DelfSail 2016

Neues aus dem Tagebuch der "pacifico" ...


Vorbemerkung

Die DelfSail ist ein Treffen aller Arten und Größen von Segelschiffen im Hafen von Delfzijl. Die Stadt mit Hafen an der Ems liegt wie auch unser Heimatort Weener im niederländischen Bereich der Ems weiter flussabwärts, kurz hinter dem Emder Hafen am Westufer. Die letzte DelfSail liegt leider schon wieder 7 Jahre zurück, doch nun findet vom 29.06. bis zum 03.07.2016 das sechste derartige Festival mit rund 200 historischen Seglern statt.

Mit eingeschlossen in das Hafenfest ist die Innenstadt Delfzijls sowie der kleine Ort Farmsum in der Erweiterung des inneren Hafens. Dort versammeln sich noch Yachten und kleinere Oldieschiffe, die auch besucht werden können. Im Hafen von Delfzijl selbst ist für noch ankommende Yachten kein Platz mehr zu bekommen ...

Der Einladung muss man folgen ..! Etliche Großsegler sind wieder gekommen ... 

Los geht´s!

Nach einer Regennacht starten wir Richtung Niederlande: Mit dem Auto erreichen wir die Stadt bereits gegen 10:00 Uhr am Morgen. In Delfzijl selbst sind keine Parkplätze für Besucher des Seglertreffens vorgesehen, dafür haben die Niederländer etwa 8 km vor dem Ort einen Park- and Ride-Service mit Pendelbussen eingerichtet.

Geparkt wird unter Anleitung auf einer riesigen Wiese, als Preis werden 15,- Euro verlangt. Darin eingeschlossen sind die Parkgebühr und der Pendelbus mit Hin- und Rückfahrt. Alles ist sehr gut organisiert, das Wetter spielt bisher ebenfalls mit. Doch auch für heute sind allerdings wieder Schauer gemeldet ...

Parkplatz bereits gut gefüllt ... Pendelbus fährt pünktlich ...

Die Busse füllen sich schnell, unsere kleine Hündin Loona findet aber immer einen Platz. Sie besteht auf dem Fensterplatz, nachdem sie die Mitreisenden alle für ungefährlich befunden hat.

Der Bus hält nicht am Hafen selbst. Wir werden in der City, die aber ganz in der Nähe des Hafens liegt, aus dem Bus gelassen. Diese City ist mit in die DelfSail eingebunden, auch hier gibt es bereits viel zu entdecken. Noch sind nur vereinzelte Besucher zu sehen, sie verschwinden in den vielen kleinen Nebenstraßen. Doch es sind bereits jede Menge Straßenmusikanten unterwegs: International, wie so ein Segelschiffstreffen nun einmal ist, sind auch diese Künstler. Entsprechend erwartet uns ein abwechslungsreiches Musikprogramm, einfach aber interessant.

Einige Stände haben bereits geöffnet, um alles zur ersten Stärkung anzubieten: Zu diesen Ständen zählt auch ein alter Armeelaster mit Kran, an dem ein richtig großer, mit Holz betriebener Schwenkgrill hängt, der zum Herstellen von frisch zubereiteten Hamburgern genutzt wird. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange ...

Besucher sammeln sich ... ... Internationale Straßenmusikanten ... Armeelaster mit Schwenkgrill am Kran ...

Zum Westende ...

Schon bald erreichen wir das Westende des Hafens: Gleich an der Promenade liegt die Santa Maria Manuela, ein portugiesischer Viermast-Gaffelschoner. Das stählerne Schiff wurde 1937 in Lissabon gebaut, im Jahr 2010 erfolgte ein umfassendes Refit. Inzwischen ist das Schiff in Portugal in Aveiro beheimatet. Der knapp 69 m lange und etwa 10 m breite Segler wird für schulische und Charterzwecke eingesetzt. Bei einer Stammbesatzung von 88 Personen werden 50 zahlende Gäste und Trainees mitgenommen. Der Einsatz des Seglers erfolgt im europäischen Bereich.

