wird genutzt, um sofort echte Drachenfeststimmung zu verbreiten. Lenkdrachen werden vorgeführt und viele staunen über die Fähigkeiten der vierleinigen Revolution. Die alljährliche Riesenkrake wird mit gutem Zureden gestartet - nachdem die Polizei unter Protest des Drachensitzers mit ihrem BMW auf der Wiese völlig sinn- und gefühllos über die Waageschnüre gefahren ist. Auch unser 6m Delta wird hinauf geschickt, um den großen Wind zu locken.
 
 
Ein Garten aus bunten Windrädern ist eine gute Idee und auch ohne Wind nett anzuschauen. An einem Stand können Kinder unter fachkundiger Anleitung einen Drachen bauen. Die Sonne brennt, die Leute sitzen auf der Wiese und so mancher Besucher verwechselt die Fahnenmasten mit Anlehnmasten, bis dass die Fahne umfällt.
 
 
Ein trügerisch ruhiges Drachenfestidyll:
 
In einem Zelt ist ein Drachenladen aufgebaut und dort tummeln sich die Leute, denn es gibt allerlei zu sehen und zu kaufen. Schöne Drachen sind aufgebaut. Da hier das Leben tost, will ich ein Bild für diesen Bericht machen, um die Stimmung einzufangen. Das habe ich mir so einfach gedacht. Kaum mache ich das erste Bild, werde ich von einer Mitarbeiterin entrüstet auf ein Fotografierverbot hingewiesen. Humor treibt seltsame Blüten, denke ich mir und nehme es nicht ernst. Aber die Dame meint es scheinbar sehr ernst und fordert, es müsse bezahlt werden für die Erlaubnis. Irgendwas von 350? 150? ruft sie uns zu. Ich versuche noch zu erklären, dass ich einen Bericht schreiben will und auch kein Geld dafür nehme. Irgendwie versteht sie mich nicht - wir verstehen sie auch nicht. Wir haben die Schnauze voll und gehen ...

So eine selten dämliche Anmache haben wir nämlich nicht nötig. Geld zahlen für Fotografiergenehmigung? Auf einem Drachenfest? Demnächst muss man wohl eine Akkreditierung beantragen - gegen eine kleine Verwaltungsgebühr natürlich - so weit kommt es noch.

Scheinbar hat Uwe Hesse genug "zahlende" (?) Leute, die über seine Drachenfeste berichten. Nun, ab jetzt hat eine Berichterstatterin die Lust verloren.

Und übrigens - eigentlich wollte ich es mir dieses Jahr verkneifen: Aber das Thema Getränke und Essen kann ich nun doch nicht unter den Tisch fallen lassen.

5 mal muss man anstehen für ein Bier und ein Schnitzel. Einmal in der Schlange vor der Kasse mit Essensbons, einmal in der für das Schnitzel selbst, einmal vor der Kasse mit Bierbons und einmal vor dem Zapfhahn selbst. Da stört es kaum, dass das Bier bacherlwarm gezapft wird, das Schnitzel ist mittlerweile eh schon kalt. Hinterher natürlich wieder einmal Schlangestehen für die Geschirrrückgabe, damit man das Pfand zurück bekommt. Das spricht für sich - da braucht es keinen weiteren Kommentar ...

Wir schließen uns den vielen anderen Besuchern an und spazieren die wenigen Meter zum Biergarten am Schloss Schleißheim. Da gibt es kaltes Bier, warmes Essen und man trifft jede Menge Drachenfreunde zum Fachsimpeln.

In der Dämmerung kehren wir zurück, die Kamera tief in der Tasche verstaut - das Drachenshopzelt wird keines Blickes mehr gewürdigt. Bei Null Wind lassen wir unseren Open Keel Genki steigen.

Ob er nochmal bei einem Münchner Drachenfest fliegen wird? Macht nix Genki, es gibt auch woanders ganz tolle Drachenfeste, wo die obligatorische Seele zu baumeln hat und sich der Veranstalter freut, wenn Bilder im Internet zeigen, wie gut das Fest gelungen ist ...

  

© Text/Bilder 2000 Sixta Zerlauth (Fotos mit Kodak DC240i)