Frankreich

Schwerpunkt Hinterlassenschaften: Die D-Day-Tour ...


Das Kürzel D-Day bezeichnet den Zeitpunkt einer größeren militärischen Operation, ohne etwas über Inhalt, Ort oder Zeitpunkt selbst zu verraten. D-Day wird dabei im Englischen auch als Kürzel für Day Day, Decision Day, Delivery Day, Deliverance Day, Doomsday oder Debarkation Day angesehen, doch ist die Herkunft der Bezeichnung nicht gesichert. ...

Allgemein bekannt als D-Day ist der 6. Juni 1944, der Tag, an dem während des Zweiten Weltkrieges die Landung alliierter Truppen in der Normandie begann und damit die lang geplante Eröffnung einer Westfront der Anti-Hitler-Koalition. D-Day war der Beginn der Operation Overlord, die Landung selbst verlief unter dem Codenamen Operation Neptune (Wikipedia).


Von Le Havre Richtung D-Day Beaches ... Besuche AIDA-Tour (Bild: Les Plages du Débarquement, Cap West)

Unser Bus bringt uns vom AIDA-Liegeplatz im Hafen von Le Havre bis zum Landungsgebiet der alliierten Truppen, also dem Bereich, wo am 06. Juni 1944 und im darauffolgenden langen Sommer das Ende der deutschen Besatzung und schließlich des Zweiten Weltkriegs eingeleitet wurde. Die fünf Landungsabschnitte der Alliierten in der Normandie sowie die ausgedehnten Soldatenfriedhöfe sind auch heutzutage große Anziehungspunkte für Touristen aus aller Welt.

Wir passieren zunächst die östlichste Landezone SWORD Beach, wo neben britischen Streitkräften auch französische Einheiten beteiligt waren, danach durchfahren wir den zweiten Abschnitt JUNO Beach, die einstige Landezone kanadischer Truppen. Unser erstes Ziel ist der dritte Landungsabschnitt GOLD Beach, einst ebenfalls britische Landezone.

Hier hält unser Bus im zentralen Ort Arromanches und als erstes steht dort der Besuch des "Musee du Debarquement" auf dem Programm, also des Museums der Alliierten-Landung, das im Vorjahr bereits mehr als 300.000 Besucher zählte.

Viel los vor dem Museum ... Geschütze satt ... Arromanches unter Waffen ... Viel los im Museum ...
Action im Landungsmuseem ... ... mit vielen Modellen ... ... und Dioramen vom Geschehen ...

Ein entsprechender Auflauf von Besuchern einschließlich Schulklassen erwartet uns hier, die sich um die diversen Schaukästen des Museums drängen und die für die laufenden Vorführungen eines Informationsfilms über diesen Ort vom Personal eingeteilt werden müssen.

Da die deutschsprachige Version des Films erst später läuft, konzentrieren auch wir uns zunächst auf die unterschiedlichen Schaukästen. Wesentlich für diese Landezone ist ein ganz besonderer Sachverhalt, der ihr im Vergleich zu den anderen Abschnitten ein Alleinstellungsmerkmal verleiht und eine wesentliche Rolle für das erfolgreiche Vorrücken der Truppen in der Normandie spielte: Der Mulbery-Fertigteil-Landungshafen ...

Reste vom Mulbery-Fertigteil-Landungshafen ... Senkkästen noch nicht alle versunken ... Bei dem Anblick kann man ins Grübeln kommen ... Zutritt verboten ..!

Wie auch im später gezeigten Film wird in den einzelnen Schaukästen erläutert, was es mit diesem Hafen auf sich hatte. Unabdingbar für den Nachschub der Truppen musste ein Hafen her; da jedoch die vorhandenen und in Frage kommenden Häfen aufgrund der hervorragenden deutschen Verteidigung als nicht einnehmbar erschienen, sollte ein künstlicher neuer Hafen errichtet werden - so die dahinter stehende Idee. Ursprünglich war ein weiterer solcher Hafen auch am Abschnitt Omaha Beach vorgesen, was jedoch aufgrund eines verheerenden Sturms scheiterte. Der hier bei Arromanches gelegene Hafen "Mulberry B" (auch Port Winston genannt) wurde dagegen ein Erfolg.

