Österreich 2016: Auf nach Kufstein

Hinein ins Weihnachtsmarktvergnügen ...


Kufstein - Wer denkt da nicht sofort an eines der berühmtesten deutschsprachigen Volkslieder, das 1947 vom Tiroler Karl Ganzer in einem Weinhaus in Kufstein komponiert wurde: In diesem Lied wird die Stadt besungen als die "Perle Tirols" ...

Die Weihnachtsmarktzeit ist für uns Anlass, diese Perle mitsamt ihrer Festung zu besuchen.

Wir beschließen wieder einmal die Anreise über die Landstraße und wollen dabei schauen, welche Grenzkontrollen wir bei der Rückreise zu erwarten haben. Zu unserer Überraschung sehen wir auf der Landstraße lediglich ein einziges Polizeiauto auf einem Parkplatz - scheinbar erwartet man, dass die Schleuser nur die Grenzübergänge an den Autobahnen nutzen. Nun, uns soll es recht sein, die Rückreise nach Deutschland wird wohl ohne größere Wartezeiten möglich sein ...

Kufstein und seine Burg ... Weihnachtliche Stimmung ...

Wir beziehen im Zentrum unser Hotel, den Goldenen Löwen. Von dort aus beginnen wir unseren Rundgang durch den Ort. In der ganzen Altstadt herrscht Weihnachtsmarktstimmung: Es finden sich große geschnitzte Krippen und geschmückte Weihnachtsbäume entlang der Straßen. Unten am Inn treffen wir auf den ersten kleinen Weihnachtsmarkt. Eine Musikkapelle spielt hier Weihnachtslieder und versucht durch die Stimmung, Leute an die Glühwein- und Würstelstände zu locken. Überlaufen ist der Weihnachtsmarkt allerdings trotzdem noch nicht gerade ...

Wir setzen unseren Rundgang durch die Altstadt fort, auffallend hier die typischen Häuser, wie man sie in den Inn-Städten Innsbruck oder auch Wasserburg findet.

Dabei kommen wir auch an einem der ältesten Weinhäuser Österreichs vorbei, dem Auracher Löchl: Auf einer Tafel am Haus steht, dass man seit dem Jahr 1409 täglich von 11:00 Uhr bis 23:00 Uhr geöffnet hat. Schon Andreas Hofer soll hier das eine oder andere Achtele genossen haben. Die Betreiber des Weinhauses zeigen Humor in alle Richtungen: Die Fassade ist übersät mit munteren Trinksprüchen, und auch auf dem Parkplatz wird deftig davor gewarnt, hier unberechtigt zu parken - Parkrowdies kommen in den Fleischwolf! Da wir nicht weiter spekulieren wollen, wie die Parkrowdies weiter verwertet werden, beschließen wir, unser Abendessen nicht hier, sondern im Traditionslokal Purlepaus einzunehmen. Eine gute Wahl, wie sich schon bald herausstellt ...

In der Altstadt ... Weihnachtsmarkt am Inn ..
Auracher Löchl, ein Lokal mit Tradition .. ... und deftigem Humor

Doch nun stellt sich die Frage: Woher kommt der Name "Purlepaus"? Kufstein hat eine lange Historie, schon in der Eiszeit - vor 30.000 Jahren - hausten hier Jäger, und auch die Römer siedelten bereits hier. Bis zum 8. Jhdt. versuchten ausgerechnet die Bayern (!) immer wieder, die Stadt zu besetzen - allerdings wohl nachvollziehbar, wenn man einen Blick in die Karte wirft ...

Im 13. Jhdt. wurde die Burg erstmalig erwähnt. 500 Jahr lang war Kufstein schließlich bayrisch, dann kam es 1342 als Brautgeschenk an Margarethe Maultasch zu Tirol. 27 Jahre nach der Hochzeit mussten die Tiroler Kufstein wieder an die Bayern zurückgeben. Unter bayrischer Herrschaft wurde die Festung verstärkt und zusammen mit der Stadt galt die Anlage als uneinnehmbar.

Die Streitereien zwischen Österreich und Bayern kulminierten Anfang des 16. Jahrhunderts, als Maximilian I. - ein Habsburger - die Festung Kufstein einnahm, indem er die damals größten Kanonen "Purlepaus" und "Weckauf" mit Flößen auf dem Inn und an Land mit jeweils 30 Pferden aus dem Zeughaus in Innsbruck heranschaffte - das damals eine unvorstellbar große Waffensammlung beinhaltete, mit der man 30.000 Soldaten hätte ausstatten können. Mit den Riesenkanonen wurde die Burg erfolgreich beschossen, die Bayern gaben auf. Maximilian I. ließ die Schäden an der Burg reparieren und verstärkte dabei ebenfalls die Festungsanlage. Als markanten Eyecatcher ließ er den weißen runden Kaiserturm errichten, der nur über eine Zugbrücke betreten werden kann.

200 Jahre später eroberten die Bayern im Jahr 1703 Kufstein erneut zurück, mussten die Stadt aber ein Jahr später bereits wieder an Österreich herausgeben. Wieder 100 Jahre später übernahmen nochmals die Bayern Burg und Stadt. Rund zehn Jahre später wurde das dauernde Hin und Her beendet, als schließlich Kufstein ein letztes Mal an Österreich zurückgegeben wurde, wo es bis heute verblieb ...

