2. Geländefahrtreffen für Allrad-LKW

Pfingsten 2002

Tollwitz, Sachsen


Nach dem erfolgreichen Treffen vom Vorjahr fand auch dieses Jahr in der Zeit vom 17. - 20.05.02 das nun zweite Allrad-LKW-Treffen von www.maggie-deutz.com statt - nicht in Espenhain diesmal, sondern bei Tollwitz, da auf ein anderes Gelände ausgewichen werden musste.

Neues Gelände bei Tollwitz ... Der diesjährige Veranstaltungsort zwischen Leipzig und Merseburg an der A9 war noch leichter zu finden als der vom Vorjahr: 45 Fahrzeuge aus ganz Europa reisten an, die Fahrzeugpalette reichte vom Haflinger über den Unimog bis hin zum 3-Achser-Tatra.

Von klein bis groß war alles, was Allradantrieb besaß und mehr oder weniger geländetauglich erschien, im Einsatz. Man könnte auch sagen, den Trucks wurde mal so richtig Auslauf gewährt - auf Biegen und Brechen und mit kleineren Verlusten von Tankhalterungen bis hin zu Einstiegstreppen ...


Der Tag davor: Bis 22:30 Uhr hatten wir am Robur von JoMan gebastelt, dann stand es fest: Nix geht! Mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit brauchten wir erst gar nicht zu starten (Jetzt galt: JoMan = seelischer Trümmerhaufen. Konnte man verstehen! ). Das Fazit von JoMan: "Wir bleiben zuhause!!!" TurboJulia hatte in der Zwischenzeit den MAG beladen, da ich ja mit Thomas und einigen Menschen, die uns zeitgleich am Handy unterstützende Tipps gaben, den Robur flott machen wollte.

Wie es aussah, begann auch der Anreisetag mit Chaos! Um 6:30 Uhr bimmelte das Handy: Kai dran. "Tach Gilbert, hier ist Kai. Mir ist ein Ventil abgerissen!" Das fing ja gut an, gestern der Robur aus dem Rennen und jetzt der JUP, der Jupiter. "Wo stehst du?" - "Oberhausen". Zum Glück nicht weit - "Ich komme!"

Also in die Hosen gesprungen und auch JoMan aus dem Bett geholt. 15 Minuten später saßen wir im MAG und waren unterwegs, Kai zu retten. Zum Glück hatte ich einige Tage vorher eine Abschlepp-Vorrichtung angebaut.

Weitere 30 Minuten später erreichten wir den JUP, der auf dem Standstreifen mit Warnblinker parkte. Den also an die Stange und ab ging die wilde Fahrt: Kai gab mir Instruktionen, bloß nicht schneller als 40 km/h durch die Kurven der Ausfahrten zu fahren, da er keine Servounterstützung hatte. Dann die erste Ausfahrt: Im Rückspiegel konnte ich einen Menschen sehen, der mit beiden Armen wie ein Affe am Lenkrad kurbelte. Dann in Gegenrichtung wieder auf die Bahn und "Feuer". Sagenhafte 93,7 km/h erreichte das Gespann und einige LKW-Fahrer staunten nicht schlecht, als wir mit Blinker links auf der linken Spur vorbei rauschten. Am Ziel neuer Plan: JoMan muss nun mit dem Bus der Veranstalter zum Treffen fahren. Gesagt getan. Aus dem JUP wurde erstmal Diesel für den Hyundai-Bully abgezapft ...

Später am Bielefelder Berg: Der erste Test für meine neue Konstruktion der Ladeluftbrücke - ein LKW am Anfang des Bergs vor mir mit 82 km/h - also keinen Schwung. Dann ausscheren, durchtreten, doch mit Beschleunigen war nix, weil der Berg sehr steil und der Motor im Drehzahlkeller war. Am Gipfel schließlich das Ergebnis 74 km/h - immer noch schneller als jeder Hano in der Ebene ...