Der Hafenbau erfolgte nun unter anderem mit versenkten alten Handelsschiffen als Wellenbrecher sowie mit mehr als 100 riesigen Betonblöcken (Phoenix-Senkkästen), von denen etliche noch heute am Strand sichtbar sind. Schaukästen und Film machen sehr anschaulich, wie auf diese Weise ein künstliches Riff, auf 8 km verteilte Betonblöcke und ein Hafen von rund 500 Hektar Größe entstand. Drei anschließend noch errichtete Landungsbrücken mit Verbindungen ("schwimmende Seebrücken") sowie nächtliche Tarnung durch künstlichen Nebel führten schließlich zu einem insgesamt erfolgreichen Ergebnis.

Stolzer Veteran vom Abschnitt GOLD ...Im Zeitraum von 100 Tagen wurden hier im "Port Winston" rund 220.000 Soldaten, 530.000 Tonnen Nachschub und 39.000 Fahrzeuge angelandet. Viele Details zu diesem wesentlichen Einzelaspekt der alliierten Landung finden sich in der Broschüre "Arromanches - Geschichte eines Landungshafens" der OREP Editions (ISBN 978-2-912925-09-I, 5,70 EUR.)

Nach derart vielen Infos verlassen wir das Museum und kommen ins Gespräch mit einem britischen Veteran, der heute in voller Medaillen-Ausrüstung seine ehemalige Landungszone besucht. Er freut sich sehr über unser Interesse und steht minutenlang Rede und Antwort, bis er mit seinen Begleitpersonen weiter zieht.

Es schmeckt: Im Restaurant La Marine ...Wir begeben uns nun in das dem Museum benachbarte Restaurant des Hotels La Marine, wo gemeinsam mit anderen AIDA-Gästen dieser Tour zu Mittag gegessen wird. Das angenehme Lokal mit gutem Blick auf das Meer bringt viele Gespräche zu den bisherigen Eindrücke unserer Tour, etliche dieser Gäste werden wir auch in den nächsten Tagen noch wiedersehen.

Schon bald nach dem Essen müssen wir weiter, um das umfangreiche Programm an diesem Tag absolvieren zu können: Nächstes Ziel unseres Busses ist nun der vierte und wohl berühmteste Landungsabschnitt: Die amerikanische OMAHA Beach.

Das Geschehen hier im Zweiten Weltkrieg erscheint uns irgendwie vertraut: In den weltberühmten Filmen "Der längste Tag" und "Der Soldat James Ryan" wird mehr als eindringlich und stundenlang das erbarmungslose Gemetzel gezeigt, das sich an diesem Strand am 06. Juni 1944 abspielte. Unser Bus hält in der Nähe der Ortes Colleville-sur-Mer, an dessen Küstenabschnitt die Landung des V. US-Korps im Rahmen der Operation Neptune erfolgte, er ist mit rund 10 km Länge der ausgedehnteste Frontabschnitt der alliierten Landung.

Gepflastert war dieser Bereich seinerzeit mit unendlich vielen Wällen und Hindernissen wie Minenfelder, Panzersperren aus Eisenträgern, Stacheldraht und "Rommelspargel" gegen Luftlandungen und Landungsfahrzeuge. Am Ende noch mit 30 Meter hohen Klippen versehen, stellte diese Landezone also jede Menge Schwierigkeiten bereit, die den Alliierten hohe Verluste bescherten und die uns aus den besagten Filmen bestens bekannt sind ...

Trüb verhangen: Omaha Beach ... Ebenfalls verhangen: Normandy American Cemetery
Am Friedhofsdenkmal ... Tränen und Salutieren: Amerikaner vor Ort ... Auch diese Truppe soll wissen was passieren kann ...

Wir schlendern vom Parkplatz am Küstenabschnitt entlang, der von hier oben beim heutigen neblig-verhangenen Wetter kaum erkennbar ist, mit dieser Stimmung jedoch irgendwie passend zum Geschehen erscheint. Aus Zeitgründen können wir leider nicht bis zum Strand hinunter gelangen, sondern müssen schon bald den Fußweg zurück über den gigantischen amerikanischen Soldatenfriedhof nehmen. Der enthält fast 10.000 Gräber, wurde als "World War II Normandy American Cemetery and Memorial" zur Ehrung der bei Operation Overlord gestorbenen US-amerikanischen Soldaten gebaut und steht heute unter amerikanischer Verwaltung.