Nun, da geklärt ist, warum das Lokal "Purlepaus" heißt, schlendern wir gestärkt mit Tiroler Spezialitäten und gutem Wein weiter zum Stadtpark, wo sich ebenfalls ein schöner beleuchteter Weihnachtsmarkt befindet. Über ihm erhebt sich die angestrahlte Festung, die wir morgen aufsuchen wollen. Auch in dieser Festung gibt es einen Weihnachtsmarkt, der aber nur an Samstagen und Sonntagen geöffnet ist.

Panoramafahrstuhl zur Burg Buntes Treiben in der Festungsarena ...
Einst klapperten die Rüstungen, heute spielt die Musik ... Kunsthandwerker in den Kasematten ...

Am Samstagmorgen machen wir uns auf den Weg zur Festung, die seit 1996 renoviert wird. Der Weg über die Stufen von der Stadt hinauf lohnt sich auf jeden Fall. Wer nicht so fit ist, kann auch eine Panoramabahn hinauf benutzen.

Eintritt muss bezahlt werden, denn man kann hier nicht nur den Weihnachtsmarkt besuchen, sondern auch die gesamte Burganlage kann bei dieser Gelegenheit besichtigt werden.

In der Festungsarena befindet sich ein Weihnachtsmarkt, dessen Stände sich auch in den Kasematten verteilen. Die beherbergen neben den üblichen Glühweinkochern und Würstelbratereien auch jede Menge Kunsthandwerker, denen man bei der Arbeit zuschauen kann. Immer wieder gibt es Tische, an denen Kinder unter Anleitung basteln oder Kekse backen können. Draußen spielt die Musik auf, wir haben Glück mit dem Wetter, die Sonne scheint ...

Panoramablick über den Inn ... Wasserbeschaffung, ein schwerer Job ...
Purlepaus, Weckauf und Kollegen ... durch geheime Gänge zu den Höhlenbären ...

Man sollte aber nicht nur den Weihnachtsmarkt genießen, der Rundgang durch die Burg ist noch viel interessanter: Das Brunnhaus zum Beispiel mit seinem 60 m tiefen Brunnen, aus dem man mit viel Mühe mittels eines riesigen hölzernen Tretrads das Wasser in Eimern hochholen musste. In einem großen Holztrog wurde es zwischengespeichert und konnte außen mit einer Pumpe entnommen werden.

Im Bombardiergewölbe im Kaiserturm sind Nachbauten von "Purlepaus" und "Weckauf" zu besichtigen und weiter oben im Turm Zeugnisse der finsteren Geschichte Österreichs: Im 18. Jhdt. wurden hier Arrestzellen errichtet für politische Gefangene und einige wenige Kriminelle. Diese Arrestzellen kann man besichtigen und Tafeln mit Geschichten zu den Gefangenen und deren Leben in den Zellen zeugen von den Repressalien im damaligen Überwachungsstaat Österreich. Bis weit ins 19. Jhdt. wurden die Zellen benutzt. Dieses Gefängnis gehörte zu einem Überwachungsapparat, dessen Aufbau bereits im 18. Jahrhundert unter Kaiserin Maria Theresia begann, als man die Post verpflichtete, Korrespondenz auszuspionieren. Zusätzlich zu den Bediensteten der Post wurde insbesondere unter Leitung von Fürst Metternich österreichweit ein Geheimpolizeiapparat aufgebaut. Denunziantentum hatte Konjuktur! Aus allen Teilen des Kaiserreichs wurden politische Querdenker oder auch nur  unbequeme Nachbarn drakonisch bestraft und hier eingesperrt ...

Im Ersten Weltkrieg sperrte man hier auch feindliche Ausländer ein, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier von den Besatzern Nationalsozialisten untergebracht.

Nun sind aber die dunklen Zeiten vorbei und wir können heute vom Turm aus den fantastischen weiten Blick ins Inntal genießen.

Weiter geht es durch geheimnisvolle Gänge zum Eiszeitmuseum, das Fundstücke der nahegelegenen Tischoferhöhle ausstellt.

Die Heldenorgel ... Lichterketten ohne Ende ...
Es wird scho glei dumper ...

Im Außenbereich vermitteln zahlreiche Kanonen aus unterschiedlichsten Epochen das Gefühl, auf einer echten Burg zu sein.

Um 12:00 Uhr erreichen wir die Heldenorgel, die jeden Tag ertönt. Sie ist die größte Freiorgel der Welt - ihre Klänge sind je nach Wetterlage bis nach Bayern zu hören. Errichtet wurde sie im Jahre 1931 zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Gespielt wird sie in Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege, rund 10 Minuten dauert das Spiel.

Nahe dem Weihnachtsmarkt oben kann man in einem urigen Gewölbelokal einkehren, wenn einem das Stehen an den Ständen zu unbequem ist und man sich für den bevorstehenden Abstieg stärken möchte.

Schon bald wird es dunkel und wir klettern wieder hinab in die Stadt, im Restaurant unseres Hotels haben wir reserviert. Es empfiehlt sich in Tirol, in der Vorweihnachtszeit abends in den Restaurants zu reservieren, sonst könnte andernfalls der Abend unfreiwillig schnell an einer Burgerbude enden ...

Unser Fazit bei einer guten Flasche Wein und einem tollen Menü: Das war ein wunderschöner Weihnachtsmarktbesuch mit einem ganz dicken Plus an Zusatzerlebnis. Hier kommen alle auf ihre Kosten, Familien mit Kindern, Weihnachtsmarktfans, Weihnachtsmarktmuffel, Burgbegeisterte und auch Historienfans!


Hinweis: In diesem Bericht sind hinter den umrahmten anklickbaren Bildern abweichende Großbilder hinterlegt!


© 2017 Sixta Zerlauth