Danach noch ein paar Bergtests mit Volldampf - so um die 100 km/h und auf die nächsten Höhen: Am Gipfel immer noch dieselbe Speed und manchmal sogar mehr. Auf der Geraden dann ohne Mucken 120 km/h - mehr als Hardcore würde ich sagen!

Aber zurück zur Anreise: Als wir Bielefeld passierten, übernahmen wir die Spitze und überholten Kai und JoMan, die im Zentrum den Weg zu MagirusFelix suchten. Mit "LKW-Tempo" dann den Rest der Strecke - ab und zu mal am Berg den Wohnwagenfahrern zeigen, was geht - Spaß ohne Ende. Nach der Weserüberquerung warteten wir auf CoolDaddy, der ca. 20 Kilometer hinter uns war. Nach einigen Minuten hinterher fahren stand für uns fest: Dieses Schneckentempo am Berg ist unzumutbar für uns. Als dann noch einige Staus unseren kleinen Konvoi auseinander rissen, machten wir wieder Dampf und fuhren erneut "LKW-Tempo".

Kurz vor dem Ziel überholte dann doch der Bully und gab per Handy den Tipp, die Reststrecke überland zu fahren, da am Autobahn Kreuz A14 zur A9 immer mit Stau gerechnet werden muss. Wir durchquerten also Halle - war auch mal ´ne Abwechslung. CoolDaddy war als erster am Ziel: Der angegebene Stau war nicht existent!  Na ja, egal. Wir kamen zeitgleich mit Kai und JoMan an ...

Angereist: 45 Fahrzeuge aus ganz Europa ...

Zur Sicherheit fuhren wir nun die für Sonntag geplante Konvoistrecke schon mal ab, um eventuelle Schwierigkeiten zu erkennen. Ich hatte dabei ein bisschen "Feuer" gemacht und festgestellt, dass ein vollbeladener Japan-Bus keinerlei Chance gegen unseren MAG hat. Vor allem die Kurven machten JoMan und seinem Hyundai-Bully zu schaffen. Unser Ding lag dagegen wie ein Brett, obwohl vorn rechts noch kein Stoßdämpfer dran war (Zeitmangel!).

Kai stellte die Hinweisschilder für die Nachfolgenden auf und wir alle bevölkerten das Gelände. AxelOhneMAG und MagirusFelix wurden als Kassierer am Eingang eingeteilt.

Langsam aber sicher füllte sich der Platz: Am Samstag Mittag erreichten auch die letzten Trucks das Areal. Der Auslauf der Allrader begann natürlich schon am Freitag und wurde erst eingestellt, als die Dunkelheit über der Kiesgrube Stellung bezog.

Am Samstag Morgen startete das rege Treiben an den Steilhängen der Grube schon um 8 Uhr, bei einigen mit Verspätung, da erstmal die eine oder andere Kopfschmerzbekämpfung erforderlich wurde. Es war schnell zu erkennen, dass einige anspruchsvolle Sektionen unseren Trucks das Leben schwer machten: Die vermeintlich optische Einfachheit der Auffahrten entpuppte sich als anspruchsvolle Trial-Passage.

Mit Kampfgeschrei und aufheulenden Motoren wurde so lange probiert, bis auch der letzte Steilhang erklommen war. Der kleine rote Robur kippte gerade um, als das Kamera-Team vom MDR vor Ort eintraf. Ein gefundenes Fressen für die Presse! Vor laufender Kamera und mit allen Sicherheitsmaßnahmen wurde der Kleine wieder auf die Beine gestellt ...

Der "kleine Rote" bei Liege- und Aufstehübungen ...

Ein minimaler Fahrfehler hatte das Missgeschick verursacht. Sogar der Außenspiegel war nach dem Aufrichten noch in Ordnung. Trucks fallen halt in Zeitlupe.