Gleich daneben wartet die Kapitan Borchardt auf Besucher: Heimathafen Gdansk, gebaut 1917 als Frachtschiff in den Niederlanden. Der ebenfalls stählerne Segler kommt aus Polen und ist ein Dreimast-Schoner, der mit seinen rund 34 m Länge etwa halb so groß ist wie die portugiesische Santa Maria Manuela, aber nicht weniger interessant. Viele Jahre fuhr der Segler als Schulschiff für die Seefahrtschule in Stockholm, bis er im Jahr 2011 nach Polen kam. Das Schiff hat heutzutage die gleiche Verwendung wie die Santa Maria Manuela. Das Segelrevier der Kapitan Borchart ist im Sommer die Ost- und Nordsee, im Winter wird der Mittelmeerraum und der Atlantik bereist.

Santa Maria Manuela Kapitan Borchardt Kaskelot

Wir gehen weiter zur Nordseite des Hafens: Hier warten die größten Segler auf Besucher. Auf dem Weg dorthin kommen wir erst noch an der 47 m langen hölzernen Kaskelot aus Großbritannien vorbei. Ihr Heimathafen ist Bristol. Im Jahr 1948 für Grönland in Dänemark gebaut, hatte sie verschiedene Verwendungen: Als Filmstar war sie in Streifen wie "Die drei Musketiere" und "David Copperfield" im Einsatz. Auch hier fand 1981 ein Refit statt. Seit 2014 wird sie als Charterschiff verwendet, doch auch für Filmaufnahmen ist sie nach wie vor zu haben.

Auch zwei ganz spezielle "Seefahrer" nehmen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch, bevor wir die nördliche Pier mit den großen Seglern erreichen: Für Loona ist das zuerst nur spritzendes Wasser. Doch als sie bemerkt, dass da zwei Menschen durch die Luft fliegen, ist auch ihre Neugier erwacht. Sie hat nun schon einige Fortbewegungsarten bei Menschen kennengelernt, doch das hier ist ganz etwas anderes: Diese beiden Männer surfen auf je einer Wassersäule. Damit können sie sich durch die Luft bewegen, die Schlauchlänge ist die Wassersäule und gleichzeitig die Grenze ihrer Bewegungsmöglichkeit.

Auf diese Art und Weise werden auch Saltos gemacht: Die beiden Männer zeigen ihr Können direkt an der Pier und nicht etwa mitten im Hafen. Ein paar Spritzer bekommen auch die Zuschauer ab, wenn die Saltos in der Nähe ausgeführt werden.

Ganz spezielle `Seefahrer´... Ritt auf dem Jetski ...

Das ganze funktioniert so: Am unteren Ende jedes Schlauches befindet sich je ein Jet Ski. Dieser ist befestigt und kann sich nicht von seiner Position weg bewegen. Die Ansaugpumpe des Jet Skis ist die Pumpe, mit der ein Druck erzeugt und das Hafenwasser in den Schlauch gepumpt wird. Der Jet Ski läuft dabei mit voller Leistung. Am oberen Ende des Schlauches ist eine kleine Plattform: Hier kommt das Wasser unter vollem Druck an und wird in zwei nebeneinander liegende Abstrahldüsen umgeleitet. Über jeder der Düsen befindet sich ein Fuß des Surfers. Durch Veränderung der Bein- und Fußstellung bzw. Kippen der Plattform mit den Füßen wird die Flugrichtung verändert. Es sieht einfach aus, was aber sicher nicht zutrifft. Die beiden Männer haben nur einen Anzug als Kälteschutz im Wasser an und sonst keine Absicherung oder ein Steuergestell. Die Show dauert nicht lange, wird aber oft wiederholt. Das bedeutet, dass diese Art des Surfens sicher recht anstrengend ist ...

Wir haben nun das Westende der nördlichen Pier erreicht: Hier befindet sich das "Partyzelt" der Veranstaltung mit stets wechselnden Darbietungen. Im Augenblick ist es gerade ein niederländischer Shantychor, der hier sein Bestes gibt. Das Wetter ist inzwischen etwas schlechter geworden: Der Wind bringt immer mehr dicke Schauerwolken in Stellung ...

Am Partyzelt ... Die großen Segler vom Nordpier ...

© 2016 Jürgen Sattler