Nachts um zwei Uhr finden Ruhe und Idyll ein jähes Ende: Ein
Van aus Riga fährt vor und acht betrunkene, russisch grölende Letten (Männer
und Frauen) beziehen eine Hütte in unserer Nähe. Und dann geht es rund! Natürlich
wird weiter gesoffen und anstatt in der Hütte zu feiern, kommt die Truppe alle
Viertelstunde aus der Hütte heraus, um laut krakelend weiter zu diskutieren, lautstark zu pinkeln und zu rauchen. Denn das Rauchen ist in
den Hütten verboten und auch wenn man es kaum glauben kann, die Sauftruppe
hält sich daran, obwohl es draußen recht kalt geworden ist. In den nächsten
Stunden können wir kein Auge mehr schließen: Bis es hell wird, ist das
Motto der deutschen Fußballanhänger vom
19.06.04, das "Letten plätten" lautete, zu
unserem Wunschtraum geworden - allerdings wie schon damals auch dieses Mal
vergeblich!
Wir malen uns aus, wie unsere "Rache" aussehen wird, wenn unsere Nachbarn dann endlich einmal schlafen wollen: Ungeschickt werden wir immer wieder an der Hupe hängen bleiben, uns laut rufend verständigen, den Motor mal so richtig austesten, die Kochtöpfe fallen lassen und vieles vieles mehr ...
Gegen 09:30 Uhr morgens wird es etwas ruhiger in der Hütte. Die Nachbarn kommen wieder raus, einige verschwinden Richtung Toiletten, einige waschen sich am Wasserspender das Gesicht. Vorbereitungen für den "wohlverdienten" Schlaf? Als wir aus dem Explorer steigen, grüßt einer freundlich. Bald wird unsere Stunde kommen! Aber da haben wir die Kondition der Letten unterschätzt: Um 10:00 Uhr steigen sie in ihren Van und rasen davon. Uns fehlen die Worte, die Rachegelüste laufen ins Leere, Stille bricht auf den Platz herein, das Idyll ist wieder hergestellt und wir beschließen spontan, unseren Aufenthalt um einen Tag zu verlängern.
Das Idyll auf diesem Platz besteht so lange - nun, solange man sich nicht den Toiletten nähert. Ja, wir müssen hier auch dieses dunkle Kapitel einmal anschneiden. Überall trifft man sie noch an: Die berühmt berüchtigte sowjetische Toilettenkultur, und wer zu schwach besaitet ist für diese Form des investigativen Journalismus, der überliest am besten ganz einfach die nächsten Abschnitte.
Technisch bezeichnet man diese Einrichtungen als
"Trockentoiletten" und auch in den Campingführern wird dieser
Terminus Technicus gerne verwendet. Das hört sich auch besser an als Plumpsklo,
trifft aber nicht genau "den Punkt".
Es gibt verschiedene Varianten: Die Luxusvariante hat einen bankähnlichen Aufbau über dem Loch, auf den man sich setzen kann. Da sich Russen aber auch bei Wassertoiletten oft auf die Klobrillen stellen, darf man sich über Trittspuren auf der Sitzbank nicht wundern. Die Standardvariante der "Trockentoilette" hat ein kleines Holzpodest oder eine Holzplatte mit Loch. Da hockt man sich drüber und ... Etwas Geschick und Übung braucht es aber schon, um das Loch zu treffen, und nicht allen gelingt es. Das gibt den Toiletten einen oft unbeschreiblichen "Duft" und ein noch unbeschreiblicheres Aussehen. Hat der Vorgänger das Loch schon einmal nicht getroffen, dann drapiert er vielleicht zusätzlich das benutzte Toilettenpapier auf dem Missgeschick. Will er es abdecken? Will er es markieren? Ein Gesamtkunstwerk schaffen? Auch die Wände rings um das Loch darf man sich nicht genauer anschauen, zeugen sie doch von manchen explosionsartigen Entleerungen nach schwerverdaulicher Kost. Günstig, dass die Toiletten über sehr wenig Licht verfügen und vieles im Halbdunkel bleibt ...
Wer auf das Toilettenbild unten rechts klickt, muss bitte beachten: Alle
nachfolgenden Bilder sind für Zuschauer mit geringer oral-fäkaler
Belastbarkeit ungeeignet. Haftung für eventuelle Nebenwirkungen und
Komplikationen werden von uns nicht übernommen ..!
Als glückliche Besitzer einer Porta Potti müssen wir nur berichten und nichts benutzen. Bis zu diesem Campingplatz waren die Trockentoiletten in der Regel recht sauber und sogar benutzbar, doch das ist wohl eher noch die Ausnahme.
Aber wenden wir uns nun dem See zu, der so wunderschön am
Fuße unseres Hügels liegt: Er hat einen Sandstrand, in dem viele winzige
Eidechsen hausen. Auf Stegen kann man durch den breiten
Schilfgürtel laufen. Wir machen einen Rundgang
und prompt fährt sich am Sandstrand ein klappriger PKW fest. Die Insassen
beschließen, den Tag trotzdem unverändert zu genießen: Sie lassen das Auto
stehen, steigen in ein Boot und fahren erst einmal zum Angeln auf den See. Stunden
später organisieren sie Hilfe und werden aus dem Sand geschleppt - wir bleiben
dabei untätig, schließlich ist hier nicht
Fuerteventura ...
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Bei unserem Rundgang nähern wir uns offensichtlich zu sehr einigen Hütten. Ein alter Mann kommt angelaufen und fragt äußerst alarmiert und recht unfreundlich (wieder auf russisch), was wir hier wollen. Er wirkt nur wenig beruhigter, als wir ihm erklären, dass wir nur Touristen sind, die hier spazieren gehen. Er blickt uns noch lange nach, bis wir seiner Meinung nach weit genug entfernt sind.
Unser letzter Abend in Lettland bricht an. Die folgende Nacht bleibt ruhig ...
© 2004-2005 Text/Bilder Sixta Zerlauth