Das Gelände mit den unendlichen Reihen von Grabkreuzen und den Namen der Gefallenen ist uns ebenfalls aus dem Film "Der Soldat James Ryan" von Steven Spielberg aus dem Jahre 1998 bekannt: In einer Filmszene besucht Ryan das Grab des Captain John Miller vom 2. Rangerbataillon (Tom Hanks), das speziell für den Film auf diesem Friedhof aufgebaut und später wieder entfernt wurde.

Wir erreichen das Denkmal auf dem Friedhofsgelände, eine halbkreisförmige Säulenreihe mit einer Bronzesäule im Zentrum, wo sich eine ganze Reihe von Amerikanern aufgestellt haben und in feierlicher Stimmung einem Sprecher zuhören, der traurige Geschichten erzählt. Einzelne Veteranen salutieren hier und auch Tränen werden selbst von jüngeren Leuten vergossen - es ist wahrlich erstaunlich, was hier mehr als 70 Jahre nach dem Geschehen erlebt werden kann!

Schon bald sitzen wir wieder im Bus, der uns nun noch eine kurze Strecke weiter westlich bringt: Am berühmten "Pointe de Hoc" befinden sich die rund 30 Meter steil abfallenden Klippen, die einst von eben jenem US-amerikanischen 2. Rangerbataillon unter hohen Opferzahlen in kürzester Zeit erklommen wurden, um die oben befindlichen deutschen Artilleriestellungen auszuschalten.

Bunkerreste am Pointe de Hoc Auch drinnen muss man nicht gesessen haben ... Bunkerreste heute begehbar ...
Blick in den Abgrund: Hier herauf kam das 2. Rangerbataillon ... Kein schöner Ausblick im Beobachtungsbunker ...
Stellungsreste ... Auf dem vordersten Bunker: Das Rangerdenkmal ... Touristen auf historischem Gelände ...

Der Blick in die Tiefe lässt den Betrachter selbst heute noch erschauern bei diesen Vorstellungen und auch das Innere eines der Stellungsbunker, den wir betreten, vermittelt keine angenehmeren Empfindungen. Auf dem Beobachtungsbunker, der den Klippen am nächsten liegt, wurde später von Frankreich ein Rangerdenkmal errichtet. Dieses soll irrtümlich in einer Filmszene des "Längsten Tags" zu sehen sein - beim nächsten Mal werden wir darauf achten! Aufgrund der fortschreitenden Erosion der Felsenküste erfolgten hier während der letzten Jahre umfangreiche Bauarbeiten zum Erhalt des historischen Geländes.

Über das heute angemessen gruselig neblig-verhangene Ruinen- und Kraterfeld machen wir uns auf den Rückweg zum Bus, der uns nun zum nahen letzten Ziel der heutigen Exkursion bringen wird: Dem deutschen Soldatenfriedhof von La Cambe, auf dem wir vor unserer Rückfahrt noch einen kurzen Stopp einlegen werden ...

Vor dem deutschen Soldatenfriedhof La Cambe Grabplatten für rund 20.000 Gräber ...

Mittlerweile  hat es sich passend eingeregnet, als wir das Gelände betreten, das offiziell im Jahre 1961 als deutsche Kriegsgräberstätte eingeweiht wurde. Ein auffälliges Hügelgrab mit einem großen Kreuz auf dem Gipfel dominiert das Gelände, im Umfeld davon unzählige Gräber, überwiegend mit Grabsteinen für jeweils zwei deutsche Soldaten. Die halb im Rasen versenkten Platten enthalten zumeist Namen und Dienstgrad der dort bestatteten Gefallenen.

Hügelgrab als Mittelpunkt ...Mit insgesamt über 20.000 Gräbern handelt es sich hier um die größte und bekannteste deutsche Kriegsgräberstätte in der Normandie. Nur wenige Monate später werden wir bei unserer Fahrt nach Irland und zur Fähre in Cherbourg erneut genau an dieser Stelle auf der Nationalstraße N13 vorbeifahren, was uns heute aber noch nicht bewusst ist ...

Es regnet weiter, als wir nach unserem kurzen Aufenthalt schnell wieder den Bus entern: Für heute genug Grusel, Gräber, Eindrücke - es wird Zeit, wieder in die AIDA-Atmosphäre und zur AIDAprima zurückzukehren ...


© 2017 J. de Haas