Der Verlust der kleinen Klappe auf der linken Seite des Koffers war schnell vergessen und der Robur startete zu neuen Abenteuern. Wenig später stand er im Wasserloch und hatte davon einen zu kräftigen Schluck genommen. Die Fahrer hatten bei der Einfahrt ins Loch die Bugwelle unterschätzt und ein Schwapp Wasser stoppte den Kleinen. Nach einer schnell organisierten Bergeaktion mussten die Fahrer erst einmal entwässern: Der Spaß am Weiterfahren war trotz Rückschlägen ungebremst, der Trial musste auch noch bezwungen werden!

... und baden gehen muss er dann auch noch ...

Der Abend wurde dann am Lagerfeuer verbracht, kein Problem dank der Ladies und Gentlemen, die ihre Autos und Anhänger mit Holz vollgeladen hatten. Der Dreibein-Grill von JoMan wurde als Gemeinschaftsobjekt genutzt und einige Steaks und Würstchen wechselten dabei aus Versehen den Besitzer. Verhungern konnte keiner, da man ja wie üblich viel zu viel mitgenommen hatte. Im weiteren Verlauf des Abends wurden rege Diskussionen geführt: Es wurden Dias gezeigt und Reiseberichte vorgetragen, und zu guter Letzt endete dieser Tag auch noch mit einem wunderschönen Sonnenuntergang ...

Am Sonntag Morgen der Schock: Es regnet! Aber wir Allrad-Trucker müssen selbst so was aushalten, auch wenn es schwerfällt. So wurde im Auftrag von Kai um 9:00 Uhr erst einmal das Martinshorn gestartet, danach Musik gespielt, um auch die letzten aus dem Schlaf zu reißen.

Für 10:00 Uhr war die Abfahrt des Konvois zum Museum vorgesehen: Mit Gehupe und Getöse bewegte sich der Pulk Richtung Merseburg. Um die Reifen zu schonen, führte ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h den Konvoi an. An den ersten Ampelkreuzungen in Merseburg riss unsere Sternfahrt etwas auseinander, doch an der letzten Ampel vor dem Museum machten wir die rechte Spur der zweispurigen Straße dicht und warteten auf alle Fahrzeuge.

Museumsbesuch: Neben Flugzeugen auch Deutz Diesel ...Des Rätsels Lösung der langen Wartezeit war schnell gefunden: Der kleine Rote hatte keinen Sprit mehr und musste nun geschleppt werden. Als alle Fahrzeuge wieder zusammen waren, ging es weiter. Einmal links an einer Ampel abbiegen und da waren wir. Einfacher gesagt als getan, die Linksabbieger-Ampel hatte eine 10-Sekunden-Grünphase, so dass maximal zwei Fahrzeuge gleichzeitig die Kreuzung überqueren konnten. Also hieß es Kreuzung sperren und alle mit einem Schwung rüber. Die PKW-Fahrer mussten sich ganz schön in Geduld üben, da 45 Trucks mit ca. 30 km/h vorüber schleichen wollten ...

Am Museum angekommen, wurde zwischen ausgestellten Flugzeugen auf dem ehemaligen Rollfeld geparkt. Die Menschen vor Ort meinten, dass unsere vielen Fahrzeuge nicht genug Platz hätten und wollten einige in den Ecken des Rollfelds verstecken. NÖ!!!

Ich riss erst mal das Zepter in gewohnter "KILLA-Manier" an mich und positionierte die Fahrzeuge auf dem Platz. Mann, das war ein Rollfeld so groß wie zwei Fußballplätze! Da hätten wir mit 100 Fahrzeugen auch noch genug Platz gehabt. Als alle Motoren gestoppt waren, wurde das anfängliche Durcheinander geordnet: Wir bildeten zwei Gruppen und erforschten das Museum. Es gab eine Menge Dinge zu sehen: Von Flugzeugen über Kampfhubschrauber bis hin zu Fahrzeugen der ehemaligen Ostblock-Staaten ...

Im Inneren des Hangars waren die restaurierten Exponate zu besichtigen: Die Sammlung der technischen Objekte ist äußerst beeindruckend. Man kann an vielen ausgestellten Modellen und Originalen einen genauen Blick in die Arbeitweise des jeweiligen Gerätes werfen.

Unter anderen wird der Ablauf der Verbrennung in Otto- und Diesel-Motoren genau dargestellt, die Funktionsweise von Getrieben im Schnitt gezeigt und sogar Düsentriebwerke sind in voller Pracht und mit Anleitung zur Funktion und Leistung zu bewundern.

Am beeindruckendsten war allerdings ein 28-Zylinder-4-Reihen-Sternmotor mit einem Eigengewicht von über 4 Tonnen. Die Decke des Hangars schmücken viele Flugzeuge aus den Anfängen der Luftfahrt und ein Altmeister und Jagdflieger aus dem Zweiten Weltkrieg beantwortete akribisch genau bis ins Detail jede der gestellten Fragen.

Auf dem Außengelände wurden in der Zwischenzeit verschiedene Diesel-Motoren aus den Anfängen des Motorbaus vorgeführt: Stationärmotoren aus den 20iger Jahren mit Schwungrädern, die von 4 kräftigen Männer kaum getragen werden können, führte uns ein Spezialist vor. Die Motoren wurden mit Kurbel und glühenden Hartholz-Stöckchen gestartet ...

... gelockerte Stimmung im Gelände ...Ich muss sagen, dass sich der Besuch echt gelohnt hat und sollte ich wieder mal in der Nähe sein, werde ich auf jeden Fall da wieder vorbei fahren. Gegen 13:00 Uhr ging es dann wieder zurück Richtung "Gelände". Diesmal wurden alle Kreuzungen direkt gesperrt, um den Pulk nicht auseinander zu reißen.

Kaum angekommen, starteten einige direkt durch, um keine Zeit zu verschwenden: Man hat ja nur selten die Gelegenheit, sein Fahrzeug zu testen und den Umgang damit auszufeilen. Gefahren wurde bis zum Einbruch der Dunkelheit. 

Am Abend dann das ultimative Lagerfeuer - alles Holz drauf, denn es war ja der letzte Abend. Die Stimmung werden wohl viele nicht vergessen und als ein Mann wie ein Baum aufstand und ein Ständchen bot, war keiner mehr zu bremsen, auch sein Bestes zu geben. Ein kleines Feuerwerk mit Ansprache von Kai durfte aus nicht fehlen. Tipp: Immer ein paar Raketen von Silvester aufheben! 

Nach der "Neujahransprache" von Doc Dompel feierten einige noch bis in die Morgenstunden.

Es war an der Zeit, über die Ordenliste für außergewöhnliche Leistungen nachzudenken:

  • Orden Nr. 1 geht an Kai für das tolle Wochenende und die Organisation
  • Orden Nr. 2 geht an die Helfer, speziell an AxelohneMag, Magirus-Felix, Katrin, Wilma, Thomas
  • An den Kameramann Mercur-Markus
  • An JoMan, der uns den Veranstalter und den Grill mitgebracht hat
  • An die Luxemburger wie immer auch einen, wegen der längsten Anreise
  • Action-Orden (Übermut?) für den kleinen Roten
  • Feuerholz-Orden für Dagmar und Uli
  • Trial-Orden an Martin auf Magirus 192 für die Null Strafpunkte und an Tatra-Klaus für das Umgraben der Sektion mit dem 6x6 ...
  • Design-Orden geht an zwei Fahrzeuge: Einmal an das "Käseauto mit den Mäusen" und der andere an Jaro für seine Wüstenlandschaft und den großen Hund am Fluss
  • An Andre für seine vorbildlich selbstlose Müllentsorgung
  • An Prix, Pierre, Uli und Ulli für das Befördern der Fahrzeuglosen

Als die Sonne dann wieder aufging, trennten sich die letzten vom Lagerfeuer und viele trauerten, dass die Zeit eigentlich zu kurz gewesen war ...

Aber nach dem Treffen ist vor dem Treffen und einige haben dafür ja noch ´ne Menge zu tun ...



© 2002 Gilbert Kauer ("Turbokiller")